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Ja, die Redaktion hat fĂŒr diesen Ratgeberartikel alle relevanten Fakten recherchiert. Eine Beeinflussung durch Dritte findet nicht statt.

Wie Sie Gicht erkennen – und was schnell hilft

Von Lydia Klöckner

Aktualisiert am 02.04.2022Lesedauer: 12 Min.
Ein Mann liegt barfuß auf dem Sofa.
Bei einem Gichtanfall ist es empfehlenswert, den betroffenen Körperteil zu schonen und hochzulagern. (Quelle: Kraig Scarbinsky/getty-images-bilder)
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Heftige Schmerzen im Zeh oder Finger: Ein Gichtanfall betrifft oft ein einzelnes Gelenk im Fuß oder in der Hand. Welche Symptome eine Gicht auslöst, wie die Behandlung ablĂ€uft und was Medikamente bringen, erfahren Sie hier.

Das Wichtigste im Überblick


Gicht gilt als sogenannte Wohlstandserkrankung – eine missverstĂ€ndliche Einordnung: Zwar begĂŒnstigen die fĂŒr reiche LĂ€nder typischen Lebensgewohnheiten diese Krankheit. Auch zĂ€hlen Fisch, Fleisch, MeeresfrĂŒchte und Alkohol zu den wichtigsten Auslösern akuter GichtanfĂ€lle.


Zehn Gesundheitstipps fĂŒr Ă€ltere Menschen

Tipp 1: Achten Sie auf Ihr Gewicht: Wiegen Sie sich regelmĂ€ĂŸig, um festzustellen, ob Ihr Gewicht im Normalbereich liegt. Zudem sollten Sie sich regelmĂ€ĂŸig bewegen, um sich fit zu halten.
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Allerdings entwickelt keineswegs jeder, der viel tierische Kost oder Alkohol zu sich nimmt, eine Gicht. Von hundert Menschen in der Bevölkerung konsumieren etwa 94 Personen Fleisch und 13 riskante Mengen an Alkohol. An Gicht sind SchÀtzungen zufolge jedoch nur eine bis zwei von hundert Personen in der Bevölkerung erkrankt.

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Die ErnĂ€hrung und der sonstige Lebensstil sind also nicht die eigentlichen Ursachen der Krankheit. Wer Gicht hat, muss sich folglich keine VorwĂŒrfe machen oder SchuldgefĂŒhle haben. Trotzdem kann es helfen, im Rahmen der Behandlung auch gewisse Gewohnheiten und vor allem den Speiseplan zu verĂ€ndern.

Definition der Krankheit: Gicht – was ist das?

Gicht ist eine Krankheit, bei der sich HarnsĂ€urekristalle in den Gelenken ablagern und schmerzhafte EntzĂŒndungen hervorrufen. Eine durch Gicht verursachte GelenkentzĂŒndung entwickelt sich recht plötzlich binnen weniger Stunden und wird deshalb auch als Gichtanfall bezeichnet.

Ursachen und Auslöser der Gicht

Ursache der Gicht ist fast immer eine gestörte HarnsĂ€ureausscheidung ĂŒber die Nieren. Diese Störung wiederum ist meist erblich bedingt.

HarnsĂ€ure entsteht zum einen, wenn der Körper eigene Zellen abbaut und zum anderen, wenn er Nahrung wie Fleisch, Fisch oder MeeresfrĂŒchte verdaut.

Beim Zerlegen der eigenen oder tierischen Zellen werden unter anderem Purine frei. Diese zĂ€hlen zu den Bausteinen der Erbsubstanz und stecken in jeder Zelle. Der Körper baut die Purine anschließend zu HarnsĂ€ure ab und scheidet sie aus, hauptsĂ€chlich ĂŒber die Nieren.

ErfĂŒllen die Nieren diese Aufgabe jedoch nicht richtig, sammelt sich die ĂŒberschĂŒssige HarnsĂ€ure im Blut. Ab einer bestimmten Konzentration löst sie sich nicht mehr, sondern kristallisiert aus, wird also fest.

