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Wie beginnt die Alzheimer-Krankheit? Untypische Symptome auch entscheidend


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Alzheimer beginnt nicht immer mit Vergesslichkeit

dapd, t-online.de

Aktualisiert am 09.01.2020Lesedauer: 3 Min.
Bei Menschen unter 60 Jahren äußert sich Alzheimer oftmals nicht in Vergesslichkeit. Vielmehr treten andere Symptome wie Seh- und Wortfindungsstörungen auf.
Bei Menschen unter 60 Jahren äußert sich Alzheimer oftmals nicht in Vergesslichkeit. Vielmehr treten andere Symptome wie Seh- und Wortfindungsstörungen auf. (Quelle: Seb Oliver/getty-images-bilder)
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Vergesslichkeit und eingeschränkte Denkfähigkeit gelten als das erste Anzeichen für Alzheimer. Was viele nicht wissen: Die Krankheit kann auch mit ganz anderen Symptomen beginnen – vor allem, wenn sie bei Menschen unter 60 Jahren ausbricht.

Die meisten Alzheimer-Patienten erkranken, wenn sie älter als 70 Jahre sind. Allerdings tritt die Krankheit in seltenen Fällen schon bei unter 60-Jährigen auf. Gerade bei dieser Gruppe beginnt Alzheimer oft nicht mit Vergesslichkeit. Eine Studie spanischer Wissenschaftler lässt darauf schließen, dass vor allem Menschen, bei denen die unheilbare Demenz vor Erreichen des 60. Lebensjahres ausbricht, zunächst andere Symptome entwickeln. Dabei werden die Veränderungen von den Betroffenen, ihren Angehörigen und manchmal auch von Ärzten oft falsch interpretiert.


Fotoserie: Die zehn häufigste Alzheimer-Irrtümer

1. Alzheimer und Demenz sind das Gleiche: Falsch. Alzheimer ist nur eine spezielle Form der Demenz. Daneben gibt es jedoch zahlreiche andere Demenz-Varianten wie zum Beispiel die vaskuläre oder die Lewy-Körperchen-Demenz. Allerdings betreffen zwei Drittel aller Demenzfälle die Alzheimer-Krankheit.
Reha-Maßnahmen sind sinnlos: Das stimmt so nicht. Auch wenn Alzheimer unheillbar ist, haben Maßnahmen zur Stärkung der Alltagsfähigkeiten und zur Steigerung des Selbstwertgefühls einen positiven Effekt. Hierdurch wird die häusliche Situation maßgeblich entspannt und eine stationäre Unterbringung in vielen Fällen hinausgezögert
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In vielen Fällen gebe es deshalb Fehldiagnosen, schreiben die Forscher im Fachblatt "Neurology". Der Autor der Studie, Albert Llado, hält dies für problematisch: Denn je frühzeitiger die Erkrankung erkannt werde, umso besser lasse sich die Lebensqualität der Betroffenen verbessern.

Falsche Diagnose aufgrund untypischer Symptome

Die Forscher werteten die Fälle von 40 Menschen aus, bei denen nach dem Tod die Alzheimer-Erkrankung eindeutig hatte nachgewiesen werden können. In knapp 40 Prozent hatten die Betroffenen anfangs keine Gedächtnisprobleme, waren nicht in ihrer Denkfähigkeit eingeschränkt, sondern hatten andere Probleme: Sie fielen auf wegen Sprach- oder Sehstörungen, Gedächtnisstörungen, Veränderungen im Verhalten oder weil sie nicht mehr in der Lage waren, ihre Alltagsaufgaben zu bewältigen.

Bei mehr als der Hälfte derjenigen, die diese untypischen Symptome zeigten, hatten die Ärzte eine falsche Diagnose gestellt; in 47 Prozent der Fälle war sogar zum Zeitpunkt ihres Todes die Erkrankung nicht diagnostiziert worden.

