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So funktionieren die verschiedenen Atemschutzmasken

  • Melanie Rannow
  • Manfred SchĂ€fer
Von N. Sagener, M. Rannow, M. SchÀfer

Aktualisiert am 03.11.2020Lesedauer: 5 Min.
Mundschutz: Das Tragen schĂŒtzt vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus.
Mundschutz: Das Tragen schĂŒtzt vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. (Quelle: Peter Berglund/getty-images-bilder)
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Verhindert ein Mundschutz die Corona-Ansteckung? Kann ich die Maske selbst nÀhen? Und was muss ich beim Tragen beachten? Wir beantworten die hÀufigsten Fragen und zeigen die Funktionsweise der Masken im Video.

Das Wichtigste im Überblick


Mundschutz war angesichts der Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 im FrĂŒhjahr 2020 plötzlich ein knappes Gut. Schon im Januar wurden Schutzmasken im Zuge der drohenden Coronavirus-Pandemie knapp. Und das, obwohl der gĂ€ngige Mund-Nasen-Schutz oder chirurgische Mundschutz Experten zufolge nicht 100 Prozent verlĂ€sslich vor Viren schĂŒtzt. Trotzdem wurde im April in allen BundeslĂ€ndern eine Maskenpflicht beschlossen.


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Wir erklĂ€ren, welcher Mundschutz fĂŒr wen sinnvoll ist, wie er richtig genutzt wird und was Sie bei selbst gebastelten Masken beachten sollten.

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Was bringt ein Mundschutz – und was sagt die WHO dazu?

ZunĂ€chst sah die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen starken Nutzen im allgemeinen Tragen eines Mundschutzes. Es gebe keinerlei Anzeichen dafĂŒr, dass damit etwas gewonnen wĂ€re, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan im MĂ€rz. Vielmehr gebe es zusĂ€tzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnehmen und sich dabei womöglich infizieren. Im Juni revidierte die Organisation jedoch ihre Haltung und empfahl das Tragen von Gesichtsmasken in der Corona-Krise. Zur EindĂ€mmung von Infektionen empfehle man nun besonders in ĂŒberfĂŒllten öffentlichen Einrichtungen einen Mund-Nasen-Schutz, teilte die WHO in Genf mit.

Auch das Robert Koch-Institut (RKI) hat seine anfĂ€ngliche Meinung zum Maskenschutz im Laufe der Pandemie geĂ€ndert. Instituts-Chef Lothar Wieler sagte im Juni, dass erst mit der Zeit sich herausgestellt habe, dass viele Ansteckungen von Infizierten ohne Krankheitsanzeichen ausgehen: "Die Bedeutung der Maske ist mit dem zunehmenden Wissen ĂŒber diese Infektionskrankheit und ĂŒber dieses Virus auch gewachsen", sagte Wieler.

Stoffmasken können auch Risiken bergen

Dass chirurgische Masken nur eine physikalische Barriere sind, die vor "einem sichtbaren Spritzen oder SprĂŒhen von FlĂŒssigkeit oder großen Tröpfchen" schĂŒtzt, fand auch Raina MacIntyre in ihren Untersuchungen heraus.

Die Forscherin fĂŒr Infektionskrankheiten und Professorin fĂŒr globale Biosicherheit an der UniversitĂ€t von New South Wales in Sydney hat die Wirksamkeit von Gesichtsmasken untersucht. MacIntyres Untersuchungen legen sogar nahe, dass Stoffmasken, die von den TrĂ€gern oft gewaschen und wiederverwendet werden, "tatsĂ€chlich schĂ€dlich sein können", weil die Stoffmasken zu einem NĂ€hrboden fĂŒr Krankheitserreger werden können.

Wieso vermindern einfache Masken nur das Risiko, andere anzustecken, schĂŒtzen mich aber nicht?

Wird man von einem Mitmenschen direkt angehustet oder angeniest, können Atemschutzmasken zwar einen großen Teil der Tröpfchen abfangen – dennoch schĂŒtzen sie nicht sicher vor einer Infektion, weil an den RĂ€ndern der Maske und auch durch das Material selbst noch mit Viren angereicherte Tröpfchen eindringen können. Solche Masken können aber Schmierinfektion verhindern, da sich der TrĂ€ger nicht mit schmutzigen HĂ€nden an Mund und Nase greifen kann.

