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Bei Bayer Leverkusen steigen die Ansprüche

Havertz, Demirbay und die Transferoffensive  

Warum die Ziele in Leverkusen offensiver werden

Aus Zell am See berichtet Alexander Kohne

25.07.2019, 09:11 Uhr
 (Quelle: t-online.de / imago)
Bayer Leverkusen: So lief das Trainingslager

Bayer Leverkusen absolviert sein Trainingslager in Zell am See. t-online.de-Reporter Alexander Kohne war dabei und schildert seine Eindrücke. (Quelle: t-online.de)

Bayer Leverkusen: Im Trainingslager in Zell am See ist t-online.de-Reporter Alexander Kohne dabei und schildert seine Eindrücke. (Quelle: t-online.de)


52 Millionen Euro hat Leverkusen in Neue investiert. Und dabei wird es wohl nicht bleiben. Trotz des Brandt-Abgangs geht Bayer in die Vollen – auch wenn in der Vorbereitung nicht alles rund läuft.

Nach dem Testspiel gegen den FC Watford im Alois Latini Stadion im österreichischen Zell am See stand Bayer Leverkusens Trainer Peter Bosz einen kurzen Moment ungläubig an der Seitenlinie. Trotz zahlreicher Chancen hatte sein Team gegen den Elften der vergangenen Premier-League-Saison 1:2 verloren. Einmal wurde Bayer klassisch ausgekontert, dass andere Mal führte ein Fehler von Torwart Lukas Hradecky zum Gegentor.  

Ergebnistechnisch bescheidene Testspiele

Doch die Enttäuschung währte nicht lange. Bosz konstatierte wenig später, dass beide Gegentreffer auf individuelle Fehler zurückzuführen seien. Mit Einsatz, Kondition und Zusammenspiel seiner Schützlinge war er zufrieden. Gut eine Stunde später holte Bayer mit einer komplett veränderten Aufstellung ein 2:2 gegen SD Eibar. Auch die Basken hatten in der Vorsaison als Zwölfter der Primera Division nicht gerade die Sterne vom Himmel gespielt.

Trotz dieser beiden ergebnistechnisch eher bescheidenen Darbietungen war Bosz mit dem achttägigen Trainingsaufenthalt in Zell am See und Kaprun vollends zufrieden, sprach von einem "sehr guten Trainingslager" in dem man an Kondition und Spielweise gearbeitet habe.

Bosz und seine besondere Trainingsgestaltung

Dafür setze der Niederländer auf eine besondere Trainingsgestaltung: Größtenteils gab es pro Tag nämlich nur eine Einheit. Gegenüber t-online.de erklärte der Coach: "In Kombination mit unserer Spielweise halte ich das für die beste Methode, um unsere Spieler auf die Saison ideal vorzubereiten." Einmal 100 Prozent brächten mehr als zweimal 50 oder 60 Prozent. "Bei der Belastung geht es nicht um die Länge, die Intensität ist kurz, aber sie ist sehr hoch", so Bosz der davor warnte, dass das Verletzungsrisiko deutlich steige, wenn man zwei solcher Einheiten pro Tag absolviere.

Insgesamt wurde auffällig oft mit Ball trainiert, was bei den Spielern offensichtlich gut ankam. Bosz dazu: "Ich war Fußballspieler und wenn man nur läuft und Fahrrad fährt, hat man weniger Spaß." Das sei aber nicht das Wichtigste. "Es geht mir darum, dass es gut zu unserer Spielweise passt", so der Niederländer.

Kerem Demirbay (r., hier im Testspiel gegen Watford) ist Bayers Rekordtransfer. (Quelle: imago images)Kerem Demirbay (r., hier im Testspiel gegen Watford) ist Bayers Rekordtransfer. (Quelle: imago images)

Demirbay selbstbewusst

Und diese ist in Leverkusen weiterhin offensiv ausgerichtet – auch ohne den für 25 Millionen Euro zu Borussia Dortmund abgewanderten Julian Brandt. Um den Abgang des Offensivmotors, der allein in der Rückserie der vergangenen Saison sechs Treffer und elf Vorlagen verbuchte, zu kompensieren, haben die Bayer-Bosse massiv investiert. Entscheidend dabei: Kerem Demirbay.
   