So entstehen HarnsĂ€urekristalle, welche sich in Gelenken ablagern und dort EntzĂŒndungen auslösen können.

Bestimmte EinflĂŒsse begĂŒnstigen einen dauerhaften Überschuss an HarnsĂ€ure im Blut, vor allem

  • der regelmĂ€ĂŸige Verzehr von purinreichen Lebensmitteln wie Fleisch und Fisch,
  • Alkoholkonsum sowie
  • Übergewicht.

Allerdings muss ein erhöhter HarnsÀurespiegel im Blut nicht zwangslÀufig eine Gicht verursachen. Hat jemand zu viel HarnsÀure im Blut, sprechen Fachleute zunÀchst nur von einer "HyperurikÀmie", die noch nicht als Krankheit gilt. Sie lÀsst sich bei etwa 15 bis 25 von 100 Menschen in Deutschland nachweisen. Laut SchÀtzungen entwickelt aber nur etwa jeder Dritte von ihnen im Laufe des Lebens Gicht.

Seltenere Ursachen von Gicht

Manchmal entwickelt sich Gicht als Folge einer anderen Krankheit. Dazu zÀhlen etwa

  • Krebs und andere Erkrankungen, bei denen im Körper vermehrt Zellen absterben, aber auch
  • Krankheiten, die Nieren in ihrer Funktion beeintrĂ€chtigen können, beispielsweise Diabetes Typ 2 oder verschiedene Nierenerkrankungen.

Außerdem gibt es Erkrankungen, deren Behandlung zu einer verminderten Ausscheidung von HarnsĂ€ure fĂŒhren kann. Das gilt zum einen fĂŒr Therapien mit folgenden Medikamenten:

  • entwĂ€ssernde Medikamente (Diuretika)
  • AcetylsalicylsĂ€ure (ASS)
  • Levodopa (ein Parkinson-Medikament)

Zum anderen gibt es Therapien, bei denen gezielt Zellen abgetötet werden – etwa durch die Beseitigung von Tumorgewebe bei Krebserkrankungen.

Mögliche Auslöser von GichtanfÀllen

Mahlzeiten mit purinreichen Speisen wie Fleisch, Fisch und MeeresfrĂŒchte können GichtanfĂ€lle auslösen. Da der Körper Purine zu HarnsĂ€ure abbaut, fĂŒhren diese Speisen direkt zum Anstieg des HarnsĂ€urespiegels im Körper.

Auch Alkohol begĂŒnstigt GichtanfĂ€lle, und zwar gleich auf mehrerlei Weise: Er bewirkt erstens, dass mehr HarnsĂ€ure gebildet wird und zweitens, dass die Nieren weniger davon ausscheiden.

Drittens entwĂ€ssert Alkohol, was zur Folge haben kann, dass die Gelenke schlechter mit FlĂŒssigkeit versorgt sind. Je trockener die Gelenke, umso grĂ¶ĂŸer ist das Risiko, dass sich HarnsĂ€urekristalle in ihnen ablagern. Obendrein stecken in Bier Purine, leider auch in alkoholfreiem.

Möglicherweise erhöhen auch Limonaden und SĂ€fte das Risiko fĂŒr GichtanfĂ€lle. Es hat sich gezeigt, dass der in ihnen enthaltene Fruchtzucker den Gehalt an HarnsĂ€ure im Blut steigert. FĂŒr Obst, welches deutlich geringere Zuckermengen liefert, gilt das nicht.

Weitere hÀufige Auslöser von GichtanfÀllen sind

  • Operationen oder große Verletzungen,
  • starke körperliche Anstrengung,
  • grĂ¶ĂŸere Gewichtsverluste, etwa durch Fasten oder extreme DiĂ€ten, sowie
  • starke KĂ€lte.

Verletzungen, chirurgische Eingriffe und auch Fastenkuren oder radikale DiĂ€ten können dazu fĂŒhren, dass innerhalb kurzer Zeit viel Gewebe "entsorgt" werden muss. Die Purine aus den abgebauten Zellen lassen die Konzentration an HarnsĂ€ure im Blut plötzlich stark ansteigen.

