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Wie die Impfdebatte die Sportwelt spaltet

  • T-Online
Von Alexander Kohne

Aktualisiert am 16.02.2021Lesedauer: 5 Min.
Karl-Heinz Rummenigge: Der Vorstandschef hat mit seiner Aussage ĂŒber Bayern-Spieler als Impfvorbilder eine teils hitzige Diskussion angestoßen.
Karl-Heinz Rummenigge: Der Vorstandschef hat mit seiner Aussage ĂŒber Bayern-Spieler als Impfvorbilder eine teils hitzige Diskussion angestoßen. (Quelle: imago-images-bilder)
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Taugen Bayern-Profis als Vorbilder fĂŒr Impfkritiker? Und gehören Olympioniken gar zu den Risikogruppen? Die Impfdiskussion hat den deutschen Sport fest im Griff – und wird kontroverser. Das bekam besonders der FC Bayern zu spĂŒren.

Karl-Heinz Rummenigge hatte in den vergangen Tagen Redebedarf. Und zwar mehr als sonst ĂŒblich. Erst griff der Vorstandsboss des FC Bayern MĂŒnchen DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff an ("Löw gegenĂŒber illoyal"), danach witterte er eine Verschwörung, weil seine Bayern nach dem Hertha-Spiel vom Nachtflugverbot ausgebremst wurden ("Man hatte immer den Eindruck, in Brandenburg ist irgendeiner, der den FC Bayern nicht mag") und dann brachte er die Bayern-Spieler als Impfvorbilder ins GesprĂ€ch. Und zwar wĂ€hrend einer Klub-WM in Katar, die die Bayern gewannen, in der im Corona-Lockdown befindlichen Heimat aber viel Kritik hervorrief.


FC Bayern: Was diese ehemaligen Stars heute machen

t-online.de hat sich 20 ehemalige Spieler des deutschen Rekordmeisters herausgesucht und aufgeschrieben, was sie heute machen. Tobias Rau beispielsweise, 2003 bis 2005 im Verein, unterrichtet heute in der NĂ€he von Bielefeld an einer Gesamtschule Biologie und Sport.
Thomas Helmer (1992–1999): Jahrelang eine Bank in der Defensive des FC Bayern. Zuletzt moderierte der Europameister von 1996 die Sport1-Kultsendung "Doppelpass", im Sommer 2021 gab er sie jedoch an Florian König ab. Helmer ist dennoch weiterhin fĂŒr Sport1 als Moderator im Einsatz, moderiert unter anderem den "Doppelpass on Tour", den Sport1-Fantalk oder auch die Spiele des DFB-Pokals.
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WĂ€hrend die ersten beiden Aussagen die Schlagzeilen nur wenige Stunden beherrschten, sorgt letztere noch immer fĂŒr Diskussionen. Konkret hatte Rummenigge bei "Sport 1" gesagt: "LĂ€sst sich beispielsweise ein Spieler des FC Bayern impfen, wĂ€chst das Vertrauen in der Bevölkerung" und hinzugefĂŒgt: "Wir wollen uns ĂŒberhaupt nicht vordrĂ€ngen, aber Fußballer könnten als Vorbild einen gesellschaftlichen Beitrag leisten."

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Reaktionen darauf ließen nicht lange auf sich warten. "Ganz ehrlich, da musste ich herzlich lachen. Mit gesundem Menschenverstand lĂ€sst man sich impfen, wenn man an der Reihe ist. Dass ein Impfgegner vom FC Bayern ĂŒberzeugt wird, halte ich fĂŒr eine sehr gewagte These", sagte beispielsweise Turn-Europameister Marcel Nguyen, der fĂŒr den nur wenige Kilometer von der SĂ€bener Straße entfernten TSV Unterhaching startet, bei t-online.

Mainzer OberbĂŒrgermeister: "MultimillionĂ€re sollen einfach die Klappe halten"

Nicht ganz so humorvoll nahm es Andreas Bovenschulte. Bremens BĂŒrgermeister setzte zu einer regelrechten Schimpftirade an: "Was mich an diesem Spruch besonders gewundert hat, ist, wie man simples VordrĂ€ngeln 'Ich will zuerst geimpft werden' dann noch versucht, als Realisierung einer gesellschaftlichen Vorbildfunktion zu verkaufen. Da muss man erstmal drauf kommen, indem man sagt: Wir ziehen vorbei an Erzieherinnen und Erziehern, an Grundschullehrerinnen und Grundschullehrern, vielleicht auch an medizinischem Personal und Polizisten", so der SPD-Politiker.


