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Ja, die Redaktion hat für diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

So beeinflusst Blasenschwäche das Sexleben

Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 01.03.2022Lesedauer: 4 Min.
Paar sitzt distanziert voneinander auf dem Sofa:Über Blasenschwäche sollte offen mit dem Partner kommuniziert werden. Verschwiegenheit kann zu Distanz führen.
Über Blasenschwäche sollte offen mit dem Partner kommuniziert werden. Verschwiegenheit kann zu Distanz führen. (Quelle: fizkes/getty-images-bilder)
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Blasenschwäche ist weit verbreitet, doch niemand spricht gern darüber. Schon gar nicht im Zusammenhang mit Sex. Viele scheuen sich, offen mit dem Partner über das Problem zu sprechen. So kann es schnell zu einer Entfremdung kommen.

Das Wichtigste im Überblick


  • Mit dem Arzt ins Gespräch kommen
  • Den Partner einweihen
  • Die Matratze schützen
  • Vor dem Sex auf Toilette gehen
  • Die richtige Sexstellung bei Blasenschwäche
  • Beckenbodenübungen sorgen für mehr Stabilität von Harnröhre und Blase
  • Botox und OP: Was die Blase noch stärkt

Unfreiwilliger Urinverlust ist in einem gewissen Rahmen völlig normal und kommt sehr häufig bei Frauen vor. Dennoch sorgt das Thema bei vielen für Scham und kann zur emotionalen Dauerbelastung werden. Darunter leidet auch die Beziehung.


Diese Formen von Inkontinenz gibt es

Junge Frau niest in ihren Ellenbogen: Belastungsinkontinenz: Bei dieser Form kommt es bei Belastung zu plötzlichem Urinverlust. Betroffene können beim Niesen oder Treppensteigen ihren Harndrang nicht mehr kontrollieren. Ursache ist meist eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur.
Frau gießt Pflanze: Tröpfel-Inkontinenz:Tröpfel-Inkontinenz: Wird die Blase beim Wasserlassen nicht vollständig entleert, treten bei dieser Inkontinenz-Form Urintropfen aus. Ursache für das "Nachtröpfeln" ist bei Frauen ist meistens eine schwache Beckenbodenmuskulatur, bei Männer eine vergrößerte Prostata.
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Blasenschwäche betrifft vor allem Frauen

Die drei häufigsten Formen der Blasenschwäche sind Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz und Mischinkontinenz (eine Mischung aus Belastungs- und Dranginkontinenz). Während bei der Belastungsinkontinenz Druck auf dem Bauchraum zum Urinverlust führt, wie er beim Lachen, Niesen, Husten oder schweren Heben entsteht, ist es bei der Dranginkontinenz eine Überreizung der Blase. Obwohl sie kaum gefüllt ist, signalisiert sie "voll" und reagiert mit so extremem Harndrang, dass Betroffene es oftmals nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schaffen. Blasenschwäche ist vor allem bei Frauen ein Thema. Besonders häufig ist die Belastungsinkontinenz.

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"Das liegt nicht nur an den anatomischen Gegebenheiten, sondern auch an hormonellen Einflussfaktoren, schwachem Bindegewebe, überdehnten Bändern, einer schwachen Harnröhrenfunktion sowie einem geschwächten Beckenboden", erklärt Prof. Ursula Peschers, Koordinatorin des Bayerischen Beckenbodenzentrums im Isarklinikum München und Mitglied im Expertenrat der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e. V. "Aus diesem Grund ist Blasenschwäche bei jungen Frauen oft die Folge von Schwangerschaften und Geburten und bei älteren Frauen häufig Begleiter der Wechseljahre."

Warum Urinverlust beim Sex?

Frauen mit einer Harninkontinenz verlieren nicht nur im Alltag oft ungewollt Harn, sondern auch beim Geschlechtsverkehr. Das hat verschiedene Ursachen. Beim Sex wird die Blase auf vielfache Weise gereizt, was bei einer bestehenden Harninkontinenz den ungewollten Harnverlust verstärken kann. Bei einer Belastungsinkontinenz ist es der Druck, der durch die Penetration auf die Harnröhre und die Blase ausgeübt wird, welcher den unwillkürlichen Harnverlust auslöst.

"Bei bestehender Belastungsinkontinenz ist es bei einer weniger stark ausgeprägten Form meist etwa ein Teelöffel voll – was der Partner oftmals gar nicht bemerkt", erklärt Peschers. "Bei der Dranginkontinenz hingegen kann durch die zusätzliche Reizung von Harnröhre und Blase Harn schwallartig in größeren Mengen abgehen. Besonders oft kommt es aufgrund der Kontraktionen und der entspannten Blasenmuskulatur beim Orgasmus zum Harnverlust. Mediziner sprechen von koitaler Inkontinenz. Studien zufolge verlieren 10 bis 50 Prozent der Frauen, die eine Harninkontinenz haben, Urin beim Verkehr."

