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Psychogener Schwindel: Wenn Schwindel psychisch bedingt ist

Experte erklärt Phänomen  

Wenn Schwindelattacken psychisch bedingt sind

Ann-Kathrin Landzettel

16.02.2021, 10:31 Uhr
Psychogener Schwindel: Wenn Schwindel psychisch bedingt ist. Eine Frau jasst sich an den Kopf: Schwindel kann viele Ursachen haben. Sie müssen nicht immer körperlicher Art sein.  (Quelle: Getty Images/ courtneyk)

Eine Frau jasst sich an den Kopf: Schwindel kann viele Ursachen haben. Sie müssen nicht immer körperlicher Art sein. (Quelle: courtneyk/Getty Images)

Schwindel hat nicht immer eine körperliche Ursache. Häufig sind es seelische Belastungen, die dazu führen, dass die Welt zu schwanken scheint. Was hinter psychogenem Schwindel steckt und welche Symptome typisch sind, erklärt Dr. Andreas Hagemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie im Gespräch mit t-online.

t-online: Was ist psychogener Schwindel?

Dr. Hagemann: Hinter psychogenem Schwindel verbergen sich primär keine organischen Ursachen. Auslöser der dennoch vorhandenen Beschwerden sind psychische Belastungen beziehungsweise emotionale Konflikte.

Diese können beispielsweise durch eine Trennung vom Partner, Jobverlust oder Sterbefälle verursacht sein. Psychogener Schwindel ist ein Symptom, das darauf hinweist, dass etwas im Leben "aus dem Gleichgewicht" geraten ist.

Welche Menschen sind verstärkt von psychogenem Schwindel betroffen?

Vielfach tritt psychogener Schwindel bei Menschen mit Angsterkrankungen auf. Der sogenannte phobische Schwindel, oft auch als Angstschwindel bezeichnet, ist bei einer Agoraphobie häufig zu finden. Betroffene dieser Erkrankung leiden unter Platzangst.

Als psychisch belastend beziehungsweise extrem beängstigend empfinden sie Situationen, aus denen sie sich nicht selber befreien können, etwa Fahrstuhlfahrten, den Aufenthalt in Menschenmengen auf öffentlichen Plätzen oder in extremer Höhe, um nur einige typische Beispiele zu nennen. Auch bei depressiven Patientinnen oder Patienten wird psychogener Schwindel überdurchschnittlich oft diagnostiziert.

Dr. Andreas Hagemann, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik in Eschweiler bei Aachen, Privatklinik für Psychosomatik, spezialisiert auf Angst- und Panikstörungen, chronische Schmerzen, Burnout und Depressionen.
Dr. Andreas Hagemann ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Ärztlicher Direktor der Röher Parkklinik in Eschweiler bei Aachen. Die Privatklinik für Psychosomatik ist spezialisiert auf Angst- und Panikstörungen, chronische Schmerzen, Burnout und Depressionen.

Sind Frauen und Männer gleichermaßen von psychogenem Schwindel betroffen?

Die Studienlage hierzu ist wenig aussagekräftig. Es ist jedoch davon auszugehen, dass psychogener Schwindel häufiger Frauen betrifft, da bei ihnen die Diagnose Angst oder somatoforme Störung häufiger gestellt wird. Generell ist die Diagnose "Psychogener Schwindel" oft schwierig und langwierig.

Betroffene suchen in der Regel  zunächst verschiedene andere Fachärzte wie den HNO-Arzt auf, weil meist organische und weniger psychosomatische Ursachen vermutet werden.

Wie beschreiben Betroffene den Schwindel?

Betroffene leiden unter ganz verschiedenen Arten von Schwindel, häufig sind das der Dreh- oder Schwankschwindel. Generell berichten Patienten über starke Benommenheit, Anspannung und Gangunsicherheit. Die Schwindelanfälle treten bei erheblichen psychischen Belastungen oder in extremen Stress-Situationen auf – beziehungsweise können durch sie verstärkt werden. Der Schwindel ist unabhängig von der Lage im Raum.

Welche Beschwerden können psychogenen Schwindel begleiten?

Häufig kommen zum Schwindel weitere Symptome hinzu. Bei psychogenem Schwindel in Verbindung mit Angsterkrankungen treten oft Beschwerden wie Atemnot, Herzrasen Schwitzen oder Zittern auf. Auch Kopfschmerzen und Schlafstörungen sind sehr häufige Beschwerdebilder, insbesondere auch im Zusammenhang mit depressiven Erkrankungen. Der Schwindel und die Begleitbeschwerden können so stark ausgeprägt sein, dass Betroffene fürchten, daran zu sterben.

Wieviel Prozent der Schwindel-Fälle gehen auf psychische Faktoren zurück?

Die Ergebnisse sind je nach Untersuchung sehr unterschiedlich. In der Hausarztpraxis zeigte sich, dass bis zu 80 Prozent der "Schwindeldiagnosen" ohne spezifische Diagnose versehen sind. In anderen Studien wurde bei unter 60-Jährigen die Ursache "psychogen" mit bis zu 60 Prozent beschrieben.

In weiteren qualitativ hochwertigen Untersuchungen waren 10 bis 25 Prozent der Ursachen in einer Spezialsprechstunde als nicht identifizierbar beschrieben und weitere 10 bis 25 Prozent als psychogene Ursache codiert.

Was können Betroffene gegen den psychogenen Schwindel tun?

Wichtig ist, dass Betroffene mit Schwindel zum Arzt gehen. Können organische Ursachen ausgeschlossen werden und liegt psychogener Schwindel vor, basiert die Behandlung in den meisten Fällen auf einer Verhaltens- oder Konfrontationstherapie. Bedeutsam ist in jedem Fall eine fundierte Aufklärung der Betroffenen.

Ebenfalls hilfreich sind Entspannungstechniken, wie etwa die Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen sowie autogenes Training. Eine gesunde Lebensweise mit viel Bewegung an der frischen Luft unterstützt das seelische Gleichgewicht ebenfalls. Psychischer Stress und Druck werden abgebaut und Ängste gelindert.

Die Einnahme von Medikamenten sollte mit einem entsprechend geschulten Arzt besprochen werden. Das kann ein Psychiater, Psychosomatiker oder Neurologe sein. Liegt psychogenem Schwindel eine Angsterkrankung oder Depression zugrunde, kann ein Antidepressivum eingesetzt werden.

Dr. Hagemann, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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