Sie sind hier: Home > Gesundheit >

Aspirin: Wirkstoff ASS und Nebenwirkungen werden verharmlost

Aspirin  

Experte: ASS wird verharmlost

05.09.2013, 14:36 Uhr | Nina von der Bey

Aspirin: Wirkstoff ASS und Nebenwirkungen werden verharmlost. Aspirin: Der Aspirin-Wirkstoff ASS hemmt die Blutgerinnung.  (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Aspirin ist nicht für jedes Krankheitsbild und jeden Patienten geeignet, auch wenn das oft angenommen wird. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Millionen Menschen nehmen Medikamente mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS) - wozu auch Aspirin gehört - ein. Bei verschiedensten Leiden wie Kopf- und Gelenkschmerzen oder einer Erkältung sollen sie die Beschwerden lindern. Viele schlucken ASS-Tabletten aber auch einfach vorsorglich, um ihr Wohlbefinden zu steigern. Das kann schwerwiegende Folgen haben, warnt Professor Friedrich Hagenmüller, Gastroenterologe und Chefarzt an der Asklepios Klinik in Hamburg Altona.

ASS als Schmerzmittel eher schwach

ASS ist nicht für jedes Krankheitsbild und jeden Patienten geeignet, auch wenn das oft angenommen wird. "Aspirin ist für viele Indikationen ein segensreiches Medikament", betont Hagenmüller. Besonders bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen könne die gerinnungshemmende Wirkung einen großen Nutzen bringen und zum Beispiel einem Schlaganfall vorbeugen. Bei Schmerzen jedoch sei ASS meist nicht die beste Wahl, findet der Gastroenterologe. Der Wirkstoff sei relativ schwach wirksam. Allerdings haben auch andere Schmerzmittel wie Novalgin, Paracetamol, Ibuprofen oder Diclofenac Nebenwirkungen. Ihre Einnahme sollte deshalb stets mit einem Arzt besprochen werden.

Ansehen als harmloses Mittel in Köpfen verankert

Als besonders fatal betrachtet Hagenmüller eine nicht mit dem Arzt besprochene, dauerhafte ASS-Einnahme zur Vorbeugung. "Vielfach wird Aspirin mit dem Nimbus eines Allheilmittels proklamiert. Das ist riskant und heikel", so der Experte. Aspirin werde verharmlost und dieses Ansehen sei seit Jahrzehnten in den Köpfen verankert. Häufig nehmen Patienten Aspirin nicht einmal als Medikament wahr und nennen das Präparat nicht, wenn sie nach eingenommenen Medikamenten gefragt werden, berichtet der Mediziner von seinem Klinikalltag.

Vorsorgliche Einnahme ohne Rat vom Arzt ist Unsinn

"Viele gesunde Menschen nehmen Aspirin vorsorglich ein und das ist Unsinn." Denn der Wirkstoff ist nicht für jeden geeignet und birgt Nebenwirkungen. Eine davon sind innere Blutungen aus dem Magen, Zwölffingerdarm oder Dickdarm, aber auch Blutungen im Gehirn oder Bewegungsapparat – zum Beispiel bei Sportverletzungen – können begünstigt werden. Diese Blutungen entstehen, weil ASS die Blutgerinnung hemmt. Besonders fatal ist die Einnahme, wenn bereits Vor-Erkrankungen im Magen-Darm-Trakt vorliegen. "Patienten mit diesen ASS-Nebenwirkungen landen dann bei uns Gastroenterologen", so Hagenmüller. Um die innere Blutung zu stillen, muss dann endoskopiert und manchmal auch operiert werden.

Nebenwirkungen können fatal enden

Er ist überzeugt, dass es zudem eine große Dunkelziffer von ASS-Nebenwirkungen gibt. Fast jeden Tag habe er neue Patienten-Fälle mit Magen-Darm-Blutungen als Nebenwirkung von ASS bei sich in der Klinik, berichtet Hagenmüller. Besonders gefährlich kann dies bei älteren Patienten enden, die zum Beispiel lange ASS wegen ihres Rheumaleiden eingenommen haben und außerdem ein geschwächtes Herz-Kreislaufsystem haben. Dann enden diese Nebenwirkungen oftmals tödlich.

Nie bedenkenlos zu ASS greifen

Deshalb ist es besonders wichtig, die Nebenwirkungen von ASS zu kennen und die Einnahme mit einem Arzt abzusprechen. "Bei bestimmten Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einem hohen Schlaganfall-Risiko und bei bestimmten Arten von Krebsdispositionen kann die Einnahme viel Gutes bewirken", betont der Experte. Auch eine zeitlich begrenzte Einnahme im Zuge einer Erkältung oder Grippe kann helfen. Bedenkenlos sollte man aber nie zu dem Wirkstoff greifen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

Liebe Leserinnen und Leser,

Leider können wir Ihnen nicht zu  allen Artikeln einen Kommentarbereich zur Verfügung stellen. Mehr dazu erfahren Sie in der Stellungnahme der Chefredaktion.

Eine Übersicht der aktuellen Leserdebatten finden Sie hier.

Gerne können Sie auch auf Facebook und Twitter zu unseren Artikeln diskutieren.

Ihr Community-Team

Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus. Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht
Artikel versenden

Empfänger

Absender

Name
Name
E-Mail
E-Mail

Anzeige
15,- € Gutschein für Sie - nur bis zum 22.09.2019
bei MADELEINE

shopping-portal