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Beschwerden während der Periode: Orgasmus besser als Schmerzmittel?

Bei Menstruationsbeschwerden  

Ist ein Orgasmus das bessere Mittel gegen Regelschmerzen?

02.03.2021, 10:31 Uhr | jb, t-online

Beschwerden während der Periode: Orgasmus besser als Schmerzmittel?. Liebesspiel: Geschlechtsverkehr hat viele positive Auswirkungen auf den Körper. (Quelle: Getty Images/shironosov)

Liebesspiel: Geschlechtsverkehr hat viele positive Auswirkungen auf den Körper. (Quelle: shironosov/Getty Images)

Schmerzmittel, Sport, Yoga? Frauen versuchen viel, um Regelschmerzen vor und während ihrer Periode zu mindern. Eine Studie zeigt nun: Bei vielen kann eine ganz einfache Methode helfen, die zudem Spaß macht.

Krämpfe und Ziehen im Unterleib, Magenprobleme, sogar ein schmerzender Rücken: Solche Beschwerden vor oder während der Menstruation sind für viele Frauen keine Seltenheit. Die Leiden können so stark sein, dass die Betroffenen sogar zu Schmerzmitteln wie Ibuprofen oder Paracetamol greifen. Vor allem, wenn sich die Regelschmerzen (Dysmenorrhoe) nicht nur auf den Unterleib beschränken, sondern beispielsweise auch im Rücken zu spüren sind.

Orgasmus statt Schmerzmittel?

Eine Studie hat nun untersucht, ob neben starken Medikamenten gegen die Schmerzen auch eine erst einmal überraschend klingende Methode helfen könnte: Selbstbefriedigung. Veranlasst wurde die Untersuchung durch den Tamponhersteller The Female Company und den Sexspielzeughersteller Womanizer.

Für die Studie wurden 486 Frauen aus 19 Ländern zwischen 18 und 49 Jahren ausgewählt. Sie protokollierten zuerst einen Monat lang die Stärke ihrer Regelschmerzen. Anschließend ersetzten sie für die Analyse drei Monate lang ihre schmerzlindernden Maßnahmen – etwa Sport, Wärme oder Entspannungsübungen – durch Selbstbefriedigung.

Ob und welche Hilfsmittel die Probandinnen zum Erreichen ihres Höhepunktes verwendeten, wurde ihnen freigestellt. Auch wie häufig sie sich selbst befriedigten oder Geschlechtsverkehr hatten, wurde nicht festgelegt. Im 5. Monat durften sie dann wieder auf ihre gewohnten schmerzlindernden Maßnahmen zurückgreifen und wurden kurz darauf erneut zu ihren Regelschmerzen befragt.

Das Ergebnis: Orgasmen können, zumindest laut den Ergebnissen dieser Untersuchung, die Schmerzen vor und während der Menstruation teilweise mindern. Die Probandinnen berichteten, dass ihre Regelschmerzen nachließen. Laut der Auswertung nahmen die Beschwerden durchschnittlich um etwa ein Sechstel ab. Auch nach dem Versuch sei noch eine leichte Minderung spürbar gewesen. Ohne Masturbation stieg die Schmerzintensität jedoch wieder an. Zudem seien die Periodenschmerzen seltener zu spüren gewesen. Einige Probandinnen berichteten auch, sie seien vor ihrer Periode durch die Selbstbefriedigung weniger gereizt und ungeduldig gewesen und hätten auch mehr Lust gehabt, am Leben teilzunehmen, statt sich wegen ihrer Schmerzen "zu verkriechen".

Kritik an der Studie: Bestimmte Frauengruppen von Studie ausgeschlossen

Die aktuelle Studie ist allerdings nicht als repräsentativ für alle von Zyklusschmerzen betroffenen Frauen zu betrachten. Auf Nachfrage von t-online teilte der Studienleiter Dr. Christopher Ryan Jones mit, dass von der Studie bestimmte Probandinnen ausgeschlossen waren.

So nahmen unter anderem keine Frauen mit sehr starken Regelschmerzen teil. Auch Frauen mit sogenannten sekundären Regelschmerzen – also Beschwerden, die durch Myome, Polypen oder Endometriose ausgelöst werden – waren von der Studie ausgeschlossen. Bei ihnen könnten Orgasmen die Schmerzen verstärken oder auslösen. Zudem könnte es zu schwerwiegenden Nebenwirkungen kommen.

Auswirkung eines Orgasmus auf den Körper

Ganz neu ist der Studienansatz nicht. Bereits vor mehreren Jahren hatten Wissenschaftler wie Barry R. Komisaruk und Beverly Whipple mehreren Studien untersucht, wie sich ein Orgasmus bei Frauen auf ihr Schmerzempfinden auswirkt – und waren zu ähnlichen Ergebnissen gelangt. 

