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Diese FrĂŒhwarnsymptome können auf Krebs hindeuten

Von Andrea Goesch

Aktualisiert am 15.06.2022Lesedauer: 6 Min.
FrĂŒhwarnsymptome: Heiserkeit und stĂ€ndiges RĂ€uspern können ein Hinweis auf Kehlkopfkrebs sein. Stehen die Beschwerden in keinem Zusammenhang mit einer ErkĂ€ltung und und halten lĂ€ngere Zeit an, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
FrĂŒhwarnsymptome: Heiserkeit und stĂ€ndiges RĂ€uspern können ein Hinweis auf Kehlkopfkrebs sein. Stehen die Beschwerden in keinem Zusammenhang mit einer ErkĂ€ltung und und halten lĂ€ngere Zeit an, sollte ein Arzt aufgesucht werden. (Quelle: Tharakorn/getty-images-bilder)
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MĂŒdigkeit, Gewichtsverlust oder nĂ€chtliches Schwitzen: Viele bösartige Tumorerkrankungen kĂŒndigen sich durch unklare Symptome an und werden daher oft nicht ernstgenommen. Hellhörig sollte man werden, wenn die Beschwerden anhalten und keine plausiblen Ursachen erkennbar sind.

Tastbare Knoten oder Blut in Stuhl und Urin: Es gibt Symptome, die typisch fĂŒr Krebs sind und die jeder kennt. Doch viele Tumore entwickeln sich im Verborgenen und senden lange Zeit keine oder nur unspezifische Symptome aus. Da die Beschwerden oft sehr allgemein sind, warten viele Patienten erst einmal ab, bevor sie einen Arzt aufsuchen.

Doch selbst erfahrenen Medizinern gelingt es nicht immer, unklare Symptome richtig zu deuten. Welche Warnsignale bei Krebs besonders oft ĂŒbersehen werden und welche Rolle Selbstbeobachtung bei der KrebsfrĂŒherkennung spielt, erklĂ€rt der Mediziner Dr. Johannes von BĂŒren im GesprĂ€ch mit t-online.

t-online: Vorsorge- und FrĂŒherkennungsuntersuchungen sind wichtig, um Krebs in einem noch heilbaren Stadium zu entdecken. Eine absolute Garantie bieten sie jedoch nicht. Wie lĂ€sst sich die KrebsfrĂŒherkennung verbessern?

Dr. von BĂŒren: ZunĂ€chst ist es wichtig, dass alle Vorsorge- und FrĂŒherkennungsmaßnahmen ausgeschöpft werden, die von den gesetzlichen Krankenkassen angeboten werden. Das setzt voraus, dass die Patienten entsprechend informiert und aufgeklĂ€rt sind.

Welche Vorsorgeuntersuchungen sollte keiner versÀumen?

Da gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede. Bei den Frauen beginnt die Krebsvorsorge ab 20 Jahren mit einem jĂ€hrlichen PAP-Test zur FrĂŒherkennung von GebĂ€rmutterhalskrebs. Ab 30 kommt dann eine jĂ€hrliche Tastuntersuchung der BrustdrĂŒsen und Lymphknoten dazu sowie die von den Fachgesellschaften empfohlene monatliche Selbstuntersuchung der Brust. Diese können Frauen unter Anleitung ihres GynĂ€kologen erlernen. Ab 35 folgt dann alle drei Jahre ein kombiniertes Screening aus Abstrich und HPV-Test. Ab 35 wird Frauen wie MĂ€nnern ein Hautkrebsscreening im Abstand von zwei Jahren empfohlen.

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FĂŒr MĂ€nner steht dann ab 45 eine jĂ€hrliche KrebsfrĂŒherkennung der Prostata und der Ă€ußeren Genitalien an. Der HĂ€moccult-Stuhltest, der unsichtbare Spuren von Blut im Stuhl nachweist, sowie die Darmspiegelung sind wichtige Untersuchungen zur FrĂŒherkennung von Darmkrebs. Sie werden ab dem 50. beziehungsweise 55. Lebensjahr empfohlen. Zur FrĂŒherkennung von Brustkrebs gibt es fĂŒr Frauen ab 50 das Mammografie-Screening. Die Untersuchung erfolgt im Turnus von zwei Jahren bis zum 69. Lebensjahr. Die genannten Vorsorgeuntersuchungen sind allgemeine Empfehlungen. Bei bestimmten Hochrisikogruppen, zum Beispiel mit familiĂ€rer Belastung, können jedoch engmaschigere Untersuchungen notwendig sein.

