Nach dem Jahrhundertsommer  

So schützen Sie sich vor Erkältungen

Von Larissa Koch

18.10.2018, 16:54 Uhr
So schützen Sie sich vor Erkältungen. Frau schnäuzt in ein Taschentuch. (Quelle: Getty Images/Wavebreakmedia)

Erkältung: Schnupfen, Husten, Hals- und Gliederschmerzen setzen viele von uns wieder außer Gefecht. (Quelle: Wavebreakmedia/Getty Images)

Wir stecken mitten in der Erkältungssaison – links und rechts schnieft und hüstelt es. Die Grippezeit steht ebenfalls bevor. Wie Sie sich vor Erkältungsinfekten und Influenza schützen können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erfahren Sie hier. 

Es geht wieder los. Rund 200 Erkältungsviren kursieren und machen uns derzeit schon wieder das Leben schwer. Im November haben sie Hochsaison. Da verzeichnen Krankenkassen den höchsten Krankenstand im Jahr. Weil es so viele Erregertypen gibt und sie sich außerdem fortlaufend verändern, sind wir ihnen ausgeliefert. Durchschnittlich zwei- bis viermal jährlich erwischt Erwachsene ein Virusinfekt. Kleinkinder sind noch viel häufiger betroffen. 

Eine Erkältung dauert ohne Behandlung sieben Tage und mit Behandlung eine Woche, sagt der Volksmund. Das trifft leider zu. Aber man kann die Symptome deutlich abmildern und damit das Leid lindern, wenn man sich mit dickem Kopf, verstopfter Nase, Hals- und Gliederschmerzen nur noch elend fühlt. Die Dauer des Infektes kann man jedoch nicht beziehungsweise kaum beeinflussen.

Kombinationspräparate sind nicht zu empfehlen

Sobald die Zeit der Schniefnasen und der Hüstelei wieder angebrochen ist, stürzen die Menschen in Apotheken und kaufen sich allerlei Erkältungspräparate. Medizinexperten, etwa von der Stiftung Warentest, warnen jedoch immer wieder vor Kassenschlagern wie Wick Medinait, Grippostad oder Aspirin Komplex. Der Grund: Es sind Kombipräparate, die verschiedene Wirkstoffe enthalten.

Ein Beispiel dafür, wie problematisch Kombinationspräparate sein können, ist Wick Medinait. Das Mittel enthält sowohl den Wirkstoff Paracetamol zur Schmerzbehandlung als auch hochprozentigen Alkohol. So raten Experten insbesondere im Krankheitsfall von Alkohol ab. Hinzu kommt, dass der Alkohol über die Leber abgebaut wird. Das gleiche gilt für Paracetamol. Insofern wird die Leber mit diesem Kombipräparat über die Maßen belastet. Nach heutigen Kriterien bekäme Wick Medinait keine Arzneimittelzulassung mehr. 

Jedes Erkältungssymptom einzeln behandeln

Statt irgendwelche Kombinationspräparate zu nehmen und dabei Nebenwirkungen zu riskieren, wird empfohlen, die Symptome einzeln zu behandeln.

Das heißt, bei Kopf- und Gliederschmerzen eignen sich Präparate mit Wirkstoffen wie ASS, Paracetamol, Diclofenac oder Ibuprofen. Bei Schnupfen können über einen kurzen Zeitraum abschwellende Nasensprays verwendet werden. Oft genügen auch Sprays auf Meersalzbasis. Nasenspülungen verbessern die Versorgung der Schleimhäute mit Feuchtigkeit und spülen Krankheitserreger heraus. Gegen Halsschmerzen helfen Lutschpastillen oder zuckerfreie Bonbons. Das erhöht den Speichelfluss und wirkt gegen einen trockenen Rachen. Inhalieren ist zudem sinnvoll bei Husten und Nebenhöhlenentzündungen. Hustenmittel wirken hingegen oft nicht. Belegt ist laut Stiftung Warentest einzig der hustenstillende Effekt von Dextromethorphan. Mittel mit diesem Wirkstoff eignen sich demnach bei trockenem Reizhusten.

Hygienemaßnahmen mindern Ansteckungsrisiko

Es ist ein alter Hut: Händewaschen hilft, um die Gefahr einer Ansteckung zu verringern. ABER: Was viele nicht wissen: Der Reinigungsvorgang muss mindestens 30 Sekunden andauern, damit Krankheitserreger unschädlich gemacht werden.

