Nachrichten
Wir sind t-online

Mehr als 150 Journalistinnen und Journalisten berichten rund um die Uhr f√ľr Sie √ľber das Geschehen in Deutschland und der Welt.

Das sind die Ungeimpften

  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen

Aktualisiert am 09.11.2021Lesedauer: 5 Min.
Deutschland teilt sich momentan in Geimpfte und Ungeimpfte: Eine aktuelle Studie zeigt, wer häufig zu den Ungeimpften zählt.
Deutschland teilt sich momentan in Geimpfte und Ungeimpfte: Eine aktuelle Studie zeigt, wer häufig zu den Ungeimpften zählt. (Quelle: Future Image/imago-images-bilder)
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Schlagzeilen
AlleAlle anzeigen

Während täglich Rekorde bei Neuinfektionen und Inzidenzen gebrochen werden, stagniert die Zahl der Geimpften. Wer bisher nicht geimpft ist, wird es auch nicht tun, so scheint es. Doch wer steckt hinter den Zahlen?

Das Wichtigste im √úberblick


Mindestens 55,8 Millionen Menschen in Deutschland sind vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das sind etwa 67 Prozent der Gesamtbevölkerung. Knapp 70 Prozent haben zumindest schon eine oder mehrere Impfungen erhalten und sind auf dem besten Weg zum vollständigen Impfschutz.


Corona-Spätfolgen: Diese Beschwerden treten häufig auf

Auch nach √ľberstandener Corona-Infektion berichten einige Betroffene √ľber Sp√§tfolgen. Mediziner sprechen bei diesen Auff√§lligkeiten vom Long-Covid- oder Post-Covid-Syndrom. Ein √úberblick √ľber m√∂gliche Symptome.
Kopfschmerzen: Oft wird auch von Kopfweh und Migräneattacken nach Covid-19 berichtet.
+4

Loading...
Symbolbild f√ľr eingebettete Inhalte

Embed

ANZEIGEN
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Meistgelesen
Die Schlinge zieht sich zu
Wladimir Putin: Russlands Pr√§sident muss im Angriffskrieg gegen die Ukraine immer mehr R√ľckschl√§ge hinnehmen


Das bedeutet aber auch: Rund 33 Prozent der Deutschen sind noch nicht vollst√§ndig gegen Covid-19 geimpft. Doch warum werden diese Menschen nicht erreicht, wer sind sie und welche Bev√∂lkerungsschichten m√ľssen besser durchdrungen werden?

Achtung: Die vorgestellten Zahlen und Studien sind größtenteils Momentaufnahmen oder betrachten nur einen bestimmten Anteil der Gesamtbevölkerung. So ergeben sich Richtwerte und Durchschnittsschätzungen. Persönliche Wahrnehmungen können davon abweichen.

Altersgruppen: Wie alt sind die Ungeimpften?

Das Impfdashboard der Bundesregierung zeigt: In der Gruppe der Über-60-Jährigen gibt es die meisten Geimpften. 20,6 Millionen, also rund 85,5 Prozent, der insgesamt 24,1 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe sind geimpft. Allerdings sind auch hier noch 3,5 Millionen Menschen ungeimpft. Die größte Bevölkerungsgruppe der 18- bis 59-Jährigen ist noch zu rund 22 Prozent ungeimpft, was fast zwölf Millionen Menschen entspricht.

Bei den Zw√∂lf- bis 17-J√§hrigen sind mittlerweile fast 43 Prozent vollst√§ndig geimpft, es bleiben noch 2,6 Millionen ungeimpfte Kinder und Jugendliche. Hinzu kommen rund 9,2 Millionen Kinder unter zw√∂lf Jahren, f√ľr die bisher noch keine Impfung empfohlen wird.

Loading...
Symbolbild f√ľr eingebettete Inhalte

Embed

Eine aktuelle Cosmo-Studie zeigt: Ungeimpfte sind tendenziell j√ľnger als Geimpfte.

Regionale Unterschiede: Wo leben die meisten Ungeimpften?

Unabh√§ngig vom Alter unterscheidet das Impfdashboard auch den jeweiligen Impffortschritt in den einzelnen Bundesl√§ndern. Hier zeigt sich, dass Bremen, Saarland, Hamburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen mit Impfquoten zwischen 74,1 (Nordrhein-Westfalen) und sogar 81,4 Prozent (Bremen) mit mindestens einer Covid-Impfung die Tabelle anf√ľhren.

Die meisten Ungeimpften hingegen leben vor allem in den √∂stlichen Bundesl√§ndern. Schlusslicht ist Sachsen mit mehr als 40 Prozent Ungeimpften, dicht gefolgt von Th√ľringen und Brandenburg mit je rund 37 Prozent Ungeimpften. Sachsen-Anhalt landet mit einer Impfquote von knapp unter 65 Prozent auf dem viertletzten Platz.

