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Der Weg in die Alkoholsucht ist schleichend


Darum wird Alkoholsucht oft zu spät erkannt

Von Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 10.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Qualitativ geprüfter Inhalt
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Für diesen Beitrag haben wir alle relevanten Fakten sorgfältig recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Eine Frau betrachtet ein Glas mit Whisky. Alkoholsucht kommt nicht von heute auf morgen. Der Weg in die Sucht ist fast immer ein längerer Prozess.
Eine Frau betrachtet ein Glas mit Whisky. Alkoholsucht kommt nicht von heute auf morgen. Der Weg in die Sucht ist fast immer ein längerer Prozess. (Quelle: nixki/getty-images-bilder)
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Alkoholsucht ist nicht plötzlich da. Sie entwickelt sich schleichend und von den Betroffenen meist unbemerkt. Bestimmte Personen sind anfälliger für eine Abhängigkeit. Wann Alkohol zur Gefahr wird und welches Verhalten auf eine Alkoholsucht hindeutet.

Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, keine persönliche Schwäche. Typisch ist das Suchtverhalten, also das übermächtige Verlangen nach Alkohol. Die Erkrankung ist durch körperliche, psychische sowie Symptome im Verhalten gekennzeichnet. In der Regel entwickelt sich Alkoholabhängigkeit über einen längeren Zeitraum. Den Betroffenen ist das oft gar nicht bewusst.


Fakten rund ums Thema Alkohol

Alkohol ist ein Teil unserer Gesellschaft und in geringen Mengen ist er nicht schädlich für gesunde, erwachsene Menschen. In höheren Mengen wiederum, kann er zahlreiche gesundheitliche Schäden anrichten.
Eine Alkoholsucht beginnt meist schleichend und beeinflusst immer mehr den Alltag des Betroffenen. Erste Anzeichen sind regelmäßiger übermäßiger Konsum und das heimliche Trinken von Alkohol beispielsweise am Arbeitsplatz. Beschaffung und Konsum werden dabei immer mehr zum Lebensinhalt.
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Alkoholsucht: In Deutschland ein großes Thema

Deutschland weist im internationalen Vergleich seit vielen Jahren einen sehr hohen Alkoholkonsum auf. Der Verbrauch an Reinalkohol pro Kopf im Alter ab 15 Jahren betrug 10,7 Liter im Jahr 2018. In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor, so die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS).

Es gebe keinen risikoarmen Alkoholkonsum, betonen die Suchtexperten und raten daher, möglichst wenig oder gar keinen Alkohol zu trinken und an wenigstens zwei bis drei Tagen pro Woche ganz auf Alkohol zu verzichten.

Das Krankheitsrisiko für gesunde Erwachsene ist der DHS zufolge nachweislich erhöht, wenn:

  • Frauen täglich mehr als 12 Gramm reinen Alkohol trinken.
  • Männer täglich mehr als 24 Gramm reinen Alkohol trinken.

Im Vergleich: Ein 200ml-Glas Bier enthält acht Gramm reinen Alkohol, ein 100ml-Glas Wein ebenso. Ein 2cl-Glas Weinbrand über sechs Gramm.

Zahlen und Fakten: Dem Bundesministerium für Gesundheit zufolge sind 1,6 Millionen Menschen in Deutschland alkoholabhängig. 6,7 Millionen der 18- bis 64-Jährigen konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Alkoholmissbrauch ist einer der wesentlichen Risikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen wie Krebserkrankungen, Lebererkrankungen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie ein bedeutender Risikofaktor für Unfälle. Jährlich sterben etwa 74.000 Menschen durch Alkohol allein oder durch den Konsum von Tabak und Alkohol.

Wann liegt eine Alkoholabhängigkeit vor?

Eine Alkoholabhängigkeit liegt gemäß dem WHO-Klassifikationssystem ICD-10 (International Classification of Diseases and Related Health Problems, 10. Revision) dann vor, wenn drei oder mehr der folgenden Kriterien zutreffen:

  1. Es besteht der starke Wunsch oder der Zwang, Alkohol zu trinken.
  2. Der Alkoholkonsum kann mit Hinblick auf Zeitpunkt, Menge und Dauer nicht kontrolliert werden.
  3. Es kommt zu Entzugssymptomen wie Händezittern und Schwitzen, wenn kein Alkohol getrunken wird. Alkohol wird getrunken, um Entzugssymptome zu vermeiden.
  4. Es zeigt sich eine Toleranzbildung. Die Betroffenen brauchen zunehmend mehr Alkohol, bis die gewünschte Wirkung eintritt.
  5. Der Alkoholkonsum steht im Vordergrund. Der Tagesplan richtet sich danach aus, regelmäßig Alkohol trinken zu können. Andere Interessen und Verpflichtungen werden zunehmend vernachlässigt.
  6. Trotz klarer Hinweise auf negative körperliche, psychische oder soziale Folgen wird der Alkoholkonsum fortgeführt.

Wann wird Alkohol riskant?

