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Corona: Wer sind die Ungeimpften? Studie gibt Hinweis

Studien geben Aufschluss  

Das sind die Ungeimpften

09.11.2021, 14:34 Uhr
Corona: Wer sind die Ungeimpften? Studie gibt Hinweis. Deutschland teilt sich momentan in Geimpfte und Ungeimpfte: Eine aktuelle Studie zeigt, wer häufig zu den Ungeimpften zählt. (Quelle: imago images/Future Image)

Deutschland teilt sich momentan in Geimpfte und Ungeimpfte: Eine aktuelle Studie zeigt, wer häufig zu den Ungeimpften zählt. (Quelle: Future Image/imago images)

Während täglich Rekorde bei Neuinfektionen und Inzidenzen gebrochen werden, stagniert die Zahl der Geimpften. Wer bisher nicht geimpft ist, wird es auch nicht tun, so scheint es. Doch wer steckt hinter den Zahlen?

Mindestens 55,8 Millionen Menschen in Deutschland sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das sind etwa 67 Prozent der Gesamtbevölkerung. Knapp 70 Prozent haben zumindest schon eine oder mehrere Impfungen erhalten und sind auf dem besten Weg zum vollständigen Impfschutz.

Das bedeutet aber auch: Rund 33 Prozent der Deutschen sind noch nicht vollständig gegen Covid-19 geimpft. Doch warum werden diese Menschen nicht erreicht, wer sind sie und welche Bevölkerungsschichten müssen besser durchdrungen werden?

Achtung: Die vorgestellten Zahlen und Studien sind größtenteils Momentaufnahmen oder betrachten nur einen bestimmten Anteil der Gesamtbevölkerung. So ergeben sich Richtwerte und Durchschnittsschätzungen. Persönliche Wahrnehmungen können davon abweichen.

Altersgruppen: Wie alt sind die Ungeimpften?

Das Impfdashboard der Bundesregierung zeigt: In der Gruppe der Über-60-Jährigen gibt es die meisten Geimpften. 20,6 Millionen, also rund 85,5 Prozent, der insgesamt 24,1 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe sind geimpft. Allerdings sind auch hier noch 3,5 Millionen Menschen ungeimpft. Die größte Bevölkerungsgruppe der 18- bis 59-Jährigen ist noch zu rund 22 Prozent ungeimpft, was fast zwölf Millionen Menschen entspricht. 

Bei den Zwölf- bis 17-Jährigen sind mittlerweile fast 43 Prozent vollständig geimpft, es bleiben noch 2,6 Millionen ungeimpfte Kinder und Jugendliche. Hinzu kommen rund 9,2 Millionen Kinder unter zwölf Jahren, für die bisher noch keine Impfung empfohlen wird. 

Eine aktuelle Cosmo-Studie zeigt: Ungeimpfte sind tendenziell jünger als Geimpfte.

Regionale Unterschiede: Wo leben die meisten Ungeimpften?

Unabhängig vom Alter unterscheidet das Impfdashboard auch den jeweiligen Impffortschritt in den einzelnen Bundesländern. Hier zeigt sich, dass Bremen, Saarland, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen mit Impfquoten zwischen 74,1 (Nordrhein-Westfalen) und sogar 81,4 Prozent (Bremen) mit mindestens einer Covid-Impfung die Tabelle anführen. 

Die meisten Ungeimpften hingegen leben vor allem in den östlichen Bundesländern. Schlusslicht ist Sachsen mit mehr als 40 Prozent Ungeimpften, dicht gefolgt von Thüringen und Brandenburg mit je rund 37 Prozent Ungeimpften. Sachsen-Anhalt landet mit einer Impfquote von knapp unter 65 Prozent auf dem viertletzten Platz.

Aber auch im Süden stagnieren die Impfungen: In Bayern und Baden-Württemberg gibt es noch mehr als 33 Prozent Ungeimpfte. Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Berlin rangieren mit 67,5 bis 69,7 Prozent Impfquote im Mittelfeld.  Auch anteilig gibt es laut der aktuellen Studie mehr Ungeimpfte in Ost- als in Westdeutschland. 

