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Von der Ukraine eingekesselt in Lyman: Jetzt könnte Putin Tausende Soldaten verlieren


Jetzt könnte Putin Tausende Soldaten verlieren

  • Josephin Hartwig
Von Josephin Hartwig, Patrick Diekmann

Aktualisiert am 30.09.2022Lesedauer: 5 Min.
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Russische Soldaten um Donezk: Sie sollen in Lyman eingekesselt sein.
Russische Soldaten in der Region Donezk: Tausende Kämpfer sollen in Lyman eingekesselt sein. (Quelle: IMAGO/Ilya Pitalev)
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Die russische Armee gerät im Osten der Ukraine zunehmend in Bedrängnis, nun wurde offenbar Lyman eingekesselt. Putin droht die nächste herbe Niederlage.

Russland steht im Ukraine-Krieg vor der nächsten empfindlichen Niederlage. Nach einigen Tagen, in denen sich der Frontverlauf kaum verändert hat, steht die ukrainische Armee kurz davor, Lyman einzunehmen. Besonders fatal: In der strategisch wichtigen Stadt in der Region Donezk sollen die russischen Truppen mittlerweile eingekesselt worden sein. Dem russischen Präsidenten Wladimir Putin droht deshalb nicht nur ein weiterer militärischer Rückschlag. Seine Front im Nordosten der Ukraine könnte erneut kollabieren.

Ein Überblick über die militärische Lage:

Wie ist die aktuelle militärische Lage in der Ukraine?

Die russische Armee gerät im Nordosten der Ukraine immer massiver unter Druck – auch im Süden in der Region Cherson hat die Ukraine ihre Gegenoffensive weiter verstärkt. Moskau scheint aktuell das Problem zu haben, dass es an zu vielen Stellen der langen Frontlinien starke Vorstöße der Ukraine gibt. Die russische Armee hingegen hat nicht genug Ausrüstung, um im Nordosten und im Süden gleichzeitig stabile Verteidigungslinien aufzubauen. Auch die US-Denkfabrik "Institute for the Study of War" berichtet von einem ukrainischen Bodenmanöver im Raum Cherson. "Die russischen Streitkräfte setzen neu mobilisierte Truppen ein, um die Frontlinie im Gebiet Cherson zu verstärken", schreibt das Portal in seiner täglichen Analyse. "Ukrainische Truppen griffen weiterhin russische Logistik-, Transport- und Militäranlagen im Oblast Cherson an."

Diese Angriffe sind schmerzhaft für Russland, weil Putins Armee immer größere Probleme hat, ihre Truppen nordwestlich vom Fluss Dnipro zu versorgen. Deshalb versucht sie, die modernen westlichen Raketenwerfer der Ukraine mit iranischen Kamikaze-Drohnen zu attackieren. Im Osten bildeten in den vergangenen Tagen die Städte Lyman und Bachmut das Zentrum erbitterter Kämpfe. Beide liegen im Oblast Donezk, nur knapp 70 Kilometer voneinander entfernt, aber unterschiedlicher könnte die Lage in diesen wichtigen strategischen Punkten nicht sein: Die ukrainische Armee steht offenbar kurz vor der Rückeroberung von Lyman. Russland soll hingegen weiterhin versuchen, Bachmut einzunehmen – viele Ortschaften sind stark umkämpft.

Was ist in Lyman genau passiert?

Der Chef der Donezker Separatisten, Denis Puschilin, bestätigte, dass Lyman fast komplett durch ukrainische Truppen eingeschlossen wurde: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist Lyman in einem Halbkessel, die Straße nach Swatowe ist unter unserer Kontrolle, steht aber periodisch unter Beschuss", schrieb der 41-Jährige aus Moskau beim Nachrichtendienst Telegram. Die benachbarten Orte Jampil und Drobyschewe seien nicht mehr komplett unter Kontrolle der russischen Truppen. Reserven würden herangezogen.

Ein Militärblogger kam in der Nacht zu der gleichen Einschätzung: "Gegen Mitternacht ist es den ukrainischen Truppen gelungen, Lyman faktisch einzukesseln", schrieb der russische Militärblogger "Rybar". Die Ortschaft Stawky im Norden Lymans sei gefallen, östlich von Lyman, in Saritschne, gebe es Straßenkämpfe. Die ukrainische Eroberung von Stawky bestätigte auch der russische Militärblogger Semjon Pegow. Auf Twitter kursierte zudem ein Foto, auf dem zu sehen sein soll, wie russische Truppen aus dem Gebiet fliehen.

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"Die Straße zwischen Lyman und Torske befindet sich unter ständigem Feuer des Gegners", berichtete Rybar weiter. Die Straße nach Torske war nach dem Vorstoß der ukrainischen Kräfte westlich und nördlich von Lyman die einzige Nachschub-Verbindung der russischen Garnison in der Stadt. Zudem berichtet der Blog von einem ukrainischen Sturm auf die Stadt Jampil, südöstlich von Lyman. "Wenn nicht innerhalb von 24 Stunden entschiedene Maßnahmen vonseiten der russischen Militärführung getroffen werden, erwartet Lyman das Schicksal von Balaklija", warnte "Rybar". Balaklija war Anfang September von der Ukraine befreit worden.

Welche strategische Bedeutung hat die Kleinstadt?

