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Boris Becker: Ein Leben wie einer Achterbahnfahrt

Tennislegende Boris Becker  

Ein Leben wie eine Achterbahnfahrt

22.06.2017, 16:29 Uhr | Wolfgang Müller, dpa

Boris Becker: Ein Leben wie einer Achterbahnfahrt. Boris Becker im September 2016 in Flushing Meadows, New York (Quelle: dpa/EPA/JUSTIN LANE)

Boris Becker im September 2016 in Flushing Meadows, New York (Quelle: EPA/JUSTIN LANE/dpa)

Was ist dran an den Pleite-Berichten über Boris Becker? Der Ex-Tennisstar selbst weist diese empört zurück. Es ist die letzte Episode einer langen Serie guter und häufig auch weniger guter Schlagzeilen.

Boris Becker (49) hat seit seinem ersten Wimbledon-Sieg als 17-Jähriger immer wieder Schlagzeilen produziert - positive genauso wie negative. Zuletzt stand er wieder aus erfreulichen Gründen im Rampenlicht. Er genießt international als großer Experte seines Fachs Anerkennung. Doch jetzt setzt die Entscheidung eines Londoner Gerichts über eine Zahlungsunfähigkeit dem Image der einstigen Nummer eins der Welt wieder arg zu.

Becker ließ zwar umgehend dementieren, dass er pleite sei. Sein Rechtsanwalt Christian Schertz erklärte am Mittwoch dazu: "Das Verfahren betrifft ein Darlehen, das Herr Becker binnen eines Monats in voller Höhe zurückgezahlt hätte." Becker sei "überrascht und enttäuscht, dass sich die gegnerische Bank in einem konkreten Zivilverfahren in Großbritannien entschieden hatte, Klage gegen ihn einzureichen". Die Kanzlei Schertz Bergmann Rechtsanwälte kündigte an, Becker werde beantragen, die Verfügung umgehend aufzuheben.

Dennoch muss Becker ausgerechnet jetzt, wenige Tage vor Beginn seines Lieblings-Turniers in Wimbledon, wieder unschöne Schlagzeilen über sich lesen. Dabei hätte sich der Beginn der traditionsreichen Rasen-Veranstaltung am kommenden Montag eigentlich hervorragend geeignet, um noch einmal an seine großen Erfolge zu erinnern.

Serie von Skandalen nach Karriereende

7. Juli 1985, 17.26 Uhr Ortszeit: Ein Teenager aus Leimen verändert die Sportwelt. Mondlandung, Erdbeben, Tennismärchen. Deutsches Löwenherz, Wunderkind. Kein Superlativ war damals zu hochgegriffen und keine Metapher zu abgedroschen. In den späten 1980er und in den 1990er Jahren reifte Boris Becker zu einer der wenigen wahren deutschen Sportlegenden. Nur wenige konnten sich der Faszination des neuen charismatischen Tennis-Helden entziehen. "Becker-Hecht" und "Becker-Faust" gingen ins Vokabular ein.

Was seiner Karriere dann folgte, waren von der Öffentlichkeit ausgeschlachtete Affären im Privatleben. So lieferte sich Becker einen teils öffentlichen Scheidungsstreit mit seiner damaligen Frau Barbara und zeugte bei einer außerehelichen Episode ein Kind. Auch wenn sich diese gar nicht dort abspielte ("Es passierte auf einer Treppe zwischen den Toiletten", verriet Becker später dem englischen Sender ITV), wurde die "Besenkammer"-Affäre zum geflügelten Wort der spottenden Deutschen. Später ließ sich Becker im Trash-TV einen Hut mit zwei Fliegenklatschen aufsetzen - wieder Spott.

"Einige Auftritte waren nicht so gut"

"Natürlich weiß ich: Nicht jeder meiner Auftritte, zum Beispiel im deutschen Fernsehen, war gut. Einige waren nicht so gut", erzählte Becker jüngst. Im Jahr 2017 hatte sich sein Image gerade mal wieder gewaltig gewandelt. In der Achterbahnfahrt seines Lebens raste Becker wieder nach oben. Beim "Ball des Sports" wurde er im Februar als Mitglied der "Hall of Fame des deutschen Sports" gefeiert - umjubelt von mehr als 1600 Gästen aus Sport, Wirtschaft und Politik.

Als Trainer führte er Novak Djokovic an die Spitze der Weltrangliste und strafte alle Skeptiker Lügen. Als Fernseh-Experte für Eurosport überzeugte er mit klugen Analysen und einzigartigem Fachwissen auch noch die kritischsten Geister. Dann der Streit vor Gericht um Schulden und deren Zurückzahlung.

Becker lebt seit Jahren in London

Wie auch immer das Verfahren in Großbritannien ausgeht: In gut einer Woche wird Becker wieder dort sein, wo er sich am wohlsten fühlt. Am 3. Juli beginnt in Wimbledon das bedeutendste Tennisturnier der Welt. Seit einigen Jahren lebt Becker im Südwesten Londons, was die "Süddeutsche Zeitung" einst zu dem wunderbaren Vergleich veranlasste: "Als wäre Helmut Rahn nach Bern gezogen. Oder Ali nach Kinshasa. Oder Gerd Müller ins Olympiastadion."

In seiner Wahlheimat begegnen ihm die Menschen mit Ehrfurcht und Respekt, wie Becker betont. Weltweit hat er ohnehin viele Fans. Und bei denen bedankte er sich nun am Mittwochabend per Twitter - seinem bevorzugten Kommunikationsmedium der jüngeren Vergangenheit: "Ich bin seit 32 Jahren in diesem Spiel und habe vor, es noch länger zu bleiben."

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