Sein Parteikollege und Mainzer Pendant Michael Ebling ging noch weiter und sagte beim Radiosender "RPR1" ohne explizit Rummenigges Namen zu nennen: "Da sollen sich diese MultimillionĂ€re einfach mal zurĂŒckhalten und die Klappe halten und sich in die Ecke stellen und schĂ€men. Das wĂ€re fĂŒr unsere Nation hilfreich."

Flick nimmt Rummenigge in Schutz

UnterstĂŒtzung erhielt Rummenigge vor allem aus Fußballerkreisen – unter anderem von seinem leitenden Angestellten Hansi Flick. Der Bayern-Trainer betonte, dass er sich impfen lassen und als Vorbild vorangehen werde, um Menschen dazu zu bringen, es ihm gleichzutun. Flick sagte zudem: "Wir alle wissen, dass andere Menschen PrioritĂ€t haben und wir uns hinten anstellen mĂŒssen und werden. Es ist erstmal wichtig, dass die Risikogruppen zuerst drankommen."

Sportsoziologe Gunter Gebauer vermochte das, in Bezug auf Rummenigges Aussagen, nicht zu ĂŒberzeugen. Er unterstellte dem Bayern-Boss in der ARD-"Sportschau" Eigennutz und betonte ganz grundsĂ€tzlich, eine bevorzugte Impfung von Profisportlern sei "zutiefst unsozial und moralisch nicht zulĂ€ssig".

Großteil der Deutschen lehnt frĂŒhere Impfung fĂŒr Fußballer ab

Das scheint ein Großteil der Deutschen Ă€hnlich zu sehen. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey fĂŒr t-online lehnen rund 87 Prozent eine frĂŒhere Impfung fĂŒr Profifußballer ab.


Doch warum geht es eigentlich gerade um Fußballer? Denn schon vor Rummenigges Aussagen gab es Diskussionen in eine Ă€hnliche Richtung. Dabei im Fokus: mögliche Starter bei den Olympischen Spielen im Sommer in Tokio. Auslöser war eine Aussage von Richard Pound. Der 78-jĂ€hrige Kanadier – ein Urgestein des Internationalen Olympischen Komitees und seit 1978 dessen Mitglied – schlug Anfang des Monats vor, Olympia-Athleten bei Corona-Impfungen zu bevorzugen. Immerhin haben sie durch die zahlreichen WettkĂ€mpfe ein erhöhtes Ansteckungsrisiko. Er glaube nicht, dass die verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sehr wenigen fĂŒr die Sportler benötigten Impfdosen fĂŒr einen öffentlichen Aufschrei sorgen wĂŒrden.

Doch genau das passierte – und zwar kurz nach Pounds Vorstoß. Biathlon-Olympiasieger Arnd Peiffer mahnte bei t-online beispielsweise: "Es ist einfach niemandem zu vermitteln, wenn ĂŒber 80-JĂ€hrige oder PflegekrĂ€fte spĂ€ter drankommen, damit die deutsche Olympiadelegation mit 600 Personen geimpft nach Tokio fliegen kann." Ähnlich sah es Turner Nguyen, der die Diskussion als "völlig irrsinnig" bezeichnete.

Speerwurf-Bundestrainer wĂŒnscht sich Impfung fĂŒr Olympia-Teilnehmer

Es gab aber auch andere Stimmen – allen voran die von Speerwurf-Bundestrainer Boris Obergföll. Der verwies auf die VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit: "Aus Deutschland werden rund 1.000 Athleten und Betreuer nach Tokio reisen. Das sind 1.000 von 83 Millionen Menschen." Diese sollten, nach seinem DafĂŒrhalten, geimpft werden – und zwar "wenn es geht, im Juni und nicht zwei Wochen vor den Spielen. DarĂŒber sollte man nachdenken".

