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Wann die Verbrenner-Verbote kommen

  • Markus Abrahamczyk
Von Markus Abrahamczyk

Aktualisiert am 25.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Rushhour: Die Liste der StĂ€dte, die BeschrĂ€nkungen fĂŒr Benziner und Diesel planen, wird lĂ€nger.
Rushhour: Die Liste der StĂ€dte, die BeschrĂ€nkungen fĂŒr Benziner und Diesel planen, wird lĂ€nger. (Quelle: Shotshop/imago-images-bilder)
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Der Verbrenner ist ein Auslaufmodell. Darin sind sich Autobauer, LÀnder und auch einzelne StÀdte einig. Aber wann genau ist es vorbei mit Benziner und Diesel? Da hat jeder eigene Vorstellungen. Hier sind die aktuellen AusstiegsplÀne.

Bewegungen wie "Fridays for Future" machen weltweit mobil, um mehr Druck auf die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zu erzeugen. Die BewÀltigung der Klimakrise sei die Hauptaufgabe unseres Jahrhunderts, mahnen die Aktivisten: "Wir fordern eine Politik, die dieser Aufgabe gerecht wird."


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Diese Politik solle auch saubere MobilitÀt und moderne Technologie voranbringen, Benziner und Diesel durch umweltschonende Antriebe ersetzen.

Andererseits fahren und stehen mehr als 47 Millionen Pkw mit einem Verbrennungsmotor auf Deutschlands Straßen. Und nicht jeder Besitzer kann sein Auto einfach so gegen ein Elektromodell eintauschen. Obendrein will es nicht jeder.

"Fridays for Future": Die Bewegung geht fĂŒr mehr Klimaschutz auf die Straße.
"Fridays for Future": Die Bewegung geht fĂŒr mehr Klimaschutz auf die Straße. (Quelle: Thomas Vonier/imago-images-bilder)
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Das Enddatum der EU-Kommission

Die EU-Kommission aber will es. Sie formuliert so vermeintlich ehrgeizige Klimaziele, dass sich das Bauen von Diesel- und Benzinmotoren mittelfristig nicht mehr rechnen wird – und das Fahren ebenso wenig. Beispielsweise hieß es zuletzt in einem Papier der Kommission etwas umstĂ€ndlich formuliert, dass "die durchschnittlichen jĂ€hrlichen Emissionen neuer Fahrzeuge ab 2030 55 Prozent und ab 2035 100 Prozent niedriger sein mĂŒssen als 2021." Und dann doch etwas klarer: "Im Ergebnis werden alle ab 2035 zugelassenen Neuwagen emissionsfrei sein", so die Kommission. "FĂŒr eine gerechte, grĂŒne und florierende Zukunft."

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Dieses "Enddatum" 2035 – ohnehin nur ein Vorschlag – sei nicht mehr, als sich die meisten europĂ€ischen Autobauer sowieso vorgenommen hĂ€tten, kritisiert Greenpeace-Klimaexperte Tobias Austrup. Zumal es deutlich zu spĂ€t kĂ€me: FĂŒr eine ErderwĂ€rmung um höchstens 1,5 Grad mĂŒsse Europa bis 2028 aus dem Verbrenner aussteigen.

Bevor aus dem Vorschlag etwas Konkretes wird, ist es außerdem ein langer Weg. Unter anderem braucht es dafĂŒr die Zustimmung der einzelnen EU-Staaten. Und da ist mit Widerstand zu rechnen, vor allem aus den LĂ€ndern mit starker und einflussreicher Autoindustrie.

Einige andere LĂ€nder hingegen haben weniger Geduld als die EU-Kommission. Ihnen könnte es gerne etwas schneller gehen. Die Niederlande etwa forderten schon im MĂ€rz in einem inoffiziellen Schreiben mehr als einen Vorschlag von der EU-Kommission – nĂ€mlich ein konkretes Verbotsdatum fĂŒr den Verbrennerverkauf. Als Absender des Briefs werden auch Belgien, Griechenland, Irland, Litauen, Luxemburg, Malta, Österreich und DĂ€nemark genannt.

Oliver Zipse: Ein frĂŒher Abschied vom Verbrenner bedeute einen "unternehmerischen Schrumpfungskurs", mahnt der Chef des Autobauers BMW (4,8 Milliarden Euro Gewinn im zweiten Quartal).
Oliver Zipse: Ein frĂŒher Abschied vom Verbrenner bedeute einen "unternehmerischen Schrumpfungskurs", mahnt der Chef des Autobauers BMW (4,8 Milliarden Euro Gewinn im zweiten Quartal). (Quelle: Sepp Spiegl/imago-images-bilder)

Die DĂ€nen wollten die Sache bereits 2018 in die eigenen HĂ€nde nehmen und sich auf ein Verbrenner-Aus fĂŒr das Jahr 2030 festlegen. Daraus wurde nichts – der Plan verstieß gegen das EU-Recht. Auch Irland, die Niederlande, Schweden und Slowenien wollen das Aus schon fĂŒr 2030. Norwegen, wohlgemerkt kein EU-Mitgliedsstaat, wird bereits ab 2025 keine neuen Verbrenner mehr zulassen. Ein Verbot fĂŒr den Bestand ist aber nicht geplant.