Bevölkerungsschichten: Wer wird schlecht erreicht? 

Der Cosmo-Studie zufolge sind auch Menschen mit Migrationshintergrund häufiger ungeimpft als Menschen ohne einen solchen Hintergrund. Sie werden möglicherweise schlechter erreicht oder finden kein verständliches Informationsmaterial vor. 

In der aktuellen Befragungswelle von Cosmo Anfang Oktober gaben 80 Prozent an, dass für sie tendenziell ein "intensives Bedürfnis" nach Abwägung zwischen Nutzen und Risiko vorhanden sei, wie auch die "FAZ" berichtet. Mehr als jeder dritte Ungeimpfte setze demnach darauf, dass die anderen es schon richten werden, die Impfung für einen selbst nicht nötig sei. Zwölf Prozent nannten praktische Hürden der Impfung als Grund. Und ein steigender Anteil von zuletzt 41 Prozent der Ungeimpften hält die Impfung für "überflüssig".

Corona-Impfung: Vor allem unter Jüngeren, in bildungsarmen Schichten und unter Frauen gibt es mehr Impfskeptiker. (Quelle: imago images/ZUMA Wire)Corona-Impfung: Vor allem unter Jüngeren, in bildungsarmen Schichten und unter Frauen gibt es mehr Impfskeptiker. (Quelle: ZUMA Wire/imago images)

Wirtschaftliche Situation spielt entscheidende Rolle

Auch ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik hat kürzlich untersucht, welche demografischen, sozioökonomischen und gesundheitlichen Faktoren bei der Entscheidung, sich gegen Corona impfen zu lassen, eine Rolle spielen. Dazu nutzten sie den Survey on Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), der in 27 europäischen Ländern und Israel Daten über die Impfbereitschaft in der Risikogruppe 50+ erhoben hat. 

Sie fanden heraus, dass auch die wirtschaftliche Situation eine entscheidende Rolle spielt. Menschen im "unteren Viertel der Einkommensverteilung" wollten sich demnach häufiger nicht impfen lassen als solche mit höherem Einkommen. "Nahezu 30 Prozent der Personen, die angaben, nur 'mit großen Schwierigkeiten' über die Runden zu kommen, waren unentschlossen oder lehnten die Impfung ab, während es bei denjenigen, die angaben, 'leicht' über die Runden zu kommen, nur 7,8 Prozent waren. Dieses klare Muster blieb auch bei der Betrachtung der Länderunterschiede bestehen", heißt es in der Studie. 

Beruf und Bildung: Welchen Einfluss hat Bildung auf die Entscheidung? 

Die Max-Planck-Gesellschaft stellte in ihrer Studie zudem fest, dass Ausbildung und Beruf einen entscheidenden Einfluss auf die Impfbereitschaft haben können. Der größte Unterschied zeigte sich zwischen Arbeitslosen und Menschen im Ruhestand: Während unter den Arbeitslosen fast 30 Prozent eine Impfung ablehnten, waren es bei den Rentnern nur rund 11,5 Prozent. 


Und auch die Schulbildung nimmt demnach Einfluss: Knapp 15 Prozent der Menschen mit niedriger Schulbildung möchten sich nicht impfen lassen oder sind noch unentschlossen, während es bei den Menschen mit mittlerer Schulbildung 16 Prozent waren und bei jenen mit höherer Schulbildung nur noch gut neun Prozent. Da die Studie europaweit durchgeführt wurde, zeigte sich dieser Unterschied besonders stark in Bulgarien, Rumänien und der Slowakei. 

Geschlechter: Gibt es Impfunterschiede zwischen Mann und Frau? 

Die Max-Planck-Gesellschaft fand zudem heraus, dass auch das Geschlecht in den meisten Ländern eine Rolle spielt, wenn es um die Impfbereitschaft geht. So sind im Durchschnitt 14,5 Prozent der Frauen unentschlossen und "eher zögerlich" als Männer, bei denen es nur etwa 13 Prozent sind. Das gilt der Studie zufolge aber nicht für alle Länder: In Ungarn, Portugal und der Schweiz sind mehr Männer impfskeptisch. 

