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Dicker Bauch bei Endometriose: Gewichtszunahme durch Endobelly?

Dicker Bauch bei Endometriose  

Kann Endometriose zur Gewichtszunahme führen?

Von Lydia Klöckner, Medizinredakteurin

22.11.2021, 07:25 Uhr
Dicker Bauch bei Endometriose: Gewichtszunahme durch Endobelly?. Frau mit Unterleibschmerzen: Heftige Regelbeschwerden sind ein typisches Symptom der Endometriose – aber oft nicht das einzige. (Quelle: Getty Images/ eternalcreative)

Frau mit Unterleibschmerzen: Heftige Regelbeschwerden sind ein typisches Symptom der Endometriose – aber oft nicht das einzige. (Quelle: eternalcreative/Getty Images)

Endometriose macht nicht dick. Aber bei einigen Frauen führt die Erkrankung regelmäßig zu einem geschwollenen Unterbauch, dem "Endobelly". Wir erklären, was hinter dem Phänomen steckt und was helfen kann.

Bei einer Endometriose wächst Gewebe an Körperstellen, wo es nicht hingehört: etwa im Bauchfell, an den Eierstöcken oder in der Darmwand. Das neu gebildete Gewebe wird auch als Endometrioseherd bezeichnet. Es ist beschaffen wie die Gebärmutterschleimhaut, das Endometrium. Von diesem Fachbegriff leitet sich der Name der Krankheit ab.

Meist entwickeln sich über Jahre hinweg mehrere Endometrioseherde, welche starke Schmerzen hervorrufen können, vor allem kurz vor und während der Monatsblutung. Das liegt daran, dass das Gewebe auf die Hormone reagiert, die den Zyklus steuern – genau wie die "echte" Gebärmutterschleimhaut.

Heftige Regelschmerzen sind aber nicht die einzige mögliche Folge einer Endometriose. Die Krankheit kann vielfältige Symptome auslösen. Welche, hängt davon ab, in welchen Organen und Körperregionen die Endometrioseherde wachsen. Bei vielen Frauen geht die Erkrankung auch mit Verdauungsbeschwerden einher. Ein typisches Phänomen ist der sogenannte Endobelly.

Symptom Endobelly – geschwollener Unterleib durch Endometriose?

Eine Endometriose kann Probleme bei der Verdauung verursachen, die sich zyklisch – meist kurz vor Einsetzen der Regelblutung – verstärken.

Mögliche Symptome sind dann:

Bei einigen Frauen entwickelt sich immer wieder ein Blähbauch, für den es sogar schon einen (umgangssprachlichen) Begriff gibt: Endobelly. Der vergrößerte Bauchumfang entsteht dabei nicht durch zusätzliches Bauchfett, sondern aufgrund der Blähungen und der Verstopfung.

"Manche Patientinnen berichten, dass ihr Bauch kurz vor und während der Periode aussieht wie in einer Schwangerschaft", sagt Prof. Sylvia Mechsner, Gynäkologin und Leiterin des Endometriosezentrums an der Charité. "Einige tragen deshalb keine Jeans mehr, sondern nur noch Sporthosen mit elastischem Bund." 

Prof. Sylvia Mechsner ist Leiterin des Endometriosezentrums an der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité.
Unsere Expertin
Prof. Sylvia Mechsner

Prof. Sylvia Mechsner ist Leiterin des Endometriosezentrums an der Klinik für Gynäkologie der Berliner Charité.

Dass die Beschwerden vor allem kurz vor und während der Regelblutung auftreten, oder sich in dieser Zeit verstärken, ist für Endometriose typisch: Wie die normale Gebärmutterschleimhaut unterliegen die Endometrioseherde nämlich dem hormonellen Zyklus, der die Menstruation steuert.

"Unter dem Einfluss der Hormone, die die Menstruation reguliert, setzen die Endometrioseherde Entzündungsfaktoren und Schmerzbotenstoffe frei", erklärt Sylvia Mechsner. "Das gesamte entzündliche Milieu im Bauchraum verändert sich dann, was schmerzhafte Entzündungen und Verwachsungen im Gewebe zur Folge haben kann."

Ursache für den Endobelly ist nicht genau geklärt

Warum und wie die Erkrankung zum Endobelly führt, dazu gibt es bislang nur Theorien und keine eindeutige Antwort. Bekannt ist, dass die Muskulatur des Darms dem Einfluss von Hormonen unterliegt. Daher bemerken auch viele gesunde Frauen, dass sich ihre Verdauung im Verlauf des Zyklus verändert. Typisch ist, dass die Darmtätigkeit in der zweiten Zyklushälfte abnimmt, was sich bei einigen Frauen durch Verstopfung äußern kann.

