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Ja, die Redaktion hat f√ľr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Woher Vergesslichkeit kommt und was hilft

Von Ann-Kathrin Landzettel

Aktualisiert am 13.02.2022Lesedauer: 4 Min.
√Ąltere Dame vor Laptop ist m√ľde: Schlafmangel wirkt sich auf die Leistungsf√§higkeit des Gehirns aus. Als Folge k√∂nnen Konzentrationsst√∂rungen auftreten.
Schlafmangel wirkt sich auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns aus. Als Folge können Konzentrationsstörungen auftreten. (Quelle: fizkes/getty-images-bilder)
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Habe ich die Mail geschrieben? Wo sind die Schl√ľssel und hatten wir dar√ľber schon gesprochen? Erinnerungsl√ľcken im Alltag sind nichts Ungew√∂hnliches. Schuld daran ist h√§ufig eine zu gro√üe Informationsflut. Sie f√ľhrt dazu, dass wir manches vergessen.

Das Wichtigste im √úberblick


  • Stress macht vergesslicher
  • Intensive Emotionen k√∂nnen zu Erinnerungsl√ľcken f√ľhren
  • Alkohol schadet dem Ged√§chtnis
  • Hormonelle Einfl√ľsse k√∂nnen das Ged√§chtnis blockieren
  • Schlafmangel macht vergesslicher

Vergesslichkeit ist in den meisten F√§llen die Folge von Stress oder √úberm√ľdung. Manchmal sind aber auch schwerwiegendere Ursachen verantwortlich. F√ľnf Gr√ľnde, warum das Ged√§chtnis phasenweise streikt.


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Stress macht vergesslicher

Viele d√ľrften es kennen: In stressigen Phasen, in denen ein Termin auf den anderen folgt, ist die Vergesslichkeit oft besonders gro√ü. Muss das Gehirn ununterbrochen von einem Sachverhalt zum n√§chsten springen, funktioniert das Kurzzeitged√§chtnis oft nur eingeschr√§nkt. Das Gehirn sortiert oft verst√§rkt aus: Was ist wichtig, was unwichtig? Die Mail vor zwei Stunden? Nicht so wichtig. Der Schl√ľssel auf der Anrichte? Aussortiert. Besonders Informationen, die emotional keine gr√∂√üere Bedeutung haben, gehen in stressigen Phasen leicht vergessen.

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F√ľr das Gehirn ist wichtig, was emotional ber√ľhrt ‚Äď positiv wie negativ. Zwar ist das Gehirn darauf trainiert, viele Informationen auf einmal zu verarbeiten. Doch es arbeitet √∂konomisch: Je gr√∂√üer die F√ľlle ist, desto st√§rker wird gefiltert und ausgemistet. So beh√§lt man die Geburtstage seiner Lieben leicht im Kopf, wei√ü aber oft schon wenige Stunden sp√§ter nicht mehr, was man zu Mittag gegessen hat.

"F√ľr das Gehirn ist sowohl akuter als auch anhaltender Stress ein Alarmzustand ‚Äď besonders negativer Stress, der mit Gef√ľhlen von √úberforderung, Hilflosigkeit und Kontrollverlust verbunden ist", erkl√§rt Dr. Torsten Gr√ľttert, Facharzt f√ľr Psychiatrie und Psychotherapie sowie Chefarzt der Privatklinik Duisburg. "Dann wird der K√∂rper von Stresshormonen geflutet, darunter Adrenalin und Kortisol. Das macht den K√∂rper reaktionsbereit und fokussiert die Aufmerksamkeit auf das, was unser Gehirn als bedeutsam einstuft. Und das ist meist das, was Emotionalit√§t besitzt. Andere Inhalte gehen in Folge der 'Stresshormon-Dusche' oftmals verloren. Das Kurzzeitged√§chtnis funktioniert nur noch eingeschr√§nkt. Das Erinnerungsverm√∂gen wird schw√§cher."

Stress kann das Gedächtnis dauerhaft schwächen

Anhaltender starker Stress kann das Ged√§chtnis sogar l√§ngerfristig beeintr√§chtigen. Ist das Gehirn anhaltend in dem Not-Modus verhaftet ‚Äď hat es nur ein Ziel: Die Situation zu meistern. Das Gehirn fokussiert sich auf das √úberleben ‚Äď auch wenn von den Stressfaktoren, etwa Terminstress, Streit, Trauer oder Leistungsdruck, keine lebensgef√§hrliche Bedrohung ausgeht. Das ist ein Relikt aus fr√ľheren Zeiten.

"Stress f√ľhrt zu einer hohen Selektion von Informationen. H√§lt die Belastung dauerhaft an, verankert sich der Stress im Gehirn. Die Nervenzellen verzweigen sich weniger und kommunizieren weniger untereinander. Die √úberflutung von Stresshormonen ist Gift f√ľr das Ged√§chtnis. Gehirnstrukturen und Gehirnstoffwechsel ver√§ndern sich. Das Gute ist: Die Ver√§nderungen lassen sich r√ľckg√§ngig machen, wenn das Stresslevel abnimmt und sich der Organismus erholt", sagt Gr√ľttert.

Intensive Emotionen k√∂nnen zu Erinnerungsl√ľcken f√ľhren

Bei einem emotional extrem belastenden Ereignis kann das Ged√§chtnis sogar komplett streiken. Betroffene, die ein traumatisierendes Erlebnis ‚Äď also eine f√ľr sie oder andere existenziell bedrohliche Situation ‚Äď erlebt haben, etwa einen Unfall, den Tod einer geliebten Person, Krieg oder Gewalt, haben h√§ufig Erinnerungsl√ľcken an das traumatische Geschehen. Ursache ist eine √úberforderung der psychischen Schutzmechanismen. Ohne jede Vorbereitung befindet sich die Person in einer Extremsituation mit intensiven Gef√ľhlen, etwa extremer Angst (nicht zu √ľberleben), Panik, Kontrollverlust, Ausgeliefertsein, Hilflosigkeit, Sicherheitsverlust, Verzweiflung und Ohnmacht. Ein Trauma ist eine Extrembelastung und kann im Gehirn Spuren hinterlassen.

