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Aneurysma: Symptome, Ursache und Behandlung


Diagnose oft Zufallsbefund  

Aneurysma: Die tickende Zeitbombe im Körper

16.10.2019, 12:07 Uhr | ag , t-online.de

Aneurysma: Symptome, Ursache und Behandlung. Aneurysmen im Gehirn bleiben oft unentdeckt. Wenn sie platzen, kann der Patient innerhalb kurzer Zeit verbluten.  (Quelle: Getty Images/ JFalcetti)

Aneurysmen im Gehirn bleiben oft unentdeckt. Wenn sie platzen, kann der Patient innerhalb kurzer Zeit verbluten. (Quelle: JFalcetti/Getty Images)

Ein Aneurysma an der Aorta oder Hirnarterie verursacht oft lange Zeit keine Beschwerden. Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie betroffen sind. Platzt die Gefäßbeule, kommt meist jede Hilfe zu spät. Schon ein einfaches Niesen reicht hierfür aus. Mediziner bezeichnen die Krankheit daher auch als "leisen Killer" (silent killer). Lesen Sie hier, welche Symptome auftreten können, wer besonders gefährdet ist und wie sich ein Aneurysma behandeln lässt.

Definition: Was ist ein Aneurysma?

Unter einem Aneurysma (griechisch "Ausweitung") versteht man die krankhafte Erweiterung von Gefäßen. Aneurysmen können sich grundsätzlich an allen Arterien im Körper bilden. Am häufigsten treten sie an der Hauptschlagader (Aorta) auf, dem größten Blutgefäß im menschlichen Körper. Sie entspringt bogenförmig aus dem linken Herzen, verläuft durch den Brust- und Bauchraum, bevor sie sich im Unterbauch für die Versorgung der Beine aufzweigt. Doch auch in den Beckenarterien, im Gehirn, in der Kniekehle sowie an der Arm- oder Halsschlagader können sich Aneurysmen bilden. Selbst am Herzen ist ein Aneurysma möglich.

Welche Arten von Aneurysma gibt es?

Mediziner klassifizieren Aneurysmen in drei Typen: 

  1. Echtes Aneurysma (Aneurysma verum): kommt am häufigsten vor. Ursache ist  meist ein Gefäßverschleiß (Arteriosklerose) in Kombination mit Bluthochdruck. Die Gefäßaussackungen bilden sich am häufigsten an der unteren Hauptschlagader (Bauch-Aneurysma), seltener an der Beckenarterie oder an der Kniekehle. 
  2. Falsches Aneurysma (Aneurysma spurium): Die Gefäßwand ist geschädigt, sodass Blut nach außen neben das Gefäß austreten kann, zum Beispiel nach einer Verletzung in Folge einer Herzkatheteruntersuchung oder Angiographie. Dann bildet sich um das Blutgefäß herum ein Bluterguss (Hämatom), der sich zu Bindegewebe umwandelt.
  3. Gespaltenes Aneurysma: (Aneurysma dissecans) Es kommt am seltensten vor. Die innere Gefäßwand weist infolge von Arteriosklerose eine Ruptur (Riss) auf, während die äußere Schicht noch standhält. Dadurch kann das Blut innerhalb der Gefäßwand vordringen. Dieses Phänomen tritt meist im Bereich der Brusthauptschlagader auf

Ist ein Aneurysma tödlich? Wenn ein Aneurysma rechtzeitig erkannt wird, ist die Prognose in der Regel gut. Reißt es, versterben mehr als 50 Prozent der Patienten. Platzende Aneurysmen im Gehirn oder im Bauch sind besonders gefährlich, denn die Patienten können innerhalb kurzer Zeit verbluten. Doch auch wer den Vorfall überlebt, hat häufig mit Spätschäden zu kämpfen, die durch die Hirnblutung verursacht wurden. 

Ursachen: Warum bildet sich ein Aneurysma?

