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Welche Versicherungen wichtig sind – und welche unnötig


Richtig versichert  

Diese Versicherungen brauchen Sie wirklich – und diese nicht!

Von Mauritius Kloft, Sabrina Manthey

27.11.2020, 09:17 Uhr
Welche Versicherungen wichtig sind – und welche unnötig. Geborstene Scheibe: Lästig, aber auf eine Versicherung gegen Glasbruch kann man verzichten. (Quelle: Getty Images/the_guitar_mann)

Geborstene Scheibe: Lästig, aber auf eine Versicherung gegen Glasbruch kann man verzichten. (Quelle: the_guitar_mann/Getty Images)

Die einen sind zu wenig abgesichert, die anderen zu viel: In beiden Fällen kann das Verbraucher viel Geld kosten. Ein Überblick, welche Versicherungen sich lohnen – und von welchen Sie die Finger lassen sollten.

Brillen, Reisegepäck, Handys, Autos, Hausrat oder ganze Gebäude: Die Liste an Dingen, die sich in Deutschland versichern lassen, ist lang. Sehr lang sogar. Doch nicht jede Versicherung ist auch wirklich sinnvoll.

t-online erklärt Ihnen, welche Sie haben sollten, über welche Sie nachdenken könnten – und welche nichts taugen. So sparen Sie bares Geld.

Was sollte ich vor dem Abschluss einer Versicherung machen?

Bevor Sie eine Versicherung abschließen, sollten Sie sich überlegen, ob der damit verbundene Schaden wirklich versichert werden muss. Hier sollten Sie sich überlegen, ob Sie den Schaden nicht auch ohne Versicherung problemlos zahlen könnten.

Wichtig ist: Nehmen Sie sich genügend Zeit zum Überlegen und Vergleichen, bevor Sie eine Versicherung abschließen. Die folgenden Fragen können Ihnen helfen:

  • Brauche ich die Versicherung wirklich?
  • Was sind die versicherten Risiken?
  • Welche Einschränkungen gibt es im Versicherungsschutz?
  • Was ergibt ein Vergleich verschiedener Anbieter?

Zentral dabei: Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. In manchen Fällen raten Versicherungsvertreter zu überflüssigen Verträgen, da sie sich eine hohe Provision versprechen.

Wichtig: Sie sollten den Versicherungsschutz regelmäßig überprüfen. Denn: Oft ändern sich Ihre Lebensumstände oder es gibt schlichtweg günstigere Angebote bei der Konkurrenz.

Wenn Sie eine Versicherung abschließen, sollten Sie unbedingt die Wahrheit sagen – etwa in Bezug auf Vorerkrankungen – und keine wichtigen Details verschweigen. Tun Sie dies nicht, kann Ihre Versicherung Ihnen im Schadensfall die Leistung verweigern.

Welche Versicherungen sind Pflicht?

In Deutschland gibt es einige Versicherungen, die Sie laut Gesetz haben müssen. Ein Überblick:

Krankenversicherung

In Deutschland gibt es eine Krankenversicherungspflicht sowie eine Pflicht zur Pflegeversicherung. Mit der Krankenversicherung werden die Kosten für eine Behandlung im Krankenfall entweder voll oder in Teilen bezahlt oder erstattet.

Als Arbeitnehmer suchen Sie sich dabei eine Krankenversicherung aus, die Beiträge werden direkt vom Gehalt abgezogen. Ihr Arbeitgeber zahlt die Hälfte der Beiträge. Gutverdiener, die über der gesetzlichen Versicherungspflichtgrenze liegen, können sich auch privat krankenversichern.

Gesetzliche Rentenversicherung

Angestellte müssen sich gesetzlich rentenversichern: Der Arbeitgeber übernimmt wie auch bei der Krankenversicherung die Hälfte der Beiträge. Doch auch weitere Gruppen sind pflichtversichert in der Rentenversicherung – Menschen in Kindererziehungszeiten oder Bezieher von Arbeitslosengeld.

KfZ-Haftpflichtversicherung

Autohalter müssen eine KfZ-Haftpflichtversicherung abschließen. Diese umfasst Sach-, Personen- und Vermögensschäden, die der Fahrer verursacht – jedoch nur bei Dritten, also etwa anderen Autofahrern. Daneben gibt es noch die Teilkasko- oder Vollkasko-Versicherung, über die Autohalter nachdenken sollten (siehe unten).

