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Aufbau der Gr├╝nen Mauer in Afrika kommt nur langsam voran

Von dpa
19.05.2022Lesedauer: 4 Min.
Eine Landwirtin arbeitet auf dem Feld im Rahmen eines Waldgartenprojekts von Trees for the Future in Kaffrine (Senegal).
Eine Landwirtin arbeitet auf dem Feld im Rahmen eines Waldgartenprojekts von Trees for the Future in Kaffrine (Senegal). (Quelle: Xaume Olleros/Trees for the Future/dpa./dpa)
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Kapstadt/Abidjan (dpa) - Es ist ein ehrgeiziges Pflanzprojekt im Kampf gegen die Ausbreitung der W├╝sten und die Verschlechterung von B├Âden: Die sogenannte Gr├╝ne Mauer soll sich ├╝ber rund 8000 Kilometer vom Senegal im Westen durch die gesamte Sahelregion bis nach Dschibuti im Osten des Kontinents ziehen.

Etwa 100 Millionen Hektar degradiertes Land - knapp drei Mal die Fl├Ąche Deutschlands - sollen bis 2030 wieder fruchtbar gemacht und bepflanzt werden. Davon w├╝rden mehr als 230 Millionen Menschen in der Region profitieren. Auch auf der noch bis Freitag dauernden Weltbodenkonferenz in Abidjan (Elfenbeink├╝ste) war die Gr├╝ne Mauer ein gro├čes Thema.

Gr├╝ne Mauer soll viele Probleme l├Âsen

Bei dem Projekt geht es um weit mehr als "nur" das Pflanzen von B├Ąumen. Die Gr├╝ne Mauer soll helfen, Klimawandel, D├╝rren, Hungersn├Âte, Konflikte, Migration und Landver├Âdung zu bek├Ąmpfen. Die neuen Pflanzen k├Ânnten 250 Millionen Tonnen Kohlenstoff binden und 10 Millionen gr├╝ne Arbeitspl├Ątze schaffen, berichtet die Afrikanische Union (AU), die das ambitionierte Projekt 2007 startete. Gesicherte Einkommen geh├Âren zu den wichtigsten Ma├čnahmen zur Bek├Ąmpfung von Fluchtursachen in der Region.

Der letzte, vor zwei Jahren ver├Âffentlichte Zwischenbericht im Auftrag der Vereinten Nationen hatte klar gemacht, dass bis zum Jahr 2030 noch viel zu tun sein wird: Je nach Abschnitt habe das Projekt seit dem offiziellen Start erst 4 bis 20 Prozent der Ziele erreicht. In 15 Jahren seien erst gut 15 Millionen Hektar begr├╝nt worden.

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Es fehlt Geld

Hinzu kommen Finanzierungsl├╝cken, hie├č es in einem Anfang Mai im Fachzeitjournal "Nature" ver├Âffentlichten Artikel. W├Ąhrend die Zielmarke der afrikanischen Regierungen und internationalen Geber bei 30 Milliarden Dollar (28,5 Milliarden Euro) liege, seien bislang nur 19 Milliarden zustande gekommen. Auch Konflikte in der Region, etwa in Mali und Burkina Faso, erschweren die Umsetzung des Projekts.

Kritiker bem├Ąngeln zudem, dass f├╝r einen m├Âglichst raschen Erfolg der Gr├╝nen Mauer ├╝berwiegend schnell wachsende B├Ąume und andere Pflanzen eingesetzt w├╝rden. Als ├ľkosystem h├Ątten sie aber bei weitem nicht den gleichen Nutzen wie ein Naturwald.

Kampf gegen die W├╝ste Frage der Existenz

Rund 90 Prozent der Menschen in der Region leben nach Angaben der Organisation "SOS Sahel" von der Landwirtschaft. Bis 2050 wird die Bev├Âlkerung Sch├Ątzungen zufolge auf rund 500 Millionen Menschen anwachsen. F├╝r sie ist der Kampf gegen die W├╝ste eine Frage der Existenz. In der Diskussion am Mittwoch in Abidjan wurde daher immer wieder die Bedeutung der Zusammenarbeit mit den betroffenen Menschen hervorgehoben.

