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Corona in Deutschland: Intensivstationen ausgelastet? So ist die Lage

Lage auf Intensivstationen  

Mediziner warnt vor Leichtsinn und dritter Corona-Welle

30.01.2021, 13:45 Uhr
Corona in Deutschland: Intensivstationen ausgelastet? So ist die Lage. Intensivstation: In Deutschland gibt es ein zentrales Register für Krankenhausbetten und ihre Belegung.  (Quelle: Getty Images/Morsa Images)

Intensivstation: In Deutschland gibt es ein zentrales Register für Krankenhausbetten und ihre Belegung. (Quelle: Morsa Images/Getty Images)

Die Lage auf den Intensivstationen ist trotz sinkender Corona-Fallzahlen weiterhin angespannt. Mediziner fordern deshalb schärfere Maßnahmen. Das DIVI-Intensivregister zeigt die aktuelle Situation.

Auch, wenn die Zahl der Corona-Infektionen momentan sinkt, gibt es auf den Intensivstationen in Deutschland keine Entspannung. Deshalb warnt  der Magdeburger Uniklinik-Professor Felix Walcher, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) vor Leichtsinn. Er fordert schärfere Maßnahmen, bis die Infektionsketten von den Gesundheitsämtern kontrollierbar seien.

Regional kann die Auslastung der Intensivstationen mit Covid-Patienten unterschiedlich ausfallen. Bundesweit hatte sie mit rund 5.700 Menschen am 3. Januar einen Höchststand in der Pandemie erreicht. Seitdem gehen die Zahlen langsam zurück. 

Um das deutschlandweit zu überblicken, gibt es das sogenannte DIVI-Intensivregister. Das Register wird von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) sowie dem Robert Koch-Institut aktuell gehalten.

Was zeigt das DIVI-Intensivregister an?

Regelmäßig wird in dem Register registriert, wie groß die freien und belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin von etwa 1.300 Akut-Krankenhäusern in Deutschland sind. Zusätzlich registriert die DIVI die aktuellen Fallzahlen der Covid-19-Patienten auf der Intensivstation, um Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung schnell zu erkennen. In diesen Fällen können die Kliniken kooperieren und eventuell Patienten voneinander übernehmen. 

Wie viele Betten gibt es aktuell?

Mittlerweile geben fast 1.300 Krankenhaus-Standorte in Deutschland ihre Daten an das DIVI-Register. Insgesamt wurden bis heute (Stand: 3. Februar 2021) rund 27.000 Intensivbetten registriert. Von ihnen sind 22.545 belegt, 4.462 Betten sind aktuell frei. Zusätzlich gibt es laut DIVI-Register fast 11.000 Intensivbetten, die als "Notfallreserve" innerhalb von sieben Tagen zusätzlich aufstellbar wären. 

Insgesamt konnte die Zahl der Intensivbetten laut der DKG auf 40.000 und die der Beatmungsplätze auf 30.000 gesteigert werden. Zum Vergleich: Vor der Corona-Krise gab es in Deutschland bundesweit 28.000 Intensivbetten, davon 20.000 mit Beatmungsmöglichkeit. Diese waren durchschnittlich zu 70 bis 80 Prozent belegt. Bundesweit wurden bereits zu Beginn der Corona-Krise die Kapazitäten ausgebaut. 

Wie viele Covid-19-Patienten landen auf der Intensivstation?

Im DIVI-Intensivregister sind momentan (Stand: 3. Februar 2021) 4.264 Covid-Patienten auf Intensivstationen untergebracht, das sind rund 100 weniger als noch Ende Januar. 2.356 der Covid-Patienten werden beatmet. Es benötigen somit rund 55 Prozent aller Corona-Patienten auf der Intensivstation eine künstliche Beatmung.

Insgesamt wurden seit Frühjahr 2020 mehr als 66.000 Menschen mit Covid-19 auf Intensivstationen in Deutschland behandelt. Mehr als ein Viertel, 28 Prozent der Patienten, sind gestorben.

Situation auf Intensivstationen weiterhin kritisch

"Wir spüren auf den Intensivstationen, anders als die Zahlen den Anschein erwecken, derzeit keine Entspannung", sagte der Magdeburger Uniklinik-Professor Felix Walcher, Präsidiumsmitglied der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI), der "Augsburger Allgemeinen". Er fordert schärfere Maßnahmen, bis die Infektionsketten von den Gesundheitsämtern kontrollierbar seien: "Wir müssen in einen harten Lockdown gehen, alles andere ist ethisch schwer vertretbar."

