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Hausstauballergie: Warum sie so vielen zu schaffen macht

Der Milbenkot ist das Problem  

Warum Hausstaub so vielen zu schaffen macht

29.12.2020, 07:31 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Hausstauballergie: Warum sie so vielen zu schaffen macht. In der Heizperiode leiden Hausstauballergiker besonders stark. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

In der Heizperiode leiden Hausstauballergiker besonders stark. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Wir sehen sie nicht, doch sie machen vielen Menschen zu schaffen: Hausstaubmilben. Vor allem der Kot der kleinen Krabbler ist problematisch. In ihm stecken Allergene, auf die viele mit Fließschnupfen, Niesattacken bis hin zu Atemnot reagieren.

Es ist nicht der Staub an sich, der bei vielen Menschen eine allergische Reaktion hervorruft. Die Milben, die sich im Hausstaub tummeln, sind das Problem. Genauer gesagt: ihr Kot. Laut dem Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA) haben zehn bis 15 Prozent der Deutschen mit den Ausscheidungen der Milben zu kämpfen.

Verstopfte Nase am Morgen? Es kann eine Hausstaubmilbenallergie sein

Nächtliche Hustenanfälle, juckende, tränende und brennende Augen, eine verstopfte Nase, Niesattacken, Fließschnupfen sowie Atemnot bis hin zu Asthmaanfällen gehören zu den Symptomen einer Hausstaubmilbenallergie. Typischerweise sind die Beschwerden nachts und am frühen Morgen nach dem Aufstehen am schlimmsten.

Die Kotpartikel der Milben sind für Allergiker ein Problem

Der Hausstaub setzt sich unter anderem aus Härchen, Textil- und Kunststofffasern, Pollen, Pilzsporen, Hautschuppen von Menschen und Haustieren, Holzpartikeln, Milben und Milbenkot zusammen. 95 Prozent der allergieauslösenden Stoffe des Hausstaubs sind in den Kotballen der Spinnentiere zu finden.

Diplom-Oecotrophologin Sonja Lämmel

Drei Fragen an

Sonja Lämmel

Sonja Lämmel ist Diplom-Oecotrophologin und arbeitet seit über 20 Jahren für den Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB).

Die Symptome einer Hausstaubmilbenallergie treten ganzjährig auf, sind aber häufig unspezifisch und „schleichend“. Es tritt ein Gewöhnungseffekt auf. Die Beschwerden werden meist nicht als so akut empfunden wie bei einer saisonalen Allergie. Häufig entzündet sich die Nasenschleimhaut, die Nase ist dauerhaft verstopft. Es kann zu Niesreiz (z.B. bei Staubentwicklung), aber auch häufigem Husten kommen. Einige Symptome werden meist nicht mit der Hausstaubmilbenallergie in Verbindung gebracht wie ein gestörter Schlaf, anhaltende Atemwegs-Infekte oder ein ständiges Räuspern. Auch Juckreiz, Hautreaktionen oder Reaktionen an den Augen können bestehen. Da Hausstaubmilben ganzjährig auftreten, ist das Risiko für die Entwicklung eines allergischen Asthmas noch höher als bei einer saisonalen Allergie. Daher sollte eine Hausstaubmilbenallergie frühzeitig erkannt und richtig behandelt werden.

Darüber gibt es leider keine verlässlichen Daten. Wie  und warum Allergien entstehen, bleiben und in seltenen Fällen auch wieder verschwinden, darüber wissen wir aktuell noch zu wenig, als dass man sich darauf verlassen sollte.

Eine Hyposensibilisierung kann durchgeführt werden, allerdings gilt es hierbei einige Aspekte zu beachten. Da die Behandlung einige Zeit dauert, sollte trotzdem als Erstes die wichtigste Maßnahme der Behandlung einer Hausstaubmilben-Allergie im Fokus stehen, die Sanierung des Wohnumfeldes. Die wichtigste Maßnahme ist die Sanierung der Matratze! Diese sollte mit einem möglichst allergendichten Matratzenüberzug, dem so genannten Encasing, versehen werden. Bettdecke und Kopfkissen regelmäßig waschen und für eine gute Belüftung unterm Bett sorgen. Staubfänger aus dem Schlafbereich entfernen und einen Staubsauger mit HEPA-Filter wählen. Ob eine Hyposensibilisierung in Frage kommt, sollte mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Besteht die Allergie noch nicht so lange, bieten die Extrakte, die eingesetzt werden, eine gute Behandlungsmöglichkeit. Doch nicht alle Allergieauslöser der Hausstaubmilbe sind in den Präparaten enthalten. Betroffenen sollten also erst noch einmal getestet werde, ob die Allergie auch wirklich auf die entsprechenden Allergene besteht.