Vorerkrankungen oder Kranke im Umfeld: So wirken sich Krankheiten aus

Auch der eigene Gesundheitszustand hat der Studie zufolge einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ob sich jemand gegen das Coronavirus impfen lässt oder nicht. So war der Anteil der Impfskeptiker oder -gegner bei den Menschen ohne diagnostizierte Krankheit bei knapp 17 Prozent deutlich höher als bei den Vorerkrankten. Wer eine diagnostizierte Krankheit hat, lässt sich nur zu rund zwölf Prozent eher nicht impfen. 

Und: Es gibt auch einen Unterschied zwischen jenen, die Covid-Patienten kennen, und solchen, die niemanden kennen, der am Coronavirus erkrankt ist. Wer einen Covid-Patienten kennt, war demnach nur noch zu zehn Prozent skeptisch gegenüber einer Impfung. Bei denen, die niemanden kannten, der erkrankt war, waren es rund 15 Prozent.

Lösungsansätze: Wie kann die Impfbereitschaft gesteigert werden? 

In der Studie werden einige Lösungsvorschläge gemacht, um künftig mehr Menschen von einer Corona-Impfung zu überzeugen. Dazu zählen:

  • Material in anderer und einfacher Sprache, ggf. auch Videomaterial oder interpersonale Angebote; 
  • aktives Ansprechen durch Ärzte;
  • einen Impftermin bekommen und sich impfen lassen sollte weiterhin so einfach wie möglich sein;
  • Impfmöglichkeiten direkt am Arbeitsplatz und im Bildungssektor; 
  • Ärzte sollten informiert werden, um kompetent und sicher zu beraten, da ihre Empfehlung und Entscheidungssicherheit ein großes Gewicht hat; 
  • Der individuelle Beitrag zur Pandemiebewältigung durch die Impfung sollte stärker verdeutlicht werden.

Auch eine Impfpflicht für bestimmte Bevölkerungsgruppen wie Ärzte, Pflegekräfte, Erziehende und Lehrer wird der Umfrage zufolge von etwa 67 bis 72 Prozent der Befragten befürwortet, bei Polizisten wird eine Impfpflicht von 62 Prozent der Befragten gefordert. Eine allgemeine Impfpflicht für alle befürworten hingegen nur etwa 30 Prozent der Studienteilnehmer.

Welche Impfquote wäre Studien zufolge erreichbar?

Wie die Cosmo-Studie zeigt, sind unter den Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren, die bisher noch ungeimpft sind, nur noch sieben Prozent überhaupt impfbereit. Das bedeute, dass fast alle Erwachsenen unter 75 Jahren, die sich impfen lassen wollen, auch bereits geimpft sind. 30 Prozent der Ungeimpften seien demnach zögerlich, ganze 64 Prozent aber sagen, sie wollen sich auf keinen Fall impfen lassen.

Die Cosmo-Studie zeigt auch, dass der Anteil der Impfwilligen bei der Befragung etwas höher ist als in der Allgemeinbevölkerung. Für die Studie wurden in einer deutschlandweiten Quotenstichprobe Menschen befragt, die teils geimpft und teils ungeimpft waren. Dennoch erklären die Studienautoren: "Sollten sich alle, die dazu bereit sind, auch tatsächlich impfen lassen, so ergäbe sich aus den Geimpften und den Impfbereiten eine Impfquote unter Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren von 87 Prozent."

Verwendete Quellen:
  • Eigene Recherche
  • Impfdashboard, 8. November 2021
  • Cosmo-Studie: "Covid-19 Snapshot Monitoring" 
  • FAZ: "Wer sind die Ungeimpften?", 8. November 2021. 
  • Max-Planck-Gesellschaft: "Wer sind die Ungeimpften?", 7. Oktober 2021. 
  • weitere Quellen
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Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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