Und Großbritannien zog, frisch aus der EU ausgetreten, bereits im Februar 2020 sein Verbot fĂŒr Verbrenner-Neuwagen von 2040 auf 2035 vor. SpĂ€ter sprach Premier Boris Johnson sogar von 2030. Schottland wiederum hat sich ein Verkaufsverbot fĂŒr 2032 vorgenommen.

Die AusstiegsplĂ€ne der LĂ€nder im Überblick

Jahr des Ausstiegs Land
2025 Norwegen
2030 DĂ€nemark
Indien
Irland
Island
Israel
Japan
Niederlande
Schweden
Slowenien
2032 Schottland
2035 Großbritannien
Kanada
Taiwan
Thailand
2040 Frankreich
Ägypten
2060 China (Provinz Hainan: 2030)

Neben den geplanten Verkaufsverboten der LĂ€nder beschließen immer mehr StĂ€dte, die Einfahrt fĂŒr Benziner und Diesel zu beschrĂ€nken. Europaweit werden solche Maßnahmen nach derzeitigem Stand etwa 16 Millionen Autos betreffen.

Berlin etwa möchte so eine Regelung ab 2030 innerhalb des S-Bahn-Rings der Hauptstadt, fĂŒnf Jahre spĂ€ter im gesamten Stadtbereich. Und Spanien will bereits bis 2023 zumindest in seinen StĂ€dten mit mehr als 50.000 Einwohnern bestimmte Zonen einrichten, die nur noch von sauberen Autos befahren werden dĂŒrfen. Auf Mallorca werden ab 2025 keine neuen Diesel-Autos mehr zugelassen (Benziner ab 2035). Ein Jahr frĂŒher, 2024, sperrt Paris alle Diesel aus. Das Verbot fĂŒr Benziner folgt 2030.

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Viele StĂ€dte setzen auf diese Weise durch, was die EU-Kommission gerade einmal als Vorschlag formuliert – und zwar schon deutlich frĂŒher. Die Liste der EinfahrbeschrĂ€nkungen dĂŒrfte kĂŒnftig noch lĂ€nger werden. FĂŒr so manchen Autohersteller könnte sie durchaus zu einem Anlass heranwachsen, die eigene Ausstiegsstrategie noch einmal zu ĂŒberdenken.

Start-Jahr der BeschrĂ€nkung Stadt GĂŒltig fĂŒr
2019 Stuttgart
Krakau
Diesel
Benziner und Diesel
2020 Turin
Oslo
Palermo
Madrid
Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
2024 Paris Diesel
2025 Bergen Benziner und Diesel
2030 Paris
Heidelberg
Kopenhagen
Warschau
Rom
Mailand
Barcelona
Straßburg
Amsterdam
Rotterdam
London
Greater Manchester
Birmingham
Benziner
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel
Benziner und Diesel

So planen die deutschen Hersteller

Von allen deutschen Herstellern hat Opel den ehrgeizigsten Zeitplan: Schon ab 2028 will die Stellantis-Tochter in Europa nur noch E-Modelle anbieten. Von Ford gibt es ab 2030 nur noch Stromer. Audi will im Jahr 2033 den letzten Verbrennungsmotor fertigen. Die Konzernmutter VW nennt 2033 bis 2035 als Ausstiegsdatum – allerdings nur in Europa. In China, SĂŒdamerika und den USA werde man den Verbrenner noch lĂ€nger bauen.

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Mercedes-Benz will ab 2039 eine CO2-neutrale Flotte haben – was auch immer das bedeuten mag. Vielleicht fiel Konzernchef Ola KĂ€llenius selbst auf, dass solche PlĂ€ne etwas vage sind – insbesondere fĂŒr ein Unternehmen, das sich gern als Technologievorreiter darstellt. Womöglich könne man sich auch ambitioniertere Ziele geben, deutete der Schwede an. Mehr nicht. Und BMW will 2030 mindestens zur HĂ€lfte elektrisch unterwegs sein. Einen konkreten Termin fĂŒr den Ausstieg aus dem Verbrenner haben die MĂŒnchener nicht. Ein zu schneller Abschied bedeute einen "unternehmerischen Schrumpfungskurs", sagt Konzernchef Oliver Zipse. Seine AktionĂ€re mögen ihm dafĂŒr applaudieren. Die Klimaforscher tun es ganz sicher nicht.

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