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Zecken-Sommer – So schützen Sie sich vor den Blutsaugern

Überträger von Borreliose und FSME  

Zecken-Sommer: So schützen Sie sich vor den Blutsaugern

08.07.2020, 13:49 Uhr | dpa, nsa

Zecken-Sommer – So schützen Sie sich vor den Blutsaugern. Zecke: Die Insekten können Krankheiten übertragen. (Quelle: dpa/Patrick Pleul)

Zecke: Die Insekten können Krankheiten übertragen. (Quelle: Patrick Pleul/dpa)

Zecken sind in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Auch dieses Jahr beobachten Experten wieder einen Rekordsommer für die Blutsauger. Welche Risiken ein Stich birgt und wie Sie sich bei Ausflügen im Freien schützen, erfahren Sie hier.

Zecken sind im Sommer 2020 wieder besonders aktiv. Damit ist auch in diesem Jahr die Gefahr besonders hoch, sich über die Milbentiere mit einer Hirnentzündung (Frühsommer-Meningoenzephalitis oder kurz "FSME") anzustecken.

Im Sommer hohe Gefahr für Borreliose

Die Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke, warnte zu Be­ginn der Sommerferienzeit zudem vor der mit Zeckenstichen einhergehenden Gefahr von Borrelio­se­. "Insbesondere im Sommer tritt die durch Zeckenstiche auf den Menschen übertragene Borreliose gehäuft auf", zitiert das "Ärzteblatt" die Medizinerin. Abhängig von der Region sei in Deutschland bis zu ein Drittel der Zecken mit Borrelien befallen. Die meisten Infektionen mit dem Bakterium würden unbemerkt verlaufen.

Borreliose zeigt sich in mehreren Stadien

Die Lyme-Borreliose wird durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht und ist die häufigste von Zecken übertragene Krankheit. Geschätzte 60.000 bis 100.000 Borreliose-Erkrankungen gibt es laut dem Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit pro Jahr in Deutschland.

Borreliose ist bei manchen Patienten nur schwer zu diagnostizieren. Denn treten Beschwerden auf, können diese sehr vielfältig sein und zu verschiede­nen Zeitpunkten einzeln oder in Kombination in Erscheinung treten.

Die Krankheit verläuft in drei Stadien und kann je nach Stadium unterschiedliche Symptome hervorrufen. Einige Anzeichen treten erst Monate oder gar Jahre nach der Infektion auf. Die Krankheit ist vor allem im Frühstadium durch Antibiotika gut therapierbar. Wird sie zu spät behandelt, drohen ein chronischer Verlauf und gravierende dauerhafte Schäden.

Zeckenbiss oder Zeckenstich?

Obwohl in der Umgangssprache häufig vom Zeckenbiss die Rede ist, handelt es sich eigentlich um einen Zeckenstich. Die Zecken krallen sich zwar zuerst mit ihren Mundwerkzeugen in die Haut ihres Opfers und ritzen eine Wunde in die Haut. Um das Blut des Wirts zu saugen, schieben sie aber einen meist mit Zähnen versehenen Stechrüssel in die Wunde. 

Immer mehr FSME-Risikogebiete

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt vor der besonders hohen Gefahr, die in diesem Sommer von Zeckenstichen ausgehe. Das liegt einerseits daran, dass infolge der Klimaerwärmung auch in Deutschland die Zahl der FSME-Risikogebiete in Deutschland steigt.

Das Robert Koch-Institut (RKI) hatte Anfang des Jahres bekanntgegeben, dass ein Stadt- und ein Landkreis in Sachsen sowie ein Landkreis in Thüringen zusätzlich als Risikogebiete eingestuft wurden. Insgesamt sind damit nun 164 Kreise als FSME-Risikogebiete definiert – die meisten davon in Süddeutschland. In diesen Regionen wird Menschen, die zum Beispiel in der Freizeit oder beruflich mit Zecken in Berührung kommen könnten, eine FSME-Impfung empfohlen.

