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Corona in Deutschland: Intensivstationen ausgelastet? So ist die Lage

Immer mehr Corona-Patienten  

Intensivstationen ausgelastet? So ist die Lage in den Ländern

29.12.2020, 14:06 Uhr
Corona in Deutschland: Intensivstationen ausgelastet? So ist die Lage. Intensivstation: In Deutschland gibt es ein zentrales Register für Krankenhausbetten und ihre Belegung. (Quelle: dpa/Kay Nietfeld)

Intensivstation: In Deutschland gibt es ein zentrales Register für Krankenhausbetten und ihre Belegung. (Quelle: Kay Nietfeld/dpa)

Die steigenden Infektionszahlen mit Corona führen auch in den Kliniken zu einer besorgniserregenden Entwicklung: Die Zahl der freien Intensivbetten nimmt stetig ab. Das DIVI-Intensivregister zeigt, wie sich die Lage auf den Intensivstationen aktuell zuspitzt. 

Die hohen Infektionszahlen in Deutschland führen mittlerweile auch auf den Intensivstationen zu einer beunruhigenden Situation. Am 9. November überschritt die Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen mit 3.005 erstmals den bisherigen Höchstwert vom April, mittlerweile hat sich die Zahl der Covid-Patienten auf Intensivstationen noch einmal fast verdoppelt.

Seit Monaten zählt das zu den wichtigsten Corona-Kennzahlen: Wie viele der Covid-Patienten erkranken so schwer, dass sie in eine Klinik oder sogar auf die Intensivstation müssen? Und wie viele Betten stehen derzeit zur Verfügung?

Um das deutschlandweit zu überblicken, gibt es das sogenannte DIVI-Intensivregister. Das Register wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie dem Robert Koch-Institut aktuell gehalten.

Was zeigt das DIVI-Intensivregister an?

Regelmäßig wird in dem Register registriert, wie groß die freien und belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin von etwa 1.300 Akut-Krankenhäusern in Deutschland sind. Zusätzlich registriert DIVI die aktuellen Fallzahlen der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, um Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung schnell zu erkennen. In diesen Fällen können die Kliniken dann kooperieren und eventuell Patienten voneinander übernehmen. 

Wie viele Betten gibt es aktuell?

Mittlerweile geben fast 1.300 Krankenhaus-Standorte in Deutschland ihre Daten an das DIVI-Register. Insgesamt wurden bis heute (Stand: 27. Dezember 2020) 26.513 Intensivbetten registriert. Von ihnen sind 21.367 belegt, 5.146 Betten sind aktuell frei. Zusätzlich gibt es laut DIVI-Register rund 11.000 Intensivbetten, die als "Notfallreserve" innerhalb von sieben Tagen zusätzlich aufstellbar wären. 

Insgesamt konnte die Zahl der Intensivbetten laut der DKG auf 40.000 und die der Beatmungsplätze auf 30.000 gesteigert werden. Zum Vergleich: Vor der Corona-Krise gab es in Deutschland bundesweit 28.000 Intensivbetten, davon 20.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Diese waren durchschnittlich zu 70 bis 80 Prozent belegt. Bundesweit wurden bereits zu Beginn der Corona-Krise die Kapazitäten ausgebaut. 

Situation auf Intensivstationen wird sich noch verschlechtern

"Die Krankenhäuser sind auch für stark steigende Zahlen sehr gut aufgestellt, erklärte Dr. Gerald Gaß, Präsident der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Anfang Oktober. Voraussetzung sei aber, dass sich alle darum bemühen, ein exponentielles Wachstum der Neuinfektionszahlen zu bremsen.

Doch zurzeit steigen die Zahlen besorgniserregend an. Die Lage in den Kliniken sei aktuell sogar schlimmer als im Frühjahr, sagte DIVI-Präsident Uwe Janssens bereits Anfang November. Anders als bei der Spitze am 18. April werde diesmal kein Abflauen folgen.

Als Ende November die Maßnahmen verlängert und über die Weihnachtstage Lockerungen beschlossen wurden, kritisierte Janssens allerdings die fehlende Kontinuität bei politischen Maßnahmen zur Corona-Krise. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte er: "Wünschenswert wäre die Etablierung einer langfristigen Strategie und nicht die dauernde Diskussion alle zwei Wochen." Jedem vernünftigen Mensch müsse klar sein, dass "wir Weihnachten definitiv noch nicht in einer Situation sind, die nachhaltige Lockerungen erlaubt."