Welche Versicherungen sollte ich haben?

Zwar sind einige Versicherung nicht laut dem Gesetz Pflicht. Doch Sie sollten diese trotzdem abschließen. Ein Überblick:

Private Haftpflichtversicherung

Die wichtigste Versicherung ist die private Haftpflichtversicherung – auch Privathaftpflicht genannt. Diese sollten Sie auf jeden Fall abschließen. Denn: Ein fahrlässig verursachter Unfall mit hohem Schaden kann Sie schnell wirtschaftlich ruinieren. Der Versicherungsbeitrag mit rund 100 Euro im Jahr ist im Vergleich dazu relativ gering.

Berufsunfähigkeitsversicherung

Für Berufstätige kann sich eine Berufsunfähigkeitsversicherung lohnen. Denn der staatliche Schutz ist im Falle einer Berufsunfähigkeit eher gering. Berufsunfähig können dabei nicht nur handwerklich tätige Menschen werden, es kann auch Büroangestellte treffen, etwa durch eine Depression. Beachten Sie: Je später im Leben Sie die Versicherung abschließen, desto teurer wird sie.

Auslandsreisekrankenversicherung

Wenn Sie Urlaub im Ausland machen, sollte Sie auch eine Auslandsreisekrankenversicherung mit im Gepäck haben. Das gilt sowohl für gesetzlich als auch für privat Versicherte. Gerade im Urlaub ist das Krankheits- oder Verletzungsrisiko groß: Leicht kann bei einer langen Autofahrt, beim Sport, auf einer Kreuzfahrt oder im Hotel etwas passieren.

Oft werden Patienten im Ausland nur gegen Barzahlung behandelt. Die Kosten müssen sie sich dann zu Hause erstatten lassen. Sie sollten darauf achten, dass Ihre Versicherung auch Erkrankungen und Unfälle in dem Land abdeckt, in dem Sie Urlaub machen. Ansonsten ist eine entsprechende Auslandskrankenversicherung sinnfrei. Wichtig ist zudem, dass die Versicherung den teuersten Posten – den Ambulanzflug nach Hause – mit abdeckt.

Gebäudeversicherung

Eine Wohngebäudeversicherung sollten Sie haben, wenn Sie eine Immobilie besitzen, also etwa ein Haus oder eine Eigentumswohnung. Eine solche Versicherung sichert Ihr Haus gegen Schäden durch Brand, Leitungswasser sowie Sturm und Hagel ab. Dieser Grundschutz können Sie etwa mit dem Schutz vor Überspannungsschäden erweitern.

Hausratversicherung

Eine Hausratversicherung sichert den Wert Ihres eigenen Hausrats ab. So deckt sie etwa Sachschäden an Einrichtungs-, Gebrauchs- und Verbrauchsgegenständen. Ob sie erforderlich ist, hängt davon ab, wie teuer Ihre Gegenstände sind.

  • Beispiel: Wenn Sie eine Sammlung teurer Vasen aus dem 19. Jahrhundert besitzen, sollten Sie eine Hausratversicherung abschließen. Ist der teuerste Gegenstand in Ihrer Wohnung hingegen nur ein günstiger Computer, lohnt sich die Versicherung eher nicht.

In einigen Hausratversicherungen ist das Fahrrad mitversichert. Damit können Sie sich eine gesonderte und meist teure Fahrradversicherung sparen.

Beachten Sie: Bei Altverträgen besteht die Gefahr, dass Sie unterversichert sind, da sich im Laufe des Lebens auch der Hausrat ändern kann.

Risiko-Lebensversicherung

Eine Risiko-Lebensversicherung kommt für Menschen in Betracht, von denen andere wirtschaftlich abhängig sind. Das ist der Fall, wenn Sie etwa die Alleinverdienerin sind. Die Risiko-Lebensversicherung sichert die Hinterbliebenen finanziell ab.

In dem Fall können Sie auf Kapitallebens- und Rentenversicherungen verzichten – zumal diese ohnehin mittlerweile sehr teuer sind (siehe unten).

Hundehaftpflichtversicherung

Hunde machen nicht nur Haufen, sondern können auch echte Schäden verursachen. Für Hundehalter gilt deshalb: Eine Hundehaftpflicht sollten Sie haben. In manchen Bundesländern ist sie ohnehin bereits Pflicht.

