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Wie melde ich eine Privatinsolvenz an?

  • Mauritius Kloft
Von Mauritius Kloft

Aktualisiert am 21.03.2021Lesedauer: 4 Min.
Antrag auf Privatinsolvenz (Symbolbild): Eine Privatinsolvenz anzumelden, ist sehr komplex. AnwÀlte oder Schuldnerberatungsstellen helfen.
Antrag auf Privatinsolvenz (Symbolbild): Eine Privatinsolvenz anzumelden, ist sehr komplex. AnwÀlte oder Schuldnerberatungsstellen helfen. (Quelle: suedraumfoto/imago-images-bilder)
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Eine Privatinsolvenz zu beantragen, ist eine schwierige Entscheidung. Am Ende steht aber ein Schuldenschnitt. Wie Sie das Verfahren beantragen und auf was Sie achten sollten.

Das Wichtigste im Überblick


  • Was heißt Privatinsolvenz genau?
  • Die Privatinsolvenz beantragen
  • Welche Unterlagen benötige ich fĂŒr den Antrag auf Privatinsolvenz?
  • Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?
  • Was kostet eine Privatinsolvenz?

LĂ€uft es einmal nicht rund im Leben, und die Schulden hĂ€ufen sich an, können Sie in die Privatinsolvenz gehen. Was fĂŒr viele wie eine Niederlage klingen mag, hat ein wichtiges Ziel: Am Ende der Privatinsolvenz sind Sie schuldenfrei – und können finanziell neu starten.

Doch wie beantrage ich die Privatinsolvenz? Welche Voraussetzungen sind dafĂŒr ĂŒberhaupt notwendig? Und wie lange dauert das Insolvenzverfahren? t-online gibt Ihnen einen Überblick.

Was heißt Privatinsolvenz genau?

Wer mit seinem Einkommen und seinem Vermögen nicht mehr seine Ausgaben decken kann, gilt als ĂŒberschuldet. In diesem Fall können Sie in der Regel eine Privatinsolvenz anmelden, auch Verbraucherinsolvenz genannt.

Diese soll auf der einen Seite dafĂŒr sorgen, dass Ihre GlĂ€ubiger einen Teil der Forderungen zurĂŒckerhalten. Auf der anderen Seite sollen Sie Ihre Schulden loswerden – und finanziell neu starten können. Denn am Ende einer Verbraucherinsolvenz steht eine Restschuldbefreiung, bei der Ihre restlichen Schulden getilgt werden.

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Welche Voraussetzungen gelten fĂŒr eine Privatinsolvenz?

Um eine Privatinsolvenz beantragen zu können, gilt: Sie dĂŒrfen nicht selbststĂ€ndig arbeiten – Freiberufler können keine Privatinsolvenz anmelden. Allerdings ist ein festes Einkommen aus einem ArbeitsverhĂ€ltnis keine Voraussetzung fĂŒr einen Insolvenzantrag. Somit können auch Bezieher von Arbeitslosengeld I und II einen Antrag auf Privatinsolvenz stellen.

Außerdem mĂŒssen Verbraucher fĂŒr eine Privatinsolvenz zahlungsunfĂ€hig sein, also die fĂ€lligen Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Bevor Sie den Antrag auf Privatinsolvenz stellen können, mĂŒssen Sie außerdem versucht haben, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen (siehe unten).

Die Privatinsolvenz beantragen

Zuerst wird ein Antrag auf Privatinsolvenz ausgefĂŒllt und beim zustĂ€ndigen Amtsgericht eingereicht. Darin mĂŒssen die persönlichen und wirtschaftlichen VerhĂ€ltnisse offengelegt werden. BerufstĂ€tige mĂŒssen zudem Angaben zum Arbeitgeber und zu ihrem Einkommen machen.

Gut zu wissen: Das Insolvenzgericht ist am Amtsgericht angesiedelt. Sie mĂŒssen den Antrag bei Ihrem zustĂ€ndigen Gericht stellen – also dem, das fĂŒr den Bezirk verantwortlich ist, in dem Sie wohnen.

Welche genauen Unterlagen fĂŒr den Antrag nötig sind, lesen Sie weiter unten. Bevor Sie den Antrag auf Privatinsolvenz ohnehin stellen können, mĂŒssen Sie versucht haben, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Wenden Sie sich dazu an einen Anwalt, einen Schuldnerberater oder einen Steuerberater.

Bei diesem Einigungsversuch wird Ihre finanzielle Situation genau geprĂŒft – und untersucht, ob Sie als Schuldner ĂŒberhaupt die Zahlungen leisten können. Dazu wird ein sogenannter Schuldenbereinigungsplan erstellt. Scheitert die außergerichtliche Einigung, muss Ihr Anwalt oder Schuldnerberater das schriftlich bestĂ€tigen. Mit diesem Schreiben können Sie eine Privatinsolvenz anmelden (siehe unten).

Welche Unterlagen benötige ich fĂŒr den Antrag auf Privatinsolvenz?

