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Was hilft bei Rhizarthrose (Arthrose im Daumensattelgelenk)?

Gelenkverschleiß im Daumen  

Was hilft bei Rhizarthrose?

Was hilft bei Rhizarthrose (Arthrose im Daumensattelgelenk)?. Eine Frau hat Schmerzen in der Hand: Eine Rhizarthrose kann sehr schmerzhaft sein. (Quelle: Getty Images/ shih-wei)

Eine Frau hat Schmerzen in der Hand: Eine Rhizarthrose kann sehr schmerzhaft sein. (Quelle: shih-wei/Getty Images)

Eine Arthrose an der Daumenwurzel (Rhizarthrose) kann das Öffnen einer Flasche nahezu unmöglich machen. Typische Symptome sind Schmerzen, Kraftlosigkeit und eine eingeschränkte Beweglichkeit des Daumens. Was dagegen hilft und wann eine Operation nötig ist.

Früher oder später entwickelt sich bei fast jedem eine Arthrose. Dabei handelt es sich um meist altersbedingte Verschleißerscheinungen an den Gelenken. Die Gelenke von Knie und Hüfte sind besonders häufig betroffen. Aber auch in den Fingern macht sich Gelenkverschleiß häufiger bemerkbar. Handelt es sich um das Gelenk an der Daumenwurzel (Daumensattelgelenk), sprechen Fachleute von einer Rhizarthrose.

Das Daumensattelgelenk befindet sich zwischen dem großen Vieleckbein (Os trapezium) der Handwurzelknochen und dem benachbarten ersten Mittelhandknochen. Es wird jeden Tag aufs Neue stark beansprucht, etwa beim Greifen oder Halten. Daher sind Verschleißerscheinungen in diesem Gelenk keine Seltenheit: Die Rhizarthrose ist die zweithäufigste Arthrose des Handskeletts – nach der Arthrose der Fingerendgelenke (Heberden-Arthrose). Insbesondere ältere Menschen sind betroffen, darunter vor allem Frauen.

Daumensattelgelenk: Bei einer Rhizarthrose ist das Gelenk zwischen dem Handwurzelknochen und dem benachbarten Mittelhandknochen des Daumens verschlissen.  (Quelle: Getty Images/filo)Daumensattelgelenk: Bei einer Rhizarthrose ist das Gelenk zwischen dem Handwurzelknochen und dem benachbarten Mittelhandknochen des Daumens verschlissen. (Quelle: filo/Getty Images)

Ursachen: Wie entsteht eine Rhizarthrose?

Normalerweise befindet sich zwischen zwei gelenkbildenden Knochenenden eine elastische Knorpelschicht. Sie puffert Stöße ab und verhindert, dass sich die Knochenenden direkt berühren. Zudem gewährleistet der Knorpel, dass das Gelenk beweglich ist.

Mit zunehmender Abnutzung wird die Knorpelschicht allmählich spröder und dünner. Ist die Arthrose weit fortgeschritten, kann der Knorpel so weit verschwunden sein, dass die Knochenenden frei liegen und aufeinander reiben.

Gelenkverschleiß bei Arthrose: Über die Jahre wird die Knorpelschicht in Gelenken dünner. (Quelle: Getty Images/TefiM)Gelenkverschleiß bei Arthrose: Über die Jahre wird die Knorpelschicht in Gelenken dünner. (Quelle: TefiM/Getty Images)

In den meisten Fällen ist eine Rhizarthrose auf altersbedingte Abnutzungsprozesse zurückzuführen. Fachleute sprechen von einer primären Arthrose. Bestimmte Faktoren begünstigen den Verschleiß. Neben dem Alter zählen dazu zum Beispiel Übergewicht, frühere Verletzungen, mechanische Überbeanspruchung des Daumengelenks und familiäre Vorbelastung.