Die wichtigsten Ursachen für Aneurysmen sind Bluthochdruck und Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Aber auch angeborene Fehlbildungen und eine familiäre Veranlagung können die Bildung von Aneurysmen begünstigen. In seltenen Fällen kommen bakterielle Infektionen als Auslöser infrage.

Symptome und Warnzeichen

Tritt ein Aneurysma an einer Schlagader auf, spüren die Betroffenen das zunächst nicht. Eine Diagnose erfolgt daher meist spät, oftmals als Zufallsbefund bei Untersuchungen des Bauchraums. Wenn bereits Symptome wie Bauch-, Brust- oder Rückenschmerzen auftreten, ist das Aneurysma bereits recht groß. Dann besteht die Gefahr, dass das Bauchaorten-Aneurysma platzt und die Patienten infolge der Blutungen innerhalb kurzer Zeit sterben.

Bei Hirn-Aneurysmen sieht die Symptomatik anders aus. Hier gibt es zum einen die "asymptomatische" Variante, die ohne Beschwerden verläuft. Wenn die Gefäßbeule jedoch groß ist und ungünstig liegt, sodass ein Druck auf bestimmte Nerven ausgeübt wird, kann es zu Symptomen wie Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Lähmungen der Augenmuskulatur kommen. Auch Krampfanfälle, Sprach- und Hörstörungen sind möglich.

Was passiert, wenn ein Aneurysma platzt? Je mehr das Aneurysma wächst, umso größer ist die Gefahr, dass die Hauptschlagader platzt. Die Folge sind unkontrollierte innere Blutungen, an denen ein Großteil der Patienten stirbt. Durch den massiven Blutverlust fällt der Blutdruck schnell ab. Der Patient erleidet einen Kreislaufschock. Eine solche Blutung ist ein absoluter Notfall. Bei Verdacht auf einen Aneurysma-Riss ist der Rettungsdienst (112) sofort zu verständigen. 

Aneurysma im Bauch und in der Brust

Am häufigsten bilden sich Aneurysmen im Bereich der Aorta. Sie entspringt der linken Herzkammer, steigt zunächst in Richtung Kopf an, biegt um und verläuft dann durch den Brustkorb bis zum Bauch, wo sie sich in die beiden Beckenarterien teilt. In allen Abschnitten können sich krankhafte Gefäßerweiterungen bilden.

Platzt das Aneurysma, strömt das austretende Blut in der jeweiligen Körperhöhle und sammelt sich dort an, beim Brustaortenaneurysma in der Brusthöhle und beim Bauchaortenaneurysma im Bauchraum. In beiden Fällen besteht akute Lebensgefahr.

Die meisten Fälle (rund 90 Prozent) aller Aortenaneurysmen treten im Bauch (Abdomen) auf. Männer sind davon fünfmal so oft betroffen wie Frauen. Bei jedem Zehnten platzt das Aneurysma. Deshalb bezahlen die Krankenkassen eine Früherkennungsuntersuchung bei Männern ab dem 65. Lebensjahr.

Die Untersuchung ist unkompliziert und für die Patienten schmerzlos. Wird eine leichte Erweiterung festgestellt, empfehlen Ärzte meist regelmäßige Folgeuntersuchungen und eine Behandlung möglicher Risikofaktoren. Bei einer gewissen Größe des Aneurysmas sind weitere Untersuchungen wie etwa eine Computertomografie erforderlich.

Die Grafik zeigt eine gesunde abdominale Aorta (links) im Vergleich zu einer Aorta mit ausgeprägtem Aneurysma. (Quelle: Getty Images/Gilnature)Die Grafik zeigt eine gesunde abdominale Aorta (links) im Vergleich zu einer Aorta mit ausgeprägtem Aneurysma. (Quelle: Gilnature/Getty Images)

Aneurysma im Kopf

Bildet sich ein Aneurysma im Gehirn, spricht man von einem intrakraniellen oder zerebralen Aneurysma. Es tritt meist an den Verzweigungsstellen der Arterien auf, die das Gehirn mit Blut versorgen. Oft entdecken Ärzte ein Gehirn-Aneurysma zufällig, etwa wenn sie aus anderen Gründen eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) des Kopfes durchführen. 

