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Alkoholsucht: Eine Pille soll helfen

Lust auf Alkohol sinkt  

Neue Anti-Alkohol-Pille kommt auf den deutschen Markt

05.09.2014, 17:10 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel

Alkoholsucht: Eine Pille soll helfen. Die Anti-Alkohol-Pille soll Suchtbetroffenen die Lust aufs Trinken zügeln. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Anti-Alkohol-Pille soll Suchtbetroffenen die Lust aufs Trinken zügeln. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Eine Pille gegen Alkoholsucht? Diesem Ziel ist das Pharmaunternehmen Lundbeck ein Stück näher gekommen. Das Präparat Selincro, das seit kurzem in Deutschland zugelassen ist, setzt auf den Wirkstoff Nalmefen. Dieser wirkt direkt im Gehirn und soll die Lust auf Alkohol verringern. Wir haben mit Experten gesprochen und gefragt, was das neue Medikament wirklich kann.

Bisher galt nur eine Therapie im Kampf gegen die Alkoholsucht als wirklich erfolgreich: Der komplette Verzicht. Das soll mit der neuen Anti-Alkohol-Pille anders sein. Die Behandlung setzt auf eine schrittweise Reduzierung des Alkoholkonsums. Das heißt, der Betroffene darf Alkohol trinken.

Belohnungszentrum im Gehirn wird blockiert

Wie genau die Tablette funktioniert, erklärt Professor Karl F. Mann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit (ZI): "Der Wirkstoff Nalmefen blockiert die Rezeptoren des Belohnungszentrums im Gehirn. Dadurch verringert sich nicht nur die positive Wirkung des Alkohols, sondern auch der Wunsch, Alkohol zu trinken." Laut dem Experten ist Selincro weltweit das einzige zugelassene Präparat dieser Art.

In einer Studie, bei der auch Mann mitgewirkt hat, wurde die Wirksamkeit von Nalmefen untersucht. Rund 2.000 Patienten wurden dazu in zwei Gruppen unterteilt. Eine Gruppe bekam den Wirkstoff Nalmefen, die andere Gruppe ein Placebo. In der Wirkstoffgruppe schafften es die Teilnehmer, ihren Alkoholkonsum um 60 Prozent zu senken. Aber auch in der Kontrollgruppe gab es positive Effekte: Die Teilnehmer reduzierten ihren Konsum um 50 Prozent.

"Die Studie zeigt, dass es noch eine weitere Größe gibt, die hilft, den Konsum einzuschränken, nämlich die Motivation", sagt Gabriele Bartsch, stellvertretende Geschäftsführerin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). "Das heißt, dass das Medikament hauptsächlich Betroffene unterstützen kann, die wirklich den Konsum reduzieren möchten, es aber einfach nicht schaffen."

Weniger Alkoholkonsum bedeutet nicht automatisch Heilung

Auch Personen, die auf der Schwelle zum Missbrauch stehen, könnte das Präparat eine erste Hilfe sein. Allerdings sei es ein Irrglaube, die Pille als Wundermittel gegen Alkoholsucht einzustufen, betont die Suchtexpertin. Das Präparat könne lediglich helfen, die aufgenommene Alkoholmenge etwas zu reduzieren. "Es ist unmöglich, über die Einnahme einer Tablette die Alkoholsucht zu heilen." Die beste Lösung sei nach wie vor der völlige Verzicht, betont sie.

Das sieht auch Mann so: "Abstinenz ist nach wie vor das Therapieziel Nummer eins. Allerdings stellt die Tablette einen idealen Einstieg für den Ausstieg dar", ist er überzeugt. "Zum ersten Mal ist es möglich, die Sucht ohne Alkoholverzicht zu behandeln." Bisher hätte man nur ungefähr jeden zehnten Betroffenen mit Therapiemaßnahmen erreichen können. "Da die neue Tablette aber keine Abstinenz erfordert, hoffen wir, bis zu 30 Prozent der Alkoholkranken behandeln zu können", sagt Mann.

Krankenkassen übernehmen die Kosten

Das Medikament kann nur vom Arzt verschrieben werden. Die Kosten für die Therapie übernehmen die Krankenkassen. Zuerst nur für drei Monate, da die Pille noch neu ist. Doch der Antrag auf Kostenübernahme kann verlängert werden.

Wie bei jedem Medikament muss der Patient mit Risiken rechnen. "Die Nebenwirkungen des Präparates sind nicht zu unterschätzen", warnt Bartsch. Wer das Präparat deswegen absetzen müsse, stehe wieder am Anfang.  "In der Studie zeigten 15 Prozent der Teilnehmer Kopfschmerzen, Unwohlsein und Übelkeit. Lebensgefährliche Nebenwirkungen sind aber keine zu befürchten", weiß Mann. Nach vier Tagen ließen die Symptome in der Regel nach. Ist das nicht der Fall, sollte der Patient mit seinem Arzt das weitere Vorgehen besprechen.

Vom Arzt ausführlich beraten lassen

Fazit: Auch wenn die neue Anti-Alkohol-Pille Hoffnungen weckt, sollte man in ihr allein nicht die Lösung für eine Alkoholsucht sehen. Wie wirksam das Präparat ist, hängt immer von der Einzelperson und von deren Willen ab, den Konsum einzuschränken. Der Wirkstoff Nalmefen kann zwar Chancen bieten, aber eine Wirksamkeit nicht garantieren. Wer wissen möchte, ob das Medikament für ihn geeignet ist, sollte sich von seinem Arzt ausführlich beraten lassen. 

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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