Eine Rhizarthrose kann auch durch andere Erkrankungen oder äußere Einflüsse entstehen. Dann sprechen Fachleute von einer sekundären Arthrose. Zum Beispiel können Verletzungen an der Hand den Verschleiß begünstigen – etwa ein Knochenbruch in der Nähe des Gelenks. Gerade bei jungen Menschen ist eine Rhizarthrose oft auf eine vorangegangene Verletzung zurückzuführen. Entzündliche Erkrankungen, etwa aus dem rheumatischen Formenkreis, können ebenfalls eine Ursache für eine Arthrose im Daumensattelgelenk sein.

Symptome einer Rhizarthrose

Die Rhizarthrose tritt häufig an beiden Daumen auf. Häufige Symptome sind

  • Schmerzen beim Bewegen des Daumens,
  • Steifheit und Schwäche/Kraftlosigkeit im Daumen sowie
  • im weiteren Verlauf: eingeschränkte Beweglichkeit des Gelenks.

Patientinnen und Patienten verspüren bei Belastung des Gelenks Schmerzen. Die Schmerzen strahlen zur Handfläche hin bis in den Daumenballen aus. Sie können mal stärker, mal schwächer ausgeprägt sein, tendenziell nehmen sie aber mit der Zeit zu. Durch Schonung und Ruhigstellung gehen die Schmerzen in der Regel zurück. Bei einer Arthrose können sich die Gelenke phasenweise entzünden. Dann nehmen die Schmerzen zu. Das Gelenk kann im entzündeten Stadium gerötet, überwärmt und geschwollen sein.

Betroffene haben zunehmend Schwierigkeiten bei Greif- und Drehbewegungen: Zum Beispiel fällt das Öffnen einer Flasche plötzlich schwer. Zudem kann sich das Gelenk steif anfühlen. Dies kann vor allem morgens der Fall sein, wenn das Gelenk noch nicht bewegt wurde.

Ist die Rhizarthrose fortgeschritten, können auch in Ruhe Schmerzen auftreten. Die Beweglichkeit des Gelenks nimmt ab. Auch können sich zunehmend Knochendeformierungen bilden.

Diagnose einer Rhizarthrose

Je nachdem, wie weit die Arthrose im Daumensattelgelenk fortgeschritten ist, lassen sich vier Stadien der Rhizarthrose unterscheiden.

Im ersten Stadium sind im Röntgenbild kaum Veränderungen sichtbar. Im zweiten und dritten Stadium wird der Spalt zwischen den Knochen (Gelenkspalt) durch den dünner werdenden Knorpel immer schmaler. In den abgenutzten Gelenken bilden sich zunehmend Knochenauswüchse – sogenannte Osteophyten. Zusätzlich entstehen freie Gelenkkörper: Dabei handelt es sich um kleine Gewebestücke, die sich aufgrund der Verschleißerscheinungen im Gelenk lösen. Im vierten Stadium einer Rhizarthrose ist auch das benachbarte Handwurzelgelenk (SST-Gelenk) von der Arthrose betroffen.

Wichtige Information
Die tatsächliche Ausprägung der Rhizarthrose spiegelt sich nicht unbedingt in den Beschwerden wider: Manche haben schon in frühen Stadien starke Symptome. Andere können das Daumengelenk noch schmerzfrei bewegen, obwohl sich im Röntgenbild schon starke Verschleißerscheinungen nachweisen lassen.

Im Rahmen der körperlichen Untersuchung wird die Ärztin oder der Arzt das Handgelenk abtasten. Dabei fallen ihr oder ihm unter Umständen bereits Knochenauswüchse oder Deformierungen auf. Das Daumengelenk kann rot und überwärmt sein. Beim Tasten über dem Gelenkspalt empfindet die Patientin oder der Patient Schmerzen.

Durch verschiedene Tests kann sich die Verdachtsdiagnose erhärten. Etwa mithilfe des Grind-Tests: Dabei umfasst die Ärztin oder der Arzt den ersten Mittelhandknochen und führt dabei unter leichtem Druck rotierende Bewegungen aus. Bei einer akuten Rhizarthrose treten Schmerzen auf. Eine Streckung des Gelenks lindert hingegen die Schmerzen.

