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Kampf gegen das Pfeiffen im Ohr: Fünf Tinnitus-Apps im Vergleich

Fünf Tinnitus-Apps  

Mit der Lieblingsmusik gegen das Pfeifen im Ohr

12.06.2019, 16:22 Uhr | t-online.de , ag

Kampf gegen das Pfeiffen im Ohr: Fünf Tinnitus-Apps im Vergleich. Mithilfe von Apps können Tinnitus-Patienten Songlisten erstellen, die speziell auf ihre Tinnitus-Frequenz zugeschnitten ist. Die Musik soll helfen, die Störgeräusche im Ohr auszublenden.  (Quelle: Getty Images/ AleksandarNakic)

Mithilfe von Apps können Tinnitus-Patienten Songlisten erstellen, die speziell auf ihre Tinnitus-Frequenz zugeschnitten ist. Die Musik soll helfen, die Störgeräusche im Ohr auszublenden. (Quelle: AleksandarNakic/Getty Images)

Es piepst, pfeift oder rauscht im Ohr, obwohl andere nichts hören: Viele kennen störende Töne im Ohr. Meistens verschwindet der Ton nach kurzer Zeit wieder, doch rund drei Millionen Menschen werden das lästige Dauergeräusch nicht mehr los. Um das Leben der Betroffenen zu erleichtern, gibt es inzwischen zahlreiche Tinnitus-Apps. Wir stellen fünf von ihnen vor.

Das Prinzip ist bei den meisten Apps ähnlich: Mithilfe von Musik oder Geräuschen sollen die ungeliebten Töne im Ohr ausgeblendet werden. Allerdings können Tinnitus-Apps keine ärztliche Behandlung ersetzen. Auch liegen bislang keine Langzeitstudien vor. Positive Rückmeldungen der Nutzer zeigen jedoch, dass die Apps in vielen Fällen dazu beitragen, die Beschwerden zu lindern. Daher unterstützt der Deutsche Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte das digitale Angebot als begleitende Maßnahme bei der Behandlung von chronischem Tinnitus.

1. Tinnitracks: maßgeschneiderte Musiktherapie

Bei Tinnitracks handelt es sich um ein medizinisches Therapieprogramm, das mittlerweile von immer mehr Krankenkassen unterstützt wird. Die Anwendung basiert auf der Erkenntnis, dass der sogenannte subjektive Tinnitus eine Wahrnehmungsstörung ist, die der Patient gezielt mit einer auf ihn zugeschnittenen Musik beeinflussen kann. Denn Tinnitus entsteht nicht durch echte Geräusche, sondern dadurch, dass bestimmte Nervenzellen im Hörzentrum überaktiv sind.

Diese Nervenzellen sind ähnlich wie Klaviertasten nach ihrer Frequenz angeordnet. Werden sie überreizt, verursachen sie ein subjektives Geräusch. Für die Therapie mit der Tinnitracks-App ermittelt der HNO-Arzt die individuelle Tinnitus-Frequenz, die dann von der App aus der Lieblingsmusik herausgefiltert wird, um die betroffenen Zellen zu schonen.

Liegt der Tinnitus-Pfeifton zum Beispiel bei 1000 Hertz, wird dieser Bereich aus der Musik herausgefiltert. Es entsteht eine Lücke, so dass jetzt nur noch die Nervenzellen stimuliert werden, die  außerhalb der Tinnitus-Frequenz liegen. Das regelmäßige Hören der speziell aufbereiteten Lieder kann das überaktive Tinnituszentrum beruhigen, das die Störgeräusche auslöst. Wissenschaftlichen Studien zufolge können 90 Minuten tägliches Musikhören die Lautstärke des Tinnitustons deutlich verringern. Eine aktuelle Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) bestätigt: Jeder dritte Tinnitus-Patient, der Tinnitracks regelmäßig nutzt, spürt eine deutliche Besserung.

Die Anwendung ist für iOS und Android verfügbar. Es fallen Abo-Kosten in Höhe von 19,90 Euro an, die von vielen Krankenkassen erstattet werden. Ob Ihre Krankenkasse die Behandlung bezahlt, können Sie über die Homepage des Anbieters checken.

2. Kalmeda mynoise: Komplettpaket inklusive Verhaltenstherapie

Die Tinnitus-App von Kalmeda wurde von HNO-Ärzten und Psychologen in Zusammenarbeit mit Patienten entwickelt und ist als Medizinprodukt zugelassen. Der Therapieplan umfasst vier Bereiche: Verhaltenstherapie, Entspannung, Wissen und Geräuschtherapie. Unterschiedliche Hintergrund- und Naturgeräusche helfen beim Abschalten und lenken vom Pfeifen im Ohr ab. Entspannungs- und Meditationsübungen dienen dem Stressabbau. Um ein maßgeschneidertes Therapieprogramm zu erhalten, bietet der Hersteller "mynoise" auf seiner Homepage einen Test an, bei dem Betroffene ihre individuelle Tinnitusfrequenz ermitteln können. In der Wissensbibliothek sind darüber hinaus Informationen rund um die Krankheit nachzulesen. 

