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Diese Frauenleiden können auch Männer bekommen

Oft unterschätzt und übersehen  

Diese Frauenleiden können auch Männer bekommen

Ann-Kathrin Landzettel

09.10.2021, 08:13 Uhr
Diese Frauenleiden können auch Männer bekommen. Ein älterer Mann mit Rückenschmerzen beim Arzt. Mit zunehmendem Alter steigt auch bei Männern das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. (Quelle: Getty Images/gilaxia)

Ein älterer Mann mit Rückenschmerzen beim Arzt. Mit zunehmendem Alter steigt auch bei Männern das Risiko, an Osteoporose zu erkranken. (Quelle: gilaxia/Getty Images)

Brustkrebs, Osteoporose und Essstörungen: Bei diesen Erkrankungen denken viele zunächst an betroffene Frauen. Doch auch Männer können daran erkranken.

Es gibt eine ganze Reihe von Beschwerden und Krankheiten, die als typische Frauenleiden gesehen werden. Da sie oft nicht im Fokus der Patienten oder der Ärzte stehen, werden sie häufig  übersehen oder erst spät diagnostiziert. Das wiederum hat in vielen Fällen einen negativen Einfluss auf den Heilungserfolg. Warum Brustkrebs auch bei Männern möglich ist, wann Osteoporose Männerknochen befällt und welche Essstörung beide Geschlechter betrifft.

Brustkrebs bei Männern: selten, aber nicht ausgeschlossen

Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr erkranken etwa 70.000 Patientinnen neu an Brustkrebs. Doch auch bei  Männern können sich Tumore entwickeln. Denn die männliche Brust hat ähnliche Voraussetzungen wie die weibliche: Der Mensch ist embryonal als Zwitter angelegt. Bei einem Embryo wird erst im zweiten Monat ein geschlechtlicher Unterschied sichtbar. Dennoch tritt Brustkrebs bei Männern äußerst selten auf.

Ein Chirurg markiert die Brust eines männlichen Patienten. Auch Brustkrebs kann in seltenen Fällen Männer treffen. (Quelle: Getty Images/Henadzi Pechan)Ein Chirurg markiert die Brust eines männlichen Patienten. Auch Brustkrebs kann in seltenen Fällen Männer treffen. (Quelle: Henadzi Pechan/Getty Images)

"Von Brustkrebs sind 99 Prozent Frauen und etwa ein Prozent Männer betroffen", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. "Jedes Jahr erkranken etwa 700 Männer an Brustkrebs. Der Altersdurchschnitt liegt bei 72 Jahren. Männer können aber auch in einem früheren Alter erkranken."

 (Quelle: DKFZ, Carina Kircher) (Quelle: DKFZ, Carina Kircher)
Dr. Susanne Weg-Remers ist Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Sie hat in der Inneren Medizin sowie in der klinischen und Grundlagenforschung für Krebs gearbeitet. Die Expertin steht in engem Kontakt mit Brustkrebspatientinnen.

Erhöhtes Risiko durch Hormonschwankungen

Bei den meisten betroffenen Männern lässt sich keine Ursache der Krebserkrankung nachweisen. Ein bekanntes Risiko ist allerdings ein Ungleichgewicht im Hormonhaushalt. Denn auch Männer produzieren das weibliche Sexualhormon Östrogen.

"Männer mit einem vergleichsweise hohen Östrogenspiegel haben ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken", sagt Weg-Remers. "Mögliche Ursachen sind beispielsweise Hodenerkrankungen in der Kindheit, Übergewicht und bestimmte Erkrankungen, etwa das Klinefelter-Syndrom." Auch erbliche Faktoren könnten eine Rolle spielen. So hätten Männer mit einer erblichen Veränderung in einem der "Brustkrebs-Gene" BRCA-1 oder BRCA-2 ein erhöhtes Risiko.

Osteoporose: Auch Männerknochen können brüchig werden

Es stimmt: Frauen haben ein sehr viel höheres Osteoporose-Risiko als Männer. Besonders mit den Wechseljahren, wenn sich der Hormonspiegel verändert und das weibliche Geschlechtshormon Östrogen weniger wird, nimmt der natürliche Knochenschutz ab.

