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Was Sie über Neurodermitis wissen sollten

 (Quelle: Archiv)

Unheilbare Immun-Krankheit  

Was Sie über Neurodermitis wissen sollten

Von Alexandra Grossmann

01.04.2019, 08:36 Uhr
Was Sie über Neurodermitis wissen sollten. Rissige und juckende Ekzeme an den Händen: Patientin mit Neurodermitis (Quelle: imago images/imagebroker)

Rissige und juckende Ekzeme an den Händen: Patientin mit Neurodermitis (Quelle: imagebroker/imago images)

Neurodermitis ist weit verbreitet und wird oft unterschätzt. 14,3 Prozent aller Menschen erkranken ein Mal im Leben an atopischer Dermatitis, Tendenz steigend. Die Hautkrankheit ist eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems und verläuft schubweise. Sie äußert sich durch Rötung, Risse, Schuppen und Juckreiz. Ein Überblick.

Zwar schwanken die Zahlen je nach Studie leicht, doch Neurodermitis ist die häufigste chronische Hauterkrankung: Rund zwei Millionen Kinder und 2,5 Millionen Erwachsene leiden in Deutschland an atopischer Dermatitis, so die Deutsche Dermatologische Gesellschaft (DDG).

Neurodermitis ist nicht heilbar. Die Erkrankung verläuft schubweise; die meist ohnehin trockene Haut bildet dann Ekzeme, die je nach Schweregrad rot werden, sich schuppen oder aufreißen können, manchmal entzünden sie sich auch. Die Ekzeme jucken, sind aber nicht ansteckend. Meistens tritt die Erkrankung in der frühen Kindheit auf, häufig bildet sie sich bis zur Pubertät zurück. Sie kann aber auch bis ins Erwachsenenalter verbleiben und schwere Verläufe nehmen.

Ursachen für Neurodermitis

Warum manche Menschen erkranken, ist nicht vollständig erforscht. Klar ist, dass es eine genetische Veranlagung gibt, die zu der Barrierestörung der Haut und der Überreaktion des Immunsystems führt. Kinder von Neurodermitikern haben, wenn beide Eltern betroffen sind, eine bis zu 80 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, ebenfalls zu erkranken.

Mediziner nennen Neurodermitis auch "endogen": Die Mechanismen hinter der Erkrankung sind körpereigen, sie entstehen im Inneren des Körpers. Auslöser für die Schübe sind jedoch auch Einflüsse von außen: Sowohl das Klima als auch Wärme, Schweiß und bestimmte Chemikalien fördern die Entstehung der Ekzeme. Seelische Belastungen sind ebenfalls als Auslöser bekannt. 

Krankheit und Psyche

Wie groß der Einfluss der Psyche ist, ist umstritten. Mancher Arzt hält äußere Faktoren für wichtiger, andere sprechen der Psyche eine größere Rolle zu. Stress im Beruf oder Ärger in der Partnerschaft, Kummer oder eine Lebenskrise können einen Neurodermitis-Schub nach sich ziehen: Sie sind also nicht der Grund, sondern der Auslöser. Für Betroffene sind die Ekzeme selbst belastend, sowohl äußerlich, weil die Umwelt mit Abneigung reagiert, als auch durch den ständigen Juckreiz. Sie sind tagsüber gereizt und abgelenkt, nachts schlafen sie schlecht – die psychische Belastung steigt weiter an. Probleme verstärken sich, die Haut reagiert – ein Teufelskreis.

Symptome bei Neurodermitis

Die Erscheinungsformen und Krankheitsbilder sind vielfältig und unterschiedlich, doch unter einigen Symptomen leiden alle Neurodermitiker. Eines davon ist die trockene Haut, die bei Betroffenen rau, häufig rissig und im Allgemeinen empfindlich ist. Ein weiteres Symptom ist das Jucken der Körperstellen, an denen die Haut allergisch reagiert. Dazu kommt die unregelmäßige Bildung von Schweiß, der den Juckreiz verstärken kann.

Sehr leichte Formen von Neurodermitis fallen kaum auf. Hinweise auf die Erkrankung sind rissige Hautstellen, vor allem am Mund und an Finger- und Zehenkuppen. Je nach Alter unterscheiden sich die Symptome:

Neurodermitis beim Kleinkind: Häufig tritt die Erkrankung in jungen Jahren auf. (Quelle: Getty Images/Jacek Sopotnicki)Neurodermitis beim Kleinkind: Häufig tritt die Erkrankung in jungen Jahren auf. (Quelle: Jacek Sopotnicki/Getty Images)

