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Diese Arten der Depression gibt es

Arten der Depression  

Eine Depression kann viele Gesichter haben

Ann-Kathrin Landzettel

07.05.2020, 12:16 Uhr
Diese Arten der Depression gibt es. Eine Frau sitzt in der Hocke auf einem Bett: Depressiven Menschen fällt es oft schwer, am sozialen Leben teilzunehmen. (Quelle: Getty Images/ bunditinay)

Eine Frau sitzt in der Hocke auf einem Bett: Depressiven Menschen fällt es oft schwer, am sozialen Leben teilzunehmen. (Quelle: bunditinay/Getty Images)

Eine Depression ist weitaus mehr, als "nicht gut drauf zu sein". Die tiefe, alles umfassende Traurigkeit, ist eine ernst zu nehmende psychische Erkrankung. Sie kann zum Selbstmord führen und sich in unterschiedlichen Lebenssituationen zeigen. Im Fall der Wochenbettdepression sogar dann, wenn eigentlich Anlass zur Freude besteht. 

Depression: Wenn Traurigkeit das Leben bestimmt

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leiden weltweit mehr als 264 Millionen Menschen unter einer Depression. Frauen sind öfter betroffen als Männer. Hinter einer Depression steckt mehr als die üblichen emotionalen Reaktionen auf stressige Herausforderungen des Alltags. Eine Depression ist eine Erkrankung, die bei den Betroffenen mit einem enormen Leidensdruck verbunden ist und die sich auf Familie, Freunde, Beruf und Alltag auswirkt. Eine frühe Behandlung ist daher wichtig. Zu den Symptomen einer Depression gehören:

  • Müdigkeit und Schlafstörungen
  • Konzentrationsschwäche
  • Gefühle tiefer Traurigkeit, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und innerer Leere
  • Apathie
  • Appetitlosigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Interessenverlust
  • Freudlosigkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  • negative Zukunftsvorstellungen
  • Selbsttötungsgedanken oder -handlungen

Viele Betroffene bekommen ihren Alltag nicht mehr gestemmt. Sie schaffen es nicht mehr, aufzustehen und einfachste Dinge des alltäglichen Lebens zu erledigen. Kreativität, Konzentrations- und Merkfähigkeit schwinden manchmal sogar so weit, dass bei älteren Menschen fälschlicher Weise eine Demenz vermutet wird. Angaben der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz zufolge tritt bei 70 bis 80 Prozent der Patienten eine depressive Störung in Verbindung mit Angstgefühlen auf, zum Teil bis hin zu einer behandlungsdürftigen Angststörung.

Wochenbettdepression: Wenn nach der Geburt das Glücksgefühl fehlt

Da Phasen der Hormonumstellung von Depressionen begleitet sein können, sind Depressionen häufig bei Frauen nach einer Geburt oder in der Menopause zu finden. Treten Symptome einer Depression die ersten drei bis fünf Tage nach der Geburt auf, ist von sogenannten "Heultagen" oder "Baby Blues" die Rede. Studien zufolge sind solche Veränderungen der Stimmung nach etwa 40 bis 70 Prozent aller Entbindungen zu beobachten.

Von einer "Wochenbettdepression" (postpartale oder postnatalen Depression) sprechen Psychologen dann, wenn die depressiven Verstimmungen in den ersten Wochen nach der Geburt auftreten. Etwa eine von zehn Frauen leidet nach der Geburt unter Wochenbettdepressionen. Übergänge zu den sehr seltenen, aber sehr schweren Wochenbettpsychosen kommen bei etwa einer bis zwei von 1.000 Geburten vor. Diese psychische Störung kann auch bei Männern auftreten. Sie zeigt sich beim Mann meist drei bis sechs Monate nach der Geburt. Zu den Symptomen einer Wochenbettdepression gehören unter anderem:

  • tiefe Traurigkeit
  • Schwierigkeiten, Liebe für das Neugeborene zu empfinden
  • Zweifel an den eigenen Fähigkeiten
  • Überforderung
  • Schuldgefühle gegenüber dem Baby
  • Schlafstörungen
  • Antriebslosigkeit
  • Gereiztheit/ Aggressivität

Altersdepression: Oft als Demenz fehlgedeutet

Die Depression im Alter, auch Altersdepression genannt, gehört zu den häufigsten psychischen Leiden im Alter. Von einer Altersdepression sprechen Mediziner bei depressiven Patienten ab 65 Jahren. Depressionen im Alter werden oft durch ein besonders belastendes Erlebnis ausgelöst – im Alter können der Tod des Partners, körperliche Einschränkungen oder Gefühle der Isolation mögliche Ursachen sein. Experten schätzen, dass bei Menschen über 70 Jahre rund 25 Prozent unter einer Altersdepression leiden – die Erkrankung aber nur bei zehn bis 20 Prozent erkannt wird und eine Therapie erfolgt. Zu den Symptomen einer Altersdepression gehören unter anderem:

  • Müdigkeit
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • tiefe Traurigkeit (Weinanfälle)
  • Antriebslosigkeit
  • Hoffnungslosigkeit
  • Freudlosigkeit und niedergeschlagenheit
  • verlangsamte Bewegungen
  • innere Unruhe
  • körperliche Beschwerden wie Rückenschmerzen, Kopfschmerzen oder Herzrhythmusstörungen
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Schwindel
  • Ein- und Durchschlafstörungen
  • Gleichgültigkeit
  • Selbstmordgedanken

Wichtig zu wissen: Da eine Altersdepression ähnliche Symptome zeigen kann wie eine Demenz, besteht die Gefahr, dass Depressionen im Alter nicht erkannt werden. Und: Bei etwa 90 Prozent der Betroffenen sind die vordergründigen Anzeichen der Krankheit eher körperlicher Natur und werden oft dem Alterungsprozess zugerechnet und nicht einer Depression. Das hat zur Folge, dass eine gezielte Therapie oft nicht stattfindet..