Aber auch im S√ľden stagnieren die Impfungen: In Bayern und Baden-W√ľrttemberg gibt es noch mehr als 33 Prozent Ungeimpfte. Mecklenburg-Vorpommern, Hessen und Berlin rangieren mit 67,5 bis 69,7 Prozent Impfquote im Mittelfeld. Auch anteilig gibt es laut der aktuellen Studie mehr Ungeimpfte in Ost- als in Westdeutschland.

Bevölkerungsschichten: Wer wird schlecht erreicht?

Der Cosmo-Studie zufolge sind auch Menschen mit Migrationshintergrund häufiger ungeimpft als Menschen ohne einen solchen Hintergrund. Sie werden möglicherweise schlechter erreicht oder finden kein verständliches Informationsmaterial vor.

In der aktuellen Befragungswelle von Cosmo Anfang Oktober gaben 80 Prozent an, dass f√ľr sie tendenziell ein "intensives Bed√ľrfnis" nach Abw√§gung zwischen Nutzen und Risiko vorhanden sei, wie auch die "FAZ" berichtet. Mehr als jeder dritte Ungeimpfte setze demnach darauf, dass die anderen es schon richten werden, die Impfung f√ľr einen selbst nicht n√∂tig sei. Zw√∂lf Prozent nannten praktische H√ľrden der Impfung als Grund. Und ein steigender Anteil von zuletzt 41 Prozent der Ungeimpften h√§lt die Impfung f√ľr "√ľberfl√ľssig".

Corona-Impfung: Vor allem unter J√ľngeren, in bildungsarmen Schichten und unter Frauen gibt es mehr Impfskeptiker.
Corona-Impfung: Vor allem unter J√ľngeren, in bildungsarmen Schichten und unter Frauen gibt es mehr Impfskeptiker. (Quelle: ZUMA Wire/imago-images-bilder)

Wirtschaftliche Situation spielt entscheidende Rolle

Auch ein Forschungsteam des Max-Planck-Instituts f√ľr Sozialrecht und Sozialpolitik hat k√ľrzlich untersucht, welche demografischen, sozio√∂konomischen und gesundheitlichen Faktoren bei der Entscheidung, sich gegen Corona impfen zu lassen, eine Rolle spielen. Dazu nutzten sie den Survey on Health, Ageing and Retirement in Europe (SHARE), der in 27 europ√§ischen L√§ndern und Israel Daten √ľber die Impfbereitschaft in der Risikogruppe 50+ erhoben hat.

Sie fanden heraus, dass auch die wirtschaftliche Situation eine entscheidende Rolle spielt. Menschen im "unteren Viertel der Einkommensverteilung" wollten sich demnach h√§ufiger nicht impfen lassen als solche mit h√∂herem Einkommen. "Nahezu 30 Prozent der Personen, die angaben, nur 'mit gro√üen Schwierigkeiten' √ľber die Runden zu kommen, waren unentschlossen oder lehnten die Impfung ab, w√§hrend es bei denjenigen, die angaben, 'leicht' √ľber die Runden zu kommen, nur 7,8 Prozent waren. Dieses klare Muster blieb auch bei der Betrachtung der L√§nderunterschiede bestehen", hei√üt es in der Studie.

Beruf und Bildung: Welchen Einfluss hat Bildung auf die Entscheidung?

Die Max-Planck-Gesellschaft stellte in ihrer Studie zudem fest, dass Ausbildung und Beruf einen entscheidenden Einfluss auf die Impfbereitschaft haben können. Der größte Unterschied zeigte sich zwischen Arbeitslosen und Menschen im Ruhestand: Während unter den Arbeitslosen fast 30 Prozent eine Impfung ablehnten, waren es bei den Rentnern nur rund 11,5 Prozent.


Und auch die Schulbildung nimmt demnach Einfluss: Knapp 15 Prozent der Menschen mit niedriger Schulbildung m√∂chten sich nicht impfen lassen oder sind noch unentschlossen, w√§hrend es bei den Menschen mit mittlerer Schulbildung 16 Prozent waren und bei jenen mit h√∂herer Schulbildung nur noch gut neun Prozent. Da die Studie europaweit durchgef√ľhrt wurde, zeigte sich dieser Unterschied besonders stark in Bulgarien, Rum√§nien und der Slowakei.

Geschlechter: Gibt es Impfunterschiede zwischen Mann und Frau?

Die Max-Planck-Gesellschaft fand zudem heraus, dass auch das Geschlecht in den meisten L√§ndern eine Rolle spielt, wenn es um die Impfbereitschaft geht. So sind im Durchschnitt 14,5 Prozent der Frauen unentschlossen und "eher z√∂gerlich" als M√§nner, bei denen es nur etwa 13 Prozent sind. Das gilt der Studie zufolge aber nicht f√ľr alle L√§nder: In Ungarn, Portugal und der Schweiz sind mehr M√§nner impfskeptisch.

