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"Das Erlebte ist allgegenw├Ąrtig, die Tr├Ąnen flie├čen leicht"

Von Christiane Braunsdorf

Aktualisiert am 19.03.2022Lesedauer: 3 Min.
Abschied am Bahnhof in Lwiw: Eine ukrainische Familie fl├╝chtet nach Europa.
Abschied am Bahnhof in Lwiw: Eine ukrainische Familie fl├╝chtet nach Europa. (Quelle: Mykola Tys/imago-images-bilder)
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Zehntausende Menschen fliehen aus dem Krieg in der Ukraine. In welcher Verfassung kommen sie hier an? Und wie kann ihnen geholfen werden? Ein Psychologe, der sie betreut, gibt Einblicke.

Sie fliehen vor Bomben und Sch├╝ssen aus der Ukraine in die Nachbarl├Ąnder und bis nach Deutschland. F├╝r die Kriegsfl├╝chtlinge, die dringend psychologische Betreuung brauchen, gibt es in Berlin die sogenannte Psychosoziale Erstdiagnostik- und Verweisberatungsstelle. Ihr Leiter ist der Psychologe Peter Br├Ąunig. t-online fragte ihn nach seinen Erfahrungen mit den traumatisierten Menschen.

t-online: Herr Br├Ąunig, welchen Leuten begegnen Sie in Ihrer Anlaufstelle?

Peter Br├Ąunig: Menschen, die vor Gefahr, Bedrohung, Gewalt geflohen sind. Sie haben Trennungen und Verlusterfahrungen hinter sich. Mehrheitlich sind es Frauen und Kinder, die ihre Ehem├Ąnner, Br├╝der, aber auch S├Âhne zur├╝cklassen mussten. Viele mussten auch ihre Eltern verlassen, die nicht weggehen k├Ânnen oder wollen.

Die Menschen sind oft Hals ├╝ber Kopf aufgebrochen und wussten vielfach auf der Fahrt aus den Kriegsgebieten nicht, wohin sie kommen, wie weit sie fahren. Viele haben sich erst in der Westukraine entschieden, weiterzufahren nach Polen und dann auch nach Deutschland. Sie fahren im Grunde in eine ungewisse Zukunft.

In welcher Verfassung sind die Menschen?

Sie leiden an einer enormen psychischen Anspannung. Unruhe und innere Starre zugleich machen die Spezifik dieser Belastung und der daraus resultierenden Ersch├Âpfung, ├ťberm├╝dung und Entkr├Ąftung aus. Wenn wir von D├╝nnh├Ąutigkeit sprechen, meinen wir damit leichter ausl├Âsbare, labilere Emotionen, vor allem Angst. Es kostet sichtliche Anstrengung, all diese seelischen Reaktionen wie gewohnt unter Kontrolle zu halten. Das Erlebte ist allgegenw├Ąrtig, die Tr├Ąnen flie├čen leicht. Verloren gegangene Selbstverst├Ąndlichkeiten und die unsichere Zukunft setzen den Gefl├╝chteten dar├╝ber hinaus zu.

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Sie sind auch ungl├Ąubig?

Mein Eindruck ist, viele Menschen haben sich einen ├ťberfall durch Russland, durch das Brudervolk, nicht vorstellen k├Ânnen. Das f├╝hrt zu dem Gef├╝hl der Ohnmacht.

Peter Br├Ąunig
Peter Br├Ąunig (Quelle: Vivantes/Jan R├Âhl)


Dr. Peter Br├Ąunig leitet die Psychosoziale Erstdiagnostik- und Verweisberatungsstelle, die das Berliner Landesamt f├╝r Fl├╝chtlingsangelegenheiten in Kooperation mit dem Vivantes-Konzern eingerichtet. Er f├╝hrt zudem das Zentrum f├╝r transkulturelle Psychiatrie, das auf Fl├╝chtlinge spezialisiert ist.

Was ist wichtig im Kontakt zu diesen Menschen?

Zuh├Âren ist das Wichtigste. Wir vermitteln ihnen Sicherheit und geben ihnen das Gef├╝hl, jetzt besch├╝tzt zu sein. Die Betreuung durch Muttersprachler ist hier sehr hilfreich. So sehen die Gefl├╝chteten auch: Sie sind auch in dem fremden Land nicht allein.

Die Mehrzahl der Menschen geht davon aus, nach Hause zur├╝ckkehren zu k├Ânnen, sie hoffen, dass der Krieg bald endet und sie wollen eigentlich nichts anderes als zur├╝ck in die Heimat.

Die Erfahrungen von Sirenenalarm und Fliegerangriffen sind sicher traumatisch ...

Ja, die Menschen schlafen schlecht. Die Symptome der Angst kommen meistens nachts. Am Tag versuchen sie oft, sich zusammenzunehmen. Aber nachts kommen die Bilder der Angst zur├╝ck.

Nun haben viele Deutsche in einem gro├čen Zeichen der Hilfsbereitschaft Gefl├╝chtete bei sich aufgenommen. Wie geht man richtig mit diesen traumatisierten Menschen um?

Wir sollten den gefl├╝chteten Menschen Sicherheit und Schutz vermitteln, beruhigend wirken und ihnen helfen, ├ängste zu bannen. Ausruhen, Beruhigung und Erm├Âglichung der Kommunikation mit den Angeh├Ârigen zu Hause w├Ąren sehr hilfreich. Seelische Labilisierung, ein ├ťberreagieren oder scheinbar anlasslose Unruhe und ├ängste sind typische Begleiterscheinungen bei Menschen mit akuten Belastungsreaktionen nach Traumatisierung.

Wichtig ist, sich auf diese spontanen Impulse einzustellen. Nachts kommen die b├Âsen Geister der Angst h├Ąufiger, Reaktionen und ├äu├čerungen darauf k├Ânnen wirklichkeitsfremd wirken, ohne gleich Ausdruck eines "Nervenzusammenbruchs" zu sein. Traumatisierte Menschen profitieren von sensibler Zuwendung. Fragen Sie: Soll ich hier bei dir sitzen bleiben? Soll ich das Licht aus- oder anlassen? Die T├╝r schlie├čen oder nicht? Im Grunde, als w├╝rde man mit Kindern sprechen.

Wie lange h├Ąlt eine solche Traumatisierung durch Krieg und Flucht an?

Das h├Ąngt von verschiedenen Faktoren ab. Wie bedrohlich war die Situation, wie lange war man ihr ausgesetzt? Und dann sind Menschen verschieden empfindlich. Die einen sind von Natur aus ├Ąngstlicher, andere mutiger.

Klar ist aber: Etwa 50 Prozent der aus Kriegsgebieten Gefl├╝chteten haben das Risiko, eine posttraumatische Belastungsst├Ârung zu entwickeln. Die kann unterschiedlich ausgepr├Ągt sein. Wenn ein Mensch sehr heftigen Emotionen ausgesetzt ist, kann er sich ihnen unwillk├╝rlich verschlie├čen, sich seelisch taub f├╝hlen, das Erlebte abspalten.

Die h├Ąufigsten mit Traumatisierung verbundenen Symptome sind ├ängste, Depressivit├Ąt und Schlafst├Ârungen. Viele Menschen laborieren lange an diesen Erlebnissen. M├Âglichst fr├╝he therapeutische Unterst├╝tzung tr├Ągt entschieden zur Linderung und Verk├╝rzung der Leidenszeit bei.

Herr Br├Ąunig, wir danken Ihnen f├╝r das Gespr├Ąch!

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte ├ärzte. Die Inhalte von t-online k├Ânnen und d├╝rfen nicht verwendet werden, um eigenst├Ąndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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