Die Gesichtsschutzmaske sei aber dann sinnvoll, wenn ein Patient sich schon mit dem Erreger infiziert habe oder zumindest der Verdacht bestehe, sagte die Virologin Prof. Dr. Melanie Brinkmann im GesprĂ€ch mit t-online. Dann könne ein Mundschutz helfen, das Übertragungsrisiko an weitere Menschen zu mindern, so Brinkmann, die sich an der Technischen UniversitĂ€t Braunschweig der Infektionsforschung widmet.

Experiment der Bauhaus Uni Weimar zeigt, dass chirurgische Masken Ausbreitung der Atemluft bremsen

Forscher der Professur Bauphysik der Bauhaus-UniversitÀt Weimar haben bei einem Videoexperiment die Ausbreitung unserer Atemluft in verschiedenen Situationen sichtbar gemacht.

Mithilfe eines sogenannten Schlierenspiegels konnten sie zeigen, dass unsere Atemluft normalerweise eine Distanz von etwa einem Meter ĂŒberwindet, beim starken Husten aber mit mehr Druck und dadurch weiter ausgestoßen wird. Beim Tragen einer chirurgischen Atemschutzmaske entweicht nur wenig Luft, die nach oben hin abzieht. Damit ist die Ansteckungsgefahr fĂŒr unsere Mitmenschen geringer.

Chirurgischer Mundschutz oder Feinpartikelmaske: Welcher Mundschutz ist sinnvoll?

"Ist jemand infiziert, reicht eine normale Atemschutzmaske nicht aus, um die Umgebung verlĂ€sslich vor einer Ansteckung zu schĂŒtzen", sagt der Infektiologe Dr. Stefan Moritz vom UniversitĂ€tsklinikum Halle im GesprĂ€ch mit t-online. Solche Masken lĂ€gen nicht eng am Gesicht an, darum könnten etwa beim Niesen und Husten Erreger nach außen dringen.

Richtig getragen und genutzt kann das Tragen eines Mundschutzes Experten wie Stefan Moritz zufolge aber dennoch einen positiven Effekt haben: Die Maske kann das eigene Hygieneverhalten beeinflussen. Denn sie verhindere, dass wir uns an Mund und Nase fassen – verringere also das Risiko einer Schmierinfektion. Auch Patienten, die als VerdachtsfĂ€lle eingestuft sind, sollten laut RKI eine mehrlagige Mund-Nasen-Maske tragen.

Um sich verlĂ€sslicher vor einer Infektion durch Tröpfchen von Erkrankten zu schĂŒtzen, sind laut Experten nur spezielle Feinpartikelmasken geeignet, auch partikelfiltrierende Halbmasken (filtering face piece, FFP) genannt. Sie bestehen ganz oder teilweise aus nicht auswechselbarem Filtermaterial und reduzieren infektiöse Aerosole in der eingeatmeten Luft. WĂ€hrend der SARS-Epidemie 2002/2003 hatten einige Studien fĂŒr sogenannte FFP3-Masken einen gewissen Schutzeffekt nachgewiesen. Alltagstauglich sind diese Masken jedoch nicht.

FĂŒr Menschen, die im Gesundheitssystem am Patienten arbeiten, empfiehlt das RKI eine persönliche SchutzausrĂŒstung, "bestehend aus Schutzkittel, Einmalhandschuhen und direkt anliegendem mehrlagigem Mund-Nasen-Schutz sowie ggf. einer Schutzbrille“. Auch der Patient sollte einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Tue er das nicht, empfehle das RKI mindestens eine FFP2-Maske.

Was bringt ein selbst gebastelter Mundschutz?

Der Virologe Christian Drosten erklĂ€rte bereits im FrĂŒhjahr in seinem Podcast beim NDR, dass es durchaus sinnvoll sein könne, Masken in der Öffentlichkeit zu tragen, etwa beim Einkauf im Supermarkt. Sich selbst schĂŒtze man zwar weniger, aber andere bewahre man so besser vor einer unbewussten Ansteckung. Drosten empfiehlt, eine Maske zu tragen, wenn diese Maske sonst nicht den Kliniken fehle. Eine Maske selbst zu basteln oder aus Stoff zu nĂ€hen hĂ€lt Drosten fĂŒr sinnvoll.

