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Das unterscheidet guten von schlechtem Stress

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 23.10.2021Lesedauer: 3 Min.
Eine Frau liegt lachend auf dem Boden im B├╝ro: Ob Stress als positiv oder negativ empfunden wird, ist individuell sehr unterschiedlich.
Eine Frau liegt lachend auf dem Boden im B├╝ro: Ob Stress als positiv oder negativ empfunden wird, ist individuell sehr unterschiedlich. (Quelle: Westend61/getty-images-bilder)
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Der Tag ist stramm geplant, doch es geht alles gut von der Hand. Sie haben viel um die Ohren, haben aber Spa├č dabei: Sie sind im Flow. Dass Stress auch befl├╝gelnd kann, hat jeder einmal selbst erfahren. Wie sich positiver Stress nutzen l├Ąsst und wann der Flow zu kippen droht.

Belastungen k├Ânnen als positiv oder negativ empfunden werden. Psychologen unterschieden daher in positiven Eustress und negativen Distress. Dieser zeigt sich in einem Gef├╝hl der ├ťberforderung und macht auf Dauer psychisch und k├Ârperlich krank. Im Gespr├Ąch mit t-online erkl├Ąrt die Psychologin Dr. Judith Mangelsdorf, warum Menschen Stress unterschiedlich empfinden.


Was Sie gegen Stress tun k├Ânnen

Zu viel Stress kann auf Dauer krank machen. Betroffene leiden unter psychischen und k├Ârperlichen Folgen. Doch es gibt einige Tricks, mit denen Sie ganz leicht Stress abbauen und vermeiden k├Ânnen.
Der beste Weg, Stress zu vermeiden, ist eine Entspannungstechnik zu erlernen. Das kann Yoga sein, autogenes Training oder aber auch die progressive Muskelrelaxation (PMR) nach der Methode von Edmund Jacobsen.
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t-online: Worin unterscheiden sich positiver und negativer Stress?

Diplom-Psychologin Dr. Judith Mangelsdorf ist Direktorin der Deutschen Gesellschaft f├╝r Positive Psychologie (DGPP). Als Vortragende, Trainerin, Forschende und Supervisorin unterst├╝tzt sie seit vielen Jahren Menschen verschiedenster Berufsgruppen, mit Hilfe der Positiven Psychologie ihr Potential zu entfalten.

Dr. Judith Mangelsdorf: In erster Linie unterscheiden sich positiver und negativer Stress durch die Dauer und Intensit├Ąt. Die Wissenschaft ist sich alles andere als einig dar├╝ber, ob es ├╝berhaupt Sinn macht, Stress in die Kategorien positiv und negativ zu unterteilen.

Das Erleben von Stress ist im engeren Sinne erst einmal eine wichtige und notwendige Reaktion des K├Ârpers auf eine Ver├Ąnderung und damit eine ├╝berlebensnotwendige Anpassungsleistung. Stress folgt dabei dem sogenannten Yerkes-Dodson-Gesetz, das besagt, dass bis zu einem bestimmten Optimum Stress unsere Produktivit├Ąt steigert. Ist dieser Punkt ├╝berschritten, hat Stress den gegenteiligen Effekt und wirkt sich negativ auf Faktoren wie Leistung oder Gesundheit aus. Wann Stress als positiv empfunden wird, ist eine ganz individuelle Sache.

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Gibt es bei Eustress und Disstress Unterschiede bei der Aussch├╝ttung von Stresshormonen?

Obgleich die Begriffe Eustress und Disstress als solche selbst in der Alltagspsychologie sehr bekannt sind, sind sie vergleichend kaum systematisch erforscht. So kann man beispielsweise nicht sagen, dass Eustress und Disstress einen grunds├Ątzlich anderen Hormoncocktail beinhalten.