Arzt untersucht die Hand einer Patientin: Bei Verdacht auf Rhizarthrose wird die Ärztin oder der Arzt den betroffenen Daumen genau untersuchen. (Quelle: Getty Images/ PositiveFocus)Arzt untersucht die Hand einer Patientin: Bei Verdacht auf Rhizarthrose wird die Ärztin oder der Arzt den betroffenen Daumen genau untersuchen. (Quelle: PositiveFocus/Getty Images)

Um die Diagnose zu sichern, wird die Ärztin oder der Arzt eine Röntgenuntersuchung durchführen. Die Verschleißerscheinungen sind auf dem Röntgenbild zu erkennen. Nur wenn die Diagnose auf diese Weise nicht zweifelsfrei gestellt werden kann, kommen zusätzlich weitere bildgebende Verfahren wie eine Computer- oder Magnetresonanztomographie zum Einsatz.

Behandlung: OP oder konservative Therapie?

Eine Rhizarthrose kann sowohl ohne chirurgischen Eingriff (konservativ) als auch operativ behandelt werden. Welche Therapie infrage kommt, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Zum Beispiel ist von Bedeutung,

  • wie weit die Arthrose im Daumensattelgelenk fortgeschritten ist,
  • wie stark die Beschwerden sind oder
  • ob die Patientin oder der Patient bestimmte Vorerkrankungen hat.

Ziel der Behandlung ist, die Schmerzen auszuschalten oder zu lindern und die Funktion des Daumengelenks zu erhalten.

Rhizarthrose ohne OP behandeln

Zunächst wird die Ärztin oder der Arzt eine konservative Therapie vorschlagen. Dabei werden häufig verschiedene Methoden miteinander kombiniert (sog. multimodaler Ansatz). Dazu gehören zum Beispiel:

  • Schulungen zum Umgang mit der Erkrankung
  • Physiotherapie: Übungen zur Mobilisation des Gelenks und benachbarter Muskeln
  • Orthese: Gelenkentlastung durch eine Schiene/Bandage

Mithilfe der Physiotherapie können die Schmerzen oft für eine Weile gelindert werden. In der Physiotherapie lernt die Patientin oder der Patient, welche Übungen bei Rhizarthrose besonders gut geeignet sind.

Eine Orthese stabilisiert und fixiert das Daumensattelgelenk und sorgt so für dessen Entlastung. Inwieweit eine Orthese langfristig gegen die Schmerzen hilft, ist jedoch unklar. Es gibt verschiedene Formen von Orthesen. Bei einer Rhizarthrose kommt etwa eine spezielle Schiene infrage, die dem Daumengelenk den nötigen Halt bietet. Auch Bandagen zwischen Handgelenk und Daumen können Entlastung bringen.

Bei Schmerzen können kortison- oder hyaluronhaltige Präparate helfen, welche die Ärztin oder der Arzt in die Gelenkhöhle spritzt. Die Schmerzen können dadurch jedoch meist nur vorübergehend gelindert werden – ein langfristiger Effekt ist weniger zu erwarten. Als Dauertherapie sind solche Injektionen nicht geeignet. Nach ärztlicher Absprache können Patientinnen und Patienten zudem vorübergehend Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika wie zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac zurückgreifen.

Operation bei Rhizarthrose

Ist die Rhizarthrose noch nicht weit fortgeschritten, können vor allem bei jüngeren Patientinnen und Patienten gelenkerhaltende operative Maßnahmen infrage kommen. Dazu zählt die arthroskopische Synovektomie. Dabei entfernt die Operateurin oder der Operateur im Rahmen einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) die entzündete Gelenkschleimhaut im jeweiligen Gelenk. Auch kann sie oder er die umgebenden Nerven durch Erwärmung zerstören. Auf diese Weise soll das Schmerzempfinden gelindert werden. Mithilfe dieser minimalinvasiven Verfahren können sich die Beschwerden möglicherweise vorübergehend bessern. Wie gut sie tatsächlich helfen, ist jedoch bislang nicht gut untersucht.