Krankentagegeld

Besonders für Selbstständige ergibt das Krankentagegeld Sinn. Denn es ersetzt Ihnen Einnahmen, die Ihnen etwa wegen eines Krankenhausaufenthalts entgehen.

Über welche Versicherung könnte ich nachdenken?

Einige Versicherungen können sich in bestimmten Fällen lohnen. Hier sollten Sie darüber nachdenken, eine Police abzuschließen. Ein Überblick:

Pflegezusatzversicherung

Pflege in Deutschland ist sehr teuer – und die Zahlungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung reichen oftmals nicht aus. Deshalb könnten Sie über eine Pflegezusatzversicherung nachdenken. Doch beachten Sie: Diese lohnt sich nur, wenn die Beiträge langfristig nicht zu hoch werden.

Kaskoversicherung

Neben der KfZ-Haftpflichtversicherung können Autofahrer auch eine Teil- oder Vollkaskoversicherung abschließen. Die Kaskoversicherung sichert Schäden am eigenen Wagen ab.

Die Teilkasko zahlt indes nur Schäden, die durch äußere Einflüsse entstanden sind – etwa einen Steinschlag. Die Vollkasko übernimmt hingegen auch Schäden, die Sie selbst verursacht haben – etwa, wenn Sie beim Einparken gegen eine Straßenlaterne fahren.

Wenn Sie sich einen Neuwagen zulegen, sollten Sie diesen Vollkasko versichern, bei einem älteren Modell reicht indes auch eine Teilkasko. Wenn Sie einen sehr alten Wagen fahren, brauchen Sie wahrscheinlich keine der beiden Versicherungen.

Bei beiden Versicherungen lohnt der Vergleich. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Angebot können schnell hunderte Euro liegen. Die Höhe der Beiträge hängt unter anderem davon ab, wie lange Sie schon den Führerschein besitzen und ob Sie unfallfrei sind.

Gut zu wissen: Jedes Jahr aufs Neue können Sie ihre Kfz-Versicherung wechseln. Stichtag ist jeweils der 30. November.

Betriebliche Altersvorsorge

Die betriebliche Altersvorsorge oder auch Betriebsrente genannt ist die dritte Säule der Rentenversicherung in Deutschland – neben gesetzlicher und privater Rente.

Bei der Betriebsrente spart Ihr Arbeitgeber einen Teil Ihres Gehalts an – und legt noch selbst einen Teil oben drauf. Für Betriebsrenten gibt es einige verschiedene Modelle. Sinn ergibt die betriebliche Altersvorsorge auf jeden Fall, wenn Ihr Chef die Beiträge vollständig aus eigener Tasche zahlt.

Rechtsschutzversicherung

Wer schon einmal einen Rechtsstreit geführt hat, weiß: Das kann ins Geld gehen. Eine Rechtsschutzversicherung kann hier helfen. Sie sollten sich aber vor Abschluss informieren, wie hoch Ihre Selbstbeteiligung ist – und ob bestimmte Rechtsstreitigkeiten nicht bereits über die Haftpflichtversicherung oder etwa einen Mieterverein abgesichert sind.

Welche Versicherungen brauche ich nicht?

Manche Versicherungen muten auf den ersten Blick sinnvoll an, doch schnell wird klar: Eigentlich brauchen Sie die Police gar nicht. Wenn Sie diese kündigen, sparen Sie bares Geld. Ein Überblick:

Sterbegeldversicherung

Sie soll die Angehörigen im Todesfall absichern. Doch Experten warnen: Bei einer Sterbegeldversicherung handelt es sich um eine verkappte Lebensversicherung.

Glasbruchversicherung

In der Regel können sich Immobilienbesitzer eine Versicherung gegen Glasbruch sparen. Eine kaputte Scheibe kann zwar einige hundert Euro kosten. Das bringt aber in den meisten Fällen niemanden an den Rand des Ruins. Steht zudem der Verursacher fest, können Sie dessen Haftpflichtversicherung in die Pflicht nehmen.

Kapital- oder fondsgebundene Lebensversicherung

Diese Versicherungen neu abzuschließen, lohnt sich nicht mehr. Der Grund: Sie sind zu teuer – und die Erträge bei Kapitallebensversicherungen sind sehr gering.