Mit dem "Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens" mĂŒssen Sie zudem folgende Unterlagen einreichen:

  • Personalbogen (Angaben zu Ihrer Person)
  • Bescheinigung ĂŒber den gescheiterten außergerichtlichen Einigungsversuch (unterzeichnet von Schuldnerberatungsstelle o.Ä., siehe oben)
  • Schuldenbereinigungsplan (siehe oben)
  • Antrag auf Restschuldbefreiung
  • AbtretungserklĂ€rung (EinverstĂ€ndnis, dass Einkommen bis zum Existenzminimum zur Tilgung der Schulden verwendet wird)
  • VermögensĂŒbersicht (Zusammenfassung des Vermögensverzeichnisses)
  • Vermögensverzeichnis (komplette Aufstellung aller Einkommen und Vermögen)
  • GlĂ€ubigerverzeichnis (komplette Aufstellung aller Forderungen gegen den Schuldner)
  • ErklĂ€rung auf VollstĂ€ndigkeit der Angaben

Wichtig: Betroffene mĂŒssen wĂ€hrend der Laufzeit der Insolvenz den Teil ihres Einkommens abgeben, der ĂŒber das Existenzminimum hinausgeht. BesitztĂŒmer, sofern sie nicht lebensnotwendig sind, werden gepfĂ€ndet.

Nutzen Sie fĂŒr den Insolvenzantrag die entsprechenden Formulare, die Sie bei Ihrem Amtsgericht erhalten. Da der Antrag auf die Privatinsolvenz sehr komplex ist, sollten Sie einen Rechtsanwalt einschalten. Dieser kostet Sie jedoch etwas. Schuldnerberatungsstellen hingegen nehmen nichts fĂŒr ihre Arbeit – hier sind die Wartezeiten aber oftmals sehr lange.

Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?

Die Verbraucherinsolvenz dauert drei Jahre – fĂŒr alle, die den Antrag auf Privatinsolvenz nach dem 1. Oktober 2020 stellen. FrĂŒher dauerte die Privatinsolvenz sechs Jahre. In bestimmten FĂ€llen konnten Schuldner das Privatinsolvenzverfahren verkĂŒrzen, auf drei oder fĂŒnf Jahre.

Beachten Sie: Zu dieser Zeit zÀhlt nicht die Vorbereitung des Privatinsolvenzverfahrens, also etwa GesprÀche mit Schuldnerberatungsstellen oder einem Fachanwalt.

Bevor das regulÀre Privatinsolvenzverfahren startet, versucht das Gericht in der Regel auf Basis des erstellten Schuldenbereinigungsplans (siehe oben) eine Einigung mit den GlÀubigern zu erzielen. Scheitert auch dieser zweite Einigungsversuch, eröffnet das Insolvenzgericht das eigentliche Verbraucherinsolvenzverfahren.

Ein TreuhÀnder wird bestimmt, der die sogenannte Insolvenzmasse an die Schuldner verteilt. Die Insolvenzmasse ist all das Vermögen und Einkommen, das an die Schuldner ausgezahlt werden kann.

Die Wohlverhaltensphase ist ganz entscheidend

Anschließend beginnt die Wohlverhaltensphase: In dieser Phase zahlt der TreuhĂ€nder anhand der festgelegten Verteilung das Geld des Schuldners an die GlĂ€ubiger aus.

Der Schuldner muss sich in dieser Zeit an bestimmte Regeln halten und muss zeigen, dass er an einer Entschuldung wirklich interessiert ist. Sprich: Er sollte etwa einem Beruf nachgehen oder zumindest versuchen, einen Job zu finden.

Wenn die Wohlverhaltensphase ohne Probleme lief und sich der Schuldner regeltreu verhielt, erteilt das Insolvenzgericht die Restschuldbefreiung. Der Schuldner wird von seinen restlichen Schulden befreit.

Wichtig: Nicht alle Schulden entfallen durch die Restschuldbefreiung – etwa Geldstrafen muss der Schuldner noch abbezahlen.

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Was kostet eine Privatinsolvenz?

Im Zuge des Insolvenzverfahrens und der Schuldenbereinigung entstehen Kosten, die von den Schuldnern getragen werden mĂŒssen. Außerdem können Kosten fĂŒr einen Anwalt hinzukommen.

Die Gesamtkosten der Privatinsolvenz entstehen beim Gericht und beim TreuhÀnder und können in bestimmten FÀllen in Raten abbezahlt werden. Am Ende der Insolvenz kommen noch Verfahrenskosten hinzu, die der Schuldner ebenfalls per Ratenzahlung tilgen kann.

Wie hoch die Kosten im Einzelfall sind, hĂ€ngt von der Anzahl der GlĂ€ubiger und der Höhe der Schuldensumme ab. Es handelt sich dabei meist um ĂŒberschaubare BetrĂ€ge, die einen schuldenfreien Neustart ermöglichen sollen.

Gut zu wissen: Betroffene, die ĂŒber nachweislich kein oder ein sehr geringes Einkommen verfĂŒgen, können Antrag auf Beratungshilfe beim Gericht einreichen. Die Beratungshilfe deckt alle Kosten, die bei einer Privatinsolvenz entstehen. Allerdings bieten immer weniger Insolvenzgerichte einen Beratungsschein an.

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