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FC Bayern München: Ist der "Bayern-Dusel" nur ein Mythos?


Nur ein Mythos?
Der "Bayern-Dusel" in der Analyse

t-online, Pascal Ludwig

20.12.2014Lesedauer: 5 Min.
Bayern-Torwart Manuel Neuer (re.) umarmt nach dem Last-Minute-Sieg in Mainz Juan Bernat.Vergrößern des BildesBayern-Torwart Manuel Neuer (re.) umarmt nach dem Last-Minute-Sieg in Mainz Juan Bernat. (Quelle: dpa-bilder)
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Von Pascal Ludwig

Nach dem (2:1) schwirrt der Begriff "Bayern-Dusel" mal wieder durch die Medienlandschaft und durch die sozialen Netzwerke. Doch was ist überhaupt dran an diesem "Bayern-Dusel"? Woher stammt der Begriff? Und gelingen dem FC Bayern wirklich mehr Sieg- und Ausgleichstreffer in der Schlussphase eines Spiels als anderen Teams? t-online.de ist der Sache auf den Grund gegangen.

Seit Georg Schwarzenbecks Treffer zum 1:1 in der 120. Minute gegen Atletico Madrid im Finale des Europapokal der Landesmeister 1974 wird bei der Berichterstattung über knappe Bayern-Siege gerne das Wort "Bayern-Dusel" benutzt. Weitere Beispiele - wie Patrik Anderssons Last-Minute-Freistoßtor zur Meisterschaft 2001 - kommen sicher schnell in den Sinn. Von Reportern des hauseigenen FCB.tv auf die "Dusel-Bayern" angesprochen, platzte Uli Hoeneß 2008 der Kragen und er schimpfte: "Sie müssen sich einen anderen Job suchen!"

Seit somit mehr als 40 Jahren sorgt dieser Begriff für Diskussionen. Die Fans in Deutschland lassen sich strikt in zwei Lager trennen. Bayern-Gegner benutzen den "Bayern-Dusel" abschätzig, sobald der deutsche Rekordmeister ein Spiel in quasi letzter Minute für sich entscheiden kann. FCB-Anhänger hingegen verweisen bei solchen Partien auf die "Mia-san-mia-Mentalität" des Klubs und dem damit verbunden Erfolgshunger des Teams.

Doch der Begriff "Bayern-Dusel" könnte bereits deutlich länger existieren als seit 1974 und der jüdischen Vergangenheit des FCB entstammen. Hier können Sie mehr darüber lesen.

Vorgehensweise der Datenerhebung

Nun gilt es zu prüfen, ob möglicherweise die Zahlen eine Existenz des "Bayern-Dusels" belegen können. Ist der FC Bayern kurz vor Abpfiff effizienter als andere Klubs? Aufklärung darüber soll die folgende Datenerhebung bringen.

Dazu wird "Dusel" als spielentscheidende Treffer zum Sieg, Unentschieden oder Niederlage ab der 85. Minute definiert. Hat der FC Bayern also im Vergleich zu anderen Teams in der Bundesliga oder der Champions League mehr Spiele in den Schlussminuten für sich entscheiden können als andere Teams? Ab dem Achtelfinale in der Champions League erachten wir im Rückspiel lediglich Treffer als relevant, die den Einzug in die nächste Runde entscheiden oder zur Verlängerung führen.

Diese Daten werden in der Bundesliga jeweils zu Spielen der Bayern, sowie den nationalen Spitzenteams Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Schalke 04 und dem FSV Mainz 05 als Referenz für ein Mittelklasse-Team erhoben. International werden zusätzlich alle Spiele von Manchester United, dem FC Barcelona, Inter Mailand und dem FC Chelsea in der Champions League hinzugezogen.

Bundesliga-Saisons 2009/10 bis 2013/14

In der Bundesliga erzielten die Bayern in 170 Partien im Untersuchungszeitraum 422 Treffer und bekamen 134 Gegentreffer. In elf Spielen (6,5 %) kam es zu spielentscheidenden Treffern für die Bayern nach der 85. Minute, in drei Spielen (1,8 %) erzielten die Gegner der Münchner solche Treffer.

Deutlich mehr spielentscheidende Treffer erzielte ausgerechnet Bayern Münchens letztes "Last-Minute-Opfer". Die 05er konnten 19 Spiele (11,2 %) ab Minute 85 gewinnen oder ausgleichen. Schalke gelang dies in neun Partien. Beim BVB und bei Leverkusen kamen solche Tore in jeweils sieben Spielen vor.

Bezogen auf spielentscheidende späte Gegentreffer steht der Rekordmeister als bestes der fünf Teams da. In nur drei Spielen musste der FCB in den Schlussminuten Tore zu einem Remis oder einer Niederlage hinnehmen. Hier haben Bayer Leverkusen mit zehn, der BVB und der FSV Mainz mit je sieben und Schalke mit vier Spielen jeweils höhere Werte.