Das eigentlich Besondere der App "Kalmeda mynoise" ist die kognitive Verhaltenstherapie. Mithilfe eines speziellen Übungsprogramms lernen die Teilnehmer, die Verarbeitungsmechanismen im Gehirn zu verändern und den Tinnitus weniger stark wahrzunehmen. Denn Tinnitus wird nachweislich  verstärkt, wenn der Betroffene die Geräusche als bedeutsam wahrnimmt. Durch Akzeptanz erscheinen sie weniger belastend. 

Die App "Kalmeda mynoise" ist für iOS und Android verfügbar. Es fallen Abo-Kosten in Höhe von 38,99 Euro pro Monat an. Nach Angaben des Herstellers "mynoise" werden die Kosten für die Therapie von der Krankenkasse "BIG direkt gesund" übernommen. 

3. Tinnitus Balance: individueller Klangplan zum Nulltarif

Knisterndes Kaminfeuer,  prasselnder Regen oder Vogelgezwitscher: Die Tinnitus Balance App des Hörgeräteherstellers Phonak setzt auf die beruhigende Wirkung von Geräuschen und Klängen, um von den Störgeräuschen im Ohr abzulenken. 

Der Anwender erhält Zugang zu einer Klang- und Musikbibliothek, aus der er Klänge oder Musiksequenzen auswählen kann. Darüber hinaus kann er die Effektivität eines jeden Geräuschs bewerten und anschließend gemeinsam mit seinem Hörgeräteakustiker seinen individuellen Klangplan optimieren. Die Klänge können auch im Hintergrund abgespielt werden. Besonders praktisch: Über die App kann ein Timer aktiviert werden, der die Klänge nach einer festgelegten Zeit automatisch abschaltet.

Die App "Tinnitus Balance" ist für iOS und Android verfügbar werden und kann  kostenlos heruntergeladen werden. Sie ist kompatibel mit allen Hörgeräten von Phonak.

4. Oticon On: heilsames "rosa Meeresrauschen"

Die Tinnitus-App von Oticon basiert auf einem ähnlichen Prinzip wie Tinnitus Balance. Die Störgeräusche im Ohr werden auch  hier durch Naturklänge überdeckt. Im Angebot stehen vier verschiedene Klangvariationen. Sie bewirken Entspannung und lenken vom lästigen Piepen und Pfeiffen im Ohr ab.

Anwender können eigene Klangsequenzen zusammenstellen und dabei unter anderem zwischen Vogelgezwitscher, "rosa" und "rotem" Meeresrauschen" wählen. Diese Naturgeräusche haben laut Herstellerangaben einen beruhigenden Einfluss auf den Anwender und versprechen Erfolg für eine Reduzierung der Belastung durch Tinnitus. Auch eine Sortierung nach angestrebter Wirkung oder Situation ist möglich.

Die Oticon On- App ist für iOS und Android verfügbar und kann kostenlos heruntergeladen werden. Sie ist für den Einsatz mit dem Oticon Wireless Tinnitus-Hörsystem vorgesehen und funktioniert in Verbindung mit dem Oticon Streamer Pro. 

 5. Tinnitus Help: "Umprogrammierung" des Hörzentrums

In die von Musik- und Hörtherapeuten entwickelte Tinnitus-Help-App sind unterschiedliche Funktionen integriert. Im ersten Schritt geht es darum, die individuelle Tinnitusfrequenz zu ermitteln und diese mit angenehmen Naturklängen wie beispielsweise Regen im Sommerwald oder Ozeanbrandung zu mixen. Um die Störgeräusche im Ohr zu überlagern, bietet die App außerdem Musiksequenzen an, die ebenfalls heruntergeladen werden können.

Dadurch soll das Gehirn lernen, mit der Zeit den Tinnitus auszublenden und zu ignorieren. In der Fachsprache spricht man auch von "Habituation" (Gewöhnung). So können Sie als Tinnitus-Betroffener in den Wahrnehmungsprozeß eingreifen und lernen, die "Umprogrammierung" des Hörzentrums einleiten.

Darüber hinaus beinhaltet die Tinnitus-App eine Entspannungs- und Einschlaffunktion. Empfohlen wird, das individuelle Musik- und Klangprogramm mindestens zwei- bis dreimal am Tag für 15 Minuten laufen zu lassen, mindestens jedoch für 15 Minuten.  

Tinnitus Help ist eine kostenpflichtige App, die für iOS und Android verfügbar ist.  Der Preis beträgt für Android-Geräte 9,90 Euro, für iPhones 17,99 Euro. 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Tinnitus-Liga e.V.
  • Deutscher Berufsverband der hals-Nasen-Ohrenärzte
  • Zeitschrift HNO 2018
  • Homepage von Tinnitracks (www.tinnitracks.com)
  • Homepage von Mynoise (www.mynoise.de)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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