Fasten und extreme Sporteinheiten haben fĂŒr Menschen mit Gicht noch eine weitere ungĂŒnstige Wirkung: Mangelt es dem Körper ĂŒber lĂ€ngere Zeit an Zucker, beginnt er Energie aus Fett zu gewinnen. Dabei bilden sich sogenannte Ketonkörper, die den Organen vorĂŒbergehend als Ersatztreibstoff dienen können. Sie verringern jedoch auch die Ausscheidung von HarnsĂ€ure ĂŒber die Nieren.

KĂ€lte kann GichtanfĂ€lle auslösen, weil HarnsĂ€ure bei niedrigeren Temperaturen leichter auskristallisiert. Somit lagern sich in einem Gelenk, welches ĂŒber lĂ€ngere Zeit starker KĂ€lte ausgesetzt war, unter UmstĂ€nden vermehrt HarnsĂ€urekristalle ab.

Gicht-Symptome: An diesen Anzeichen ist ein Gichtanfall zu erkennen

Das klassische Anzeichen fĂŒr einen Gichtanfall sind starke Schmerzen im Gelenk, meist zunĂ€chst im Grundgelenk des großen Zehs. HĂ€ufig gehen die Beschwerden mit Fieber einher.

Betroffene beschreiben die Schmerzen oft als pochend, stechend und/oder brennend. Das Gelenk schwillt an, fĂŒhlt sich sehr warm an, ist gerötet und Ă€ußerst empfindlich: Mitunter ertragen die Betroffenen nicht einmal das Gewicht ihrer Bettdecke auf dem schmerzenden Körperteil.

Meist setzen die Symptome plötzlich in der Nacht oder den frĂŒhen Morgenstunden ein und werden innerhalb von etwa sechs bis zwölf Stunden immer schlimmer. Dann klingt die EntzĂŒndung langsam wieder ab, normalerweise binnen einiger Tage oder – ohne Behandlung – von bis zu zwei Wochen.

Die meisten Erkrankten erleiden ein halbes Jahr bis zwei Jahre nach ihrem ersten Gichtanfall einen weiteren. Dieser kann sich auf mehrere Gelenke erstrecken, etwa die anderen Fußgelenke, die Knie, die Ellenbogen sowie die Gelenke der Hand. In Schultern und HĂŒften hingegen kommt es nur selten zu GichtanfĂ€llen.

Gichtknoten und andere Symptome chronischer Gicht

Bei einer Gicht kann sich die HarnsĂ€ure auch in den Nieren ablagern, zu sogenannten Nierensteinen. Diese können Schmerzen hervorrufen und erhöhen das Risiko fĂŒr Harnwegsinfekte.

Zudem kann eine Gicht die Gelenke nachhaltig schĂ€digen, wenn die Betroffenen nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen. Bleiben die Gelenke dauerhaft leicht entzĂŒndet, können sie sich verformen, was ihre Beweglichkeit immer weiter einschrĂ€nkt.

Außerdem können sich HarnsĂ€urekristalle direkt unter der Haut zu sogenannten Gichtknoten anhĂ€ufen, die manchmal auch als Gichttophi bezeichnet werden. Die Knötchen sind wenige Millimeter dick und entwickeln sich hauptsĂ€chlich in der NĂ€he von Gelenken.

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Gicht richtig behandeln

Wer typische Anzeichen fĂŒr Gicht bei sich bemerkt, sollte diese Ă€rztlich abklĂ€ren lassen. Denn es könnte auch eine andere Gelenkerkrankung dahinterstecken, zum Beispiel eine durch Bakterien ausgelöste EntzĂŒndung des Gelenks. Diese erfordert eine schnelle und gezielte Behandlung – und zwar mit anderen Mitteln als die Gicht: In der Regel kommen Antibiotika zum Einsatz.

Handelt es sich hingegen tatsÀchlich um eine Gicht, setzt sich die Behandlung zusammen aus

  • kurzfristigen Maßnahmen, die die Symptome beim Gichtanfall lindern, und
  • lĂ€ngerfristigen Maßnahmen, die dem Überschuss an HarnsĂ€ure im Blut entgegenwirken.