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Doch auch der Virologe betont: Die Maßnahmen zur Distanzierung und Kontaktminimierung ließen sich "auf keinen Fall durch das allgemeine Tragen von Masken ersetzen", so der Virologe. "Masken sind eine ErgĂ€nzung der Maßnahmen und eine Erinnerung fĂŒr Alle an den Ernst der Lage!"

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Zudem könne diese Maske noch einen psychologischen Effekt haben: der TrĂ€ger werde stĂ€ndig an die Ansteckungsgefahr erinnert und achte so eher darauf, sich nicht unbewusst in das Gesicht zu fassen. Wegen des vermeintlichen Schutzes dĂŒrfe man allerdings nicht die ĂŒblichen Hygienemaßnahmen vernachlĂ€ssigen.

Selbst gebastelte Masken enthalten keine Filterschicht

Beim Selbstbasteln sollten Ihnen zudem bewusst sein: Die EU-Normen schreiben vor, dass die Mund-Nasen-Schutzmaske "aus einer Filterschicht besteht, die zwischen Stoffschichten eingebettet, mit diesen fest verbunden oder in diese eingepasst ist" (EN 14683:2019+AC:2019). Ein Großteil der Anleitungen zum Selbstfertigen hat maximal zwei Schichten vor und beinhaltet auch keine spezielle Filterschicht.

Hilft alternativ auch ein Schal vor dem Gesicht?

Laut dem Virologen Drosten können auch ein runder Schal oder ein Halstuch anstelle eines selbstgefertigten Mundschutzes verwendet werden. Genau wie selbst gebastelte, locker anliegende Masken schĂŒtzen Sie den TrĂ€ger zwar nicht vor einer Ansteckung.

Sie können aber möglicherweise das Risiko, die Menschen in der Umgebung zu infizieren, etwas senken. Denn wird ein großer Teil der Tröpfchen beim Husten, Sprechen oder Niesen vom Schal abgefangen, gelangen weniger Viren in die Außenwelt, die ĂŒber eine Tröpfcheninfektion andere Menschen anstecken können.

Wie trage ich den Mund-Nasen-Schutz richtig?

Wer einen Mund-Nasen-Schutz trĂ€gt, sollte laut der Bundeszentrale fĂŒr gesundheitliche AufklĂ€rung (BzgA ) unbedingt darauf achten, dass die Maske eng anliegt und nicht verrutscht. Außerdem muss, wie der Name schon sagt, nicht nur der Mund, sondern auch die Nase bedeckt sein. Bei Feuchtigkeit sollte sie gewechselt werden.

Wie lange können die verschiedenen Arten von Mundschutz verwendet werden?

Medizinischer Mundschutz ist prinzipiell ein Einmalartikel und muss aus hygienischen GrĂŒnden nach der Benutzung korrekt entsorgt werden. Beim Abnehmen ist zu beachten, dass die Ă€ußere OberflĂ€che nicht mit Mund, Nase, SchleimhĂ€uten oder ungeschĂŒtzten HĂ€nden in BerĂŒhrung kommt.

Ich kann nicht nÀhen und nicht basteln. Woher bekomme ich einen Mundschutz?

Zumindest fĂŒr einfachen Mundschutz gilt: Wer seine Masken nicht selbst nĂ€hen kann oder will, kann Einweg-Mundschutz auch in Apotheken oder bei vielen verlĂ€sslichen HĂ€ndlern im Internet bestellen.

Die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, Susanne Johna, warnte davor, professionelle Atemschutzmasken fĂŒr den privaten Gebrauch zu bestellen. Es wĂ€re fatal, wenn nun auch vermehrt Privatpersonen Schutzmasken aufkaufen wĂŒrden, die fĂŒr den Gebrauch in Kliniken oder Pflegeeinrichtungen gedacht seien, sagte Johna der "Rheinischen Post". Es sei aber nichts dagegen einzuwenden, sich einen einfachen Mund-Nasen-Schutz zu besorgen oder selbst herzustellen.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
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