Anders als beim Bauchaorta-Aneurysma haben Frauen ein höheres Risiko für Hirnaneurysmen als Männer. Auch Menschen, in deren Familie Aneurysmen im Kopf auftreten, sind eine Risikogruppe. Außerdem steigt mit zunehmendem Alter die Gefahr, dass die Gefäßwand des Aneurysmas reißt (Ruptur). Dann kommt es zu lebensbedrohlichen Hirnblutungen und der Patient muss schnellstmöglich ins Krankenhaus. Durch die Blutung steigt der Druck im Schädel an und das Hirngewebe wird geschädigt. Symptome eines erhöhten Hirndrucks sind:

  • sehr starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Erbrechen
  • Nackensteifigkeit
  • Bewusstseinsstörungen und Bewusstlosigkeit

Viele Menschen leben ihr ganzes Leben mit einem Hirn-Aneurysma, ohne es zu merken. Bei anderen zeigen sich Symptome wie Kopfschmerzen und Sehstörungen. Wenn das Hirn-Aneurysma reißt, verursacht das oft schwere Hirnschäden oder sogar den Tod der Betroffenen. Aufgrund der festen Schädeldecke kann das Blut nicht entweichen und übt schnell vermehrt Druck auf das Gehirn aus.

Die Prognose bei einem Hirn-Aneurysma hängt in starkem Maße davon ab, wann es erkannt wird. Bei frühzeitiger Behandlung sind die Heilungschancen oft gut. Tritt dagegen eine Hirnblutung infolge einer Ruptur auf, hängen die Überlebenschancen des Patienten davon ab, wie stark die Blutung ist und wie schnell diese behandelt wird.

Aneurysmen der Beinschlagader

Krankhafte Gefäßerweiterungen im Bereich der Leisten-, Oberschenkel- und Kniekehlenschlagadern sind weniger rupturgefährdet als diejenigen der Aorta und verursachen nur selten lebensgefährliche Blutungen. Am häufigsten ist die Kniekehlenregion betroffen. Liegen hier Gefäßerweiterungen von über zwei Zentimetern vor, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Schlagader verschließt. Das führt zu akuten Durchblutungsstörungen mit starken Schmerzen und im schlimmsten Fall auch Gefühlsstörungen bis hin zum Absterben des Unterschenkels. 

Behandlung: Abwarten oder operieren?

Für die Behandlung eines Aneurysmas gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden. Sie richten sich danach, wo die Gefäßaussackung liegt, wie groß sie ist und wie schnell sie wächst.

Kleinere Aneurysmen müssen oft nur beobachtet werden. Wichtig ist, dass der Blutdruck im unteren normalen Bereich (120/80 mmHg) bleibt. Hierfür wird eventuell ein blutdrucksenkendes Medikament eingesetzt. Bei größeren, schnell wachsenden Aneurysmen ist eine OP meist unvermeidbar. 

Ein besonderer Fall liegt bei Aneurysmen der Herzkammer vor. Sie reißen normalerweise nicht, sondern sind häufig Ursache einer Herzschwäche sowie von Herzrhythmusstörungen. Eine Operation zur Verkleinerung der Herzkammer kann angebracht sein, um das Fortschreiten der Herzinsuffizienz zu verhindern. Dabei wird das Aneurysma ausgeschnitten. Das Risiko einer solchen Operation ist allerdings nicht gering.

Bei einer Gefäßaussackung im Kniebereich muss dagegen nicht immer operiert werden. Eine OP ist angezeigt, wenn das Aneurysma platzt, sich Embolien bilden oder es zu Abschnürungen der Nerven und Venen kommt.

