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"Riesen-Dampfkochtopf" verwandelt Kompost in Kohle

"Riesen-Dampfkochtopf" verwandelt Kompost in Kohle

14.04.2012, 12:03 Uhr | dapd, t-online.de

"Riesen-Dampfkochtopf" verwandelt Kompost in Kohle. Alfons Kuhles (l.) und Lothar Hofer mit ihrer selbstgemachten Kohle (Quelle: dapd)

Alfons Kuhles (l.) und Lothar Hofer mit ihrer selbstgemachten Kohle (Quelle: dapd)

Diese Anlage fasst Äonen zu wenigen Stunden zusammen. Doch das Ungetüm, das mit seinem langgezogenen Kessel, den Schläuchen und den mit Aluminiumfolie und Steinwolle verkleideten Rohren wie die Requisite aus einem älteren Science-Fiction-Film aussieht, ist keine Zeitmaschine. Es ist der Prototyp zur Erzeugung von Kohle aus Bioabfällen, den zwei Unternehmer in Eigenarbeit gebaut haben.

"Der Apparat funktioniert wie ein riesiger Dampfkochtopf", umschreibt der Elektrotechniker Lothar Hofer das Prinzip. Zusammen mit dem Landwirt Alfons Kuhles hat er in Wülfrath (Kreis Mettmann) die Firma Grenol gegründet, die das Verfahren zur Marktreife bringen will. Unter hohem Druck und Luftabschluss werden noch feuchte Bioabfälle bei etwa 200 Grad in Braun- und Steinkohle umgewandelt.

Kohle produzieren wie die Erde

Die Pilot-Anlage funktioniert damit nach dem gleichen Prinzip, mit dem in der Frühzeit der Erdgeschichte in Jahrmillionen aus abgestorbenen Pflanzen unsere begehrten Kohlevorräte entstanden sind - nur dass es bei Hofer rund Kuhles viel schneller geht. Nach vier Stunden hat die Anlage aus den "Zutaten" Humus produziert, nach acht Stunden Braunkohle und nach zwölf Stunden Steinkohle. Dabei bleiben zwei Drittel der ursprünglichen Energiemenge erhalten.

Hofer fasst in einen Eimer und lässt die Braunkohle zufrieden durch die Finger bröseln: "Unsere Kohle ist allerdings besser, weil sie klimaneutral ist." Denn bei der Verbrennung werde lediglich die Menge des Treibhausgases Kohlendioxid frei, die die verwerteten Pflanzen zuvor aufgenommen haben. Damit, so die Vision der beiden, könnten Entsorgung und Energieerzeugung auf eine kombinierte, umweltfreundliche Grundlage umgestellt werden.

Patent bereits angemeldet

Auf die Idee für ihr Projekt gekommen sind die beiden durch die Forschungsergebnisse eines Chemikers vom Potsdamer Max-Planck-Institut. Für die praktische Umsetzung der sogenannten hydrothermalen Karbonisierung (HTK) bastelten sie in Kuhles Scheune zunächst eine Kleinanlage zusammen, die die Funktionsfähigkeit des Prinzips bestätigte, und meldeten sie dann zum Patent an.

Nun steht auf einem Sattelauflieger seit kurzem der größere "Dampfkochtopf", der pro Tag aus bis zu 750 Kilogramm Bioabfällen rund 90 Kilo Kohle machen kann - also rund ein Achtel der Ausgangsmenge. Einen "größeren sechsstelligen Betrag" haben Hofer und Kuhles dazu investiert. Anfang des Jahres bekamen die beiden Tüftler den seit 2008 vergebenen privatwirtschaftlichen Umweltpreis des japanischen Elektrogeräteherstellers Kyocera. Vorsitzender der Jury war der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer.

Internationale Interessenten gesucht

Mit dieser Auszeichnung im Rücken hoffen die beiden Unternehmer nun auf Kunden aus aller Welt, um in die Serienfertigung ihrer Anlage einsteigen zu können. "Wir haben bereits mehrere private Interessenten, darunter eine Anfrage aus Hanoi", sagt Kuhles und geht in seinem grünen Overall prüfend um die Anlage herum: "Sie hat exakt die Abmessungen, um in einen Seecontainer zu passen."

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Gedacht ist der Riesen-Kocher in erster Linie für einen dezentralen Einsatz - auch in abgelegenen Regionen etwa in Asien oder Afrika. Auch für die Verwertung von Klärschlamm ist die Anlage geeignet. "Die Entsorgung von Bioabfällen wird so kombiniert mit der Energiegewinnung", fasst Kuhles das Kreislauf-Prinzip zusammen.

Vermutlich kein Einsatz in Deutschland

Für den Betrieb einer Großanlage, zu der der Bioabfall aus größerer Entfernung erst antransportiert werden müsste, sehen die beiden Tüftler ihr Verfahren als weniger geeignet an. Deshalb sind sie bei der Vermarktung auch nicht so sehr auf den zentral ausgerichteten heimischen Entsorgungs- und Energiemarkt ausgerichtet: "Die Idee ist zwar auch hier verwertbar, aber die Strukturen stemmen sich dagegen", sagt Kuhles - mit leichter Entrüstung in der Stimme.

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