Mit der Rückeroberung von Balaklija haben die ukrainischen Truppen eine Großoffensive im Gebiet Charkiw begonnen, infolge derer Kiew fast den ganzen Oblast wieder unter seine Kontrolle brachte und die russischen Truppen zu einem hastigen Rückzug zwang. Sollte der Ukraine die Eroberung von Lyman gelingen, öffnet sich für das ukrainische Militär der Weg nach Swatowe und Kreminna und damit tief in das Gebiet Luhansk hinein, das Moskau seit dem Sommer weitgehend erobert hatte. So schätzen es Analysten ein.

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Lyman sei ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt, heißt es von der ukrainischen Zivilarmee auf Twitter. Lyman verbindet den Donbass und Charkiw. Er gilt im Zuge des russischen Angriffskrieges als einer der wichtigsten Versorgungspunkte für Putins Armee, die in dem Tal der "New York Times" zufolge einen Stützpunkt errichtet hat. Die Region ist von Feldern, Baumreihen und Flüssen durchzogen und könnte auch von der ukrainischen Armee als zentrale Versorgungsroute für weitere Kämpfe im Osten genutzt werden. Auch deshalb ist die Eroberung so wichtig – Kiew würde damit die Versorgung der Soldaten sicherstellen.

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Was bedeutet die Einkesselung für russische Soldaten?

Die Lage für die russische Armee in Lyman ist katastrophal, weil sie dadurch von der Versorgung abgeschnitten ist. Im bisherigen Kriegsverlauf war immer wieder zu beobachten, dass die angreifende Seite eine Passage offen ließ, damit sich die Verteidiger vor einer drohenden Einkesselung zurückziehen konnten. Dieses taktische Vorgehen minimiert die Verluste auf beiden Seiten und man konnte es bei der russischen Offensive gegen den Nordosten im Frühsommer oft beobachten. Wenn der Kreml allerdings zu dem Schluss kommt, dass Lyman um jeden Preis gehalten werden muss, dann drohen Tausende russische Soldaten getötet zu werden oder in Kriegsgefangenschaft zu geraten.

Irgendwann werden den Verteidigern Lebensmittel und Munition ausgehen und sie werden darauf angewiesen sein, Waffen und Ausrüstung von den Angreifern zu erbeuten. Auf diese Weise konnten auch die Verteidiger im Asow-Stahlwerk in Mariupol noch lange durchhalten. Aber die russischen Truppen in Lyman sind klar im Nachteil. Die Ukrainer verteidigen ihr Land, sie kennen sich in den Städten besser aus und Partisanen unterstützen die Ukraine bei ihrer Gegenoffensive hinter den feindlichen Linien mit Aufklärung und Sabotageakten. Wenn die russische Armee sich nicht zurückzieht, droht ihr in Lyman sicherlich die nächste katastrophale Niederlage mit dem Verlust von vielen Soldaten und Ausrüstung.

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Was bedeutet die Einkesselung für den weiteren Verlauf des Krieges?

Die russische Kriegslogistik im Nordosten der Ukraine dürfte nach dem Verlust von Lyman deutlich erschwert werden. Die Wege für Nachschub werden länger und somit wird es für Moskau immer schwieriger, auf Lücken in der Front zu reagieren. Das gibt der ukrainischen Armee mehr Möglichkeiten, in Lücken, die sich auftun werden, weiter vorzustoßen. Da nun auch mehrere Brückenköpfe über den Oskil gehalten werden konnten, ist es wahrscheinlich, dass die Ukraine ihre Gegenoffensive fortsetzen kann. Die aktuelle Lage zeigt das Dilemma, in dem sich die russische Armee momentan befindet. In Bachmut soll die russische Söldnergruppe Wagner kämpfen und dort scheint es für den Kreml militärisch besser zu laufen als weiter nördlich, wo die russische Armee momentan offenbar Lyman verliert.

Das zeigt vor allem eines: Die Reservisten und Freiwilligen der russischen Armee haben nicht viel Kampferfahrung, sie wurden teilweise nur schlecht ausgebildet und viele Führungsoffiziere sind in dem Krieg bisher gefallen. Um eine stabile Verteidigungslinie zu errichten, müssten sie sich eigentlich zurückziehen und neu formieren. Aber das lässt Putin nicht zu – im Gegenteil: In Cherson beispielsweise untersagte er der russischen Armee den Rückzug auf die südöstliche Seite des Dnipro. Das wäre militärisch sinnvoll gewesen, aber der russischen Führung geht es auch um den drohenden Gesichtsverlust.

In jedem Fall wird Russland in den kommenden Wochen versuchen, die Verteidigungslinien zu stabilisieren, immerhin gehören die Regionen in Putins Verständnis im Dombas nach der Annexion zur Russischen Föderation, auch wenn nur Russland die Farce der Scheinreferenden anerkennt. Doch eine Verteidigung dieser Gebiete wird schwierig, weil es Putin dort an Soldaten und Ausrüstung fehlt. Daran wird auch die Teilmobilmachung in Russland in den kommenden zwei Monaten nichts ändern.

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Verwendete Quellen
  • Eiegene Recherche
  • Nachrichtenagenturen dpa und Reuters
  • nytimes.com: Two Cities, Two Armies: Pivot Points in the Fight in Ukraine’s East (englisch)
  • understandingwar.org: RUSSIAN OFFENSIVE CAMPAIGN ASSESSMENT, SEPTEMBER 29 (englisch)
  • tagesspiegel.de: Schlachten um Lyman und Bachmut (kostenpflichtig)
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Von Daniel Mützel, Kupjansk
ChersonDonezkKiewMilitärMoskauRusslandTwitterUkraineWladimir Putin

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