Ein Gramm Staub beherbergt bis zu 15.000 Milben

Nach dem Austrocknen zerfallen die Kotballen in winzige Teilchen. Ein Luftzug oder eine kleine Bewegung reichen aus, um die Kotpartikel aufzuwirbeln. Dann werden sie mit der Luft eingeatmet. Bis zu 15.000 Milben können sich in einem Gramm Staub tummeln. Mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen. Vertreiben lassen sich die Milben allerdings nicht. Sie sind in jeder Wohnung anzutreffen und haben nichts mit falscher Hygiene zu tun.

Hausstaubmilben leben am liebsten im Bett

Doch es gibt ein Wohlfühlklima, in dem sich die Tiere besonders schnell vermehren: Bei Temperaturen von 20 bis 28 Grad und einer relativen Luftfeuchtigkeit von 65 bis 80 Prozent. Es verwundert daher nicht, dass das Bett der beliebteste Ort der Hausstaubmilbe ist. Dort ist es mollig warm und auch feucht, denn jeder schwitzt in der Nacht. Außerdem finden die Milben im Bett einen reich gedeckten Tisch vor. Sie ernähren sich von Hautschuppen.

Heizperiode verstärkt Allergie-Symptome

Laut dem Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB) liegt die Hauptvermehrungszeit der Hausstaubmilben in den Monaten Mai bis Oktober. Mit Beginn der Heizperiode und der damit verbundenen Abnahme der relativen Luftfeuchtigkeit sterbe die größte Menge der Milben zwar ab. Doch zugleich habe sich damit die maximale Menge an Exkrementen angesammelt, sodass die Beschwerden für Hausstaubmilben-Allergiker in dieser Zeit am größten sind.

Hinzu kommt: Die trockene Heizungsluft reizt die Schleimhäute zusätzlich und die Wärmezirkulation wirbelt vermehrt Staub auf.

Hausstaubmilbenallergie oder Erkältung?

Fließschnupfen, Husten, Niesattacken: Bei den Symptomen wundert es nicht, dass eine aufkommende Allergie oftmals mit einer Erkältung verwechselt wird – vor allem in den kälteren Monaten. Doch während eine Erkältung nach etwa einer Woche abklingt, bleibt die allergische Reaktion bestehen.

Hausstaubmilbenallergie ernst nehmen

Eine Hausstaubmilbenallergie geht häufig mit einer Pollenallergie einher. Laut den Allergie-Experten gibt es Hinweise darauf, dass in dieser Kombination das spätere Risiko für allergisches Asthma deutlich erhöht ist. Bei Verdacht auf eine Hausstaubmilbenallergie ist es daher ratsam, einen Arzt aufzusuchen.

Zur Behandlung akuter Symptome stehen vor allem antiallergische und antientzündliche Medikamente zur Verfügung. Gegebenenfalls rät der Arzt auch zu einer Immuntherapie, der sogenannten Hyposensibilisierung. Sie kann langfristig nicht nur die Symptome lindern, sondern auch das Risiko für ein allergisches Asthma senken.

Matratze tagsüber nicht zudecken

Um die Anzahl der Milben möglichst gering zu halten, ist es wichtig, ausreichend zu lüften. So kann die Bettwäsche trocknen und in den Räumen staut sich nicht zu viel Feuchtigkeit. Zudem sollte die Matratze tagsüber nicht zugedeckt sein, sondern die Bettwäsche zurückgeschlagen am Ende des Bettes auslüften.

Bettwäsche bei 60 Grad waschen

Wichtig ist außerdem, Kissen- und Deckenbezüge alle zwei Wochen bei 60 Grad zu waschen und den Boden mindestens einmal in der Woche zu saugen. Hilfreich für Allergiker sind hierbei Staubsauger mit speziellen Feinstaubfiltern (Hepa-Filter). Auch Polstermöbel sollte man regelmäßig absaugen.

Glatte Bodenbeläge wie etwa Laminat wischt man laut dem DAAB sogar am besten zwei Mal wöchentlich feucht. Denn auf glatten Flächen wirbeln die Kotpartikel besonders leicht auf.

Milben auf Textilien wie Kissen, Stofftieren und Gardinen, die nicht bei 60 Grad waschbar sind, können durch zwei Tage in der Tiefkühltruhe abgetötet werden. Zudem empfiehlt der DAAB nach spätestens fünf bis sechs Jahren die Matratze auszutauschen. Für Allergiker gibt es zudem allergendichte Überzüge, sogenannte Encasings, für die Matratzen, Kissen und Bettdecken.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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