(Quelle: privat)


Dr. med. Johannes von BĂŒren ist medizinischer Direktor der Wellster Healthtech Group sowie Spezialist fĂŒr Neurologie.

Solche Tests und Screenings werden allerdings nur fĂŒr bestimmte Krebsarten angeboten. Alle anderen Tumore werden in der Regel erst entdeckt, wenn sich erste Symptome zeigen.

Das ist richtig. Zwar treten viele Symptome hĂ€ufig erst in spĂ€teren Stadien auf, können aber durchaus auf Krebsarten hindeuten, die heilbar sind, wie zum Beispiel im Fall von Lymphomen oder LeukĂ€mien. Dabei handelt es sich oft um eine sogenannte B-Symptomatik. Das heißt, die Beschwerden sind so unspezifisch, dass sie nicht unbedingt gleich mit einer Krebserkrankung in Verbindung gebracht werden.

Können Sie Beispiele nennen?

Plötzlicher, ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts in sechs Monaten sowie starke, anhaltende MĂŒdigkeit und anhaltendes ungeklĂ€rtes Fieber können B-Symptome sein und sollten daher dringend von einem Arzt abgeklĂ€rt werden.

Auf welche Krebserkrankungen können solche B-Symptome hinweisen?

Starke MĂŒdigkeit und Erschöpfung können ein FrĂŒhwarnsymptom fĂŒr Blutkrebs sein. Bei Ă€lteren Menschen können schmerzlos geschwollene Lymphknoten im Halsbereich ebenfalls auf eine bestimmte Art der LeukĂ€mie hinweisen. Gewichtsverlust, Fieber und Nachtschweiß treten unter anderem beim Kolonkarzinom auf, allerdings in der Regel erst, wenn der Krebs schon fortgeschritten ist. Bei MĂ€nnern können ein schwacher Harnstrahl, Inkontinenz oder auch Impotenz ein Warnsignal fĂŒr Prostatakrebs sein, allerdings auch erst im spĂ€ten Stadium. Anhaltende Heiserkeit dagegen tritt manchmal im FrĂŒhstadium von Kehlkopfkrebs auf. Bei Lungenkrebs dagegen ist es ein SpĂ€twarnsymptom.

Plötzliche VerĂ€nderungen im Stuhlgang, sowohl in Bezug auf die Frequenz als auch in Form von Verstopfung, Durchfall oder Blutbeimengungen im Stuhl, treten ebenfalls hĂ€ufig im Zusammenhang mit Darmkrebs auf, allerdings auch hier eher im spĂ€teren Stadium. Schwarzer Stuhl und dunkelrotes Blut dagegen können ein Hinweis auf ein Ösophagus- und Magenkarzinom sein. Weitere Warnsymptome, die dringend abgeklĂ€rt werden sollten, sind Bluthusten sowie VerĂ€nderungen der Brust. Hier kann eine rechtzeitige AbklĂ€rung und frĂŒhe Therapieeinleitung den Behandlungserfolg maßgeblich positiv beeinflussen.

Bei MĂŒdigkeit oder Gewichtsverlust denkt nicht jeder gleich an Krebs und sucht einen Arzt auf ...

Das stimmt. Dennoch glaube ich, dass die meisten intuitiv spĂŒren, wenn mit ihrem Körper etwas nicht stimmt. Mit diesem GefĂŒhl gehen die Patienten allerdings sehr unterschiedlich um. Es gibt solche, die mit unklaren, lĂ€nger anhaltenden Symptomen zum Arzt gehen. Andere dagegen zeigen ein typisches Ignorierverhalten. Obwohl ihnen bewusst ist, möglicherweise ernsthaft erkrankt zu sein, verdrĂ€ngen sie den Gedanken daran.

Sind solche VerdrÀngungsmechanismen bei Frauen und MÀnnern unterschiedlich ausgeprÀgt?

Frauen sind zumindest gewissenhafter, was Vorsorge angeht. Auch aus meiner klinischen Praxis kann ich sagen, dass der VerdrÀngungsaspekt bei MÀnnern hÀufiger zu beobachten ist. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, sodass eine pauschale Aussage schwierig ist. Ich kann nur an jeden appellieren, zum Arzt zu gehen, wenn er VerÀnderungen an seinem Körper wahrnimmt.

Sie sehen also auch den Patienten in der Verantwortung?