Die für den Endobelly typischen Beschwerden sind aber deutlich stärker ausgeprägt. Die normalen Hormonschwankungen können daher nicht deren einzige Ursache sein. "Vermutlich werden sie durch die zyklusabhängigen hormonellen Veränderungen verstärkt, aber nicht ausgelöst", sagt Sylvia Mechsner.

Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten, dass die Ursache mit bestimmten Veränderungen in der Darmflora zusammenhängt, also damit, welche Bakterienarten den Darm besiedeln. Auch gibt es Hinweise darauf, dass eine Endometriose einen Einfluss auf das Nervensystem des Darms hat. Bei vielen Betroffenen reagiert der Darm empfindlicher auf gewisse Einflüsse – etwa auf Inhaltsstoffe bestimmter Lebensmittel.

"Tatsächlich ähneln einige Symptome der Endometriose denen des Reizdarmsyndroms", so Sylvia Mechsner. "Die Patientinnen erhalten daher mitunter die Diagnose Reizdarm, ihre Endometriose wird jedoch nicht erkannt."

Viele Betroffene erfahren erst nach Jahren, dass sie Endometriose haben – wenn überhaupt. Denn die Erkrankung ist nicht leicht festzustellen. Auch sind viele Ärztinnen und Ärzte für die Endometriose mit ihren vielfältigen Erscheinungsformen nicht ausreichend sensibilisiert.

"Hinzu kommt, dass die behandelnden Fachärzte oft nicht ausreichend miteinander kommunizieren", sagt die Endometriosespezialistin Sylvia Mechsner.

Geht eine Frau mit Darmbeschwerden zum Arzt, erhält sie für gewöhnlich eine Überweisung zu einer Praxis für Gastroenterologie. Dort arbeiten Fachärztinnen und Fachärzte, die sich gut mit Magen-Darm-Erkrankungen auskennen. Zur Abklärung der Verdauungsprobleme findet dann in der Regel zunächst eine Darmspiegelung statt, bei der der Darm mithilfe einer kleinen Kamera von innen untersucht wird.

Tumoren und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen lassen sich dadurch in der Regel gut feststellen – eine Endometriose aber nicht. Um diese zu finden, ist viel Erfahrung nötig. Erfahrene Frauenärztinnen und -ärzte können Endometrioseherde bei der gynäkologischen Untersuchung ertasten oder im gynäkologischen Ultraschall sehen.

Sonderfall Darmendometriose

Bei etwa 10 von 100 erkrankten Frauen ist der Darm direkt von der Endometriose betroffen. Doch auch bei ihnen liefert eine Darmspiegelung oft keinen Befund: Da Endometrioseherde meist in tieferen Schichten der Darmwand wachsen, sind sie nur im Ultraschall oder auf MRT-Aufnahmen zu erkennen. Diese bildgebenden Verfahren liefern genauere Aufnahmen von der Darmwand.

Wenn eine Endometriose als Ursache für die Darmbeschwerden erkannt wird, raten Ärztinnen und Ärzte meist zu einer Operation, um die Endometrioseknoten in der Darmwand zu entfernen.

Meist kann der Eingriff minimalinvasiv im Rahmen einer Bauchspiegelung erfolgen. Das heißt: Es ist kein großer Bauchschnitt nötig, sondern die Operationsinstrumente und eine Kamera werden durch drei kleine Schnitte in der Bauchdecke eingeführt.

Der Eingriff kann zur Besserung der Darmbeschwerden führen, allerdings gelingt dies nicht bei allen Betroffenen. Zudem kann es bei der Operation zu Komplikationen kommen. Daher sollten sich Betroffene ausführlich von ihrer Ärztin oder ihrem Arzt über die Risiken und Nutzen des Eingriffs beraten lassen, bevor sie sich dafür oder dagegen entscheiden.

Was hilft gegen den Endobelly?

Viele Frauen mit Endometriose wünschen sich, selbst etwas gegen ihre Beschwerden tun zu können, zum Beispiel über die Ernährung. Tatsächlich berichten manche Betroffenen, dass sich ihre Beschwerden bessern, wenn sie bestimmte Lebensmittel meiden und sich insgesamt gesund ernähren. Einigen hilft beispielsweise der Verzicht auf Lebensmittel mit folgenden Inhaltsstoffen:

  • Gluten, ein Eiweiß, das vor allem in Weizen vorkommt (und somit in vielen Getreideprodukten)
  • FODMAPs

FODMAP steht für "fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole". Das sind bestimmte Kohlenhydrate, die Blähungen begünstigen und somit Darmbeschwerden verstärken können. FODMAPs stecken unter anderem in vielen Obst- und Gemüsesorten, in Honig und in zahlreichen Fertiglebensmitteln.

