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WM-Aus für Deutschland: Das ist der Grund für das DFB-Debakel


Deutsches WM-Aus hat einen Grund

Von Florian Harms

Aktualisiert am 02.12.2022Lesedauer: 5 Min.
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DFB-Stürmer Thomas Müller konnte das vorzeitige Aus bei der WM in Katar nicht verhindern.
DFB-Stürmer Thomas Müller konnte das vorzeitige Aus bei der WM in Katar nicht verhindern. (Quelle: IMAGO/Michael Kienzler)
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GM, liebe Leserin, lieber Leser,

hoffenltich haben Sie gut geschlafen u sid fit. Ah, Mist, jetzt hab ich mich vertippt. Passiert ir immer auf diesen kleinen tasteN. Da drückt man schon mal daneben o verliert bei langen Sätzen den Faden, wenn man … äh … na ja. Gut jedenfalls, dass es so viele hilfreiche Abkürgunzen gibt u toll auch, dass die heutigen Handys die Vertipper selbständig korrigieren. Funktoiniert nur heute Morgen bei mir irgendwie nicht, dieses Doofding! Liegt wohl daran, dsas ich ausnahsmweise auf einem Uralt-Apparillo schreibe, u das hat 1 Grund.

Es gibt nämlich ein Jubiläum zu würdigen, und zur Feier des Tages reiße ich mich jetzt zusammen und tippe meine Botschaft an Sie ganz sorgfältig. Sie sollen sie ja verstehen. Also: Morgen vor 30 Jahren verschickte ein gewisser Neil Papworth, seines Zeichens Ingenieur, die erste SMS. Genau, das sind diese praktischen Kurznachrichten vom "Short Message Service" auf Handys. Seine Botschaft umfasste nur 15 Buchstaben, dazu gleich mehr.

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Vorher möchte ich Ihnen sagen, warum ich dieses Jubiläum für so wichtig halte. Nicht nur, weil die SMS-Technologie im Kern eine deutsch-französische Erfindung war: Friedhelm Hillebrand von der Deutschen Bundespost und Bernard Ghillebaert von der französischen Post PTT entwickelten sie bereits 1984 und bewiesen damit, wie fruchtbar europäische Forschungskooperation sein kann. Von solchen Innovationen würde man sich heute mehr wünschen. Dann wären wir vielleicht nicht so abhängig von amerikanischen Monopolisten wie Facebook, Twitter, Amazon.

Der Jahrestag ist aber auch deshalb bedeutend, weil die SMS, die in den ersten Jahren maximal 160 Zeichen umfasste, die Kommunikation revolutioniert hat: Statt Postkarten schrieb man nun Kurzbotschaften; wem Anrufe zu langwierig oder zu teuer waren, der tippte ein paar Worte ins Display, drückte auf "Senden" – und fertig. Das wirkte nur kurzzeitig unpersönlich, hat dann aber einen eigenen Netzjargon hervorgebracht, der später durch WhatsApp, Signal und Co. veredelt worden ist. Mehr als die Hälfte der deutschen Smartphone-Nutzer verwendet Messaging-Apps, sechs von zehn schreiben SMS: rund acht Milliarden jährlich.

In dieser Sprache genügt für das Wörtchen "und" ein "u", "GN8" bedeutet "gute Nacht" und "HDL" ein zuckersüßes … na, Sie wissen schon. Seit 1998 errät obendrein die fabelhafte Autokorrekturmethode T9, was wir tippen wollen, korrigiert unsere Fehler, vervollständigt angefangene Wörter (und nervt uns manchmal auch, wenn sie seltene Wörter verschlimmbessert). Die Fantastischen Vier haben eine grandiose Hymne auf diese Abkürzungssprache geschrieben. Höre ich immer noch gern. Und weil ich mich als Journalist von morgens bis abends mit vielen Leuten austausche, kann ich mir einen Alltag ohne Kurzbotschaften nicht mehr vorstellen. Seien es Kollegen, Freunde oder der Regierungssprecher: Ich tippe ständig vor mich hin, frage, scherze, lobe, fluche.

So wie gestern Abend beim WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Costa Rica, das furios begann, sich zur Zitterpartie entwickelte und als Debakel endete: 4:2 gewonnen, aber trotzdem alles verloren, weil zeitgleich Japan die Spanier besiegte. Der wohl bitterste Sieg der deutschen WM-Geschichte. Das DFB-Team muss in Katar schon nach der Vorrunde die Koffer packen, aus, vorbei. So wie schon vor vier Jahren bei der WM in Russland.