Ja, durchaus. Die meisten Ärzte geben sicherlich ihr Bestes. Aber sie können sich bei der Vielzahl ihrer Patienten nicht um alles proaktiv kĂŒmmern. In unserem Gesundheitssystem ist das zeitlich gar nicht möglich. Auch der beste Arzt ĂŒbersieht daher schon mal etwas.

Daher ist es wichtig, dass der Patient hartnĂ€ckig bleibt, wenn er spĂŒrt, dass etwas in seinem Körper nicht stimmt. Er sollte gegebenenfalls auch einen zweiten Arzt konsultieren, falls er sich nicht ernst genommen fĂŒhlt oder denkt, dass hinter seinen Symptomen mehr stecken könnte.

Gibt es neben den unspezifischen Symptomen, ĂŒber die wir gesprochen haben, auch spezifische FrĂŒhwarnsymptome?

Sichtbares Blut im Urin kann ein FrĂŒhsymptom fĂŒr Blasenkrebs sein. Ebenso können VerĂ€nderungen der Pigmentflecken Hinweise auf einen möglichen Hautkrebs (Melanom) geben. Hellhörig sollten Frauen in der Menopause werden, wenn plötzlich Blutungen auftreten. Sie können ein frĂŒher Hinweis auf ein Endometriumkarzinom sein.

WÀhrend der Pandemie haben viele Menschen die Krebsvorsorge vernachlÀssigt. Welche Folgen wird das haben?

Die Folgen könnten massiv sein. Studien deuten bereits darauf hin, dass verspĂ€tet wahrgenommene Vorsorgeuntersuchungen zu einem spĂ€teren Diagnosezeitpunkt und möglicherweise schlechteren medizinischen Outcomes und damit LangzeitĂŒberleben fĂŒhren könnten. Hinzu kommt, dass viele Menschen mit Symptomen aus Angst vor einer Infektion darauf verzichtet haben, einen Arzt aufzusuchen.

Wenn man im Zuge der Pandemie von Übersterblichkeit spricht, mĂŒssen all diese Aspekte berĂŒcksichtigt werden. Bei der Krebsdiagnostik ist es wichtig, dass sie zu einem möglichst frĂŒhen Zeitpunkt erfolgt. FĂŒr Patienten geht es um eine zeitnahe AbklĂ€rung, die innerhalb weniger Wochen erfolgen sollte. Die große Gefahr besteht darin, dass sich ein nachlĂ€ssiges Verhalten in Bezug auf Vorsorge bei den Patienten einbĂŒrgert.

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Bluttests zur KrebsfrĂŒherkennung stehen im Fokus der aktuellen Krebsforschung. Ist das die Diagnostik der Zukunft?

Aktuell gibt es nur einen einzigen Bluttest, der als Screeningtest anerkannt ist: den PSA-Test zur FrĂŒherkennung von Prostatakrebs. Daneben gibt es die Tumormarker, die aber eher zur Verlaufskontrolle eines bereits diagnostizierten Krebses eingesetzt werden. Sie sind aber nur ein Parameter von vielen, da sie manchmal zu falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen fĂŒhren können. Die Allgemeinbevölkerung kann sich mit gutem Gewissen an die von der Krankenkasse ĂŒbernommenen Vorsorgemaßnahmen halten. Sie sind evidenzbasiert und gewĂ€hrleisten daher einen Nutzen.

Ansonsten gibt es eine Reihe von Studien zu FrĂŒherkennungstests mit unterschiedlichen methodischen AnsĂ€tzen, die jedoch fĂŒr die klinische Diagnostik noch nicht zugelassen sind. Es ist schwer zu sagen, welche Methodik sich etablieren wird. Aus meiner Sicht werden Gentests möglicherweise eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel bei erblich bedingten Krebsarten wie dem durch eine BRCA1-Mutation hervorgerufenen Mammakarzinom.

Ansonsten gibt es eine Reihe von Studien zu FrĂŒherkennungstests mit unterschiedlichen methodischen AnsĂ€tzen, die jedoch fĂŒr die klinische Diagnostik noch nicht zugelassen sind. Es ist schwer zu sagen, welche Methodik sich etablieren wird. Aus meiner Sicht werden Gentests möglicherweise eine wichtige Rolle spielen, zum Beispiel bei erblich bedingten Krebsarten wie dem durch eine BRCA1-Mutation hervorgerufenen Mammakarzinom.

Vielen Dank fĂŒr das GesprĂ€ch, Dr. von BĂŒren.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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