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Mit "guten" Darmbakterien den Diabetes bekämpfen

Buchrezension  

Mit "guten" Darmbakterien den Diabetes bekämpfen

Von Andrea Goesch

06.03.2020, 13:27 Uhr
Mit "guten" Darmbakterien den Diabetes bekämpfen. Darmflora des Dünndarms: Hier tummeln sich verschiedene Mikroben wie Bifidobakterien, Laktobazillen, Enterococcus and Escherichia coli. (Quelle: Getty Images/	Dr_Microbe)

Darmflora des Dünndarms: Hier tummeln sich verschiedene Mikroben wie Bifidobakterien, Laktobazillen, Enterococcus and Escherichia coli. (Quelle: Dr_Microbe/Getty Images)

Eine gesunde Darmflora ist wichtig für unser Wohlbefinden. Doch die "guten" Bakterien in unserem Verdauungstrakt können noch mehr. Sie helfen, Diabetes Typ 2 zu verhindern und können den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Wie das funktioniert, erklärt der Ratgeber "Diabetes besiegen mit einem gesunden Darm".

Verfasst wurde das Buch von der Ernährungswissenschaftlerin Alexandra Renkawitz und der Ärztin Dr. Ulrike Keim. Auf anschauliche Weise wird erklärt, wie eine gesunde Darmflora Diabetes verhindern und sogar verschwinden lassen kann. 

Alexandra Renkawitz, Ulrike Keim: Diabetes besiegen mit einem gesunden Darm. (Quelle: Trias Verlag/Montage t-online.de)Alexandra Renkawitz, Ulrike Keim: Diabetes besiegen mit einem gesunden Darm. (Quelle: Trias Verlag/Montage t-online.de)

Mithilfe von Grafiken, Tabellen und Infoboxen gelingt es den Autorinnen, komplizierte Stoffwechselprozesse verständlich und anschaulich darzustellen. Begleitet werden die Ausführungen von praxisorientierten Tipps inklusive einem Einkaufsratgeber und einem Glossar, das wissenschaftliche Begriffe erklärt. Damit die vielen Ernährungstipps nicht reine Theorie bleiben, findet sich am Ende des Buchs ein eigener Rezeptteil.

Die Darmbewohner: "gute" und "böse" Bakterien

Im Darm leben Billionen Bakterien, die sich auf mindestens 1.000 verschiedene Stämme verteilen. Sie sind "lebenslange Partner für unsere physische und psychische Gesundheit", schreiben Renkawitz und Keim. Zusammen bilden sie die Darmflora, die von Wissenschaftlern auch als Mikrobiom oder Mikrobiota bezeichnet wird.

Die unzähligen Bakterien im Verdauungstrakt lassen sich grob in zwei Arten unterscheiden: Die gesundheitsschädigenden, "bösen" Bakterien, die unter dem Namen Kolibakterien bekannt sind und die gesundheitsförderlichen, "guten" Bakterien (Probiotika), zu denen Laktobakterien und Bifidobakterien gehören. 

Welche Funktion hat die Darmflora? Das Mikrobiom sorgt einerseits dafür, dass die Nährstoffe, die über die Nahrung in den Körper gelangen, aufgenommen werden und schützt andererseits vor einer Ansiedlung krankheitserregender Keimen im Darm. Zudem produzieren die "guten" Bakterien im Darm wichtige Vitamine und stimulieren das Immunsystem

Diabetes durch kranke Darmflora

Die Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft ist bei jedem Menschen individuell unterschiedlich. Umso vielfältiger die Zusammensetzung des Mikrobioms ist, desto gesünder bleiben wir. Ist das Gleichgewicht von "guten" und "bösen" Bakterien gestört, kann es zu schweren Erkrankungen wie Diabetes kommen. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass bei späteren Diabetikern die Vielfalt der Bakterienstämme bereits Monate oder Jahre vor Ausbruch der Krankheit abnimmt. Insbesondere jene Bakterienstämme, die Buttersäure oder andere kurzkettige Fettsäuren produzieren, treten vermindert auf. Gleichzeitig finden sich im  Darm von Diabetikern vermehrt entzündungsfördernde Bakterien, sogenannte Endotoxine. 

Doch wie gelingt es, die "guten" Bakterien im Darm zu vermehren? Das Zauberwort für Renkawitz und Keim heißt "gut balance", auf deutsch: Darm im Gleichgewicht. Hierzu dient ein Zehn-Punkte-Plan, der Tipps zur darmgesunden Ernährung und Lebensweise enthält. Das daraus entwickelte Ernährungsprogramm soll helfen, das Mikrobiom, also die Darmflora, zu sanieren. 

Darmdiagnostik: So wichtig wie Blutzuckermessen

Da die Ernährungsumstellung dem individuellen Mikrobiom angepasst sein sollte, empfehlen Renkawitz und Keim, eine Darmdiagnostik in Form einer Stuhluntersuchung durchführen zu lassen. Die Autorinnen kritisieren, dass diese im Gegensatz zur Blutzuckermessung noch kein Standardverfahren in der Diabetes-Diagnostik sei. Die Messung der Blutzuckerwerte sei nur eine Momentaufnahme und ihre Aussagekraft eingeschränkt, auch wenn sie für die medikamentöse Therapie wichtig sei. 