Eine weitere Möglichkeit ist ein künstliches Daumensattelgelenk (Endoprothese). Damit lasst sich unter Umständen eine größere Operation vermeiden. Allerdings ist die Endoprothese mit einer hohen Komplikationsrate verbunden.

Vor allem in fortgeschrittenen Stadien einer Rhizarthrose kommt häufig eine Trapezektomie zum Einsatz. Dabei entfernt die Chirurgin oder der Chirurg den Handwurzelknochen des Daumens (Vieleckbein). Anschließend wird häufig eine sogenannte Resektions-Suspensions-Interpositionsarthroplastik hergestellt. Dabei fixiert die Operateurin oder der Operateur eine Sehne am Mittelhandknochen des Daumens, um Stabilität zu erreichen (sog. Suspension). Zusätzlich kann sie oder er aus dem verbleibenden Sehnenende ein Kissen bilden und dieses in die Lücke einbringen, die durch die Entfernung des Knochens entstanden ist (sog. Interposition).

Das Vieleckbein (Os trapezium): Bei einer fortgeschrittenen Rhizarthrose kann es sinnvoll sein, den Knochen zu entfernen. (Quelle: Getty Images/SciePro)Das Vieleckbein (Os trapezium): Bei einer fortgeschrittenen Rhizarthrose kann es sinnvoll sein, den Knochen zu entfernen. (Quelle: SciePro/Getty Images)

Rhizarthrose: Welche Risiken birgt die OP?

Jeder operative Eingriff ist auch mit Risiken verbunden. Zu allgemeinen Operationsrisiken zählen Wundheilungsstörungen, Blutergüsse/Nachblutungen oder Infektionen. Weitere mögliche Komplikationen nach einer Rhizarthrose-OP sind:

  • Verletzungen umgebender Nerven
  • gestörte Funktionalität des Gelenks
  • Lockerung des verwendeten Materials
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): Dabei entwickeln Betroffene nach der OP Symptome wie anhaltende Schmerzen, Sensibilitäts- und Bewegungsstörungen.

Vor einer möglichen Operation sollen mögliche Risiken und Chancen sorgsam abgewogen werden.

Nach der OP: Wie lange krankgeschrieben?

Nach einem größeren Eingriff wie der Trapezektomie muss der Daumen für zwei bis drei Wochen ruhiggestellt werden. Anschließend soll er mithilfe spezieller Übungen schrittweise wieder belastet werden. Nach rund drei Monaten ist meist die volle Belastbarkeit erreicht. Je nach Beruf ist daher eine Krankschreibung erforderlich.

Prognose bei Rhizarthrose

Eine Rhizarthrose lässt sich durch konservative Therapiemaßnahmen nicht heilen. Jedoch können Orthesen, Physiotherapie und andere Behandlungsmöglichkeiten die Schmerzen vorübergehend lindern und eine mögliche Operation hinauszögern.

Hat eine konservative Behandlung nicht den gewünschten Erfolg gebracht, kann ein chirurgischer Eingriff in vielen Fällen die Schmerzen lindern und die Funktionsfähigkeit des Gelenks erhalten.

Berufsunfähigkeit durch Rhizarthrose?
Eine Rhizarthrose kann bei Personen, die ihren Daumen häufig benutzen müssen, zur Berufsunfähigkeit führen. Dies ist allerdings nur selten der Fall.

Verwendete Quellen:
  • Rhizarthrose. Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Stand: 16.8.2021)
  • Rhizarthrose. Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Stand: August 2020)
  • Arthrose des Daumens. Online-Informationen von Deximed: deximed.de (Stand: 11.9.2018)
  • Spies, C., et al.: Therapie der primären Finger- und Damengelenkarthrose. Deutsches Ärzteblatt, Jg. 115, Nr. 16, S. 269-275 (April 2018)
  • Füeßl, H., Middeke, M.: Duale Reihe Anamnese und Klinische Untersuchung. Thieme, Stuttgart 2018
  • Niethard, F., Pfeil, J., Biberthaler, P.: Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. Thieme, Stuttgart 2017
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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