Alfons Hörmann: Der DOSB-PrĂ€sident hofft auf Impfungen fĂŒr Olympiastarter im FrĂŒhjahr und Sommer.
Alfons Hörmann: Der DOSB-PrĂ€sident hofft auf Impfungen fĂŒr Olympiastarter im FrĂŒhjahr und Sommer. (Quelle: EIBNER/Joachim Hahne)

Und das tun einige Verantwortliche bereits offenkundig. Alfons Hörmann, Chef des Deutschen Olympischen Sportbunds sprach sich im "Sportschau"-Podcast dafĂŒr aus, dass potenzielle Olympia-Teilnehmer bei Impfungen im zweiten Quartal möglichst bald an die Reihe kommen.

Dies solle aber nicht im Sinne einer Bevorzugung ablaufen, sondern "wenn genĂŒgend Impfstoff da ist." Hörmann erwarte fĂŒr das FrĂŒhjahr und die Wochen vor den Sommerspielen "ein völlig anderes Szenario" als jetzt in der "Zeit der Knappheit" des Corona-Impfstoffs.

Turner Nguyen: "Sonst wĂŒrde ich auf die Olympischen Spiele verzichten"

Bei vielen Sportlern stĂ¶ĂŸt er damit auf offene Ohren. In einer DOSB-Umfrage plĂ€dierten 73 Prozent der rund 1.700 befragten Olympia-Kandidaten dafĂŒr, sich an die festgelegte Impfreihenfolge zu halten. Nur 18 Prozent wĂŒnschten sich eine andere Priorisierung.

Marco Koch: Der Weltklasseschwimmer bringt eine "sportĂŒbergreifende Impfkampagne" ins GesprĂ€ch.
Marco Koch: Der Weltklasseschwimmer bringt eine "sportĂŒbergreifende Impfkampagne" ins GesprĂ€ch. (Quelle: NorbertScanella/PanoramiC/imago-images-bilder)

Schwimm-Weltmeister Marco Koch sagte bei t-online dazu: "Die Herangehensweise, dass wir Profisportler mit der Impfung drankommen, wenn genĂŒgend Impfstoff da ist, halte ich fĂŒr sinnvoll. Damit werden wir nicht bevorzugt vor denen, die eine Impfung dringend benötigen, bekommen aber dennoch die Möglichkeit uns zu schĂŒtzen, um an den Olympischen Spielen teilzunehmen." Der 31-JĂ€hrige machte derweil deutlich, dass er niemandem den Impfstoff wegnehmen wolle. Diese EinschĂ€tzung teilt Turner Nguyen, der sonst "lieber auf die Olympischen Spiele verzichten wĂŒrde".

Aus der Politik kommen derweil zurĂŒckhaltende Töne – auch, weil die Impfdebatte um Profisportler dort momentan nicht oben auf der Agenda steht. Die Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses, Dagmar Freitag (SPD), sagte in der ARD: "Hier trifft ein durchaus nachvollziehbarer Wunsch auf die Wirklichkeit. Wir sehen jeden Tag, wie mĂŒhsam es ist, eine funktionierende Impfinfrastruktur in Gang zu bringen."

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FĂŒr Rummenigge hat sie derweil einen Vorschlag: "Wenn ich wohlwollend annehmen wĂŒrde, dass es ihm darum geht, die Impfbereitschaft zu erhöhen, wĂ€re es vorbildlich, wenn der FC Bayern einen Bruchteil seiner betrĂ€chtlichen Einnahmen eingesetzt hĂ€tte, um in Anzeigen und TV-Spots mit der Mannschaft fĂŒr das Impfen zu werben." Das sei eine glaubwĂŒrdige Maßnahme. "Jetzt aber sieht es aus, als will er vor allem seine Probleme lösen", sagte Freitag bei RTL/ntv in Anspielung auf einige Corona-FĂ€lle beim deutschen Rekordmeister in den vergangenen Tagen.

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Eine weitere Möglichkeit, die Impfbereitschaft zu steigern, bringt derweil Schwimmer Koch ins Spiel, den Rummenigges Aussagen weiterhin beschĂ€ftigen." Jeder kann Impfvorbild sein. Da sehe ich keinen Unterschied zwischen verschiedenen Sportarten", so der Hesse. "Ich fĂ€nde sogar, dass eine sportĂŒbergreifende Impfkampagne ein gutes Zeichen wĂ€re – auch im Sinne des Zusammenhalts zwischen Randsportarten und Sportarten wie Fußball. So könnte sich gerade hinsichtlich der Olympischen Spiele und des Olympischen Gedankens das Team Deutschland geschlossen darstellen."

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  • Robert Hiersemann
Von Robert Hiersemann
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