"Einige Patientinnen machen sehr gute Erfahrungen mit einer Ernährungsumstellung", berichtet Sylvia Mechsner. "Ich hatte schon Patientinnen, die ihre Beschwerden dadurch so gut in den Griff bekommen haben, dass wir die OP absagen konnten."

Das sind allerdings die Erfahrungen einzelner Frauen – sie lassen sich nicht unbedingt verallgemeinern. Ob und inwieweit bestimmte Ernährungsweisen gegen den Endobelly und die anderen Beschwerden helfen, ist noch nicht ausreichend erforscht. 

Bis es verlässliche Erkenntnisse gibt, bleibt den Betroffenen nur der Selbstversuch, zum Beispiel mithilfe eines Ernährungstagebuchs. Darin notieren sie täglich alle Mahlzeiten und Beschwerden. Im besten Fall können sie so nach ein paar Wochen herausfinden, welche Nahrungsmittel ihre Symptome verstärken – und diese dann vom Speiseplan streichen.

Wichtig: Wer seine Kost langfristig umstellen möchte, sollte sich dafür qualifizierte Unterstützung besorgen. Eine Ernährungsberaterin oder ein Ernährungsberater kann dabei helfen, trotz des Verzichts einen ausgewogenen Speiseplan zusammenzustellen, der alle notwendigen Nährstoffe beinhaltet.

Mehr Gewicht durch Endometrioseherde und -zysten?

Endometrioseherde sind meist nur wenige Zentimeter groß – ihr Gewicht schlägt sich normalerweise kaum auf der Waage nieder.

Etwas größer und schwerer werden mitunter sogenannte Schokoladenzysten. Das sind mit Blut gefüllte Zysten, die sich aus Endometrioseherden in Bereich der Eierstöcke entwickeln können.

Bei der Mehrheit der Betroffenen haben die Zysten einen Durchmesser von höchstens sechs Zentimetern. Selten erreichen sie sieben Zentimeter oder mehr.

"Sehr große Zysten von 10 bis 15 Zentimetern können bis zu 400 Milliliter Blut enthalten, das kommt aber sehr selten vor", sagt Sylvia Mechsner.

Gewichtszunahme als Folge der Behandlung

Viele Frauen mit Endometriose bekommen Hormonpräparate mit dem Wirkstoff Dienogest verschrieben. Diese Mittel helfen vor allem gegen die für Endometriose typischen Regelschmerzen. Allerdings verursachen sie unter Umständen Nebenwirkungen wie zum Beispiel Zwischenblutungen, Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen.

Bei etwa einer von 100 Frauen, die Dienogest einnehmen, kommt es zudem zu einer Gewichtszunahme. Dafür gibt es zwei mögliche Gründe: Zum einen können die Hormone bewirken, dass der Körper vermehrt Wasser einlagert. Zum anderen verspüren manche Frauen, die die Präparate einnehmen, mehr Appetit als gewöhnlich.

Verwendete Quellen:
  • Online-Informationen von Deximed: www.deximed.de (Abrufdatum: 17.11.2021)
  • Online-Informationen von Amboss: www.amboss.com (Abrufdatum: 17.11.2021)
  • Online-Informationen des Pschyrembel: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 17.11.2021)
  • Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG): www.gesundheitsinformation.de (Abrufdatum: 17.11.2021)
  • Hormon Dienogest. Online-Informationen der Stiftung Warentest: www.test.de (Stand: 1.11.2021)
  • Wessel, W. F. W., et al.: Bowel function and quality of life following surgery for deep endometriosis. Journal of Psychosomatic Obstetrics and Gynaecology, Online-Publikation (Juli 2021)
  • Arbeitsgruppe "Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose" der Deutschen, Österreichischen, Schweizerischen und Tschechischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe unter Mitarbeit der Stiftung Endometrioseforschung und der Europäischen Endometriose Liga: Interdisziplinäre S2k-Leitlinie für die Diagnostik und Therapie der Endometriose. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 015/045 (Stand: September 2020)
  • Bafort, C., et al.: Laparoscopic surgery for endometriosis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2020, No.: CD011031 Huijs, E., Nap, A.: The effects of nutrients on symptoms in women with endometriosis: a systematic review. Reproductive Biomedicine Online, Vol. 41, Iss. 2, pp. 317-328 (August 2020)
  • Vennberg Karlsson, J., et al.: Experiences of health after dietary changes in endometriosis: a qualitative interview study. BMJ Open, Vol. 10, Iss. 2, e032321 (Februar 2020)Habib, N., et al.: Bowel Endometriosis: Current Perspectives on Diagnosis and Treatment. International Journal of Womens Health, Vol. 12, pp. 37-47 (Januar 2020)
  • weitere Quellen
    weniger Quellen anzeigen

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.

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