Alkohol gehört in der Gesellschaft zu vielen Anlässen dazu: Das Glas Wein zur Entspannung am Abend, das Bier in geselliger Runde, Sekt, wenn es etwas zu feiern gibt. Alkohol wird von vielen Menschen konsumiert, ohne dass sie über die Gefahren nachdenken, die Alkohol birgt.

Der leichte Zugriff auf Alkohol und ein alltäglicher Gebrauch sind bedeutende Risiken für die Entwicklung einer Alkoholsucht. Eine Gefährdung entsteht auch durch Gewöhnung. Entscheidend sind die Häufigkeit der Trinkgelegenheiten, die zu diesen Gelegenheiten getrunkene Menge und ein für die Situation unangemessener Konsum.

Alkohol birgt immer Risiken. Es gibt keinen absolut sicheren Grenzwert, der für wirklich alle gilt, da die Empfindlichkeit gegenüber Alkohol von Mensch zu Mensch variiert. "Die gesundheitlichen Gefahren von Alkohol werden oft unterschätzt. Alkoholprobleme entwickeln sich über einen längeren Zeitraum. Meist bleiben sie zunächst unbemerkt", sagt Christine Kreider, Referentin für Prävention bei der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS).

Gefährdet ist, wer die Wirkung des Alkohols "sucht"

Das Risiko für Alkoholmissbrauch steigt, wenn Alkohol (regelmäßig) genutzt wird, um bestimmte Empfindungen hervorzurufen, etwa um sich entspannter und gelassener zu fühlen oder kontaktfreudiger zu werden, Hemmungen oder Ängste abzubauen oder unschöne Gefühle wegzudrängen.

Dann ist Alkohol nicht mehr nur Genuss, sondern Mittel zum Zweck. Je länger Alkohol eine bestimmte Funktion übernimmt, desto größer ist die Gefahr, dass immer mehr getrunken wird und das Gefühl entsteht, nicht mehr ohne Alkohol auszukommen. Das Risiko für eine Alkoholabhängigkeit steigt – und ebenso die Gefahr für gesundheitliche Schäden. "Alkoholkonsum ist immer riskant. Es ist ein Irrtum zu glauben, dass nur eine Alkoholabhängigkeit zu Gesundheitsschäden führt", so die Suchtexpertin.

Alkohol als Schutzschild gegen negative Gefühle

Angaben des Deutschen Caritasverbandes zufolge sind besonders Menschen suchtgefährdet, die unter schweren Belastungen leiden. Besonders in emotional schwierigen Lebenssituationen wie Trauer, Scheidung, Dauerstress, Jobverlust, bei Existenzängsten oder Gewalterfahrungen ist das Risiko größer, dass vermehrt Suchtmittel konsumiert werden, um negative Gefühle und Druck besser ertragen zu können.

Das Risiko, über Alkoholmissbrauch in eine Alkoholsucht zu rutschen, steigt. Ebenso können schwierige soziale und familiäre Situationen den Weg zur Sucht ebnen. Je länger die belastende Situation andauert, desto größer ist die Gefahr einer Suchtentwicklung.

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Alkoholsucht führt auf Dauer zu Veränderungen der Persönlichkeit und kann die Partnerschaft aufs Spiel setzen. (Quelle: deeepblue/getty-images-bilder)
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Liegt Alkoholsucht in den Genen?

Alkoholsucht ist keine Erbkrankheit. Dennoch spielt die "Veranlagung" bei der Entwicklung einer Alkoholsucht eine gewisse Rolle. Sehr impulsive oder besonders extrovertierte Menschen sind eher suchtgefährdet.

Kinder von Eltern mit Suchtproblemen haben ebenfalls ein erhöhtes Suchtrisiko: Zum einen aufgrund ihrer erblichen Veranlagung. Zum anderen, weil bei ihnen das Familienleben durch die Suchtkrankheit schwer belastet ist, und es für diese Kinder daher schwerer ist, eine stabile Persönlichkeit zu entwickeln.

Alkohol: Wann ist ein kritischer Punkt erreicht?

"Alkoholabhängigkeit ist eine Erkrankung, die einer medizinischen Diagnose bedarf. Wenn jemand zunehmend die Kontrolle über den eigenen Alkoholkonsum verliert, kann dies eines von vielen möglichen Anzeichen für eine Abhängigkeit sein", sagt Kreider.

Ebenfalls kritisch sind alkoholbedingte körperliche Veränderungen wie Entzugssymptome (Händezittern, Schwitzen und Ruhelosigkeit), wenn kein Alkohol getrunken wurde. Auch wer plötzlich mehr verträgt als früher, sollte aufmerksam werden. Die Gewöhnung an größere Trinkmengen ist immer ein Warnsignal.

"Wichtig ist, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Betroffene und ihre Angehörigen können sich an eine Suchtberatungsstelle oder eine andere Einrichtung der Suchthilfe wenden", empfiehlt Kreider. "Geeignete Ansprechpersonen vor Ort können über das Suchthilfeverzeichnis der DHS unter www.suchthilfeverzeichnis.de recherchiert werden."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Verwendete Quellen
  • Interview
  • Alkohol. Basisinformation. Broschüre der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (DHS). (Stand: 2020)
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Von Lydia Klöckner
DeutschlandWHO

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