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Neuer Bluttest identifiziert Krebs und Metastasen

Von Andrea Goesch

Aktualisiert am 11.01.2022Lesedauer: 4 Min.
Bluttest im Labor. Forscher haben einen neuen Bluttest zur Krebsfr√ľherkennung entwickelt. Er ist der erste seiner Art, der gleichzeitig erkennt, ob eine Krebserkrankung vorliegt und ob sie sich ausgebreitet hat.
Forscher haben einen neuen Bluttest zur Krebsfr√ľherkennung entwickelt. Er ist der erste seiner Art, der gleichzeitig erkennt, ob eine Krebserkrankung vorliegt und ob sie sich ausgebreitet hat. (Quelle: solarseven/getty-images-bilder)
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Britische Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der die Diagnose und Behandlung von Krebs entscheidend verbessern könnte. Das neue Verfahren deckt nicht nur Krebserkrankungen auf, sondern erkennt auch, ob der Krebs im Körper des Patienten gestreut hat.

Je fr√ľher ein Krebs entdeckt und behandelt wird, desto h√∂her sind die Heilungschancen. Regelm√§√üige Vorsorgeuntersuchungen k√∂nnen helfen, eine Erkrankung rechtzeitig zu erkennen. Doch es gibt auch k√∂rperliche Ver√§nderungen, bei denen der Patient unverz√ľglich einen Arzt aufsuchen sollte ‚Äď beispielsweise bei Blut in Stuhl oder Urin oder tastbaren Knoten. Allerdings gibt es auch unspezifische Symptome, die auf einen Tumor hinweisen k√∂nnen, aber oft andere Ursachen haben.

In diesen F√§llen wird h√§ufig erst einmal abgewartet. Denn die moderne Krebsdiagnostik ist ein aufwendiges, teures Verfahren. In der Regel m√ľssen sich die Patienten mehreren bildgebenden Verfahren und Tests unterziehen, bis der Arzt feststellen kann, ob sich die Krankheit bereits auf andere K√∂rperbereiche ausgebreitet und dort Metastasen gebildet hat. Ein einfacher Bluttest, der an der Universit√§t Oxford entwickelt wurde, k√∂nnte das Diagnoseverfahren erleichtern und Patienten mit unspezifischen Symptomen eine schnelle Abkl√§rung erm√∂glichen.

Diagnostische Trefferquote weit √ľber 90 Prozent

In ihrer Studie analysierte das Forscherteam um Dr. James Larkin Blutproben von insgesamt 300 Patienten. Jeder von ihnen klagte √ľber unspezifische Symptome wie M√ľdigkeit oder Gewichtsverlust, die zwar auf eine Krebserkrankung hinweisen k√∂nnen, aber nicht zwangsl√§ufig in deren Zusammenhang auftreten und daher oft nicht richtig gedeutet werden.

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Das Ergebnis: Bei 19 von 20 Krebspatienten konnte das Vorhandensein solider Tumore unterschiedlicher Art korrekt festgestellt werden. Bei der Identifizierung von Metastasen lag der Test bei einer Genauigkeit von 94 Prozent. Damit ist der Bluttest das erste Verfahren, das zuverl√§ssig Aussagen √ľber eine Metastasierung machen kann, ohne dass Art und Lage des Prim√§rtumors bekannt sind.

Bluttest wendet neue Technologie an

Der Bluttest unterscheidet sich von herk√∂mmlichen Tests, die in der Regel auf dem Nachweis von genetischem Material von Tumoren beruhen. Er basiert auf einem neuen Analyseverfahren, der NMR-Metabolomik. Mithilfe eines Magnetfeldes und Radiowellen werden bestimmte Biomarker im Blut, die sogenannten Metaboliten, identifiziert. "Krebszellen haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Stoffwechselprozesse besondere metabolomische Fingerabdr√ľcke", erkl√§rt Dr. James Larkin, der an der Studie mitgearbeitet hat.

Metabolomisches Profil als Basis f√ľr die Diagnose

"Wir beginnen erst jetzt zu verstehen, wie Metaboliten, die von Tumoren produziert werden, als Biomarker verwendet werden können, um Krebs genau zu erkennen."

