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Corona-Faktencheck: Kann der Impfstoff zu Unfruchtbarkeit führen?

Impfstoff-Mythen im Faktencheck  

Kann die Corona-Impfung zu Unfruchtbarkeit führen?

16.09.2021, 16:22 Uhr
Corona-Faktencheck: Kann der Impfstoff zu Unfruchtbarkeit führen?. Corona-Impfung: Rund um die Impfstoffe gegen Covid-19 gibt es viele Unwahrheiten. (Quelle: dpa/Daniel Karmann)

Corona-Impfung: Rund um die Impfstoffe gegen Covid-19 werden viele Unwahrheiten verbreitet. (Quelle: Daniel Karmann/dpa)

Wer im Internet surft, schnappt krude Thesen über die Corona-Impfungen auf – etwa, dass sie krank machen oder gar keinen Schutz vor Delta bieten. Ein Blick auf seriöse Daten gibt Entwarnung.

Viele Menschen in Deutschland sind unsicher, ob sie sich gegen Corona impfen lassen wollen. Experten fordern daher mehr gezielte und verständliche Informationen rund um die Präparate etwa von Biontech oder Moderna. Die größte Krux sind wohl Falschbehauptungen, die sich rasend schnell verbreiten – und widerlegen lassen. Vier Mythen rund um die Corona-Impfstoffe im Faktencheck:

"Die Corona-Impfung schützt gar nicht vor der Delta-Variante"

Fest steht: Wer geimpft ist, hat im Vergleich zu Ungeimpften ein deutlich geringeres Risiko, an Covid-19 zu erkranken oder zu sterben. Das gilt genauso für die Delta-Variante.

Diese Variante des Virus unterscheidet sich bezüglich ihres Oberflächen-Antigens – ein Eiweißstoff, der für die Erkennung des Virus wichtig ist – nur in wenigen Mutationen zu anderen Varianten. Impfstoffe trainieren das Immunsystem sehr wohl darauf, diese Oberflächen-Eiweißstoffe zu erkennen und damit die Viren erfolgreich und rasch zu eliminieren. Delta breitet sich allerdings erst seit einigen Monaten aus, es gibt daher noch keine umfassenden Daten dazu.

"Die Corona-Impfung macht erst recht krank"

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass die Corona-Schutzimpfung das Immunsystem schwächt. Oft werden Impfreaktionen wie Fieber oder Müdigkeit als Schwäche des Immunsystems wahrgenommen. Aber genau das Gegenteil ist der Fall.

Impfreaktionen können zeigen, dass das Immunsystem aktiv arbeitet und Antikörper bildet, um den Geimpften vor einer möglichen Infektion oder einem schweren Krankheitsverlauf zu schützen.

"mRNA-Impfstoffe können das Erbgut verändern"

Dass eine mRNA-Impfung mit den Präparaten von Biontech/Pfizer oder Moderna zu Genveränderungen führt, ist laut Experten ausgeschlossen.

Bisherige Impfstoffe wie etwa gegen die Grippe beinhalten meist abgetötete oder geschwächte Viren oder Teile davon. Die Corona-Mittel von Biontech und Moderna funktionieren anders, nämlich erstmals über die sogenannte mRNA (das "m" steht für "messenger", "RNA" für "Ribonukleinsäure"). Dabei werden keine abgetöteten SARS-CoV-2-Erreger injiziert, sondern nur die Bauanleitung für einen Bestandteil des Virus – das Botenmolekül mRNA.

Auf dieser Grundlage stellen die Körperzellen Teile des Viren-Hüllproteins (Spike-Protein) selbst her. Gegen dieses wiederum entwickelt das Immunsystem nun bestimmte Faktoren, sodass es bei einem späteren Kontakt mit dem Coronavirus die Struktur des Proteins wiedererkennen und den Erreger gezielt abwehren kann.

RNA-Impfstoff kann nicht in DNA integriert werden

Die Informationen der RNA können dabei nicht in die menschliche DNA eingebaut werden. Das verhindert schon die unterschiedliche chemische Struktur der beiden Säuren. Zudem erreicht die mit der Impfung aufgenommene mRNA gar nicht die Zellkerne, in denen das Erbgut in Form von DNA lagert. Die Botenmoleküle wandern nur ins Zellplasma, wo sie abgelesen und dann rasch abgebaut werden – so schnell, dass es lange als ausgeschlossen galt, sie überhaupt therapeutisch nutzen zu können.

Zwar hatten US-Forscher herausgefunden, dass unter extremen Umständen bei einer Corona-Infektion womöglich kleine Erbgut-Schnipsel des Virus in die menschliche DNA gelangen könnten. Ihre Vorabveröffentlichung, die noch nicht von unabhängigen Forschern geprüft wurde, behandelt jedoch keine Impfstoffe. Dies passiere zudem in sehr seltenen Fällen – und habe keine Auswirkungen auf den Menschen.

"Die Impfstoffe können bei Frauen zu Unfruchtbarkeit führen"

Die These, Corona-Impfstoffe könnten Frauen unfruchtbar machen, ist völlig unbegründet. Menschen, die das behaupten, stützen ihre Argumentation in der Regel auf die vermeintliche Ähnlichkeit zwischen dem sogenannten Spike-Protein des Coronavirus, mit dem der Erreger an menschliche Zellen andockt, und dem körpereigenen Protein namens Syncytin-1.

Bei gebärfähigen Frauen ist Syncytin-1 etwa für die Bildung der Plazenta verantwortlich, über die der Nachwuchs in der Gebärmutter mit Nährstoffen versorgt wird. Die These ist nun: Wenn der Körper nach einer Impfung eine Immunabwehr gegen das Corona-Spike-Protein bildet, weite sich diese Reaktion zugleich auch auf Syncytin-1 aus und verhindere so die Bildung der Plazenta.

Experten geben Entwarnung

Es gebe jedoch überhaupt keine besondere Ähnlichkeit zwischen den beiden Proteinen, "sodass eine Kreuzreaktion des Impfstoffs im Grunde unmöglich ist", sagte die Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig, Annette Beck-Sickinger, der "Freien Presse".

Lars Dölken, Professor für Virologie und Immunbiologie der Universität Würzburg, sagte der dpa: Selbst wenn beide Proteine Ähnlichkeiten aufwiesen, könne man nicht schlussfolgern, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das Coronavirus auch das Protein Syncytin-1 angriffen.

Verwendete Quellen:
  • Nachrichtenagentur dpa
  • DeutschesGesundheitsPortal
  • Eigene Recherche
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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