Walcher warnte vor Leichtsinn: "Unsere größte Sorge ist, dass durch die Impfungen und Lockerungsdiskussionen der Eindruck erweckt wird, die Krise sei bald überwunden, und die Vorsicht der Bürger, sich an die notwendigen Maßnahmen zu halten, nachlässt", sagte er. "Wenn das passieren sollte, dann werden wir eine dritte Welle mit Virusmutationen erleben, deren Folgen unabsehbar sind."

Seit Monaten steigen die Zahlen der Corona-Patienten, seit etwa Mitte Januar erkennen Mediziner mit Blick auf die Zahl der Covid-Intensivpatienten einen leicht rückläufigen Trend. "Wir sind vorsichtig optimistisch", sagte ein Sprecher der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am 20. Januar. Es habe keinen großen Anstieg der Patientenzahlen als Folge von Weihnachten und Silvester gegeben. Es bleibe zu hoffen, dass die Kurve weiter sinke. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass es beim Lockdown bleibe und Mutationen des neuen Coronavirus die Infektionslage nicht grundlegend veränderten.

"Aktuell sind wir bei knapp unter 5.000 Corona-Intensivpatienten in Deutschland, da müssen wir noch deutlich runter", sagte DIVI-Präsident Gernot Marx am 20. Januar der "Rheinischen Post". Es gehe auch darum, wieder aufnahmebereit zu sein, falls die Virus-Mutation sich in Deutschland trotz aller Maßnahmen verbreite und zu mehr Infektionen und damit auch mehr Intensivpatienten führe. 

"Der Peak ist zwar vorerst überschritten, aber wir sind noch weit weg von einer Situation, in der man von einer Entspannung sprechen kann", betonte Marx. 

Wie viele Intensivbetten sind aktuell noch frei?

Zur besseren Übersicht gibt es Karten, die die Verteilung der freien sowie der belegten Intensivbetten in Deutschland zeigen. Die aktuelle Karte zeigt, dass die meisten Intensivbetten momentan in Schleswig-Holstein und Sachsen frei sind, während in Bremen, Berlin und Sachsen-Anhalt nur noch fünf bis zwölf Prozent der Kapazitäten frei sind und auch in Hessen, NRW und den meisten anderen Bundesländern sind rund 85 bis 90 Prozent der Kapazitäten bereits ausgeschöpft.

Wie viele Intensivbetten sind von Corona-Patienten belegt?

Eine zweite Grafik zeigt zudem, welchen Anteil die Covid-19-Patienten an der Gesamtzahl der Intensivbetten haben. Hier wird deutlich, dass Berlin mit fast 30 Prozent Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen das Register anführt.

Mittlerweile sind die Zahlen in den östlichen Bundesländern fast überall auf mehr als 20 Prozent gestiegen. Die wenigsten Corona-Patienten auf Intensivstationen gibt es hingegen in Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sowie Niedersachsen und NRW.

Große Sorge um Pflegepersonal auf Intensivstationen

Ein wichtiger Aspekt neben den freien Intensivbetten ist das medizinische Personal, das die Patienten versorgen muss. Und genau das bereitet den Intensivstationen laut Walcher Sorge, denn das Personal sei überlastet. Die Beschäftigten hätten zwischen den beiden Lockdowns keine Verschnaufpause gehabt, da viele verschobene Operationen nachgeholt worden seien. Es drohten nun massive Ausfälle, erklärte Walcher am 30. Januar.

"Das Pflegepersonal ist maximal belastet, die Menschen können einfach nicht mehr" sagte der Mediziner. "Sehr viele sind ausgebrannt, es gibt schon jetzt sehr viele Burnout-Fälle und Rückzugserscheinungen. Wir Intensivmediziner haben Angst, dass in den kommenden Monaten viele das Handtuch werfen."

Wie viele Menschen sterben aktuell an Covid-19?

Laut DIVI-Intensivregister sind (Stand: 3. Februar 2021) von den bisher 66.434 auf der Intensivstation behandelten Corona-Patienten 18.824 gestorben. Das sind rund 28 Prozent der Intensiv-Corona-Patienten. Das Robert Koch-Institut berichtete am 3. Februar von 975 neu gemeldeten Covid-19-Todesfällen. Insgesamt sind in der Pandemie nun 58.956 Tote im Zusammenhang mit dem Virus registriert worden. Eine Grafik vom Dezember zeigt, dass vor allem ältere Menschen einen tödlichen Verlauf der Corona-Infektion erleiden: 

Im aktuellen Situationsbericht erklärt auch das RKI: "Ältere Personen sind aktuell sehr häufig von Covid-19 betroffen. Da sie auch häufiger schwere Erkrankungsverläufe erleiden, bewegt sich die Anzahl schwerer Fälle und Todesfälle weiterhin auf hohem Niveau." 

Verwendete Quellen:
  • Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) e.V.
  • Situationsberichte Robert Koch-Institut
  • Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG)
  • Nachrichtenagentur dpa
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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