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Borussia Mönchengladbach: Lucien Favres schwierigste Mission

Kommt der Königsklassen-Knick?  

Favres schwierigste Mission bei Gladbach

13.07.2015, 16:12 Uhr | Björn Wannhoff, t-online.de

Borussia Mönchengladbach: Lucien Favres schwierigste Mission. Lucien Favre ist seit über vier Jahren an der Seitenlinie bei Borussia Mönchengladbach. (Quelle: imago images/Team 2)

Lucien Favre ist seit über vier Jahren an der Seitenlinie bei Borussia Mönchengladbach. (Quelle: Team 2/imago images)

Jeden Tag haben die Kicker von Borussia Mönchengladbach es deutlich vor Augen. "Auf, auf in die Champions League", begrüßt sie ein riesiges Banner, das an der Geschäftsstelle angebracht ist. Für jeden unübersehbar, der zum Trainingsplatz der Fohlen fährt. Der größte Erfolg der jüngeren Vereinsgeschichte ist der Höhepunkt einer rasanten sportlichen Entwicklung unter Trainer Lucien Favre. Jetzt misst sich das Team mit den besten Mannschaften der Welt. Dies wird aber nach dem spektakulären Klassenerhalt 2011 zur größten Herausforderung des Trainers.

Das weiß kaum einer besser als der notorische Skeptiker Favre. Der Coach hat selbst schon seine Erfahrungen mit Abstürzen nach großen Erfolgen gemacht. 2009 spielte er mit Hertha BSC bis kurz vor Ende der Saison um die Meisterschaft, wurde Trainer des Jahres und zog mit den Hauptstädtern in die Europa League ein. Einige Monate später war es vorbei mit dem Reiten auf der Erfolgswelle. Nach sechs Pleiten in Folge und Platz 18 feuerte Hertha den Schweizer.

Überhaupt lässt sich unter den Bundesligisten mit unregelmäßigen Teilnahmen an der Champions League ein "Königsklassen-Knick" ausmachen. Ob der Hamburger SV 2001 (13. Platz) und 2007 (7.), der VfB Stuttgart 2008 (6.) oder der VfL Wolfsburg 2010 (8.) – sie alle stürzten in der Liga mehr oder weniger stark ab, während sie gleichzeitig in Europas Eliteklasse spielten.

Zwei Fixpunkte sind weg

Die Borussia ist sich der Gefahren der Dreifachbelastung durchaus bewusst. Die sechs Gruppenspiele allein machen die Hinrunde zu einem Marathonprogramm für die Profis. Deshalb hat der Klub darauf geachtet, den Kader noch breiter aufzustellen als in der vergangenen Saison, als die Fohlen in der Europa League eine passable Rolle spielten und am späteren Titelträger FC Sevilla scheiterten. Mit Lars Stindl von Hannover 96 und dem Leverkusener Josip Drmic sieht sich die Borussia gut gerüstet für die Königsklasse.

Allerdings steht den Neueinkäufen ein beträchtlicher Aderlass gegenüber, zwar nicht in der Menge, aber in der Qualität. Mit Weltmeister Christoph Kramer und Nationalspieler Max Kruse verließen zwei wichtige Stützen das Team. Vor allem der bewegliche Kruse war über zwei Jahre ein Fixpunkt im Offensivsystem Favre. "Wir stehen wieder vor der Aufgabe, zwei wichtige Spieler ersetzen zu müssen. Das wird nicht einfach", erklärt der Trainer dem "Kicker".

Eberl: "Mit den Belastungen müssen wir erst einmal klarkommen"

Als Gladbach 2012 ohne die gewechselten Korsettstangen Dante, Roman Neustädter und Marco Reus in der Europa League kickte, landete die Borussia in der Liga am Ende auf Platz acht. "Wir wissen, dass wir eine unglaublich schwere und neue Situation vorfinden werden. Wir können uns gar nicht vorstellen, was das für ein Druck bedeutet. Mit den Belastungen müssen wir erst einmal klarkommen", warnt Manager Max Eberl in der "Welt".

Es wird bei der Belastung allerdings nicht reichen, Kramer und Kruse eins zu eins zu ersetzen. Vor allem die Breite des Kaders wird noch mehr strapaziert als bisher. Favre begann in der abgelaufenen Saison, auf die Europapokal-Belastungen zu reagieren, wenn auch eher widerwillig. Der 57-Jährige glaubt an Automatismen, "sowohl in der Defensive als auch in der Offensive", wie er nicht müde wird zu betonen.

Genau wie seine Mannschaft wird auch Favre nicht umhin kommen, der Tiefe des Kaders noch mehr als zuvor zu vertauen. Bislang rotierte er vor allem auf den offensiven Außenpositionen mit Patrick Herrmann, André Hahn, Fabian Johnson und Ibrahima Traore, nun wird auch die Defensive nicht alle Partien absolvieren können. Mit dem 18-jährigen Nico Elvedi (kam vom FC Zürich) und dem 19-jährigen Andreas Christensen (ausgeliehen vom FC Chelsea) kommen hier zwei Alternativen dazu. Ob die beiden allerdings für die Bühne Champions League bereit sind, beziehungsweise ob Favre den beiden Youngstern überhaupt eine Chance gibt, scheint zweifelhaft. 

Trumpfkarte niedrige Erwartungshaltung

Als eine wichtige Karte für die neue Saison sehen die Verantwortlichen angesichts der vielen Fragezeichen die niedrige Erwartungshaltung für das "Brot-und-Butter-Geschäft" Bundesliga. Niemand erwartet, dass die Borussia das Vorjahresergebnis mit dem dritten Platz wiederholt. "Der Verein gibt einen einstelligen Tabellenplatz als Ziel aus, das ist auch realistisch", sagte Favre. Dabei weiß der Coach sehr wohl, dass andere dies als Tiefstapelei abtun und die Borussen als Bayern-Jäger sehen: "Damit kann ich leben. So etwas ist normal, wenn man Dritter geworden ist und Champions League spielt."

Wichtig wird vor allem sein, mental mit der Königklasse richtig umzugehen und den Schalter wieder umzulegen, wenn es am Wochenende gegen Ingolstadt oder Hannover geht. Gerade damit tun sich die Neulinge in der Champions League zumeist schwer. "Es gilt, die Momente, die wir erleben, positive wie negative, nicht mit in die Bundesliga zu nehmen. Das wird unsere Hauptaufgabe sein", erklärt Abwehrchef Martin Stranzl.

Vertrauen auf Favre

Während einerseits die Euphoriebremse wieder heißläuft, spürt man andererseits rund um den Borussia-Park das gewachsene Selbstvertrauen. Nach einer historisch starken Rückrunde fühlt man sich gerüstet für die internationale Elite. Favre, der Taktikfuchs und Detailarbeiter, so hat man den Eindruck, wird auch die nächste Hürde mit dem Verein nehmen. "Er hat schon jetzt eine Ära geprägt", bringt Eberl das Gefühl Vieler zum Ausdruck. Ob Abgänge, Verletzungen, Dreifachbelastung – am Ende wurde Gladbach unter Favre immer besser.

Und so hoffen die Verantwortlichen, dass der findige Schweizer auch diesmal die Antworten auf alle Fragen parat hat. Das Banner "Auf, auf in die Champions League" soll schließlich nicht zum Fanal für einen drohenden Absturz werden, so Eberl. "Das Plakat soll uns keine Angst machen, sondern einstimmen auf einen großartigen Wettbewerb."

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