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Huawei, Xiaomi, OnePlus: Sind Smartphones aus China sicher?

Schnäppchen oder Spionagewerkzeug  

Können wir chinesischen Smartphones vertrauen?

Von Saskia Leidinger

18.01.2020, 18:12 Uhr
Huawei, Xiaomi, OnePlus: Sind Smartphones aus China sicher?. Ein Messebesucher probiert ein Huawei-Smartphone aus (Archivbild): Der chinesische Hersteller wird immer wieder mit Spionagevorwüfen konfrontiert. (Quelle: imago images/IPON)

Ein Messebesucher probiert ein Huawei-Smartphone aus (Archivbild): Der chinesische Hersteller wird immer wieder mit Spionagevorwüfen konfrontiert. (Quelle: IPON/imago images)

Sie heißen Huawei, Xiaomi und OnePlus und sind Smartphone-Hersteller aus China. Die Geräte sind beliebt, denn sie sind hochwertig und günstig. Die US-Regierung wirft Huawei allerdings Spionage vor. Können Kunden die Smartphones dennoch bedenkenlos kaufen?

Lange dominierten Samsung und Apple die Verkaufszahlen, doch seit einigen Jahren drängen zunehmend chinesische IT-Unternehmen auf den Markt – mit Erfolg. Huawei lag zumindest in den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres laut Analysten-Einschätzung klar vor Apple auf dem zweiten Platz. Selbst der dritte Platz könnte Apple in diesem Jahr streitig gemacht werden.

Denn auf Platz vier lauert schon Xiaomi, der nächste Konkurrent mit großen Wachstumszahlen. Nur knapp dahinter auf Platz fünf liegt mit Oppo ein weiteres chinesisches Unternehmen. Derzeit sind Oppo-Geräte noch nicht in Deutschland verfügbar. Doch das ist nur eine Frage der Zeit – in europäischen Nachbarländern wie Frankreich, Italien oder den Niederlanden ist Oppo bereits gestartet.

Die Zahl der chinesischen Android-Telefone in Deutschland wächst – genauso wie die Unsicherheit vieler Verbraucher. Was ist dran, an den Spionagevorwürfen gegen Huawei? Bekommt der chinesische Staat etwa am Ende die Daten? Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Smartphones aus China.

Warum sind chinesische Handys günstig?

"Im Inneren der China-Hardware sind oftmals die gleichen Komponenten verbaut wie bei den großen Marken; teilweise laufen die Geräte sogar über dieselben Fertigungsstraßen", schreibt das Vergleichsportal Verivox. Die Smartphones seien so günstig, weil die Gewinnmargen gering seien und der Gewinn durch hohe Verkaufszahlen zustande komme. Daneben verzichteten die Unternehmen auf größere Marketingetats.

Handy-Hersteller Xiaomi setzt noch auf ein weiteres Geschäftsmodell: Werbung. Das brachte dem Konzern allerdings zahlreiche Beschwerden von europäischen Nutzern ein, zumal der Schalter zum Deaktivieren der Werbeanzeigen tief in den Menüs versteckt war. Xiaomi kündigte daraufhin an, die Werbeanzeigen stärker zu kontrollieren und insgesamt weniger Werbeanzeigen zu spielen.

Woher stammt das Misstrauen?

Der Softwarehersteller G Data entdeckte 2015 in chinesischen Smartphones mehrere fest installierte, bösartige Spionagecodes. Über die können eine Vielzahl an Daten abgegriffen werden. "Noch immer finden sich günstige Geräte direkt aus Asien, die in Onlineshops für unter hundert Euro erhältlich sind", sagt Alexander Burris von G DATA CyberDefense. Bekannte chinesische Marken wie Huawei und Honor oder Xiaomi waren davon allerdings nicht betroffen.

BSI warnt vor Billig-Handys

Laut Burris gab es bei diesen Smartphones schon Fälle, "in denen direkt ab Werk oder durch einen zwielichtigen Zwischenhändler Malware vorinstalliert war". Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) warnt aktuell vor dem Kauf des Doogee BL7000 und M-Horse Pure 1.  

Vergangenes Jahr sorgte eine App von Xiaomi für Aufsehen: die Quick App, mit der andere Apps genutzt, aber nicht installiert werden müssen. Google hatte die App in seinem Angebot geblockt, da sie über 55 Berechtigungen verlangt und Zugang zur SIM-Kartennummer, zu Telefongesprächen, Fotos und weiteren Daten hätte. Das führte vermutlich dazu, dass Google die App automatisch in sein Anti-Malware-Programm aufgenommen hat und sie dadurch geblockt wurde. Xiaomi hatte daraufhin angekündigt, ein Update bereitzustellen und beteuerte, dass die App sicher sei.

Kein Nachweis für Spionage bei Huawei

Huawei geriet vor allem im Rahmen des 5G-Ausbaus in die Kritik. Die Vertrauenswürdigkeit des chinesischen Unternehmens wurde von Politikern angezweifelt. Die USA werfen Huawei Spionage vor. Beweise dafür fehlen allerdings bislang. Auch eine monatelange Untersuchung 2012 durch US-Sicherheitsfirmen konnte keinen Nachweis für gezielte Spionage liefern.

Im Zuge des Handelskonflikts mit China hat die Trump-Regierung im vergangenen Jahr amerikanischen Unternehmen verboten, ohne Sondergenehmigung Geschäfte mit Huawei zu machen. Dies betrifft auch die Zusammenarbeit mit Google. Neue Huawei-Produkte dürfen vorerst keine Google-Dienste wie YouTube oder Google Play auf ihren Smartphones bereitstellen. Für das Unternehmen ein schwerer Schlag. Huawei-Chef Ren Zhengfei sagte im November, er könne "mit Sicherheit" versprechen, dass Huawei keine Daten an die chinesische Regierung weitergebe.

Senden Huawei und Xiaomi Daten an die Regierung?

"Für chinesische Firmen gilt das Cyber Security Law", erklärt Lena Rohrbach von Amnesty International. "Dieses Gesetz zwingt IT-Unternehmen in China dazu, auf Verlangen Informationen über Nutzer herauszugeben und einen technischen Zugang für die Regierung zu ermöglichen. Das gilt allerdings nur für China."

Hersteller gehen auf europäische Nutzer zu

Europäische Bürger sind nach jetzigem Kenntnisstand nicht davon betroffen. "Anbieter wie Huawei, Xiaomi oder ZTE achten verstärkt auf die Bedürfnisse des europäischen Marktes und das Verhältnis zur Privatsphäre", sagt Alexander Burris von G Data.

Auch Smartphone-Experte Frank Ritter von Giga kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: "Die Geräte von Xiaomi und Huawei werden von Sicherheitsforschern genau betrachtet. Die Tatsache, dass diese Fälle schnell aufgedeckt werden, belegt ja auch, dass die Hersteller ein Interesse daran haben, auf die europäischen Nutzer zuzugehen."

Worauf sollten Kunden beim Kauf von chinesischen Smartphones achten?

"Wer billig kauft, bezahlt mit seinen Daten. Daher empfehle ich immer, Smartphones ausschließlich von Herstellern mit Niederlassung in Deutschland zu kaufen", rät Alexander Burris von G Data. Auch Handy-Experte Frank Ritter rät dazu, Smartphones nur aus den entsprechenden Shops in Deutschland zu kaufen und nicht direkt aus China zu importieren. Denn dort seien die entsprechenden Schnittstellen eingebaut, über die die chinesische Regierung in China Zugriff hat.

Verwendete Quellen:

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