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Gedenkfeier für NSU-Opfer: Merkel bittet um Verzeihung

Merkel bittet Angehörige um Verzeihung

23.02.2012, 12:12 Uhr | dapd, AFP

Gedenkfeier für NSU-Opfer: Merkel bittet um Verzeihung. Angela Merkel hat bei der Gedenkfeier für die Opfer der Zwickauer Terrorzelle um Verzeihung gebeten (Quelle: dpa)

Angela Merkel hat bei der Gedenkfeier für die Opfer der Zwickauer Terrorzelle um Verzeihung gebeten (Quelle: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die Familien der Opfer der Zwickauer Terrorzelle um Verzeihung gebeten und ihnen vollständige Aufklärung versprochen. Die Morde "sind eine Schande für unser Land", sagte Merkel auf der bundesweit zentralen Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die Opfer rechtsextremistischer Gewalt im Konzerthaus am Berliner Gendarmenmarkt. "So etwas darf sich nicht wiederholen."

Merkel ehrte die Opfer der rechtsterroristisch motivierten Mordserie und ging in ihrer Rede auch auf die Umstände ein. Die Hintergründe hätten "viel zu lange im Dunkeln gelegen". Zu wenige in Deutschland hätten es für möglich gehalten, dass rechtsextremistische Tendenzen dahinter steckten. Viele Angehörige seien über Jahre hinweg selbst im Visier der Sicherheitsbehörden gewesen. "Diese Jahre müssen für sie ein Alptraum gewesen seien", sagte Merkel weiter. "Das ist besonders beklemmend, dafür bitte ich Sie um Verzeihung."

Merkel verspricht "gerechte Strafe" für Täter

"Niemand kann die Trauer und die Verlassenheit auslöschen", sagte die CDU-Vorsitzende vor den 1200 Gästen. "Wir alle können Ihnen heute zeigen, Sie stehen nicht länger allein mit Ihrer Trauer. Wir fühlen mit Ihnen, wir trauern mit Ihnen", betonte Merkel. Sie verspreche als Bundeskanzlerin, "alle Hintergründe aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen".

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Die Kanzlerin hob hervor, dass Deutschland seinen Wohlstand zu einem guten Teil "seiner Weltoffenheit" verdanke. Auch die Zuwanderer prägten das Gesicht Deutschlands. Wichtig sei, dass die Gesellschaft gemeinsam verhindere, dass rechtsextreme Organisationen Zulauf finden. "Für diese Hoffnung und Zuversicht leben wir", schloss die Kanzlerin ihre Rede, die sie in Vertretung für den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff gehalten hatte.

"Aus Worten können Taten werden"

Gefährlich seien nicht nur Extremisten, warnte Merkel. Oft stünden Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit am Anfang eines Prozesses einer schleichenden Verrohung des Geistes. Überall in der Gesellschaft sollten die Bürger ein feines Gespür für Bemerkungen entwickeln: "Aus Worten können Taten werden", mahnte Merkel. Der Kampf gegen Vorurteile, Verachtung und Ausgrenzung müsse täglich geführt werden.

Bewegender Auftritt eines Vaters

In einem bewegenden Auftritt hat auch der Vater des 2006 von Rechtsextremisten ermordeten Halit Yozgat die Gedenkfeier für die zehn Neonazi-Opfer gewürdigt. Er schilderte wie sein Sohn in seinen Armen starb. Zudem dankte er der Bundeskanzlerin für ihre Rede und dem am vorigen Freitag zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff dafür, dass er diese Veranstaltung möglich gemacht habe. "Wir sind seine Gäste. Wir bewundern ihn", sagte Yozgat.

Er dankte für das Angebot finanzieller Unterstützung, betonte aber, Geld wolle seine Familie nicht annehmen. Sie bitte um seelischen Beistand. Statt materieller Entschädigung habe er drei Wünsche. "Unser erster Wunsch ist, dass die Mörder gefasst werden." Auch die Hintermänner müssten aufgedeckt werden. Das Vertrauen seiner Familie in die deutsche Justiz sei groß.

Der zweite Wunsch sei, dass die Holländische Straße, in der sein Sohn in Baunatal geboren wurde und dort in seinem Internetcafé starb, nach ihm benannt werde. Als dritten Wunsch äußerte Yozgat, dass im Gedenken an die insgesamt zehn ermordeten Menschen ein Preis ausgelobt und eine Stiftung gegründet werde. Sämtliche Einnahmen und Spenden sollten krebskranke Menschen bekommen.

Die Gedenkveranstaltung in Berlin wurde von Regierung, Bundestag, Bundesrat und Verfassungsgericht ausgerichtet. Die Verfassungsorgane wollen damit ein Zeichen des Zusammenhalts und Einstehens gegen jede Form von Fremdenfeindlichkeit und Gewalt setzen. Anlässlich des Gedenkens hatten Arbeitgeber und Gewerkschaften für 12 Uhr zu einer Schweigeminute für die Opfer aufgerufen. An den Bundesbehörden in Berlin und Bonn wurde Trauerbeflaggung angeordnet.

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