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Mit Hochdruck gesucht: Medikament gegen Corona-Erkrankung

Von dpa
Aktualisiert am 19.03.2020Lesedauer: 3 Min.
Eine Apothekerin mit Mundschutz in Spanien.
Eine Apothekerin mit Mundschutz in Spanien. (Quelle: Eduardo Parra/Europa Press/dpa./dpa)
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Berlin (dpa) - Die Welt stemmt sich gegen das neue Coronavirus. Mit Ausgangssperren, Grenzschlie├čungen und Quarant├Ąnema├čnahmen. Ein zielgerichtetes Medikament gegen die von Sars-CoV-2 verursachte Lungenerkrankung Covid-19 geh├Ârt bislang nicht zum Arsenal im Kampf gegen die Pandemie.

Doch die Forschung l├Ąuft auf Hochtouren. Experten setzen vor allem darauf, Medikamente einzusetzen, die bereits f├╝r andere Anwendungen erprobt sind. Diese m├╝ssten dann vor ihrer Zulassung nicht mehr so aufwendig getestet werden.

So wollen T├╝binger Mediziner das Medikament Chloroquin im Kampf gegen Corona-Erkrankungen testen. Bereits in der kommenden Woche soll mit einer Studie an Menschen begonnen werden. Chloroquin ist eigentlich ein Medikament gegen Malaria. Es wirke aber auch gegen viele Viren, sagen die Forscher. Auch gegen Sars-CoV-2, wie zumindest Versuche im Reagenzglas zeigten.

Die meisten Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 anstecken, ben├Âtigen keine Medikamente. Etwa 80 Prozent der Infizierten erholen sich nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO ohne besondere Behandlung. Doch es kann auch zu einem schweren Krankheitsverlauf mit Atemproblemen kommen. Meist sind das Menschen aus Risikogruppen wie Krebskranke in Chemotherapie, ├Ąltere Menschen und solche mit Vorerkrankungen.

"Sie werden behandelt wie ein Patient, der eine schwere Lungenentz├╝ndung hat - nur dass wir eben kein Antibiotikum haben wie bei einer bakteriellen Infektion", erl├Ąutert Susanne Herold, die an der Justus-Liebig-Universit├Ąt Gie├čen eine Professur f├╝r Infektionskrankheiten der Lunge hat. Die Patienten w├╝rden etwa mit Sauerstoff versorgt oder k├╝nstlich beatmet.

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Bislang gibt es keinen Impfstoff, der eine Ansteckung unterbindet. Ein spezifisch wirkendes Medikament k├Ânnte helfen, schwere Verl├Ąufe abzumildern oder gar zu verhindern. Schaut man bei ClinicalTrials.gov, der gr├Â├čten Datenbank zu klinischen Studien, nach Studien zu Covid-19, die in Vorbereitung sind oder bereits Teilnehmer aufnehmen, landet man derzeit bei deutlich mehr als 50 Treffern. In zahlreichen dieser Untersuchungen werden Medikamente oder Wirkstoffe getestet, die bereits im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen entwickelt und untersucht wurden - darunter neben Chloroquin das Hepatitis-Pr├Ąparat Ribavirin und ein Mittel gegen Multiple Sklerose (Fingolimod).

"Repurposing" nennen Fachleute diese Herangehensweise, bei denen bereits f├╝r einen bestimmten Zweck getestete Mittel f├╝r einen anderen Zweck umgewidmet werden. Die meisten der klinischen Studien laufen in China, weil es dort die gr├Â├čte Anzahl an Patienten gibt, die daran teilnehmen k├Ânnen.

F├╝r die Pr├╝fung infrage kommen nach Angaben des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) unter anderem Substanzen, die die Vermehrung von Viren hemmen oder die verhindern, dass sie in die Zellen eindringen, sogenannte Virostatika.

Gro├če Hoffnungen setzen Fachleute auf die Substanz Remdesivir. Sie wurde urspr├╝nglich gegen Ebola-Infektionen entwickelt, brachte aber in der klinischen Pr├╝fung keine guten Ergebnisse. Eine gewisse Wirksamkeit zeigte sich gegen das Mers-Coronavirus, das 2012 entdeckt wurde. Nun wollen Mediziner pr├╝fen, ob sich der Wirkstoff m├Âglicherweise auch zur Behandlung von Covid-19 einsetzen l├Ąsst.

Derzeit laufen f├╝nf Studien - in China und den USA - mit dem Mittel. Erste Patienten haben Remdesivir bereits erhalten, in den USA sind darunter Covid-19-Patienten von Bord der "Diamond Princess", jenem Kreuzfahrtschiff, das zwei Wochen lang wegen des Coronavirus im Hafen von Yokohama in Japan unter Quarant├Ąne gestellt worden war. Anfang April k├Ânnten erste Ergebnisse vorliegen. Bis ein offiziell zugelassenes Medikament - egal mit welchem Wirkstoff - verf├╝gbar ist, d├╝rften aber noch viele Monate vergehen.

Um klinische Studien kommt man aber auch bei bereits bekannten Mitteln nicht herum. Man spart allerdings bei der Zulassung eines Pr├Ąparats im besten Fall Zeit. "In einem Zulassungsverfahren werden drei grundlegende Dinge gekl├Ąrt, n├Ąmlich die Wirksamkeit, die Vertr├Ąglichkeit und die technische Qualit├Ąt eines Medikaments", erl├Ąutert vfa-Sprecher Rolf H├Âmke. "Ist ein Medikament bereits f├╝r eine andere Anwendung zugelassen, ist die Vertr├Ąglichkeit gepr├╝ft und die technische Qualit├Ąt belegt. Nachgewiesen werden muss nach wie vor, dass das Mittel gegen die Krankheit wirkt."

Bereits erforschte Wirkstoffe k├Ânnen also unter Umst├Ąnden schneller in die Phase der klinischen Pr├╝fung eintreten, in der das Mittel an gr├Â├čeren Patientengruppen getestet wird - und dann bei erfolgreicher Testung auch schneller zugelassen werden.

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