Wie die Studie zeigt, l√§sst sich anhand des metabolomischen Profils des Patienten nicht nur feststellen, ob Krebs vorliegt. Es lassen sich auch Aussagen dar√ľber treffen, ob der Krebs bereits Metastasen gebildet hat oder nur an einem Ort des K√∂rpers angesiedelt ist.

Schnelle Abklärung bei unspezifischen Symptomen

Nach Einsch√§tzung der Forscher k√∂nnte der neue Bluttest vor allem Patienten mit unspezifischen Symptomen wie Gewichtsverlust oder M√ľdigkeit, die nicht sofort an Krebs denken lassen, helfen, zu einem fr√ľhen Zeitpunkt eine Diagnose zu erhalten ‚Äď beispielsweise im Rahmen einer routinem√§√üigen Blutuntersuchung.

Gerade bei dieser Patientengruppe bestehe die Gefahr, dass der Krebs "√ľbersehen" werde und lange Zeit unerkannt bleibe. Bei typischen Krebssymptomen wie beispielsweise tastbaren Knoten sei die Situation anders, da hier der Arzt in der Regel sofort entsprechende Diagnoseverfahren einleite.

Forscher planen größere Patientenstudien

Die Autoren betonen, dass das neue Verfahren nun an einer gr√∂√üeren Patientenkohorte getestet werden m√ľsse, um die Ergebnisse zu best√§tigen und den Nutzen des Tests im klinischen Bereich zu bewerten. "Unser Ziel ist es, einen Test zu erstellen, den jeder Hausarzt anbieten kann", sagt Dr. Fay Probert, die die Studie geleitet hat. "Wir gehen davon aus, dass die metabolomische Blutanalyse ein pr√§zises und kosteng√ľnstiges Verfahren ist, um Patienten mit Krebs fr√ľhzeitig auszumachen." Die Forscher planen daher weitere Studien an einer gr√∂√üeren Patientenzahl.

Kommt der Bluttest bald in die Praxen?

Bis der Bluttest in die Arztpraxen kommt, ist es allerdings noch ein weiter Weg. "Ein Test, der zur Krebsfr√ľherkennung bei symptomfreien Personen zugelassen wird, muss ein paar grundlegende Dinge zuverl√§ssig k√∂nnen", sagt Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. "Zum einen muss er den jeweiligen Krebs spezifisch erkennen k√∂nnen. Das hei√üt, er darf nur sehr wenige falsch positive oder falsch negative Ergebnisse haben und auch nicht zu √úberdiagnosen von wenig aggressiven Tumoren f√ľhren."

Zudem m√ľsse gew√§hrleistet sein, dass der Test den Krebs so fr√ľh erkennt, dass er f√ľr den Patienten einen zus√§tzlichen Nutzen zu anderen Krebsfr√ľherkennungsmethoden oder zur Diagnostik bei Beschwerden hat. "Das hei√üt mit anderen Worten, dass statistisch gesehen Menschen, die den Test machen, eine bessere Heilungschance haben."

Größere Studien mit Kontrollgruppen notwendig

Auf der Basis der Daten einer relativ kleinen Stichprobe sei es unm√∂glich, konkrete Aussagen √ľber die Zulassung des Tests zur Krebsfr√ľherkennung zu machen. Weitere gro√ü und vorausschauend angelegte Studien an Gesunden seien notwendig. In diesen m√ľsse es auch eine Kontrollgruppe mit Menschen geben, die nicht getestet werden, sondern ihre Diagnose auf einer anderen Basis bekommen.

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Nur so k√∂nne man die Qualit√§t des Bluttests mit herk√∂mmlichen Fr√ľherkennungsverfahren oder einer Diagnostik bei Beschwerden vergleichen. Weg-Remers gibt au√üerdem zu bedenken, dass zwischen den verschiedenen Krebserkrankungen zu differenzieren sei. Mittlerweile seien √ľber 200 Tumorarten bekannt, die sich in Wachstum und B√∂sartigkeit stark voneinander unterscheiden. Vor diesem Hintergrund sei es eher unrealistisch, dass der Bluttest schon in den n√§chsten Jahren in die Arztpraxen komme. Die Expertin rechnet eher mit einem Zeitraum von 10 bis 20 Jahren, vorausgesetzt, die Studien verlaufen erfolgreich.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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Von Astrid Clasen
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