High Functioning Depression: die erfolgreichen Depressiven

Alle Herausforderungen meistern, dem Leistungsdruck gerecht werden, erfolgreich sein: Depressive mit einer High Functioning Depression haben ihr Leben von außen fest im Griff und sind innerlich ausgebrannt. Sie zeigen nach außen keine Symptome der "klassischen" Depression. Sie sind nach wie vor hoch leistungsfähig und funktionieren trotz ihrer Erkrankung weiter. Sie meistern ihren Alltag und sind erfolgreich. Sie überspielen Gefühle der Traurigkeit, Verzweiflung und Überforderung und versuchen, die negativen Gefühle wegzuschieben. Deshalb bleibt diese Form der Erkrankung oft unerkannt.

Betroffen sind vermehrt Perfektionisten, also solche Menschen, die sehr hohe Erwartungen an sich selbst und ihr Leben haben und bestimmte berufliche oder persönliche Ziele verfolgen und dadurch unter Druck geraten. Der Alltag soll möglichst effizient, erfolgreich und fehlerfrei ablaufen. Spaß und Erholung machen immer öfter Pflichten Platz und die Angst zu versagen sitzt ständig im Nacken. Zwar zählt die High Functioning Depression zu den leichteren Depressionen, ernst genommen werden sollte sie trotzdem. Zu den möglichen Symptomen einer hochfunktionalen Depression gehören unter anderem:

  • Gereiztheit
  • Gefühle der Überforderung
  • innere Leere
  • Rückzug von Hobbys und Freunden
  • veränderte Schlaf- und Essensgewohnheiten
  • erhöhter Alkoholkonsum/ Tablettenmissbrauch
  • Versagensängste
  • hoher Erwartungsdruck
  • starke Selbstkritik
  • mangelnde Begeisterungsfähigkeit

Winterdepression: Traurigkeit in den dunklen Monaten

Trüber Himmel, Regen und Sturm: Bei manchen Menschen steigt in den dunklen Herbst- und Wintermonaten das Risiko, an einer saisonal abhängigen Depression (SAD), auch bekannt unter der Begriff Winterdepression, zu erkranken. Psychologen sprechen von einer saisonal bedingten Depression, wenn sich Symptome einer depressiven Episode ausschließlich und wiederholt zu einer bestimmten Jahreszeit zeigen. Meist sind das die Herbst- und Wintermonate. Die „klassischen“ Symptome einer Depression können ergänzt werden durch:

  • Heißhungerattacken
  • vermehrtes Schlafbedürfnis
  • Bedürfnis nach Rückzug und Stille

Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe sind saisonal abhängige Depressionen meist weniger schwer ausgeprägt und weniger häufig als andere depressive Störungen. Vielen helfen Spaziergänge im Tageslicht oder eine Lichttherapie. Dennoch erreichen die Beschwerden bei mehr als zehn Prozent der Bevölkerung ein Ausmaß, das zu einer deutlichen Einschränkung der emotionalen Befindlichkeit und der Leistungsfähigkeit führt. Bei einem hohen Leidensdruck sollten die Betroffenen einen Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie aufsuchen.

Unipolare Depression: in Phasen depressiv

Abhängig davon, wie eine Depression verläuft, unterscheiden Psychologen drei Erkrankungsformen beziehungsweise Verlaufsformen der Depression:

  • unipolare Depression
  • bipolare Depression
  • Dysthymie

Bei der unipolaren Depression wechseln sich depressive Episoden und gesunde Phasen ab, in denen die Betroffenen oft komplett beschwerdefrei sind. Wie lange die depressiven Episoden andauern, ist von Patient zu Patient unterschiedlich und kann einige Wochen bis mehrere Monaten betragen. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe erkranken in Deutschland etwa 5,3 Mio. Menschen im Laufe eines Jahres an einer behandlungsbedürftigen, unipolaren Depression, von der allerdings nur eine Minderheit eine optimale Behandlung erhält.

Bei der bipolaren Depression wechseln sich depressive Episoden und manische Episoden ab. Die manischen Phasen der Erkrankung sind gekennzeichnet durch übermäßig gute Stimmung, starken Tatendrang, Ruhelosigkeit, fehlendes Schlafbedürfnis und übertriebenen Optimismus. Bei der Dysthymie sind die Symptome der Depression zwar weniger stark ausgeprägt, aber über einen langen Zeitraum vorhanden. Für die Diagnose dieser Form von Depression müssen die Beschwerden mindestens zwei Jahre lang bestehen.

Verdacht auf eine Depression? Holen Sie sich Unterstützung

Egal um welche Form der Depression es sich handelt: Bei Verdacht auf eine vorliegende Depression ist ärztliche Hilfe wichtig. Bei einer Depression brauchen beide Seiten Unterstützung: die Betroffenen und die Angehörigen. Das Servicetelefon der Krankenkasse kann eine erste Anlaufstelle sein, um sich über mögliche Hilfsangebote zu informieren. Auch der Hausarzt ist ein wichtiger Kontakt. Verbände und Gesellschaften bieten ebenfalls Hilfe an.


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online.de können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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