Die W├╝stenbildung der Sahelzone, die im Norden an die Sahara grenzt, nimmt aufgrund von Abholzung, Erosion, Versalzung und R├╝ckgang von Wasserressourcen immer mehr zu. In den vergangenen 100 Jahren wuchs die Sahara nach Angaben der amerikanischen National Science Foundation (NSF) um zehn Prozent. Nach dem in der vergangenen Woche vorgestellten UN-D├╝rrebericht entfielen in den vergangenen 100 Jahren knapp 45 Prozent aller D├╝rren weltweit auf Afrika.

"Massenhafte Baumpflanzungen eher kurzsichtig"

Aufforstung in der Sahelzone sei eine "gro├če Herausforderung", sagt Lindsay Cobb, Sprecherin der US-OrganisationTrees for the Future, die in Zusammenarbeit mit der AU, Gr├╝ne-Mauer-Projekte im Senegal, im Tschad, in Mali und in Gambia leitet. Es gehe nicht nur darum, massenhaft B├Ąume zu pflanzen, sondern auch darum sicherzustellen, dass die B├Ąume ├╝berleben. Daf├╝r brauche man das Engagement der Bev├Âlkerung. "Massenhafte Baumpflanzungen, das ist eher kurzsichtig. Man braucht Menschen, die sich um diese B├Ąume k├╝mmern, daf├╝r sorgen, dass sie gew├Ąssert werden, dass keine Tierherde kommt und die jungen B├Ąume vernichtet."

Man darf sich die Gr├╝ne Mauer nicht als buchst├Ąbliches Bollwerk aus Pflanzen vorstellen - auch wenn es urspr├╝nglich einmal so angedacht war. Das Projekt ist vielmehr eine umfassende, l├Ąndliche Entwicklungsinitiative, die einen Flickenteppich aus produktiven Landschaften schaffen will. Allerdings haben L├Ąnder wie der Senegal oder ├äthiopien, wo die Regierung eine j├Ąhrliche Pflanzaktion von Millionen B├Ąumen organisiert, recht gute Fortschritte erzielt.

Bauern werden geschult

Seit knapp zehn Jahren schult Trees for the Future Bauern vor Ort im "Waldgarten"-Anbau. Umgeben von einem "lebenden Zaun" aus B├╝schen und B├Ąumen, der vor Bodenerosion sowie grasendem Vieh sch├╝tzt, wird auf den Feldern eine Vielfalt d├╝rretoleranter Pflanzen angebaut. Weg von der Monokultur, hin zum selbsterhaltenden ├ľkosystem. Die Bauern erhalten laut Cobb au├čerdem ein Training im Wassermanagement, Nutzung von Kompost oder der nat├╝rlichen Bek├Ąmpfung von Sch├Ądlingen.

Innerhalb von zehn Jahren hat die Organisation Trees for the Future rund 50.000 landwirtschaftlichen Betrieben in den vier L├Ąndern geholfen, knapp 34 Millionen B├Ąume zu pflanzen - die alle zur Gr├╝nen Mauer beitragen. "Wir k├Ânnen im Schnitt eine Verbesserung ihres Einkommens um 400 Prozent und ihrer Ern├Ąhrung um 700 Prozent verzeichnen", sagt Cobb.

Einer dieser Bauern ist der Senegalese Saliou Seck. "Vorher wusste ich nur, wie man Hirse und Erdn├╝sse anbaut", erz├Ąhlt er. Doch dann lernte Seck, wie man einen Waldgarten anlegt. Seit er seinen Anbau auf Zuckerrohr, Papaya, Mango, Tomaten, Okra, Chili, Auberginen, Moringa, Maniok und Bananen ausdehnte, erwirtschaftet er ein regelm├Ą├čiges Einkommen.

Unterst├╝tzung aus Deutschland

Unterst├╝tzung im Kampf gegen die Ausbreitung von W├╝ste gibt es auch aus Deutschland: DieDeutsche Gesellschaft f├╝r Internationale Zusammenarbeit (GIZ)sei im Auftrag der Bundesregierung an mehreren Projekten beteiligt, die zur Wiederaufforstung und der W├╝stenbek├Ąmpfung arbeiten - unter anderem in ├äthiopien, im Senegal, in Niger und in Ghana, sagt eine Sprecherin. So werden etwa in ├äthiopien zusammen mit Dorfgemeinschaften Baumschulen angelegt und lokale Baumarten gepflanzt, die trockenresistent sind.

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