Günstiger und flexibler sind Sie mit einem selbst aufgesetzten Sparplan auf einen Indexfonds, auch ETF genannt.

Reparaturversicherung

Schnell haben Sie beim Kauf eines neuen Haushaltgeräts auch eine Reparaturversicherung mitgekauft. Doch die ist meist ein teurer Spaß. Denn eine Reparaturversicherung brauchen Sie nicht – zumindest nicht bei Geräten für den üblichen Hausgebrauch wie Waschmaschinen oder Geschirrspüler. Hinzukommt: Wenn Sie die Versicherung nicht zahlen, können Sie sich von den gesparten Beiträgen leicht nach fünf bis sieben Jahren ein neues Gerät kaufen.

Insassenunfallversicherung

Eine Insassenunfallversicherung übernimmt meist nur Risiken, die bereits anderweitig abgedeckt sind – zum Beispiel durch die Kfz-Haftpflicht. Ihre Versicherungsbeiträge sind zwar gering, nutzen Ihnen aber kaum. Denn Ihren Einzahlungen stehen fast keine Schäden gegenüber.

Die enthaltenen Komponenten, wie etwa Krankenhaustagegeld, sollten Sie besser als Krankenzusatzversicherung abschließen. Dann zahlt die Versicherung nicht nur bei Autounfällen.

Brillenversicherung

Neue Brillen gehen ins Geld. Daher werden Ihnen beim Verkauf oft gleich die passenden Versicherungen angeboten.

Doch Vorsicht: Nicht immer ersetzt die Versicherung eine Brille vollständig, wenn diese kaputt geht. Ein neues Gestell gibt es nur, wenn die Brille gebrochen, beschädigt oder mindestens zwei Jahre alt ist. Wenn Sie indes eine besondere Fassung oder höherwertige Gläser möchten, müssen Sie noch zuzahlen.

Krankenhaustagegeldversicherung

Diese Versicherung zahlt bei einem Krankenhausaufenthalt pro Tag eine vorher vereinbarte Summe. Allerdings ist der stationäre Aufenthalt Bedingung für die Leistung. Bei ambulanten Behandlungen bekommen Sie oft nichts. Experten raten deshalb, für solche Fälle selbst Geld zu sparen.

Reisegepäckversicherung

Wenn Sie Ihr Reisegepäck verlieren, ist das ärgerlich. Doch für diesen Fall müssen Sie keine gesonderte Reisegepäckversicherung abschließen.

Der Grund: Das Reisegepäck ist in den meisten Fällen bereits über die Hausratversicherung abgedeckt (siehe oben). Zudem prüfen Reisegepäckversicherungen genau, wie gut Sie auf Ihr Gepäck aufgepasst haben – und verweigern Ihnen im Zweifelsfall die Zahlung.

Handyversicherung

Wenn Sie sich ein neues Smartphone zulegen, bekommen Sie bisweilen auch eine entsprechende Handyversicherung angedreht. Doch diese lohnt sich in der Regel nicht. Der Grund: Sie schließt viele Schäden aus und ist dafür schlicht zu teuer.

Ausbildungsversicherung

Die Idee einer Ausbildungsversicherung ist: Sie zahlen in eine Versicherung ein – und können aus diesem Topf Ihrem Kind die Ausbildung, etwa ein Studium, finanzieren.

Der Abschluss einer Ausbildungsversicherung hat bis vor einigen Jahren noch Sinn ergeben. Denn die Rendite, also der Ertrag, die man auf seine Beträge erhielt, war ausreichend hoch. Mittlerweile ist das aber nicht mehr der Fall.

Experten raten deshalb dazu, statt auf eine Ausbildungsversicherung zu setzen, einen Fondssparplan anzulegen. Am günstigen sind Sparpläne in sogenannte Indexfonds oder ETFs.

Restschuldversicherung

Wenn Sie einen Kredit abschließen, wird Ihnen oftmals gleichzeitig eine Restschuldversicherung angeboten. Diese soll dann einspringen, wenn Sie Ihre Raten nicht mehr bedienen können – und Sie so vor teuren Mahnungen bewahren.

Doch Restschuldversicherungen bringen in den seltensten Fällen etwas und sind meist zu teuer.

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Finanztip
  • GDV
  • Finanztest
  • Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
  • Mit Material der Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

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