Was bei Alzheimer im Gehirn passiert: Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich um eine hirnorganische Krankheit, die durch das schleichende Absterben von Nervenzellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Laut Studien sind kleine Eiweißablagerungen (Plaques) im Gehirn von Betroffenen größenteils verantwortlich für das Absterben der Nervenzellen. Als weitere Ursache zählt das Ungleichgewicht des Botenstoffs Glutamat im Gehirn und die Übertragungsstellen werden zerstört, die der Informationsweiterleitung und -verarbeitungen dienen. Als Folge all dieser Störungen kommt es zu Fehlleistungen im Gehirn und das Geächtnis schwindet. Der Alzheimer-Forschung ist es bislang nicht gelungen, wirksame Medikamente gegen die Demenzerkrankung zu entwickeln.

Diese Grafik zeigt, wie Alzheimer entsteht: Eiweißablagerungen bilden sich zwischen den Nervenzellen und verklumpen sie. Damit einher geht ein Verlust der geistigen Fähigkeiten.
Diese Grafik zeigt, wie Alzheimer entsteht: Eiweißablagerungen bilden sich zwischen den Nervenzellen und verklumpen sie. Damit einher geht ein Verlust der geistigen Fähigkeiten. (Quelle: SCIEPRO/SCIENCE PHOTO LIBRARY/getty-images-bilder)

Diagnose Alzheimer: Mit diesen Symptomen besser zum Arzt gehen

Viele Menschen sehen in Vergesslichkeit schnell ein Warnsignal für die Alzheimer-Erkrankung. Doch das Krankheitsbild von Alzheimer ist wesentlich komplexer. Wer häufig den Hausschlüssel oder die Brille verlegt, muss deshalb nicht gleich in Panik geraten. Wenn Menschen häufig Dinge vergessen, kann das viele Gründe haben. Meist kommen bei der Alzheimererkrankung jedoch noch weitere Warnzeichen hinzu und die Einschränkungen im Alltag nehmen zu. Nicht nur Gedächtnisverlust tritt auf, sondern auch auch die Sprache (Ringen nach Worten) und Orientierung sind eingeschränkt. Darüber hinaus treten Stimmungsschwankungen und Veränderungen der Persönlichkeit auf, die auch das Urteilsvermögen betreffen. Hinzu kommen Schwierigkeiten, einfache Alltagstätigkeiten wie zum Beispiel Schuhe- oder Krawattebinden zu bewältigen.

Treten derartige Symptome über einen längeren Zeitraum von mehreren Wochen oder gar Monaten auf, sollte man zum Arzt in die Praxis gehen. Die Diagnose wird aufgrund verschiedener Tests gestellt, die Gedächtnis und Verhaltensänderungen prüfen. Einige Ärzte bieten auch spezielle Gedächtnissprechstunden an. Erhärtet sich der Verdacht auf Alzheimer, untersucht der Arzt das Blut und lässt eine Computertomographie des Gehirns anfertigen. Damit kann man die Krankheit allerdings auch nur mit 80-prozentiger Sicherheit feststellen: Eine eindeutige Diagnose gibt es erst nach dem Tod des Patienten. Eine Untersuchung des Gehirns kann dann zeigen, ob der Patient tatsächlich an Alzheimer litt.

Demenz vorbeugen: Gesunde Ernährung senkt das Risiko

Die Alzheimer-Krankheit ist zwar nicht heilbar, lässt sich aber durch eine gesunde Lebensweise verzögern oder sogar vermeiden. Klassische Risikofaktoren, die jeder bereits in jüngeren Jahren beachten sollte, sind unter anderem Übergewicht, eine falsche Ernährung, Rauchen und Bewegungsmangel. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft rät zu gesunder Ernährung mit viel Obst und Gemüse und wenig tierischem Fett. Eine Studie von US-Forschern hat gezeigt, dass Menschen, die viel Fisch, Obst und Nüsse essen, weniger gefährdet sind, an Demenz zu erkranken und ihre geistigen Leistungsfähigkeit bis ins hohe Lebensalter zu erhalten.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Neurology 2011; 76:1720-1725
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft
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Von Ann-Kathrin Landzettel
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