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Bei Herzschwäche nicht auf Sport verzichten

Was steckt hinter Cardiomyopathie?  

Bei Herzschwäche nicht auf Sport verzichten

09.12.2019, 11:22 Uhr | ag, t-online.de

. Ein Paar beim Laufen: Patienten mit Herzschwäche sollten, bevor sie sich für eine Sportart entscheiden, Rücksprache mit dem Arzt halten.  (Quelle: Getty Images/Halfpoint)

Ein Paar beim Laufen: Patienten mit Herzschwäche sollten, bevor sie sich für eine Sportart entscheiden, Rücksprache mit dem Arzt halten. (Quelle: Halfpoint/Getty Images)

Atemnot beim Treppensteigen, bei der Gartenarbeit oder anderen körperlichen Belastungen sind typische Symptome einer Herzschwäche. "Schonen Sie sich und meiden Sie Sport", lautete lange Zeit die Empfehlung für diese Patienten. Heute weiß man allerdings, dass Bewegungsmangel dem Herzen schadet.

In einer Studie am Universitätsklinikum in Heidelberg, die von der Deutsche Herzstiftung und der Deutschen Stiftung für Herzforschung gefördert wird, wollen Mediziner jetzt für eine besondere Form der Herzschwäche, nämlich die Dilatative Carmiomyapie (DCM), einen individuellen Trainingsprogramm entwickeln. 

Cardiomypathie: Was steckt dahinter?

Die Dilatative Cardiomypathie stellt eine Erkrankung des Herzmuskels dar, die zu einer Herzschwäche führt. Die Leistungsfähigkeit lässt nach, es kommt zu Wasseransammlungen in den Beinen (Ödeme) und in der Lunge. Schwindel, Herzrhythmusstörungen und Bewusstlosigkeit sind weitere Symptome der Herzschwäche.

"Ungefähr 40 Prozent aller herzschwachen Patienten haben eine Dilatative Cardiomypathie", sagt der Kardiologe Prof. Dr. med. Benjamin Meder, Leiter des Instituts für Cardiomyopathien (ICH) am Universitätsklinikum Heidelberg. Je nach Ausprägung der Krankheit finde sich bei der DCM ein bis zehnfach erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod. Bei bestimmten Genmutationen sei das Risiko sogar mehr als 150-fach erhöht. 

Jüngere sind besonders gefährdet ist 

Genetische Faktoren, Entzündungen, langjähriger Bluthochdruck, Diabetes, übermäßiger Alkoholkonsum oder auch bestimmte Chemotherapeutika schädigen die Herzmuskelzellen. Es kommt zu vorzeitigen Abnutzungs- und Alterungsprozessen, einem bindegewebartigem Umbau des Herzmuskels und Ausbildung von Narbengewebe.

Das führt schließlich dazu, dass sich die Herzkammern und Herzvorhöfe vergrößern. Das Herz hat weniger Kraft und pumpt nicht mehr ausreichend Blut in den Organismus. Der Sauerstoff wird knapp. "Obwohl sich im Laufe der vergangenen zehn Jahre die Prognose der Betroffenen deutlich verbessert hat, ist die DCM eine chronische Erkrankung", sagt Meder. "In der Regel trifft sie Menschen im Alter zwischen 20 und 50 Jahren, das heißt in einem Lebensabschnitt, in dem Familiengründung, Freizeitgestaltung und Beruf im Vordergrund stehen. 

Studie testet Effekt individualisierter Trainingspläne

"Diverse Studien aus den USA zeigen, dass sich Sport positiv auf die Herzschwäche auswirken kann, es gibt aber auch negative Einflüsse, die bisher schlecht untersucht sind", sagt Dr. Farbod Sedaghat-Hamedani, der mit anderen Kollegen am Heidelberger Universitätsklinikums die Studie durchführt.

"Gerade weil wir inzwischen sehr viel mehr über die DCM und ihre Ursachen wissen, können wir sehr individuell bei einzelnen Betroffenen prüfen, wie sich Sport auf ihre Erkrankung auswirkt", so der Mediziner. Im Rahmen der Studie werde zunächst eine Untersuchung mittels Herzbildgebung, modernen Biomarkern, Stammbaumanalysen und genetischer Diagnostik durchgeführt. Darüber hinaus würden verschiedene Smartphone-Apps entwickelt werden, um präzise Messdaten der Studienteilnehmer zu erheben und das Befinden genau zu verfolgen. 