"Durch eine Stuhluntersuchung (...) können die eigentlichen Gefahren und Ursachen für erhöhte Blutzuckerwerte und mögliche Spätschäden festgestellt werden", schreiben Renkawitz und Keim. Eine Analyse der Darmflora gebe wichtige Hinweise, ob und wie sich ein Diabetes entwickeln könnte. Zudem ließen sich aus dem Befund Handlungsanweisungen für eine Umstellung der Ernährungsweise ableiten.

"Gute" Bakterien anfüttern und die "schädlichen" loswerden

Liegt die Stuhldiagnostik vor, kann die Wiederherstellung des Gleichgewichts im Darm beginnen. "Aus dem Befund lässt sich ablesen, welche Bakterienarten besonderes 'Kraftfutter' benötigen und welche Nahrungsmittel unwissentlich schon viel zu lange gegessen oder vergessen wurden", so die Autorinnen. Ihr selbst entwickelter "10-Punkte-Plan für Gut Balance" soll helfen, über die Ernährung die Zahl der "guten" Bakterien im Darm zu vermehren, um auf diese Weise eine Diabetes-Erkrankung zu verhindern, abzumildern oder im besten Fall sogar rückgängig zu machen.

Das A und O dabei ist, die "guten" Darmbakterien zu vermehren und die schädlichen auf diese Weise zu schwächen. Der Ratgeber gibt hierzu zehn Empfehlungen:

  1. Probiotisch leben: Probiotika sind "erwünschte" Darmbakterien. Sauermilchprodukte aus dem Kühlregal wie zum Beispiel Joghurt, Kefir oder Dickmilch, aber auch milchsauer vergorene Bohnen, Möhren oder Sauerkraut sind reich an diesen Bakterien. 
  2. Hygiene in Maßen: Haushaltschemikalien und Pflegeprodukte mit Tensiden für die Körper- und Zahnpflege schaden dem Mikrobiom. Verwenden Sie Bio-Produkte und Neutral-Reiniger in Maßen.
  3. Den Darm renaturieren: Nach einer Antibiotika-Therapie sollte sich der Darm erst einmal erholen. Selbst fermentierte Lebensmittel, die reich an "guten" Milchsäurebakterien sind (Sauerkraut), helfen dabei. Unterstützend wirken auch Kefir, Kombucha und Kimchi.
  4. Glück essen: Nicht nur kalorienreiche Schokolade macht aufgrund des hohen Anteils an Seratonin glücklich. Auch fettarme Lebensmittel, die Tryptophan enthalten, zeigen diesen Effekt, zum Beispiel Steinpilze, Kürbiskerne oder Handkäse. 
  5. Pflege und Schlaf: Die nächtliche Regenierung ist für die Darmgesundheit wichtig. Achten Sie daher darauf, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen. 
  6. Die Seele pflegen: Stress zehrt nicht nur an den Nerven, sondern schadet auch dem Mikrobiom. Gönnen sie sich genug Auszeiten zum Entspannen.
  7. Schritte und Stufen: Bauen sie möglichst viel Bewegung in Ihren Alltag und vermeiden Sie keine Treppen.
  8. Antientzündlich essen und trinken: Ein Diabetes geht mit entzündlichen Prozessen einher, die sich auch im Darm bemerkbar machen. Mit sekundären Pflanzenstoffen, die in farbstarken Kräutern, Gewürzen sowie in vielen Obst- und Gemüsesorten enthalten sind, unterstützen Sie ihre Darmflora. Auch Vitamine und Mineralstoffe wirken gegen Entzündungen und sollten häufig auf dem Speiseplan stehen.
  9. Die Leber und die Entgiftung unterstützen: Helfen Sie dem Entgiftungsorgan, indem sie Alkoholkonsum am Abend vermeiden und  mindestens vier Stunden vor dem Zubettgehen nichts mehr essen.
  10. Nahrung ergänzen: Je nach Ausprägung des Diabetes oder Prä-Diabetes können Nahrungsergänzungsmittel (Probiotika, Vitamine oder Heilpflanzen) helfen, die Vielfalt "guter" Bakterien in der Darmflora zu vermehren.

Fazit

Der Ratgeber von Renkawitz und Keim macht Hoffnung. Wer bislang vergeblich versucht hat, seine Blutzuckerwerte durch Sport oder Diäten in den Griff zu bekommen, erhält dadurch neue Motivation. Ohne erhobenen Zeigefinger wird aufgezeigt, welche Konsequenzen ein ungesunder Lebensstil haben kann. Gleichzeitig geben die Autorinnen alltagstaugliche Anleitungen, wie sich ernährungsbedingte Schäden wieder rückgängig machen lassen.

Die Aussicht, durch eine eine konsequente Darmsanierung möglicherweise von der Insulinspritze loszukommen, ist motivierend für alle Betroffenen. Ob es funktioniert, lässt sich sicher nicht verallgemeinern. Dennoch sollte es einen Versuch Wert sein, denn in jedem Fall jedoch wird der Körper von der Umstellung auf eine gesunde Ernährung profitieren.

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  • Autorinnen: Alexandra Renkawitz, Ulrike Keim
  • Verlag: Trias
  • Erscheinungsdatum: 8.01.2020 (1. Auflage)
  • E-Book oder Taschenbuch mit 164 Seiten


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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