Vorerkrankungen oder Kranke im Umfeld: So wirken sich Krankheiten aus

Auch der eigene Gesundheitszustand hat der Studie zufolge einen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, ob sich jemand gegen das Coronavirus impfen lässt oder nicht. So war der Anteil der Impfskeptiker oder -gegner bei den Menschen ohne diagnostizierte Krankheit bei knapp 17 Prozent deutlich höher als bei den Vorerkrankten. Wer eine diagnostizierte Krankheit hat, lässt sich nur zu rund zwölf Prozent eher nicht impfen.

Loading...
Loading...
Loading...

Und: Es gibt auch einen Unterschied zwischen jenen, die Covid-Patienten kennen, und solchen, die niemanden kennen, der am Coronavirus erkrankt ist. Wer einen Covid-Patienten kennt, war demnach nur noch zu zehn Prozent skeptisch gegen√ľber einer Impfung. Bei denen, die niemanden kannten, der erkrankt war, waren es rund 15 Prozent.

Lösungsansätze: Wie kann die Impfbereitschaft gesteigert werden?

In der Studie werden einige L√∂sungsvorschl√§ge gemacht, um k√ľnftig mehr Menschen von einer Corona-Impfung zu √ľberzeugen. Dazu z√§hlen:

  • Material in anderer und einfacher Sprache, ggf. auch Videomaterial oder interpersonale Angebote;
  • aktives Ansprechen durch √Ąrzte;
  • einen Impftermin bekommen und sich impfen lassen sollte weiterhin so einfach wie m√∂glich sein;
  • Impfm√∂glichkeiten direkt am Arbeitsplatz und im Bildungssektor;
  • √Ąrzte sollten informiert werden, um kompetent und sicher zu beraten, da ihre Empfehlung und Entscheidungssicherheit ein gro√ües Gewicht hat;
  • Der individuelle Beitrag zur Pandemiebew√§ltigung durch die Impfung sollte st√§rker verdeutlicht werden.

Auch eine Impfpflicht f√ľr bestimmte Bev√∂lkerungsgruppen wie √Ąrzte, Pflegekr√§fte, Erziehende und Lehrer wird der Umfrage zufolge von etwa 67 bis 72 Prozent der Befragten bef√ľrwortet, bei Polizisten wird eine Impfpflicht von 62 Prozent der Befragten gefordert. Eine allgemeine Impfpflicht f√ľr alle bef√ľrworten hingegen nur etwa 30 Prozent der Studienteilnehmer.

Welche Impfquote wäre Studien zufolge erreichbar?

Wie die Cosmo-Studie zeigt, sind unter den Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren, die bisher noch ungeimpft sind, nur noch sieben Prozent √ľberhaupt impfbereit. Das bedeute, dass fast alle Erwachsenen unter 75 Jahren, die sich impfen lassen wollen, auch bereits geimpft sind. 30 Prozent der Ungeimpften seien demnach z√∂gerlich, ganze 64 Prozent aber sagen, sie wollen sich auf keinen Fall impfen lassen.

Weitere Artikel


Die Cosmo-Studie zeigt auch, dass der Anteil der Impfwilligen bei der Befragung etwas h√∂her ist als in der Allgemeinbev√∂lkerung. F√ľr die Studie wurden in einer deutschlandweiten Quotenstichprobe Menschen befragt, die teils geimpft und teils ungeimpft waren. Dennoch erkl√§ren die Studienautoren: "Sollten sich alle, die dazu bereit sind, auch tats√§chlich impfen lassen, so erg√§be sich aus den Geimpften und den Impfbereiten eine Impfquote unter Erwachsenen zwischen 18 und 74 Jahren von 87 Prozent."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
Facebook LogoTwitter LogoPinterest LogoWhatsApp Logo
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...

ShoppingANZEIGEN

Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Loading...
Von Christiane Braunsdorf
  • Sandra Simonsen
Von Sandra Simonsen
BundesregierungCOVID-19CoronavirusDeutschlandInzidenz
Beliebte Themen

t-online - Nachrichten f√ľr Deutschland
t-online folgen
FacebookTwitterInstagram

Das Unternehmen
Ströer Digital PublishingJobs & KarrierePresseWerbenKontaktImpressumDatenschutzhinweiseDatenschutzhinweise (PUR)Jugendschutz



Telekom
Telekom Produkte & Services
KundencenterFreemailSicherheitspaketVertragsverlängerung FestnetzVertragsverlängerung MobilfunkHilfeFrag Magenta


TelekomCo2 Neutrale Website