Rund 300 Studienteilnehmer sollen dabei sein, alle zwischen 20 und 50 Jahre alt. Jeder von ihnen wird ein Jahr lang Sport treiben, und zwar mit einem gezielt auf ihn abgestimmten Training. Eine umfangreiche Genanalyse macht zuvor Hochrisikopatienten ausfindig, für die zum Beispiel nur sehr moderate Übungen in Frage kommen.

Mit Sport die Lebensqualität verbessern  

"Unser Ziel ist es, ein Sportprogramm zu entwickeln, das die Belastbarkeit der Betroffenen erhöht, keine gesundheitlichen Risiken für sie birgt und ihre Lebensqualität deutlich verbessert“, sagt Meder. Drei Gesichtspunkte, die die Herzspezialisten in Gesprächen mit ihren Patienten in der Herzmuskelsprechstunde des Heidelberger Universitätsklinikums herausgefunden haben. Zu Studienbeginn erfolgen umfangreiche Voruntersuchungen. Sportmediziner der Uni-Klinik befragen jeden Studienteilnehmer, welchen Sport er bereits treibt und was ihm Spaß machen würde.

Anschließend wird ein individueller Trainingsplan zusammengestellt. Für den einen empfiehlt sich zum Beispiel ein Krafttraining, um die peripheren Muskeln zu stärken. Denn man weiß, dass sich zum Beispiel kräftige Atem- und Rumpfmuskeln bei Herzschwäche sehr positiv auswirken. Ein anderer, der bislang überhaupt keinen Sport gemacht hat, sollte moderat joggen oder Nordic-Walking machen, um Herz und Kreislauf zu beleben. Ende 2021 sollen die Ergebnisse vorliegen.

"Wir gehen davon aus, dass ein moderates individuell abgestimmtes Training neben den Medikamenten erheblich zur Lebensqualität der Betroffenen beiträgt", so Meder.

Tipps für Patienten mit Herzschwäche

Wer bei einer Herzschwäche mit Sport beginnen möchte, sollte laut der Deutschen Herzstiftung einige wichtige Punkte beachten: Bevor man mit dem Training startet, sollte man sich von einem Kardiologen beraten lassen. In der Regel überprüft der Arzt, ob die aktuelle medikamentöse Behandlung gut auf die jeweilige Herzschwäche abgestimmt ist.

Darüber hinaus ist ein Belastungstest erforderlich, um die momentane Belastbarkeit zu überprüfen und den maximalen Puls unter körperlicher Anstrengung zu bestimmen. Dieser Parameter ist für die Wahl der Trainingsintensität im Sport wichtig ist.

Die geeignete Sportart finden

Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Sportarten, bei denen kein großer Kraftaufwand erforderlich ist. Ideal sind je nach Intensität Wandern, Nordic-Walking, Radfahren und bei gut trainierten Patienten auch Skilanglauf. Meiden sollten Herzschwächepatienten Sportarten, die hohe muskuläre Belastungen erfordert und bei denen Pressatmung erfolgt. Aufgrund des Druckanstiegs im Brustkorb kann sie zu einer akuten Verschlechterung der Pumpleistung des Herzens führen.

Wichtig: Der Sport sollte unbedingt abgebrochen werden, wenn es während des Trainings zu Herzrhythmusstörungen, Schwindel oder starker Atemnot kommt. In solchen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Wenn Atemnot bereits in Ruhe auftritt oder wenn in den Beinen Wassereinlagerung (Ödeme) vorhanden sind, sollte jedoch auf Sport zunächst verzichtet werden. In diesen Fällen ist eine Stabilisierung mit Medikamenten erforderlich, bevor das Trainingsprogramm startet. 

Informationen für Betroffene zu den verschiedenen Formen der Cardiomyopathie bietet der kostenfreie Ratgeber "Bedrohliche Herzrhythmusstörungen: Wie schütze ich mich vor dem plötzlichen Herztod?", der auf den Internetseiten der Deutschen Herzstiftung  oder telefonisch unter 069 / 955128400 angefordert werden kann.

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Herzstiftung e.V.


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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