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Johnson & Johnson: Wie wirksam und sicher ist der Corona-Impfstoff?

Neuer Warnhinweis nach Überprüfung  

Wie wirksam und sicher ist der Johnson & Johnson-Impfstoff?

20.04.2021, 16:51 Uhr
Johnson & Johnson: Wie wirksam und sicher ist der Corona-Impfstoff?. Corona-Impfstoff: Das Präparat von Johnson & Johnson könnte im Frühjahr in der EU zugelassen werden. (Quelle: Michael Ciaglo/Getty Images)

Corona-Impfstoff: Das Präparat von Johnson & Johnson könnte im Frühjahr in der EU zugelassen werden. (Quelle: Michael Ciaglo/Getty Images)

Er ist das vierte zugelassene Mittel in der EU: Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson. Doch trotz seiner Vorteile gab es zunächst viele Unklarheiten. Die Ema hat nun mögliche Nebenwirkungen überprüft.

Der Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson ist seit Mitte März in der EU zugelassen, wurde hier aber bis heute noch nicht eingesetzt. Die EU-Arzneimittelbehörde Ema ging zunächst Hinweisen auf mögliche schwere Nebenwirkungen des Mittels nach. Nach einer Prüfung der Fälle gab sie am 20. April grünes Licht: Der Impfstoff kann in der EU uneingeschränkt verwendet werden. Der Wirkstoff könne in sehr seltenen Fällen Blutgerinnsel auslösen, teilte die Ema mit.

Schon jetzt wird deutlich: Dieser Corona-Impfstoff scheint große Vorteile gegenüber den anderen in der EU zugelassenen Mitteln zu haben. Ein Überblick zum aktuellen Forschungsstand.

Welche Wirkungsweise hat der Impfstoff? 

Wie beim Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Unternehmens Astrazeneca und dem russischen Vakzin Sputnik V handelt es sich bei dem Mittel von Johnson & Johnson um einen Vektorvirenimpfstoff. Dabei wird als Vektor ein sogenanntes Adenovirus genutzt. Dieses löst normalerweise eine gewöhnliche Erkältung aus, wurde jedoch so verändert, dass es sich nicht vermehren kann.

Über den Vektor werden genetische Anweisungen an die Zellen übermittelt, ein bestimmtes Protein des Covid-19-Erregers SARS-CoV-2 zu produzieren. Auf diese Weise wird das Immunsystem auf die Bekämpfung des echten Coronavirus vorbereitet.

Wie wirksam ist das Mittel von Johnson & Johnson? 

Die Wirksamkeit des Impfstoffs von Johnson & Johnson wurde an etwa 40.000 Menschen ab 18 Jahren getestet. Bei den Studien in mehreren Ländern, darunter die USA, Mexiko, Brasilien und Südafrika, bekamen die Hälfte der Probanden das Vakzin und die andere Hälfte ein Placebo. Die Tests ergaben eine hohe Wirksamkeit von 85 Prozent gegen Corona-Infektionen mit einem schweren Verlauf. Keiner der geimpften Probanden starb, bei der Kontrollgruppe gab es sieben Todesfälle.

Die Wirksamkeit gegen leichte bis schwerere Covid-19-Erkrankungen beträgt den Studien zufolge 66 Prozent. Allerdings scheint die Wirksamkeit je nach Corona-Variante zu variieren. In den USA betrug die Wirksamkeit gegen leichte bis schwerere Infektionen 72 Prozent, in Südafrika, wo zum Zeitpunkt der Studie bereits die Virusmutante B.1.351 grassierte, hingegen nur 64 Prozent.

Bei den in der EU bereits zugelassenen Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna ist die Wirksamkeit insgesamt mit rund 90 Prozent allerdings höher. Experten geben aber zu bedenken, dass diese beiden Hersteller ihre klinischen Tests bereits vor der Ausbreitung von Mutanten wie der südafrikanischen Variante machten.

Welche Vorteile hat das Vakzin? 

Bei dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson reicht anders als bei den in der EU bereits zugelassenen Mitteln von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca eine einzige Dosis. Dadurch könnte die Immunisierung der Bevölkerung deutlich beschleunigt werden.

Außerdem kann das Mittel leichter transportiert und aufbewahrt werden: Nach Unternehmensangaben ist es mindestens drei Monate lang bei normalen Kühlschranktemperaturen zwischen zwei und acht Grad haltbar. Somit kann das Mittel in jeder Arztpraxis aufbewahrt werden. Die Lagerung der Impfstoffe auf Grundlage der mRNA-Technologie von Biontech und Moderna erfordert hingegen deutlich niedrigere Temperaturen.

Welche Nebenwirkungen treten auf? 

Die am häufigsten bei den klinischen Tests beobachteten Nebenwirkungen bei der J&J-Impfung waren Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Muskelschmerzen. Sie traten in der Studie häufiger bei jungen als bei älteren Menschen auf. Johnson & Johnson meldete mindestens einen Fall eines anaphylaktischen Schocks, einer schweren allergischen Reaktion. Sie wurde in Südafrika registriert. Diese Nebenwirkung trat in seltenen Fällen auch bei den Corona-Impfstoffen von Moderna und Biontech/Pfizer auf.

In den USA riet die Gesundheitsbehörde CDC Menschen, bei denen bereits schwere allergische Reaktionen auftraten, von dem Vakzin ab. Am 13. April setzte sie die Impfungen mit dem J&J-Vakzin jedoch zunächst ganz aus, nachdem acht Fälle von gefährlichen Blutgerinnseln bei Geimpften aufgetreten waren, darunter ein tödlicher.

Nach einer Prüfung der Fälle hält die Ema daran fest, dass die Vorzüge des Impfstoffs, Covid-19 zu verhindern, höher zu bewerten seien als die Risiken von Nebenwirkungen. Doch die Möglichkeit von Blutgerinnseln bei einer zugleich sehr niedrigen Zahl von Blutplättchen werde nun als seltene Nebenwirkung registriert. Ein entsprechender Warnhinweis solle beigefügt werden.

In den meisten Fällen ging es nach Angaben der Experten um Frauen unter 60 Jahre. Die Thrombosen vorwiegend in den Hirnvenen waren innerhalb von drei Wochen nach der Impfung aufgetreten.

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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