Kurz vor Weihnachten konkretisierte Janssens schließlich im "Ärzteblatt": Wenn die SARS-CoV-2-Infektionszahlen über längere Zeit auf dem aktuellen Niveau bleiben, drohe eine "fortgesetzte Grenzsituation" auf den Intensivstationen. Vor allem beim Personal würden die Ressourcen immer knapper, weshalb verschiebbare Eingriffe zunächst ausfallen sollten.

Er forderte aber auch eine rechtliche Absicherung für mögliche Triage-Situationen. Bis Mitte Januar sei mit steigenden Corona-Zahlen in den Krankenhäusern zu rechnen, erklärte auch Christian Karagiannidis, wissenschaftlicher Leiter des DIVI-Intensivregisters – selbst dann, wenn die Maßnahmen über die Feiertage für sinkende Zahlen sorgen würden. Modellrechnungen hätten eine konstante Patientenzahl von 6.000 Corona-Kranken auf den Intensivstationen gezeigt. Dieses hohe Niveau könne drei bis vier Monate bestehen bleiben.

Wie viele Covid-19-Patienten landen auf der Intensivstation?

Im DIVI-Intensivregister sind momentan (Stand: 27. Dezember 2020) 5.562 Covid-Patienten auf Intensivstationen untergebracht. 2.960 der Covid-Patienten werden beatmet. Es benötigen mehr als die Hälfte aller Corona-Patienten auf der Intensivstation eine künstliche Beatmung.

Insgesamt wurden seit dem Frühjahr mehr als 47.000 Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen in Deutschland behandelt. Mehr als ein Viertel, 26 Prozent der Patienten, sind gestorben.

Wie viele Intensivbetten sind aktuell noch frei?

Zur besseren Übersicht gibt es Karten, die die Verteilung der freien sowie der belegten Intensivbetten in Deutschland zeigen. Die aktuelle Karte zeigt, dass die meisten Intensivbetten momentan in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Rheinland-Pfalz frei sind, während in Berlin, Sachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Hessen rund 85 bis 90 Prozent der Kapazitäten bereits ausgeschöpft sind. Auch in anderen Bundesländern wie Bayern und Bremen wird es mit einer Auslastung von rund 80 bis 85 Prozent immer knapper.

Wie viele Intensivbetten sind von Corona-Patienten belegt?

Eine zweite Grafik zeigt zudem, welchen Anteil die Covid-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten haben. Hier wird deutlich, dass Sachsen mit mehr als 40 Prozent und Berlin mit mehr als 36 Prozent Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen das Register anführen.

Mittlerweile sind die Zahlen in den südlichen Bundesländern überall über 20 und teilweise auch über 25 Prozent gestiegen. Die wenigsten Corona-Patienten auf Intensivstationen gibt es hingegen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie Niedersachsen.

Wie viele Menschen sterben aktuell an Covid-19?

Laut DIVI-Intensivregister sind (Stand: 27. Dezember 2020) von den bisher 47.084 auf der Intensivstation behandelten Corona-Patienten 12.040 gestorben. Das sind rund 26 Prozent der Intensiv-Corona-Patienten. Am 25. November vermeldete das RKI einen ersten traurigen Rekord: Mit 410 neuen Todesfällen stieg die Zahl der täglichen Corona-Verstorbenen so hoch wie bis dahin noch nie zuvor. Mittlerweile werden fast täglich neue Rekorde vermeldet: Am 15. Dezember starben 952 Menschen am Coronavirus, so viele wie noch nie zuvor in Deutschland an einem Tag. Aktuell (Stand 28. Dezember 2020) meldet das RKI 348 neue Todesfälle im Vergleich zum Vortag, insgesamt sind bisher in Deutschland mehr als 30.000 Menschen an oder mit dem Coronavirus gestorben.

Im Situationsbericht vom 15. Dezember 2020 erklärte auch das RKI: "Seit Anfang September nimmt der Anteil älterer Personen unter den Covid-19-Fällen wieder zu." Das führe auch wieder zu mehr schweren Verläufen und Todesfällen. Das RKI hat seine Risikobewertung angepasst und schätzt die Gefährdung in Deutschland mittlerweile als "sehr hoch" ein.

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V.
  • Situationsbericht Robert Koch-Institut
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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