Im Idealfall waschen Sie Ihre Hände wie folgt:

  • Hände nass machen
  • Seife draufgeben
  • 30 Sekunden verteilen
  • auch zwischen den Fingern
  • und unter den Fingernägeln
  • abspülen
  • gut abtrocknen

Die Wassertemperatur ist dabei übrigens nicht entscheidend. Sie können Ihre Hände also auch kalt waschen. Wichtig sind aber Seife und Dauer. Als Reinigungsmittel genügt handelsübliche Seife. Desinfektionsmittel sind nicht nur überflüssig, sondern können sogar Resistenzen verursachen. Das heißt: Bei regelmäßiger Nutzung von Desinfektionsmitteln kann es passieren, dass Krankheitserreger sich so anpassen, dass die Produkte nicht mehr wirken und die Viren noch aggressiver werden.

Ebenfalls ein wirksamer Schutz gegen die Verbreitung von Erkältungsviren ist der Verzicht auf den täglichen Händedruck. Niesen und husten Sie zudem in Ihre Armbeuge und verwenden Sie Taschentücher nur einmal. Lassen Sie Ihre Finger aus dem Gesicht, denn so tragen Sie leicht Viren über Augen und Nase in ihren Körper. Geraten Viren in den Mund, ist das weniger problematisch. Sie werden mit dem Speichel heruntergeschluckt und von der Magensäure unschädlich gemacht.

So können Sie einer Erkältung vorbeugen

Die Annahme, dass Vitamin C gegen Erkältungen schützt, diese abschwächt oder verkürzt, ist inzwischen wissenschaftlich vollständig widerlegt. 

Andere schwören auf das Spurenelement Zink. Studien können die Wirkung jedoch bislang nicht so recht belegen. Der Wissenschaftlerverbund Cochrane Österreich fasst die Ergebnisse zur Wirksamkeit von Zink wie folgt zusammen: Das Spurenelement kann die Dauer einer Erkältung möglicherweise leicht verkürzen. Ob es präventiv wirkt und welche Dosis dazu nötig ist, muss ebenfalls noch erforscht werden. Zink hat in jedem Fall eine Funktion für unser Immunsystem. Unseren Tagesbedarf decken wir in aller Regel aber über eine ausgewogene Ernährung.  

Um die Abwehrkräfte zu stärken, eignen sich Wechselduschen, Saunagänge, Bewegung an der frischen Luft, eine möglichst bunte Ernährung mit viel Gemüse und Obst und die Vermeidung von negativem Stress.

Wann ist eine Impfung gegen Grippeviren sinnvoll?

Die jährliche Grippewelle hat in den vergangenen Jahren laut Robert Koch-Institut meist im Januar begonnen und dauerte dann drei bis vier Monate an. Außerhalb dieser Zeit werden nur wenige Fälle beobachtet. Die vergangene Grippesaison fiel außergewöhnlich stark aus. 

Die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut empfiehlt eine Grippeschutzimpfung in den Monaten Oktober und November. Die Experten raten Menschen ab 60 Jahren, sich impfen zu lassen, weil sie ein höheres Erkrankungsrisiko tragen.

Einen hundertprozentigen Schutz bietet die Impfung allerdings nicht, sie verringert jedoch die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung deutlich. Für den Fall einer Erkrankung trotz Impfung fällt die Grippe zumindest abgeschwächt aus. Der Grund, warum eine Impfung keinen vollen Schutz gewährleistet ist folgender: Es ist nicht möglich, im Vorfeld einer Influenzasaison vorauszusagen, welcher Virustyp der vorherrschende sein wird. Ein Expertengremium mit internationalen Spezialisten berechnet jährlich auf Grundlage von Wahrscheinlichkeiten, welche Influenzatypen zu erwarten sind und entwickelt auf dieser Basis den neuen Impfstoff. Dieser wird dann weltweit eingesetzt. So sollen Pandemien verhindert werden – also die globale Verbreitung von Influenzainfektionen.

Wer eine Impfung plant, sollte frei von Erkältungsinfekten sein, weil der Körper ohnehin geschwächt ist und eine Impfung dann zu belastend sein kann. Bis der Schutz gegen Influenzaviren vollständig aufgebaut ist, vergehen 10 bis 14 Tage.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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