Barry R. Komisaruk, Professor für Psychologie an der US-amerikanischen Rutgers University und Beverly Whipple, emeritierte Professorin für Sexualwissenschaften der Rutgers University, forschten mehrere Jahre zu den Auswirkungen eines Orgasmus. Währenddessen veröffentlichten sie mehrere Studien wie beispielsweise 1985 "Erhöhung der Schmerzschwelle bei Frauen durch vaginale Stimulation", allerdings nur mit zehn Probandinnen. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeiten veröffentlichten sie regelmäßig Büchern und Essays wie dem 2008 erschienenen "Orasm".

Das ist auch wissenschaftlich erklärbar: Während des Orgasmus werden zahlreiche Hormone ausgeschüttet, unter anderem Endorphin. Dieses Glückshormon kann die Schmerzempfindlichkeit mindern. Oxytocin und Dopamin, deren Konzentration im Blut durch den Orgasmus steigt, wirken positiv bei Schmerzen. Zusätzlich produziert der Körper vermehrt Prostaglandine, die als Schmerzmediatoren die Wirkung der ausgeschütteten Hormone verstärken.

Ein weitere mögliche Erklärung, weshalb Masturbation oder Sex Regelschmerzen mindern können: Die Muskelkontraktion während des Orgasmus wirkt entkrampfend und die stark angespannte Unterleibmuskulatur kann sich etwas lösen.

Und: Neben den physischen Gründen, weshalb Betroffene Schmerzen nach dem Höhepunkt häufig als geringer wahrnehmen, gibt es auch psychische: Während des Sex oder der Masturbation verschiebt sich der Fokus. Frauen konzentrieren sich dann weniger stark auf ihre Schmerzen.

Schon gewusst?
Virginia Johnson und William Masters fanden heraus, dass die Periode durch regelmäßige Masturbation unter Umständen verkürzt werden kann.

Das sagt ein Experte

Sollten Frauen also versuchen, ihre Regelschmerzen durch einen Orgasmus zu mindern? Dazu hat t-online Dr. med. Gerd Jansen, Facharzt für Gynäkologie und Sexualtherapeut, befragt.

"Die positiven Effekte durch einen Orgasmus auf den Körper sind bereits mehrfach bekannt. Daher spricht nichts dagegen, bei Regelschmerzen zu masturbieren", erklärt der Experte.

Laut dem Sexualtherapeuten sollten Frauen aber keine zu hohen Erwartungen an die Studienergebnisse stellen: "Die schmerzstillende Wirkung ist auch abhängig von der Art des Orgasmus. Schließlich gibt es sowohl leichte als auch sehr intensive Orgasmen, die sich unterschiedlich stark auf den Körper auswirken."

Jansen rät, vorsichtig zu testen, ob Masturbation oder Geschlechtsverkehr die Regelschmerzen lindern oder nicht. Wichtig sei, dass die Frau dabei nicht zu sehr verkrampft, beispielsweise weil sie sich aufgrund ihrer Blutung unwohl fühlt. Möchte wiederum ihr Partner während ihrer Periode keinen Geschlechtsverkehr, können beide auch zu Sexspielzeug greifen, so der Experte. "Beide sollten spielerisch und mit Lust, Liebe und Lachen an die Sache gehen und es einfach ausprobieren. Es passiert nichts Schlimmes."

Jansen betont aber neben den genannten positiven Auswirkungen auf den Körper nach einem Orgasmus noch einen wichtigen Aspekt, der deutlich zum Wohlbefinden beitrage: Das positive Körpergefühl danach. Das löse zusätzlich Anspannung und Stress, die wiederum Schmerzen auslösen können.

Orgasmus bei Unterleibsschmerzen: Wann Vorsicht geboten ist

In einigen Fällen sollten betroffene Frauen allerdings vorsichtig sein: "Es kann passieren, dass bestimmte Unterleibsbeschwerden durch den Höhepunkt verschlimmert werden", mahnt Facharzt Jansen. Dann sollten sich die Betroffenen unbedingt an ihren Gynäkologen wenden. "Endometriose und Myome – je nach Größe und Position – sowie Entzündungen im Unterleib können zu starken Regelschmerzen führen. In diesen Fällen ist vaginaler Geschlechtsverkehr nicht sinnvoll", warnt Jansen.

"Teilweise kann es aber helfen, wenn die betroffene Frau dann anderweitig stimuliert wird, um zum Höhepunkt zu kommen." Sein Extratipp an die t-online-Leser: Streicheln. Hierdurch werden ebenfalls Endorphine – wenn auch in geringer Konzentration – ausgeschüttet, die den Schmerz mindern.


Verwendete Quellen:

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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