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Nesselsucht: Juckende Quaddeln quälen oft jahrelang

Hautkrankheit Urtikaria  

Nesselsucht: Juckende Quaddeln quälen oft jahrelang

12.09.2019, 16:59 Uhr | Ann-Kathrin Landzettel, t-online.de

Nesselsucht: Juckende Quaddeln quälen oft jahrelang. Eine Frau kratzt rote Quaddeln: Da die Haut aussieht wie nach Kontakt mit Brennesseln trägt die Erkrankung auch den Namen Nesselsucht.  (Quelle: imago images/Panthermedia)

Eine Frau kratzt rote Quaddeln: Da die Haut aussieht wie nach Kontakt mit Brennesseln trägt die Erkrankung auch den Namen Nesselsucht. (Quelle: Panthermedia/imago images)

Sie sind rot und jucken: Die Quaddeln der Nesselsucht sind aber nur ein Symptom der Krankheit. Medikamente können Linderung verschaffen – doch auch Verhaltensänderungen können notwendig sein. 

Nesselsucht – auch bekannt als Urtikaria – beschreibt die Bildung von juckenden Quaddeln und Schwellungen auf Haut und Schleimhäuten. Auch wenn Histamin bei der Entstehung einer Nesselsucht die bedeutende Rolle spielt: Eine echte Allergie ist eher selten die Ursache der Erkrankung.

Der Begriff Nesselsucht, Nesselfieber oder Urtikaria umfasst verschiedene Erkrankungen, bei denen die Haut ähnlich aussieht wie nach dem Kontakt mit Brennnesseln. Großflächigere Schwellungen, sogenannte Angioödeme, sind ebenfalls ein Nesselsucht-Symptom. Meist klingt die Hautreaktion nach wenigen Stunden wieder ab. Manchmal kann sie auch mehrere Tage andauern. Nesselsucht verläuft oft in Schüben.

Was ist Nesselsucht?

Bei Nesselsucht handelt es sich um eine Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems. Der wichtigste Mechanismus der Nesselsucht ist die Aktivierung der Wächterzellen, auch Mastzellen genannt. Sie schütten vermehrt Histamin und weitere entzündungsfördernde Botenstoffe aus. Histamin ist ein Eiweißstoff, der im Körper als wichtiger Helfer fungiert: Das Gewebehormon gibt den Immunzellen und den Nerven das Signal: Hier stimmt etwas nicht.

Die bei Nesselsucht erhöhte Histaminausschüttung verstärkt die Abwehrreaktion: Die unter der Haut liegenden Nerven sind sensibilisiert, die Durchblutung ist angeregt, die Blutgefäße weiten sich und Plasmaflüssigkeit tritt aus. Die Folge sind Quaddelbildung, Rötung, Juckreiz und Brennen. Ansteckend ist die Nesselsucht nicht und auch erbliche Faktoren spielen Experten zufolge keine bedeutende Rolle.

Formen der Nesselsucht

Mediziner unterscheiden verschiedene Arten der Nesselsucht:

  • Akute Urtikaria: Dauert bis zu sechs Wochen.
  • Chronische Urtikaria: Dauert länger als sechs Wochen.

Was verursacht Nesselsucht?

Autoimmunerkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Schilddrüsenerkrankungen sind oftmals von Nesselsucht begleitet. Pseudoallergien, also nicht-allergische Überempfindlichkeitsreaktionen, beispielsweise gegenüber bestimmten Nahrungsmitteln oder Medikamenten, gehören ebenso zu den Auslösern der Nesselsucht wie echte Allergien. Akute und chronische Infektionen, beispielsweise des Magen-Darm-Trakts durch das Bakterium Helicobacter pylori, können ebenfalls an der Erkrankung beteiligt sein.

Auf welche Reize reagiert die Haut mit Nesselsucht?