Was man annimmt, ist, das Disstress, den wir als unangenehm, negativ und krankmachend erleben, mit einer st├Ąrkeren und l├Ąngeren Aussch├╝ttung von Stresshormonen assoziiert ist als positiv empfundener Stress. Bei negativem Stress werden die Stresshormone nicht, wie in einem gesunden Organismus notwendig, rechtzeitig durch die Aussch├╝ttung von Gl├╝cks- und Schlafhormonen wieder ausgeglichen. Die Forschung hat vor allem eines sicher gezeigt: Zu viel langandauernder oder starker Stress macht physisch und psychisch krank und verk├╝rzt sogar das Leben.

Wann wird Stress als negativ empfunden?

Ob ich Stress als positiv oder negativ erlebe, h├Ąngt vor allem von drei Faktoren ab: der Ursache f├╝r den Stress, den Emotionen, die ich mit der Situation verbinde, sowie meinem Denken ├╝ber die Situation. Wir erleben massiven Disstress bei einschneidenden negativen Lebensereignissen, wie dem Verlust von Angeh├Ârigen, der Diagnose mit schweren Krankheiten oder dem unvorhergesehenen Verlust des Arbeitsplatzes. Aber auch weniger starke und daf├╝r langanhaltende Stresserfahrungen, wie der Mix aus Homeoffice, Homeschooling, Isolation und Ressourcenverlusten kann Disstress verursachen.

Und wann ist Stress positiv?

Eustress hingegen ist viel individueller und schwerer zu fassen. Ein Beispiel k├Ânnte hier vielleicht eine neue Arbeitsaufgabe sein, die zwar herausfordernd aber bew├Ąltigbar ist. Positiv ist Stress in der Regel dann, wenn man merkt, dass man mit einer Herausforderung gut klarkommt, ihr gewachsen ist und die Ressourcen hat, ihr aktuell zu begegnen.

Ist es m├Âglich, negativen Stress in positiven Stress umzuwandeln ÔÇô etwa auf der Arbeit?

Negativer Stress ist vor allem Ausdruck von "zu viel", "zu lange" oder "zu intensiv". Ehe Sie also beginnen, an Ihrer Haltung zu arbeiten, macht es Sinn, dar├╝ber nachzudenken, was das richtige Ma├č an Arbeit w├Ąre und wie Sie es erreichen k├Ânnen.

Vielleicht machen mehr Pausen oder weniger Arbeitsstunden schon einen Unterschied. Manchmal hei├čt die einzige konsequente Antwort auf dauerhaften Disstress im Arbeitskontext aber auch schlicht: Arbeitsplatzwechsel.

Wie l├Ąsst sich generell gegen ├ťberforderung angehen und die Psyche st├Ąrken?

Das Erleben von ├ťberforderung hei├čt meist schlicht, dass die aktuellen Anforderungen Ihre Ressourcen ├╝bersteigen. Daraus ergeben sich zwei Ansatzpunkte: Entweder Sie versuchen die Anforderungen zu senken, beispielsweise in dem Sie Ihre Anspr├╝che an sich herunterschrauben oder Sie Ihren Vorgesetzten sagen: "Ich schaffe das nicht." Alternativ k├Ânnten Sie versuchen, Ihre Ressourcen zu st├Ąrken, indem Sie sich zum Beispiel Unterst├╝tzung holen oder mehr Erholungszeiten organisieren.

Sollte man sich gezielt Herausforderungen stellen, um gl├╝cklicher und zufriedener zu sein?

Dauerhafte Unterforderung ÔÇô auch bekannt unter dem Begriff Boreout - kann ebenso sch├Ądlich sein, wie dauerhafte ├ťberforderung. Genau in der Mitte liegt Flow, also das optimale Erleben. Das gezielte Setzen von Herausforderungen kann also tats├Ąchlich einen positiven Unterschied machen, wenn Sie sich eher gelangweilt oder unterfordert f├╝hlen. Sie k├Ânnen die Frage nach dem richtigen Stress-Ma├č auf einen sehr klugen Gedanken von Paracelsus reduzieren: "Die Menge macht das Gift."

Frau Dr. Mangelsdorf, vielen Dank f├╝r das Gespr├Ąch.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Ann-Kathrin Landzettel
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