Operation: Wann ist sie angesagt und wie läuft sie ab?

Ein Aneurysma der Bauchschlagader sollte bei Männern ab einem Durchmesser von 5 Zentimetern operiert werden. Frauen sollten sich bereits bei einem Durchmesser von 4,5 bis 5 Zentimetern dem Eingriff unterziehen. Auch wenn ein noch kleines Aneurysma schnell wächst und Bauch- oder Rückenschmerzen verursacht, ist eine Operation empfehlenswert. Dann besteht nämlich ein besonders hohes Risiko einer Ruptur. Als kritischer Wert für ein Aneurysma im Brustbereich gilt für Betroffene in der Regel ein Durchmesser von 5,5 Zentimetern als Empfehlung für eine Operation. 

Bei der OP stehen hauptsächlich zwei Verfahren zur Auswahl: Der Eingriff kann entweder unter Vollnarkose klassisch chirurgisch, also mit Öffnung des Bauchraumes und Einnähen einer Gefäßprothese oder minimalinvasiv durch das Einsetzen einer Stentprothese von beiden Leisten aus erfolgen. Diese Methode ist schonender für den Patienten und kann in Lokalanästhesie durchgeführt werden. Ob sie im individuellen Fall infrage kommt, muss der Arzt entscheiden. Eine solche OP sollte von einem erfahrenen Gefäß- oder Herzchirurgen durchgeführt werden. Denn bundesweit sterben etwa fünf Prozent der Patienten bei oder an den Folgen der Operationen. Eine Zweitmeinung einzuholen ist daher in jedem Fall sinnvoll. 

Ein Aneurysma im Gehirn kann durch eine Operation, bei der der Chirurg den Schädel öffnet, entfernt werden. Anschließend verschließt er die Stelle von außen mithilfe eines Clips. In bestimmten Fällen kann der Arzt auch über ein Blutgefäß die betroffene Stelle im Gehirn aufsuchen und das Aneurysma beheben, indem er einen sogenannten Coil einsetzt. Bei diesem handelt es sich um eine Platinspirale, die das Aneurysma von innen ausfüllt. Im weiteren Verlauf werden die Patienten in ein Nachsorgeprogramm aufgenommen. Engmaschige Ultraschallkontrollen sowie eine konsequente Blutdrucktherapie sowie die Beseitigung von Risikofaktoren (Übergewicht und Rauchen) sind dringend erforderlich.

Bei einer OP am Knie wird der erkrankte Gefäßabschnitt herausgetrennt und durch einen Gefäßersatz ausgetauscht. Meistens verwenden die Gefäßchirurgen dazu ein Stück einer körpereigenen Vene. Wenn die Durchblutung eingeschränkt ist, muss ein Bypass angelegt werden. Das Hauptproblem beim Gefäßersatz im Bereich der Kniekehle ist die Möglichkeit einer Verstopfung durch Blutgerinnsel und damit eine Beeinträchtigung der Beindurchblutung.

Vorbeugung und Früherkennung

Obwohl es eine genetische Veranlagung für Aneurysmen gibt, die sich nicht beeinflussen lässt, hat eine gesunde Lebensweise präventive Wirkung. Vor allem Rauchen, Bluthochdruck und hohe Cholesterinwerte gelten als Risikofaktoren und sollten daher möglichst vermieden oder behandelt werden.

Präventive Ultraschalluntersuchungen können helfen, Aneurysmen der Bauchaorta frühzeitig aufzudecken. Solche Screenings sind zum Beispiel in Großbritannien oder den USA weit verbreitet. In Deutschland werden sie von den Krankenkassen jedoch nur für Männer ab 65 Jahren übernommen. 

Verwendete Quellen:
  • Gesundheitsinformation.de
  • UKM Universitätsklinikum Münster
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, ESC Pocket Guidelines, "Aortenerkrankungen"
  • chirurgie-portal.de
  • weitere Quellen
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