Symptome von FSME

FSME beginnt mit Beschwerden wie Kopfschmerzen und Fieber. Bei einem kleinen Teil der Infizierten kann es nach einer Zeit ohne Symptome zu einer zweiten Phase mit Hirnhaut-, Gehirn- oder Rückenmarksentzündung kommen. Die Krankheit kann tödlich verlaufen: 2019 in zwei Fällen.

Zeckensaison wird länger

Doch nicht nur räumlich breiten sich die Blutsauger immer mehr aus. Auch die Phasen besonders hoher Zeckenaktivität dehnen sich durch die sehr milden Winter in den vergangenen Jahren zunehmend aus. Sie beginnen immer früher im Jahr und enden immer später, sodass die Parasiten, die laut RKI je nach Art und Entwicklungsstadium ab einer Temperatur von etwa acht Grad aktiv sind, inzwischen fast das ganze Jahr über eine Gefahr darstellen.

"Begonnen hat die Zeckensaison diesmal schon im März", mahnte Peter Sefrin, Bundesarzt vom DRK, bereits im Mai. Die Phasen, in denen das Risiko für eine FSME-Infektion besonders hoch ist, werden somit immer länger. Bei warmer Witterung können Infektionen vereinzelt auch im Winter auftreten. Gleiches gilt auch für die durch Zecken übertragbare Lyme Borreliose.

So schützen Sie sich vor Zeckenstichen

Auf Pfaden und Wegen bleiben

Beim Wandern und Spazierengehen in der Natur sollten Sie dichtes Unterholz und hohes Gras meiden und nach Möglichkeit auf Wegen bleiben.

Die richtige Kleidung

Das RKI empfiehlt, beim Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz geschlossene Kleidung zu tragen, also feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel. Das erschwere es Zecken, eine geeignete Hautstelle zu finden. Wer zusätzlich die Hosenbeine in die Socken steckt, bei dem muss die Zecke erst auf der Kleidung nach oben laufen. Das erleichtert es, das Tier vor dem Biss zu entdecken und zu entfernen.

Wirkstoffe gegen Zecken

Das RKI empfiehlt zusätzlich, chemische oder biologische Wirkstoffe (Akarizide) auf die Haut aufzubringen, die zumindest zeitlich begrenzt Schutz vor den Angriffen der Blutsauger bieten. Sie können unter Umständen auch auf die Kleidung aufgetragen werden.

Unerlässlich: Das Absuchen des Körpers nach Zecken

Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper unbedingt nach Zecken abgesucht werden und diese sofort entfernt werden. Das gilt ganz besonders für Kinder, die sich naturgemäß zum Spielen mehr im Freien aufhalten.

Zecken wandern oft eine Weile über den Körper, um eine geeignete Stelle für ihren Stich zu finden. Sie bevorzugen dabei versteckte Körperstellen wie etwa den Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle. Nach dem Aufenthalt im Freien sollten Sie daher Ihren Körper und die Kleidung gründlich nach Zecken inspizieren. 

Bei einem Stich: Zecken schnell und richtig entfernen

Da es bis zu einem bis zwei Tagen dauern kann, bis Borrelien nach einem Zeckenstich übertragen werden, ist es wichtig, die Parasiten möglichst schnell zu entfernen. Vor einer FSME-Infektion schützt das hingegen nur bedingt, da die Viren innerhalb kurzer Zeit nach dem Stich übertragen werden. 

Beim Entfernen einer Zecke sollten möglichst alle Teile des Tieres aus der Haut gezogen werden, um das Risiko einer Infektion zu verringern. Dazu eignet sich eine gut greifende Pinzette oder ein spezielles Zeckenentfernungsinstrument. Ist beides nicht vorhanden, entfernen Sie das Tier notfalls mit dem Fingernagel, um eine Übertragung von Krankheitserregern zu verhindern.

Das RKI empfiehlt, die Blutsauger nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen und niemals am vollgesogenen Körper langsam und gerade aus der Haut zu ziehen. Entgegen der immer wieder geäußerten Meinung sollte der Parasit nicht herausgedreht werden. Ist die Zecke entfernt, sollte die Einstichstelle wenn möglich gründlich desinfiziert werden. 

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
  • Robert Koch-Institut: "Epidemiologisches Bulletin 8/2020"
  • Ärzteblatt
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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