  • Babies: Es bilden sich erste Anzeichen der Erkrankung meistens ab dem zweiten Monat. Mögliche Symptome sind Rötungen vor allem auf der Kopfhaut, an den Wangen, den Armen und Beinen sowie Bläschen, die aufplatzen, nässen und sich entzünden können. Typisch ist auch der Milchschorf: Hier bilden sich Schuppen auf der Kopfhaut, die weißlich sind und wie angebrannte Milch aussehen.
  • Kleinkinder: Die Haut ist allgemein auffällig trocken, es können sich jetzt Ekzeme bilden, die vor allem an den Ellenbeugen und Kniekehlen auftreten. Häufig sind auch Füße, Hände und Handgelenke betroffen, ebenso wie Nacken und Gesicht, hier vor allem in der Gegend der Augenlider. Die Ekzeme jucken stark, das Aufkratzen verschlechtert aber die Symptome. Sehr kurz gehaltene Fingernägel und leicht Baumwollhandschuhe für die Nacht können helfen.
  • Schulkinder: In diesem Alter entstehen die Ekzeme in Ellenbeugen, Kniekehlen und Händen. Typisch sind in diesem Lebensalter auch Stellen an Leisten und Gesäß, an der Kopfhaut und im Gesicht sowie an Hals, Nacken und Brust. In der Pubertät bildet sich die Krankheit in etwa 40 Prozent der Fälle zurück. Sie verschwindet jedoch nicht, sondern ruht: Amerikanische Studien mit vielen Betroffenen legen die Vermutung nahe, dass atopische Dermatitis bei Erwachsenen jederzeit wieder aufflammen kann.
  • Erwachsene: Jetzt kann Neurodermitis unterschiedliche Formen haben. Manchmal verschlimmern sich die Symptome plötzlich oder die Erkrankung bricht nach Jahrzehnten aus. Gründe sind möglicherweise eine Veränderung des Hormonhaushalts und eine Schwäche der Barrierefunktion der Haut im Alter. Sehr spät auftretende Neurodermitis kann schwer verlaufen.

Symptome bei Neurodermitis: Welche es sind und an welchen Stellen sie erscheinen.Symptome bei Neurodermitis: Welche es sind und an welchen Stellen sie erscheinen.

Behandlung von Neurodermitis

Neurodermitiker haben generell trockene und empfindliche Haut, sodass stets für ausreichend Feuchtigkeit gesorgt werden sollte, ohne jedoch die Haut mit zu viel Fett oder chemischen Stoffen zu überfrachten. Jede Haut hat ihre eigenen Bedürfnisse, die es herauszufinden gilt. Bei Menschen mit Neurodermitis schwanken diese in der Regel. Die Möglichkeiten der Therapie besteht aus einer Kombination von:

  • Den richtigen Salben oder Cremes, häufig mit Harnstoff (Urea) und schützenden Fetten (Ceramide) und Ölen
  • Das Auffinden von Allergenen, die Schübe auslösen
  • Der Suche nach psychischen Belastungen und ihrer Minderung
  • Cortison zur schnellen Linderung oder Antihistaminika, die den Juckreiz reduzieren können
  • Bestrahlung mit UV-Licht
  • Salzbäder, in Verbindung mit der Lichttherapie
  • Calcineurinhemmer, die das Immunsystem in seinen Aktivitäten drosseln können
  • Systemische Therapie, die bei sehr schweren Verläufen. Dies können Spritzen sein oder Tabletten, etwa Ciclosporin

Mehr Informationen über die Möglichkeiten, Neurodermitis zu heilen: Neurodermitis richtig behandeln

Ist Neurodermitis eine Allergie?

Die Krankheit selbst ist keine Allergie, doch Neurodermitiker sind oft zugleich auch Allergiker. Diese Allergien etwa gegen Katzen oder Ambrosia-Pollen können Neurodermitis-Schübe auslösen. Typische Allergene bei Menschen mit atopischer Dermatitis sind auch Hausstaubmilben und bestimmte Nahrungsmittel wie Hühnereier, Weizen oder Sojabohnen.

Neurodermitis wird auch als erstes Anzeichen von später auftretenden Allergien betrachtet, denn durch die Barrierestörung der Haut und ihrer gesteigerten Sensibilisierung kann auch die Empfindlichkeit für Allergien steigern.

Folgeerkrankungen bei Neurodermitis

Ekzeme ermöglichen es Viren, Pilzen und Bakterien, in die Haut einzudringen. Forscher haben entdeckt, dass bei fast allen Patienten mit akuter Neurodermitis das Bakterium Staphylococcus aureus in großer Zahl vorhanden ist. Die ohnehin überaktiven Immunzellen bekämpfen diese Bakterien, und die Symptome verschlimmern sich. Herpesviren können bei Neurodermitikern eine schwere Erkrankung hervorrufen. Die Herpes-Bläschen können sich sehr schnell ausbreiten – Patienten sollten so schnell wie möglich einen Arzt aufsuchen, damit der Herpes bekämpft werden kann.

Wie entsteht Neurodermitis?

Bei atopischer Dermatitis ist die Barrierefunktion der Haut gestört. Das Immunsystem erkennt eine Notlage, die nicht besteht. In der Folge wachsen Hautzellen überpropotional schnell und zahlreich. Der Grund: Die gesunde Haut fungiert als Barriere zwischen Körper und Umwelt.

Staphylokokken auf aufgekratzter Haut: Vermehrt zu finden bei Neurodermitikern. (Quelle: imago images/Science Photo Library)Staphylokokken auf aufgekratzter Haut: Vermehrt zu finden bei Neurodermitikern. (Quelle: Science Photo Library/imago images)

Eine ihrer Aufgaben besteht darin, den Körper vor schädlichen Einflüssen zu schützen. Ihr Schutzfilm hält Bakterien, Pilze und andere Krankheitserreger fern. Bei der typisch trockenen Haut von Neurodermitikern ist die Zusammensetzung des Schutzfilms gestört, und somit auch die Barrierefunktion. Die Haut wird durchlässig für Erreger und Allergene.


Die Immunzellen reagieren mit einer verstärkten Abwehr: Sie erkennen auch harmlose Substanzen als potenziell gefährlich und bekämpfen sie, indem sie Entzündungsprozesse auf der Hautoberfläche bilden. Dann gilt es, die Entzündung zu bekämpfen und damit auch das Immunsystem zu entlasten, das dann seine Überaktivität wieder herunterfährt.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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