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Selenskyj warnt vor falschen Botschaften mit Leichen


Geschmackloser Telegram-Trend
Selenskyj warnt vor falschen Botschaften mit Leichen


Aktualisiert am 07.01.2023Lesedauer: 3 Min.
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Wolodymyr Selenskyj (Archivbild), ukrainischer Präsident: Sein Büro appelliert, sich nicht an der Verbreitung von Fake-Fotos zu beteiligen. (Quelle: IMAGO/Oliver Contreras - Pool via CNP)

Russland kritisiert Fotos, auf denen tote Soldaten zu Schriftzügen und Botschaften drapiert sind. Die Fotos sind nicht echt, aber selbst viele Ukrainer wenden sich beschämt ab.

Es war schon bekannt, dass Aufnahmen von russischen Soldaten gefälscht sind, deren Leichen, zu bestimmten Botschaften arrangiert, in den Schnee gelegt wurden. Anfang März 2022 hatten russische Faktenchecker den ukrainischen Fake entlarvt: Anders als behauptet, haben Ukrainer kein "Z" aus Leichen von russischen Soldaten im Schnee geformt und anschließend fotografiert. Das russische Symbol des Überfalls auf die Ukraine war am Computer mit einem Bildbearbeitungsprogramm zusammengesetzt worden.

Fast ein Jahr später verbreiten russische Social-Media-Accounts nun erneut solche Bilder, manche Betrachter halten sie für echt. Auch in der Ukraine lösen sie eine Diskussion aus. Steht es Menschen in dem angegriffenen Land zu, die Angreifer so zu verhöhnen?

Zeichen für Schwäche und Dummheit

Die Frage hat Oleksij Arestowytsch beantwortet, Nationaler Sicherheits- und Verteidigungsberater im Büro von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Der Mann, der täglich Briefings hält, lehnt die "Scherze" ab und stößt damit auf ein geteiltes Echo. "Wer mit den Feinden im Grad der Brutalität gleichzuziehen versucht, verliert damit gegen die Feinde", schreibt Arestowytsch und bittet die Menschen, sich nicht an der Verbreitung der Fotomontagen zu beteiligen.

Arestowytsch ist nicht irgendwer: Er hat erklärt, für das Präsidentenamt kandidieren zu wollen, falls Selenskyj bei der nächsten Wahl nicht antritt. Der frühere Geheimdienstoffizier erwähnt auch, dass solcherlei Bilder auch für die Außenwirkung fatal seien. Er wolle gar nicht groß auf das Selbstverständnis, "wir sind eine europäische Armee eines europäischen Landes" und die mögliche "Reaktion des Westens" eingehen. Ihm gehe es vor allem darum: "Ich möchte Ihre persönlichen Seelen retten."

Wer sich daran beteilige, zeige damit ein gewisses Maß an Bestialität und den Wunsch, das auch noch zu dokumentieren. Für ihn seien das "Zeichen für persönliche Schwäche und Dummheit", kritisierte er. Viele Ukrainer reagieren mit Verständnis für seine Ermahnung. Es gibt aber auch differenzierte Gegenstimmen, es handle sich bei den Darstellungen um tiefschwarzen Humor, der für viele Menschen auch ein Ventil in dem grausamen Krieg bedeute.

Bot liefert Bild mit gewünschtem Text

Warum sich die Bilder jetzt so schnell verbreiten? Es ist sehr leicht, sie zu erstellen. Ein bestimmter Telegram-Bot erledigt das: Nutzer schicken den Text, der Bot antwortet prompt mit einem Foto, in dem die Schrift aus vermeintlichen Leichen gebildet wird.

Die Idee dazu war offenbar entstanden, nachdem sich ein derartiges Bild vom 1. Januar viral verbreitet hatte. An jenem Tag, dem Geburtstag von Stepan Bandera, war dessen Porträt aus vermeintlichen Körpern gebildet worden und hatte in der Ukraine für viel Gesprächsstoff gesorgt.

Bandera ist in der Ukraine eine Symbolfigur aufgrund seines Strebens nach einem eigenen Staat in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Er ist allerdings wegen seines Antisemitismus und seiner anfänglichen Kollaboration mit den Nazis umstritten, er wurde 1959 in München von einem Agenten des sowjetischen Geheimdienstes ermordet.

Bekannter Komiker verbreitete ein Fake-Foto

Die Fotoaktion erhielt rasch einen Schub, weil sich auch der Komiker Swiat Zagajkiewitsch daran beteiligte. Er war in den vergangenen Wochen in der Ukraine auf Tour, leitete 20 Prozent seiner Einnahmen an die Streitkräfte der Ukraine weiter. Er postete eines der ersten Bilder auf Twitter. Sehr schnell verbreitete sich ein Bild mit dem Text "19. Berufsschule Makiijvka". Dort sind beim Beschuss mit dem amerikanischen Raketenwerfer Himars nach russischen Angaben 89 Soldaten getötet worden, die Ukraine nannte eine deutlich höhere Zahl.

Über die Bilder empörte sich auf ihrem Telegram-Kanal auch die Deutsche Alina Lipp. Gegen sie wird ermittelt, weil sie aus dem Donbass und aus Russland mehr oder weniger unverhohlen Propaganda für Russland macht. Gerade erst teilte sie selbst ein Video, in dem Ukrainer als Schweine dargestellt sind. In ihrem Kanal verharmlost sie mit ihren Äußerungen mörderische Angriffe der Russen oder streitet sie ab. Bei den Photoshop-Bildern ist sie aber sehr empfindlich – sie schrieb: "Das ist das absolut Böse. Es wird mit aller Wucht zu ihnen zurückkommen. Karma ist so eine Sache ..."

Verwendete Quellen
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