Ist der Auslöser nicht bekannt, sprechen Mediziner von spontaner Urtikaria, bei bekannter Ursache von induzierter Urtikaria. Meist sind es physikalische Reize, die zur Quaddelbildung führen:

  • Kälte und/oder Wärme (Kälteurtikaria, Wärmeurtikaria)
  • Druck/ Reibung auf der Haut (Druckurtikaria, Urtikaria facitia)
  • Vibrationen (Vibrationsurtikaria – sehr selten)
  • UV-Licht (Lichturtikaria)
  • Sport, emotionaler Stress, heiße und/oder scharfe Speisen beziehungsweise Getränke (Cholinerge Urtikaria)
  • Wasser (aquagene Urtikaria)
  • bestimmte Substanzen (Kontakturtikaria)

Bei der Kontakturtikaria wird unterschieden zwischen der immunologischen und der nicht-immunologischen Form. Die immunologische Form ist eine Abwehrreaktion des Immunsystems auf bestimmte Eiweiße (Proteine), also eine Allergie. Die Hautveränderungen können sich auf dem ganzen Körper ausbreiten. Die nicht-immunologische Form kann durch Pflanzen, Tiere oder Chemikalien ausgelöst werden und zeigt sich nur in dem Hautbereich, der mit der Substanz in Kontakt gekommen ist.

Welche Symptome treten bei Nesselsucht auf?

Dem Allergieinformationsdienst am Helmholtz Zentrum München zufolge gehört die akute Urtikaria zu der häufigsten Form der Nesselsucht. Etwa jeder fünfte Mensch erkrankt im Laufe seines Lebens mindestens einmal daran. Nesselsucht kann in jedem Lebensalter auftreten. Frauen mittleren Alters sind besonders häufig von den Nesselsucht-Symptomen betroffen.

Zu den typischen Nesselsucht-Symptomen gehören:

  • plötzliche Quaddelbildung
  • starker Juckreiz
  • Haut- und Schleimhautschwellungen (Angioödeme)
  • Brennen
  • Schmerzen
  • Rötungen

In schweren Fällen begleiten Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall, Atem- und Schluckbeschwerden, Gelenkschmerzen sowie starke Erschöpfung die Urtikaria. Angioödeme sind vor allem dann gefährlich, wenn sie die Atemwege betreffen. Die Symptome der Nesselsucht sind für die Betroffenen oft sehr belastend und beeinträchtigen bei stärkerer Ausprägung der Erkrankung die Lebensqualität stark.

Wie lange dauert die Nesselsucht an?

Abhängig von der Form der Nesselsucht bleiben die Symptome unterschiedlich lange bestehen. Häufig klingt der Hautausschlag nach wenigen Stunden wieder ab. Teilweise dauert es Tage bis Wochen. In einem von zehn Fällen bleiben die Beschwerden über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen bestehen. Die chronische Form kann mehrere Jahre hinweg andauern. Dann brechen die Quaddeln schubweise aus.

Kann Nesselsucht durch Stress ausgelöst werden?

Bei der Nesselsucht ist es wie bei vielen anderen Erkrankungen auch: Stress kann die Urtikaria verstärken und einen Schub begünstigen. Die Mechanismen von durch Stress ausgelösten Schüben der Nesselsucht sind noch nicht im Detail geklärt.

Wie kann ich Nesselsucht behandeln?

Die Nesselsuchtbehandlung bei chronischen Formen hat vor allem das Ziel, die Schübe einzudämmen und die Quaddelbildung zu verhindern. Die wichtigste Maßnahme der Urtikaria-Therapie ist daher, die Ursache der Erkrankung herauszufinden. Wer auslösende Faktoren wie Hitze, Reibung und andere kennt, kann sie leichter meiden und so Schüben vorbeugen. Ein weiterer Baustein der Nesselsuchttherapie ist, eine gewisse Toleranz zu erreichen, sodass der Körper nicht so schnell überreagiert.



Können Medikamente eine Nesselsucht heilen?

Medikamente helfen, die Ausschüttung von Histamin und anderen entzündungsfördernden Botenstoffen zu hemmen. Heilen lässt sich die Nesselsucht mit Medikamenten nicht. Die eingesetzten Präparate, meist Antihistaminika, helfen lediglich, die Symptome zu lindern. Zeigen Antihistaminika nicht die gewünschte Wirkung, kann eine Antikörpertherapie mit dem Antikörper Omalizumab sinnvoll sein. Bei sehr schweren Krankheitsschüben lindert der Einsatz von Kortison die Beschwerden.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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