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Deutsche Nationalmannschaft — Berti Vogts: So gewinnt sie die Fans zurück

MEINUNGNationalelf im Image-Tief  

So gewinnt der DFB die Fans zurück – es gibt nur einen Haken

Von Berti Vogts

15.10.2020, 15:50 Uhr
Deutsche Nationalmannschaft — Berti Vogts: So gewinnt sie die Fans zurück. Nationalspieler Joshua Kimmich will mit seiner Mannschaft eine gute EM 2021 absolvieren und die Fans dabei in seinem Rücken wissen: t-online-Kolumnist Berti Vogts erklärt, was dafür nötig ist.  (Quelle: imago images/t-online)

Nationalspieler Joshua Kimmich will mit seiner Mannschaft eine gute EM 2021 absolvieren und die Fans dabei in seinem Rücken wissen: t-online-Kolumnist Berti Vogts erklärt, was dafür nötig ist. (Quelle: t-online/imago images)

Durchwachsene Auftritte, schlechte Einschaltquoten: Das Image der deutschen Nationalmannschaft war schon besser. Das könnte sich aber mit wenigen Schritten schon ändern.  

Bei aller Kritik in den vergangenen zwei Jahren an der deutschen Nationalmannschaft: Ich finde schon, dass sich Oliver Bierhoff, Joachim Löw und die Nationalspieler nach der verkorksten WM 2018 bemühen, wieder zu ihren Fans zu finden. Ein Beispiel dafür war der DFB-Gastauftritt diese Woche bei "Wer wird Millionär". Es ist doch klasse, wenn man Top-Fußballer wie Kimmich oder Süle auch mal in ungewohnter Umgebung erlebt und den Zuschauern zeigt, dass man nicht automatisch auf den Kopf gefallen ist, nur weil man professionell gegen den Ball tritt. Zu meiner Zeit als Bundestrainer gab es dieses Quiz-Format, welches ich selbst sehr mag, leider noch nicht. Sonst hätte ich meinen Spielern – ich denke da direkt an Lothar Matthäus oder Jürgen Klinsmann – auch erlaubt, dort hinzugehen, wenn sie denn gewollt hätten.

Denn von TV-Gastauftritten kann ich selbst ein Liedchen singen …

Damals, 1999, spielte ich drei Minuten im Tatort mit. Fertig. Sicher, das war nicht die Erfüllung all meiner Träume, Spaß hat es aber trotzdem gemacht. Und ich glaube, dass sich einige Fußballanhänger in Deutschland auch darüber gefreut haben, mich mal außerhalb des Fußballplatzes zu sehen. Vielleicht sollte Jogi Löw das auch einfach noch mal ausprobieren. Das wäre doch sicher für alle interessant.

Worauf ich eigentlich hinaus will: Die aktuellen Verantwortlichen beim DFB denken schon ausführlich darüber nach, wie man das Team wieder näher an den Bürger bringt. Viele Ansätze sind gut, doch so richtig voran kommen sie dabei leider nicht. Denn am Ende zählt vor allem eines im Fußball: der sportliche Erfolg. Und den hat die Nationalmannschaft aktuell nicht. Sieben Gegentore aus den letzten drei Spielen gegen die Türkei, die Ukraine und die Schweiz sind viel zu viel. Bei solchen Ergebnissen reicht ein TV-Gastauftritt eben leider nicht aus, um die Fans zurück auf seine Seite zu holen.

Doch wie kann es gelingen, dass Fußball-Deutschland wieder zusammenfindet? Gehen wir doch mal ins Detail: 

1) Spiele gegen Top-Gegner: Die deutsche Nationalmannschaft bestreitet im Jahr 2020 voraussichtlich acht Partien – viel zu viele! Besser wäre es, wenn man nur vier oder fünf Spiele organisieren würde, wie es in der Vergangenheit der Fall war. Dann auch nur gegen Topnationen wie Brasilien, Frankreich oder Italien. Mir ist bewusst, dass das aufgrund des Rahmenspielplans der Nations League nicht allein im Handlungsspielraum des DFB liegt, sondern man diesbezüglich den Vorgaben der Uefa entsprechen muss, siehe das Testspiel "Deutschland vs. Türkei". Aber man muss es doch mal deutlich benennen dürfen: Das neueingeführte Turnier trägt mit Pflichtspielen gegen uninteressante Gegner zur Entfremdung zwischen Nationalmannschaft und Nation bei. Denn zwei Nations-League-Duelle im Jahr gegen die Ukraine will kein Zuschauer sehen.

Viel besser wäre es, wenn der DFB frei entscheiden könnte, gegen wen er außerhalb von Qualifikationen für die EM oder WM spielt. Ich erinnere mich beispielsweise zu gerne an meine Südamerika-Reisen mit der Nationalmannschaft zurück: Das war eine tolle Erfahrung für Spieler und Trainer, und die deutschen Fußballfans bekamen Top-Duelle gegen Brasilien und Argentinien zu sehen. Solche Reisen sollte es nach der Corona-Krise wieder geben, um die Nationalmannschaft für uns Deutsche spannender zu machen.

2) Ergebnisse und Spielstil: Gewinnt das DFB-Team regelmäßig und trumpft dabei mit tollen Spielzügen und einer sattelfesten Defensive auf, sind wir Zuschauer doch zufrieden. Und ich bin mir auch sicher, dass – sollte die Nationalmannschaft eine starke EM 2021 spielen – wir auch wieder viel positiver über sie denken werden und dementsprechend die TV-Einschaltquoten analog anziehen werden. Das Problem ist nur, dass man sich aktuell nicht sicher sein kann, dass das Turnier auch wirklich erfolgreich für uns verlaufen wird. Was mich zum dritten Punkt bringt ...  

3) Das Team: Es geht nicht, dass Ersatzspieler von Vereinen in der Startformation der Nationalmannschaft stehen. Was sollen deutsche Bundesliga-Spieler denken, die jede Woche zu den Leistungsträgern ihrer Mannschaft zählen und trotzdem nicht eingeladen werden? Startelf-Einsätze von Spielern, die aktuell nur auf der Bank sitzen, entkräften den Status, den ein Stammspieler der Nationalmannschaft haben sollte. Somit wäre es ratsam, diese Spieler in Testspielen einzusetzen, die nicht den Titel "Länderspiel" haben; somit findet auch keine Verfälschung statt.

Ersatzgeschwächt: Besonders zum Spiel gegen die Türkei musste Bundestrainer Löw die DFB-Elf umstellen. (Quelle: imago images)Ersatzgeschwächt: Besonders zum Spiel gegen die Türkei musste Bundestrainer Löw die DFB-Elf umstellen. (Quelle: imago images)

Natürlich verstehe ich Bundestrainer Löw, der möglichst viele Spieler testen möchte, um zu schauen, wen er mit zur EM nimmt. Doch das ist eben nicht das, was die Zuschauer sehen wollen. Als Zuschauer willst du die besten Fußballer deines Landes in Aktion erleben. Siehst du Reservespieler, schaltest du den Fernseher auch schnell mal aus. So einfach ist das.

Selbstverständlich weiß ich, dass es unrealistisch ist, dass diese drei Dinge umgesetzt werden. Doch für mich sind das die Themen, die den deutschen Fußballfan aktuell bewegen. Und deshalb sollte man sich beim DFB Gedanken machen.

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