Doch auch Männer müssen mit zunehmendem Alter mit einem beschleunigten Knochenabbau rechnen. Ab dem 50. Lebensjahr leiden 30 Prozent aller Frauen und 10 Prozent aller Männer an Osteoporose. Zirka 20 bis 30 Prozent aller Patienten, die osteoporotische Knochenbrüche erleiden, sind Männer. Experten zufolge scheint die Knochenschwund bei Männern sogar schwerwiegender verlaufen zu können als bei Frauen.

Knochenbrüche sind Alarmzeichen 

Oft ist es ein Knochenbruch, etwa ein Oberschenkelhalsbruch, der bei Männern zur Diagnose Osteoporose führt. Die Therapie ist bei beiden Geschlechtern gleich: Die Basistherapie besteht aus einer entsprechend angepassten Kalzium und Vitamin D-Zufuhr.

Ebenfalls möglich ist die Gabe von Bisphosphonaten, die für die Therapie der Osteoporose des Mannes zugelassenen sind. Sie verlangsamen den Knochenabbau, indem sie eine Art Schutzhülle um die kleinen Knochenbälkchen bilden.

Bewegung beugt Osteoporose vor

Auch Bewegung spielt eine bedeutende Rolle, um den Knochenabbau zu verlangsamen, den Knochenstoffwechsel anzuregen – ist aber auch für die Gelenke unverzichtbar. Experten wissen: Gerade im Alter sollte mehrfach täglich Bewegung zum Alltag dazugehören.

"Viele haben sich in der Corona-Pandemie angewöhnt, Übungen zu Hause oder Spaziergänge zu machen, das sollten sie unbedingt beibehalten", sagt  sagt Professor Dr. Bernd Kladny, stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Inzwischen sei in Vereinen und Sportstudios auch wieder Sport in der Gruppe möglich. Wer Spaß daran habe, könne dort ein geeignetes Angebot finden, das zu seiner körperlichen Fitness passt.

 (Quelle: Kladny-Copyright Glasow-fotografie-datcol ) (Quelle: Kladny-Copyright Glasow-fotografie-datcol )

Professor Dr. Bernd Kladny ist stellvertretender Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) und Chefarzt der Abteilung Orthopädie und Unfallchirurgie, m&i-Fachklinik Herzogenaurach. Der Orthopäde und Unfallchirurg war maßgeblich an der Versorgungs-Leitlinie Nicht-spezifischer Kreuzschmerz beteiligt.

Wie kommt es zu Osteoporose?

95 Prozent der männlichen und weiblichen Osteoporose-Betroffenen erkrankt an einer primären Osteoporose, die ohne vorliegende Grunderkrankung entsteht. Bei etwa fünf Prozent liegt eine sekundäre Osteoporose vor, die in Folge einer Grunderkrankung entsteht.

Mögliche Ursachen einer sekundären Osteoporose sind beispielsweise Fehlernährung, Schilddrüsenerkrankungen, Niereninsuffizienz, Darmerkrankungen, Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus, chronisch-entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis und Krebserkrankungen.

Essstörungen sind kein reines Frauenthema

Essstörungen gelten ebenfalls als typisch weibliche Erkrankung. Doch auch Männer können Magersucht, Bulimie oder eine Binge-Eating-Störung entwickeln.

Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge tritt von den drei Erkrankungsformen der Essstörung bei Männern die Binge-Eating-Störung am häufigsten auf, gefolgt von der Bulimie. Die bekannteste Form der Essstörung, die Magersucht, tritt am seltensten auf. Von 1000 Jungen und Männern erkranken durchschnittlich etwa zehn an einer Binge-Eating-Störung, sechs an Bulimie und zwei an Magersucht.

Fressattacken als Symptom einer Binge-Eating-Störung 

Bei der Binge-Eating-Störung kommt es zu unkontrollierter Nahrungsaufnahme, sogenannten Fressattacken. Psychologen gehen davon aus, dass Betroffene das Essen – beziehungsweise die während der Aufnahme des Essen entstehenden positiven Gefühle – nutzen, um unangenehme Empfindungen wie Trauer, Wut, Ärger, Angst, Frust und Stress zu unterdrücken.

Demnach handelt es sich bei Binge Eating um eine Form von Vermeidungsverhalten. Etwa die Hälfte der Betroffenen sind von einer Depressionen betroffen. Bislang ist unklar, ob die Depression die Esssucht verursacht oder umgekehrt.

Verwendete Quellen:


Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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