Setzt man diese Werte in Relation, entscheiden die Bayern 3,7 mal so viele Spiele in den Schlussminuten für sich, statt dass sie Punkte abgeben müssen und sind damit absoluter Spitzenreiter der untersuchten Teams. Am nächsten kommen noch die Mainzer an diesen Wert heran. Sie holen sich die Punkte aus 2,7 mal so vielen Partien.

Somit scheinen die Bayern in der Bundesliga wirklich effizienter zu sein als andere Teams. Dafür spricht die relative Quote, dass kein Team weniger Spiele ab der 85. Minute hergibt und dass mit dem FSV lediglich ein Team mehr späte, entscheidende Tore schießt als der FCB. Dies kann natürlich auch daran liegen, dass viele Spiele der Bayern schon zu einem deutlich früheren Zeitpunkt entschieden sind.

CL-Saisons 2009/10 bis 2013/14

Im untersuchten Fünf-Jahres-Zeitraum in der Champions League kam der FC Bayern auf insgesamt 59 Spiele, 121 Treffer und 59 Gegentreffer in der Königsklasse. In sechs Partien (10,2 %) fielen wichtige Treffer in der Schlussphase zugunsten des Champions-League-Siegers von 2013, in drei Partien (5,1 %) fielen solche Treffer gegen die Bayern.

Bezogen auf den Absolutwert von sechs Spielen, die durch späte Treffer entschieden wurden, kommt lediglich Manchester United an den Wert des FC Bayern heran. Die Red Devils entschieden fünf Partien durch späte Treffer (10,9 %) und liegen damit im prozentualen Wert sogar leicht vor den Bayern, da die Engländer im selben Zeitraum nur 45 Spiele in der Königsklasse absolvierten.

Weiterhin fällt auf, dass Manchester mit nur einem entscheidenden Gegentreffer in den Schlussminuten als bestes Team in dieser Kategorie dasteht. Gegen den FCB wurden in dieser Kategorie drei Treffer geschossen. Der FC Chelsea, Inter Mailand und der FC Barcelona nahmen ebenfalls drei oder mehr Gegentreffer in den untersuchten Spielminuten hin.

Kurioserweise wurden die Champions-League-Finals 2012 und 2013 durch Treffer in den Schlussminuten entschieden. Im Finale von München gelang Didier Drogba der Ausgleichstreffer, der die Verlängerung und den Sieg im Elfmeterschießen ermöglichte, in der 88. Minute. In Wembley entschied Arjen Robben das Finale gegen den BVB mit seinem Tor in Minute 89. Dies waren jeweils die einzigen späten Treffer, durch die Chelsea 2012 und die Bayern 2013 ein Spiel in der Champions League entscheiden konnten.

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Im Relationsranking ergibt sich folgendes Bild: Manchester United entscheidet fünfmal mehr Partien ab der 85. Minute für sich. Der FC Bayern folgt mit zweimal mehr Spielen. Die übrigen drei Klubs müssen in den letzten Minuten mehr Spiele abgeben, als sie zu ihren Gunsten entscheiden können.

Der FC Bayern und besonders Manchester United scheinen in der Champions League eher in der Lage zu sein, wichtige Treffer nach der 85. Minute zu erzielen. Beide Teams kassieren auch deutlich weniger späte, spielentscheidende Gegentreffer, als die drei weiteren internationalen Spitzenteams Chelsea, Barca und Inter.

Unser Fazit

Es scheint wirklich eine Art Bayern-Bonus in der Schlussphase eines Spiels zu geben. Bei den Ergebnissen weisen die Münchner jeweils in den untersuchten Bereichen die besten oder zweitbesten Werte auf. Damit scheinen sie zum Spielende hin effizienter zu sein als andere Mannschaften. Ob dies nun jedoch mit "Dusel", also einer strittigen Schiedsrichter-Entscheidung oder ähnlichem, zusammenhängt, lässt sich nicht sagen.

Fakt ist dennoch, dass die Bayern in den Schlussminuten deutlich besser abschneiden als andere Teams und in der Öffentlichkeit auch dadurch die Wahrnehmung der "Dusel-Bayern" entsteht.

Trotz all dieser Zahlen bleibt dem Fußball-Fan jedoch ein bekanntes Gegenbeispiel in Erinnerung: 1999 entriss Manchester United den Bayern den fast schon sicheren Triumph in der Champions League nach zwei Toren in der Nachspielzeit. Und so stellt sich schließlich die Frage, ob die internationale Fußball-Welt vielleicht doch nach dem Prinzip von Yin und Yang agiert - dem ewigen Kreislauf des Gleichgewichts.

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