"Zum einen kann ein Erinnerungsverlust eintreten, weil das Gehirn die einstr√∂menden Informationen nicht verarbeiten kann und von der Flut aus Stresshormonen und emotionalen Einfl√ľssen √ľberfordert ist. Zum anderen, weil Vergessen auch ein Schutzmechanismus darstellen kann, um mit dem Erlebten umzugehen. Es kann bis hin zum kompletten Ged√§chtnisverlust (Amnesie) kommen", so der Facharzt f√ľr Psychiatrie und Psychotherapie. "Doch auch wenn Teile des Erlebten aus dem Ged√§chtnis gel√∂scht scheinen: Das Gehirn ist hoch sensibilisiert und kann in Situationen, die an das Geschehnis erinnern, mit starkem Stress reagieren." Das k√∂nnen zum Beispiel bestimmte Ger√ľche, Ger√§usche, Stimmen und andere Reize sein. F√ľr die betroffene Person kann die Stressreaktion ganz unerwartet geschehen. Oft ist ihr die Verbindung zu dem Trauma nicht bewusst.

(Quelle: Privat)


Dr. Torsten Gr√ľttert ist Facharzt f√ľr Psychiatrie und Psychotherapie sowie Chefarzt der Privatklinik Duisburg.

Alkohol schadet dem Gedächtnis

Doch nicht nur k√∂rperlicher und emotionaler Stress setzt dem Ged√§chtnis zu. Auch von au√üen zugef√ľhrte Substanzen k√∂nnen Erinnerungsl√ľcken beg√ľnstigen. Alkohol zum Beispiel kann sich so auf das Gehirn auswirken, dass Erinnerungen verloren gehen. Ein Alkoholrausch kann so stark sein, dass die betrunkene Person am kommenden Tag keine Erinnerung mehr an den letzten Abend hat. Diese Erinnerungsl√ľcke wird als Blackout oder Filmriss bezeichnet. Alkohol in gro√üen Mengen verursacht Fehlfunktionen im Hippocampus, dem Bereich im Gehirn, der f√ľr das Kurzzeit- und Langzeitged√§chtnis zust√§ndig ist. Informationen werden unter starkem Alkoholeinfluss nur bruchst√ľckhaft oder gar nicht gespeichert.

Neben dem Rauschtrinken ist auch langfristiger Alkoholkonsum sch√§dlich f√ľr das Gehirn. Die medizinische Forschung hat gezeigt, dass regelm√§√üiger Alkoholkonsum eine Abnahme sowohl der grauen als auch der wei√üen Substanz zur Folge haben kann ‚Äď und das nicht nur bei starkem Alkoholkonsum, sondern auch bei moderatem.

Hormonelle Einfl√ľsse k√∂nnen das Ged√§chtnis blockieren

Auch hormonelle Einfl√ľsse k√∂nnen eine Wirkung auf das Gehirn haben. Viele schwangere Frauen klagen √ľber leichte Vergesslichkeit und Verwirrtheit. Umgangssprachlich ist von Schwangerschaftsdemenz die Rede. Als m√∂gliche Ursache werden die hormonellen Ver√§nderungen im K√∂rper diskutiert. Nicht weniger bedeutsam scheint die emotionale Situation zu sein: Die werdende Mutter ist ganz auf das kleine Leben in ihrem K√∂rper konzentriert. Da geht "Unwichtiges" schnell vergessen. Zudem ist die Zeit der Schwangerschaft h√§ufig auch mit Stress verbunden. Vieles muss organisiert und vorbereitet werden: ein weiterer Einflussfaktor, der Ged√§chtnisl√ľcken beg√ľnstigen kann.

Schlafmangel macht vergesslicher

Nach der Geburt ist es meist Schlafmangel, der zu Erinnerungsl√ľcken f√ľhrt. Fehlen K√∂rper und Gehirn Schlaf und die damit verbundene Regenerationszeit, ist man weniger aufnahmef√§hig. Konzentration, Aufmerksamkeit und Reaktionsf√§higkeit lassen nach. Auch das Langzeitged√§chtnis verschlechtert sich. "Schlafmangel ist in jedem Fall ung√ľnstig f√ľr die Ged√§chtnisleistung", sagt Gr√ľttert. "In stressigen Phasen schlafen wir tendenziell schlechter ein, weniger tief und wachen oft fr√ľh auf, weil der K√∂rper durch die Stresshormone in hohem Ma√üe aktiviert ist. Doch wir brauchen ausreichend Schlaf sowie gen√ľgend Tiefschlaf, um regenerieren zu k√∂nnen ‚Äď k√∂rperlich wie geistig."

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Im Schlaf sortiert das Gehirn Erlebtes. Relevante Informationen wandern vom Kurzzeit- in das Langzeitged√§chtnis. Fehlt Schlaf, ist die Informationsverarbeitung gest√∂rt. Zudem fehlt uns Konzentration am Tag ‚Äď was Ged√§chtnisl√ľcken weiter beg√ľnstigt. Entspannungstechniken und Ma√ünahmen zur Stressreduktion k√∂nnen helfen, Stress erfolgreicher zu bew√§ltigen und den Schlaf zu verbessern.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte √Ąrzte. Die Inhalte von t-online k√∂nnen und d√ľrfen nicht verwendet werden, um eigenst√§ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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