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Knoten am Hals

spiegel-online, Heike LeKer

Aktualisiert am 23.04.2016Lesedauer: 3 Min.
Viele Monate lang hatte der Patient eine entzĂŒndete Wunde am Hals. (Symbolbild)
Viele Monate lang hatte der Patient eine entzĂŒndete Wunde am Hals. (Symbolbild) (Quelle: /Thinkstock by Getty-Images-bilder)
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Ein Mann ertastet einen Knoten am Hals und lÀsst ihn entfernen. Doch die Wucherung kommt wieder, die Wunde verheilt schlecht. Mehrere Operationen folgen, dabei liegt die Ursache so nahe.

Wann genau alles angefangen hat, weiß am Ende niemand. FĂŒr den Patienten beginnt der mehr als zwei Jahre lange Leidensweg an dem Tag, als er erstmals einen Knoten am Hals spĂŒrt. Etwa so groß wie ein Kirschkern ist das harte Gewebe, das er rechts unterhalb seines Unterkieferknochens tastet. Schmerzen hat er nicht, Sorgen macht er sich schon.

Er geht zum Arzt und wird nun zwischen Allgemeinmedizinern, Dermatologen und HNO-Ärzten hin und her vermittelt. ZunĂ€chst machen die Mediziner eine RöntgenĂŒbersichtsaufnahme des Ober- und Unterkiefers des Mannes. Etwas AuffĂ€lliges entdecken sie darauf nicht.

Knoten wird entfernt

Einen Monat spĂ€ter wird etwas Gewebe entnommen. Denn ob es sich um eine EntzĂŒndung, einen gutartigen oder einen bösartigen Tumor handelt, ist noch völlig unklar. Die Ärzte finden keinen Hinweis auf Krebszellen, doch der Knoten wĂ€chst und muss daher operativ entnommen werden.

EntzĂŒndung, aber keine Diagnose

Der Eingriff gelingt, das harte Gewebe lĂ€sst sich gut entfernen. Erneut gibt es keinen Anhaltspunkt dafĂŒr, dass ein bösartiger Tumor hinter den Beschwerden stecken könnte.

Drei Monate lang hat der Mann Ruhe.

Dann spĂŒrt er den Knoten wieder - erneut an der operierten Stelle. Eine Kernspin-Untersuchung legt nahe, dass es sich um eine EntzĂŒndung handelt, denn auch das umliegende Gewebe ist geschwollen und die Lymphknoten sind verĂ€ndert. Es folgt eine Nachoperation, bei der die Wucherung und der benachbarte Lymphknoten entfernt werden.

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Fistel bildet sich

Doch die Wunde blutet und nĂ€sst, die Ärzte mĂŒssen erneut das Skalpell ansetzen. Dabei stellen sie fest: Mittlerweile hat sich eine Fistel gebildet. Das ist ein kleiner Gang, der sich von dem knotigen Gewebe seinen Weg zur Haut am Hals bahnt und dort öffnet. "Chronisch-vernarbt" sei diese Fistel, schreiben die Mediziner in ihrem Operationsbericht. Erneut ist von einer EntzĂŒndung die Rede, Tumorzellen werden nicht gefunden.

Woher kommt die EntzĂŒndung?

Das Wichtigste aber, nĂ€mlich woher die EntzĂŒndung kommt, ist weiterhin unklar, eine Diagnose gibt es noch immer nicht. Auch eine erneute Röntgen-Übersichtsaufnahme wird nicht veranlasst.

Wunde bricht immer wieder auf

18 Monate nach den ersten Beschwerden ist der Hals des Mannes vernarbt, gerötet und geschwollen. Zur Desinfektion und Heilung behandeln die Ärzte die Wucherung nun mit Silbernitrat und Wundsalben. Doch nichts hilft: Die Wunde bricht immer wieder auf, es schließt sich noch eine Operation an, nach der Heilung quillt dieses Mal sogar Eiter hervor.

Der Zahnarzt weiß Rat

Im Bremer Krankenhaus St. Joseph-Stift bitten die Ärzte nun den Zahnmediziner um Rat. Dieser lĂ€sst endlich eine neue RöntgenĂŒbersichtsaufnahme vom Ober- und Unterkiefer des Mannes machen - und entdeckt sofort die Ursache: Die Wurzeln des fĂŒnften und siebten Zahnes unten rechts sind entzĂŒndet und abgestorben, schreibt der Zahnarzt in "zm-online", einem zahnmedizinischen Informationsportal. Das erklĂ€rt, warum der Mann keine Zahnschmerzen hat.

"Die Bakterien können sich im Wurzelkanal wunderbar einnisten, das ist wie eine Höhle", sagt Zahnmediziner Hans-Werner Bertelsen, der den Mann behandelt hat. Allerdings bleiben die Erreger nicht in ihrer Behausung, sondern breiten sich aus - bei dem Patienten in den Knochen und in das Weichteilgewebe. "Chronisch granulierende Parodontitis" nennen Ärzte diese Infektion.

Ursache nicht im Kiefer gesucht

Obwohl die knotige Raumforderung und spĂ€ter die Fistel in der NĂ€he der ZĂ€hne liegen, sind viele der beteiligten Ärzte nicht auf die Idee gekommen, dass die Ursache der EntzĂŒndung im Kiefer liegen könnte.

Auch in anderen publizierten Fallbeispielen wird davon berichtet, dass die Patienten mitunter lange Arzt- und Leidensodysseen hinter sich bringen mĂŒssen, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. HĂ€ufig vermuten Mediziner die Ursache demnach zunĂ€chst in der Haut oder in einem Tumorwachstum. Schwierig ist die Diagnosefindung möglicherweise auch deshalb, weil die Patienten meist keine Zahnschmerzen haben.

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"War der Horror"

Über seinen Patienten sagt Bertelsen: "Was er aushalten musste, war der Horror. Aber der Mann ist eine ganz ruhige Seele." Nachdem die Ursache feststeht, ist die Therapie einfach: Die beiden betroffenen ZĂ€hne mĂŒssen raus. Bereits einen Tag nach dem Eingriff nĂ€sst die Wunde nicht mehr. "Heute geht es ihm super", meint Bertelsen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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