Mit dem Arzt ins Gespräch kommen

Frauen, aber auch Männer, die unwillkürlichen Harnverlust bemerken, sollten sich nicht scheuen, Kontakt zu einem Arzt aufzunehmen. "Dies kann ebenso der Gynäkologe oder der Urologe sein wie spezielle Ärztliche Beratungsstellen sowie Kontinenz- und Beckenboden-Zentren. Über die Suche der Deutschen Kontinenz Gesellschaft können Betroffene nach Angeboten in der Nähe suchen", sagt die Frauenärztin. "In der Regel kann den betroffenen Frauen geholfen werden."

Den Partner einweihen

Ebenso hilfreich kann es sein, das Gespräch mit dem Partner oder der Partnerin zu suchen. Der erste Weg, aus dem Tabu ein offenes Thema zu machen, ist Kommunikation. Je offener beide generell über Intimes und Sexualität sprechen können, je leichter können auch mögliche Gespräche über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten der Harninkontinenz fallen sowie die gemeinsame Gestaltung der Sexualität mit Inkontinenz.

Die Matratze schützen

Es gibt spezielle feuchtigkeitsabweisende Auflagen, welche die Matratze schützen, sollte beim Sex Harn verloren gehen. Die Auflagen gibt es in verschiedene Größen und sie lassen sich unkompliziert waschen und wiederverwenden. So können sich beide beim Sex entspannen und müssen keine Sorge haben, dass Harn auf die Matratze gelangt. Männer mit leichter Blasenschwäche können, wenn sie das möchten, ein Kondom verwenden, um die Tropfen aufzufangen. "Geht nur wenig Harn verloren, kann das Paar beim Sex auch ein dickeres Handtuch unterlegen, das anschließend gewaschen werden kann", rät Peschers.

Vor dem Sex auf Toilette gehen

Um das Risiko eines Harnverlusts zu senken, ist es zudem ratsam, vor dem Sex nochmal auf die Toilette zu gehen. Eine leere Blase kann mit dem Druck, der beim Geschlechtsverkehr entsteht, besser umgehen. Um den Harndrang nicht unnötig zu verstärken, können Betroffene einige Stunden vor dem Sex zudem etwas weniger trinken. Auch kann es helfen, auf blasenreizende Substanzen zu verzichten, etwa Koffein, Alkohol, scharfe Gewürze oder schwarzen Tee.

(Quelle: Privat)


Prof. Dr. Ursula Peschers
ist Frauenärztin und Koordinatorin des Bayerischen Beckenbodenzentrums im Isarklinikum München sowie Mitglied im Expertenrat der Deutschen Kontinenz Gesellschaft e. V. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft bietet umfangreiche Informationen zu Harn- sowie Stuhlinkontinenz sowie örtliche Adressen von anerkannten ärztlichen Beratungsstellen sowie zertifizierten Kontinenz- und Beckenbodenzentren.

Die richtige Sexstellung bei Blasenschwäche

Hilfreich kann es zudem sein, möglichst blasenschonende Stellungen zu nutzen, wenn es öfter zu verstärktem Urinieren beim Sex kommt oder der Harndrang intensiv ist. "Paare probieren am besten aus, mit welcher Stellung sie sich wohl fühlen und der Harnverlust geringer ist – oder gar nicht auftritt. Die Missionarsstellung beispielsweise könnte reizärmer sein als die Penetration von hinten", vermutet Peschers.

Beckenbodenübungen sorgen für mehr Stabilität von Harnröhre und Blase

Regelmäßiges Beckenbodentraining kann sowohl Betroffenen mit einer Belastungsinkontinenz als auch mit einer Dranginkontinenz helfen. Ein gekräftigter Beckenboden kann laut der Frauenärztin ein schwaches Bindegewebe oder gedehnte Bänder in vielen Fällen so gut kompensieren, dass sich eine Belastungsinkontinenz oft deutlich verbessern lässt und in vielen Fällen sogar ganz verschwindet.

"Bei einer Dranginkontinenz kann ein gezieltes Anspannen der Muskulatur einen hemmenden Reiz an das Gehirn senden, sodass die Blase blockiert und den Harn besser halten kann", erklärt Peschers. "Beckenbodentraining ist in jedem Fall ein Versuch wert. Am besten wird Beckenbodentraining unter professioneller Anleitung gelernt. Ärzte verschreiben das Training. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die spezielle Physiotherapie für den Beckenboden."

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Botox und OP: Was die Blase noch stärkt

Als weitere Therapieoption kommen bei einer Dranginkontinenz Medikamente in Frage, welche den Reiz der Blase hemmen. Auch Behandlungen mit Botox sind möglich. Botox entspannt die Blasenmuskulatur und kann so den starken Harndrang lindern. Bei Belastungsinkontinenz ist eine kleine Operation eine Möglichkeit: "Hierbei wird über einen kleinen Schnitt ein Kunststoffband unter die Harnröhre gelegt", erklärt Peschers. "Dieses fungiert als Stütze und ersetzt somit das eigene defekte Bindegewebe. Der Eingriff dauert etwa 15 Minuten."

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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