   
Der zentrale Mittelfeldspieler wurde für 32 Millionen Euro von Bundesligakonkurrent 1899 Hoffenheim geholt, ist damit teuerste Leverkusener Zugang aller Zeiten und präsentierte sich in seinen ersten Tagen im Bayer-Trikot spielfreudig und äußerst selbstbewusst. Gegenüber dem "Kicker" erklärte der zweifache deutsche Nationalspieler: "Wir wissen, wie gut wir sind." Zu einem vermeintlichen Meisterschaftsrennen zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund sagte Demirbay: "Ich sehe uns nicht wirklich schwächer als diese beiden Mannschaften."  

Damit schlägt der 76-malige Bundesligaspieler in die gleiche Kerbe wie Leverkusen-Boss Rudi Völler. Dieser wagte sich in Sachen Zielsetzung deutlich aus der Deckung: "Wir wollen den DFB-Pokal gewinnen, wieder die Champions League erreichen und in der Champions League, in der wir ja meistens das Achtelfinale erreicht haben, eine Topfigur abgeben." Im Vergleich zum Vorjahr, als Völler lediglich vom "Minimalziel Europa League" sprach, sind diese forschen Töne bemerkenswert.  

Diaby bringt hohe Geschwindigkeit mit

Mitverantwortlich dafür sind die Transferinvestitionen von bisher 52 Millionen Euro. Neben Demirbay kamen der 20-jährige Moussa Diaby von Thomas Tuchels Paris Saint-Germain (15 Millionen Euro) sowie der ehemalige Bosz-Schützling Daley Sinkgraven von Ajax Amsterdam (fünf Millionen Euro). Besonders Ersterer sorgte im Trainingslager für einige spektakuläre Momente – und zwar vor allem durch seine Schnelligkeit. "Er läuft direkt hinter die Viererkette des Gegners und ist immer gefährlich", lobte Bosz den französischen Linksaußen, der gegen Watford traf.

Noch weilt Nadiem Amiri (l.) im Trainingslager von 1899 Hoffenheim. Angeblich steht er allerdings vor einem wechsel nach Leverkusen. (Quelle: imago images)Noch weilt Nadiem Amiri (l.) im Trainingslager von 1899 Hoffenheim. Angeblich steht er allerdings vor einem wechsel nach Leverkusen. (Quelle: imago images)

Amiri angeblich vor Wechsel

Bei den bisherigen drei Neuzugängen wird es indes wohl nicht bleiben. Bereits seit Tagen wird darüber spekuliert, dass Bayer Interesse an Nadiem Amiri hat. Die "Bild"-Zeitung hatte bereits berichtet, dass sich Leverkusen mit Amiri einig sei und nun die Ablösesumme mit dessen Klub Hoffenheim verhandelt werde. Im Raum stünden zehn und 14 Millionen Euro.

Die Transferausgaben der Leverkusener könnten also auf bis zu 66 Millionen steigen. Soviel hat Bayer bisher noch nie investiert. Doch ganz abgesehen davon ist der größte Coup dieser Sommerpause kein Transfer, sondern der Verbleib von Kai Havertz. Nach dem Abgang von Brandt drohte Leverkusen mit Havertz das nächste Supertalent zu verlieren. Berichte über ein Interesse des FC Bayern hielten sich über Monate. Doch: Der 20-jährige deutsche Nationalspieler bleibt im Rheinland – was Völler in Hochstimmung versetzt: "Dass wir Kai Havertz zumindest noch mal ein Jahr halten, zeigt, dass wir nicht ein Ausbildungsklub sein, sondern unsere Ziele auch erreichen wollen."


Dazu wird es besonders auf den Saisonstart ankommen, denn da haperte es zuletzt gewaltig: "Wir müssen unbedingt besser starten: In den vergangenen Jahren standen wir nach drei Spielen mit einem bzw. null Punkten da und mussten der Musik erst mal hinterlaufen. Diesmal wollen wir die ersten drei Spiele unbedingt erfolgreich bestreiten", erklärte Kevin Volland im Interview mit t-online.de. Mit Heimspielen gegen Aufsteiger Paderborn und Hoffenheim sowie einem Gastspiel in Düsseldorf stehen die Chancen dafür so gut wie lange nicht mehr.

Verwendete Quellen:
  • Spielerprofil von Julian Brandt bei "Transfermarkt.de"
  • Kicker: Der Kurswechsel (Print-Ausgabe vom 18. Juli 2019, S. 25)

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