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Mormonische Familien wohl von Drogengang getötet


Massaker in Mexiko
Mormonische Familien wohl von Drogengang getötet

Von afp
07.11.2019Lesedauer: 3 Min.
Ein Polizist steht Wache auf einem Hügel der gebirgigen Gegend zwischen den nördlichen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua: Bei einem Überfall auf eine Mormonenfamilie in Mexiko sind mindestens sechs Kinder ums Leben gekommen.Vergrößern des BildesEin Polizist steht Wache auf einem Hügel der gebirgigen Gegend zwischen den nördlichen Bundesstaaten Sonora und Chihuahua: Bei einem Überfall auf eine Mormonenfamilie in Mexiko sind mindestens sechs Kinder ums Leben gekommen. (Quelle: Javier Lira/NOTIMEX/dpa-bilder)
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In Mexiko wurden neun Menschen brutal getötet. Behörden glauben, dass die Tötung ein Irrtum im Kampf zwischen rivalisierenden Drogengangs war. Die Angehörigen der Opfer bezweifeln diese Erklärung.

Nach dem tödlichen Überfall auf zwei Mormonen-Familien in Mexiko vermuten die Behörden, dass die drei Frauen und sechs Kinder irrtümlich im Konflikt zwischen zwei Drogenbanden getötet wurden. Nach bisherigem Ermittlungsstand habe das Drogenkartell La Línea eine Todesschwadron gegen die rivalisierende Gang Los Salazar losgeschickt, erklärte die mexikanische Armee am Mittwoch. Die beiden Familien der Todesopfer sind aber überzeugt, dass ihre Angehörigen gezielt ermordet wurden.

Das Kartell La Línea aus dem mexikanischen Bundesstaat Chihuahua habe eine Todesschwadron in die bergige Region zwischen Chihuahua und dem benachbarten Bundesstaat Sonora entsandt, um das Eindringen der rivalisierenden Gang Los Salazar zu verhindern, sagte Armee-Generalstabschef Homero Mendoza. Dabei seien die Mormonen-Familien offenbar zwischen die Fronten geraten. Zunächst hatten die Behörden eine andere kriminelle Bande namens Los Jaguares für die Tat verantwortlich gemacht.

Mehr als 200 Patronenhülsen am Tatort

Bei dem Angriff am Montag waren drei Frauen und sechs Kinder getötet worden. Sechs weitere Kinder wurden verletzt, darunter ein drei Monate altes Baby. Ein zunächst vermisstes achtjähriges Mädchen wurde zehn Stunden nach seinem Verschwinden mehrere Kilometer entfernt unverletzt gefunden.

Nach Angaben von Sicherheitsminister Alfonso Durazo fanden die Ermittler am Tatort mehr als 200 Patronenhülsen des US-Herstellers Remington vom Kaliber 200.223, die üblicherweise in Sturmgewehren eingesetzt wird. Die Todesopfer sollen am Donnerstag und Freitag in Sonora und Chihuahua beerdigt werden.

Kinder haben sich gegenseitig getragen

Ein Angehöriger der Todesopfer, Lafe Langford, schilderte auf CNN, nachdem die Angreifer die Autos der Familien mit Kugeln durchlöchert und eines in Brand gesteckt hätten, hätten sie aus einem anderen Auto die Überlebenden gezogen und ihnen gesagt, sie sollten fliehen. Zwei Jugendliche halfen ihren verletzten und blutenden Geschwistern ins Unterholz, dann holte einer der Jugendlichen Hilfe.

Obwohl die Kinder verletzt gewesen seien und sich in den Bergen einsam gefühlt hätten, hätten sie sich gegenseitig getragen und am Leben erhalten, sagte Langford. Niemand könne sich vorstellen, "was diese Kinder durchgemacht haben".

"Sie wurden ermordet – massakriert"

Lafe Langford junior sagte der Nachrichtenagentur AFP, es habe keine Auseinandersetzung von zwei Drogenkartellen gegeben und "kein Kreuzfeuer, in das unsere Familie geriet". "Sie wurden ermordet – massakriert – allein durch ein Kartell, das von Chihuahua aus agiert."

Adrán LeBarón, Vater und Großvater von einigen der Opfer, sagte dem mexikanischen Fernsehsender Televisa, zwei der überlebenden Kinder hätten berichtet, dass ihre Tante mit erhobenen Händen aus ihrem Geländewagen ausgestiegen sei. Trotzdem sei sie erschossen worden. "Also wo ist da eine Verwechslung? Das hier war kein Irrtum", versicherte LeBarón.

Familien waren schon zuvor im Visier der Banden

Die zwei betroffenen Familien waren bereits in der Vergangenheit von kriminellen Banden angegriffen worden. Benjamín LeBarón, Gründer einer Vereinigung zur Bekämpfung von Bandenkriminalität namens SOS Chihuahua, wurde 2009 ermordet. Er hatte Proteste gegen die Entführung seines 16-jährigen Bruders angeführt. Dieser wurde freigelassen, nachdem seine Familie die Zahlung eines Lösegeldes verweigert hatte.

Die betroffene Mormonen-Gemeinde besteht aus Nachfahren von Mormonen, die im 19. Jahrhundert wegen Verfolgung aus den USA geflüchtet waren. Die Betroffenen hatten die Staatsangehörigkeit beider Länder.


US-Präsident Donald Trump hatte nach dem Angriff zum "Krieg" gegen die Drogenkartelle in Mexiko aufgerufen und die Unterstützung seines Landes angeboten. Der mexikanische Sicherheitsminister Durazo kündigte an, Mexiko und die USA würden bald ein bilaterales Programm gegen die Einfuhr von US-Waffen in sein Land starten. Nach seinen Angaben stammen 70 Prozent der Waffen bei Straftaten in Mexiko aus den USA.

Verwendete Quellen
  • Nachrichtenagentur AFP
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