Das ist hart, aber folgerichtig. So ist das eben, wenn man gleich das Auftaktspiel (gegen Japan) verliert, dann nur ein Unentschieden (gegen Spanien) holt und schlussendlich von den Ergebnissen der anderen Gruppenspiele abhängig ist. Es ist auch logisch, wenn die Leistung nur durchwachsen ausfällt. Fünf Gegentore in drei Gruppenspielen. Engagierte Angreifer um Musiala und Gnabry, die aber Chancen im Minutentakt vergeben. Ein flattriges Mittelfeld ohne echten Chef. Die Abwehr löchrig wie ein Schweizer Käse. Und im Tor ein verzweifelter Kapitän Manuel Neuer, der vier Hände gebraucht hätte, um all die Fehler seiner Vorderleute auszubügeln. "Jetzt muss Deutschland die Heimreise antreten. Und man muss sagen: Selbst schuld", schreibt unser WM-Reporter Benjamin Zurmühl in seinem Kommentar.

Bundestrainer Hansi Flick hat vor dem gestrigen Spiel angedeutet, dass er im Falle eines frühen WM-Aus erklären wolle, was im deutschen Fußball falsch läuft. Auf diese Analyse darf man jetzt gespannt sein. Warum zählt Deutschland seit Jahren nicht mehr zu den führenden Kickernationen? Ist die Elf keine Turniermannschaft mehr, die sich selbst in Krisensituationen beherzt zum Erfolg zurückkämpfen kann? Wo liegt das grundsätzliche Problem: bei den Spielern, beim Trainer, beim Deutschen Fußball-Bund? Sollte Flick jetzt zurücktreten, wie es mein Kollege Florian Wichert fordert? Ist das DFB-Team womöglich ein Spiegelbild der Mentalität im Land, wo sich ebenfalls viele Leute lieber zurücklehnen, statt selbst anzupacken?

Stoff genug für tagelange Debatten. Aber nicht mehr für diesen Text. In dem verrate ich Ihnen nur noch, wie die allererste SMS von Mister Papworth lautete: schlicht und einfach "Merry Christmas". Wenigstens darauf können wir uns heute noch ebenso freuen wie vor 30 Jahren.


Bild des Tages

(Quelle: Lisi Niesner/Reuters)

Max Beckmanns "Selbstbildnis gelb-rosa" aus dem Jahr 1943 ist für 20 Millionen Euro versteigert worden: der höchste jemals für ein Kunstwerk bei einer Auktion in Deutschland erzielte Preis. Eine Schweizer Sammlung hat das Werk gekauft.


Verquere Debatte

Mit einem "Chancen-Aufenthaltsrecht" wollen SPD, Grüne und FDP gut integrierten Ausländern in Deutschland eine dauerhafte Bleibeperspektive geben. Heute stimmt der Bundestag über das Gesetz ab – und die oppositionelle Union muss dabei mit Abweichlern in den eigenen Reihen rechnen: Eine Gruppe von Abgeordneten um den ehemaligen CDU-Chef Armin Laschet und Ex-Generalsekretär Hermann Gröhe hat Sympathie für die Ampelpläne geäußert.

Ganz andere Töne sind aus München zu vernehmen, wo sich die Innenminister der Bundesländer zu ihrer Herbsttagung treffen. Da fordert Gastgeber Joachim Hermann von der CSU "die beschleunigte Rückführung derer, die kein Aufenthaltsrecht haben", und wettert gegen "die großen sozialpolitischen Versprechungen der Bundesregierung", die "ständig neue Anreize" für Flüchtlinge setzten, nach Deutschland zu kommen. Ins selbe Horn stößt der sächsische CDU-Innenminister Armin Schuster ("wenn der Rechtsstaat bei der Frage der Ausreisepflicht keine Zähne zeigt, dann ist das Asylsystem am Ende"), was wiederum seinen Thüringer SPD-Kollegen Georg Maier an einen "Kulturkampf von rechts" erinnert. Wie wäre es mit etwas mehr Nüchternheit in dieser wichtigen Debatte?

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Heikler Preis

Großer Bahnhof in Düsseldorf: Zur Verleihung des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, mit dem Spitzenleistungen beim Umweltschutz und soziale Standards in Wirtschaft, Kommunen und Forschung gewürdigt werden, reisen sowohl Kanzler Olaf Scholz als auch Bundestagspräsidentin Bärbel Bas an. Bleibt zu hoffen, dass der Jury nicht wieder ein Fehlgriff unterläuft wie 2020 bei Fynn Kliemann.


Was lesen?

(Quelle: TopFoto/ullstein-bild)

Vor 40 Jahren gelang eine medizinische Sensation. Mehr erfahren Sie auf unserem Historischen Bild.


Satellitenaufnahmen aus Russland wecken Sorgen in der Ukraine. Mein Kollege David Schafbuch berichtet von einer neuen Bedrohung.


Das Mullah-Regime geht immer brutaler gegen die Demonstranten im Iran vor. Greifen nun die mächtigen Revolutionsgarden nach der Macht? Unser Außenpolitikredakteur Patrick Diekmann analysiert die Lage.



Was amüsiert mich?

Die Energiekrise hat auch ihre absurden Seiten.

(Quelle: Mario Lars)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

Herzliche Grüße

Ihr

Florian Harms
Chefredakteur t-online
E-Mail: t-online-newsletter@stroeer.de

Mit Material von dpa.

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