Medikamente sind nur in der akuten Behandlung eines Gichtanfalls notwendig, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. In der langfristigen Therapie können zwar auch Medikamente zum Einsatz kommen. In vielen FĂ€llen lĂ€sst sich der HarnsĂ€urespiegel jedoch auch durch andere Maßnahmen ausreichend senken.

Von Bedeutung ist dabei vor allem die ErnĂ€hrung. Da Übergewicht Gicht begĂŒnstigt, sollten Betroffene ein gesundes Körpergewicht anstreben. Dabei helfen regelmĂ€ĂŸige Bewegung und eine ausgewogene Kost mit reichlich pflanzlichen Lebensmitteln und Ballaststoffen.

Wichtig: TurbodiĂ€ten und radikale Fastenkuren hingegen sind fĂŒr Menschen mit Gicht nicht empfehlenswert, weil ein zu rascher Gewichtsverlust zu GichtanfĂ€llen fĂŒhren kann.

Entscheidend ist jedoch vor allem, dass die Kost wenig Purine enthÀlt. Pro Tag sollten daher nicht mehr als etwa 150 Gramm Fleisch, Wurst oder Fisch auf dem tÀglichen Speiseplan stehen. Innereien und Sardinen sollten aufgrund ihres hohen Puringehalts am besten so gut wie nie auf den Teller kommen.

Auch die Auswahl und Menge der GetrÀnke spielen bei Gicht eine wichtige Rolle. Zum einen sollten Erkrankte ausreichend trinken, um die Ausscheidung von HarnsÀure zu fördern.

Optimal sind anderthalb Liter Wasser oder ungesĂŒĂŸte Tees pro Tag. Zum anderen ist der Verzicht auf – oder wenigstens der maßvolle Umgang mit – Alkohol (insbesondere Bier) empfehlenswert. FruchtsĂ€fte und Limonaden sind ebenfalls zu meiden, weil sie den HarnsĂ€urespiegel steigern können.

Behandlung bei Gichtanfall: Was hilft schnell bei Gicht?

Bei einem akuten Gichtanfall sind die Gelenke entzĂŒndet. Eine einfache und schnelle Maßnahme, um die Schwellung und die Schmerzen etwas abzumildern, ist dann KĂŒhlen, zum Beispiel mit einer kalten Kompresse.

DarĂŒber hinaus verordnen Ärztinnen und Ärzte bei Gicht in der Regel

  • entzĂŒndungshemmende Schmerztabletten mit Wirkstoffen wie Naproxen, Ibuprofen oder Diclofenac oder auch
  • ein KortisonprĂ€parat mit dem Wirkstoff Prednisolon, entweder als Tablette oder als Spritze.

Sowohl die Schmerzmittel als auch Kortison helfen in der Regel gut gegen die Beschwerden und können die Dauer des Gichtanfalles auf ein bis zwei Tage verkĂŒrzen. Bei starken Schmerzen reicht ein Mittel allein aber unter UmstĂ€nden nicht aus, um die Beschwerden in den Griff zu bekommen. In diesem Fall kann die Ärztin oder der Arzt sowohl Schmerzmittel als auch Kortison verordnen.

Die Kombination zeigt eine stĂ€rkere Wirkung, kann aber zur EntzĂŒndung der Magenschleimhaut fĂŒhren. Um das zu vermeiden, verordnet die Ärztin oder der Arzt meist noch ein weiteres Medikament, welches MagenschleimhautentzĂŒndungen vorbeugt. Es enthĂ€lt sogenannte Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol.

FĂŒr Erkrankte, die Schmerzmittel und Kortison nicht vertragen oder denen diese Medikamente nicht ausreichend helfen, kommt zur Behandlung das Mittel Colchicin infrage. Dieses kann Gichtbeschwerden ebenfalls wirksam lindern, allerdings ruft es hĂ€ufig belastende Nebenwirkungen wie starken Durchfall hervor.

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Tabletten gegen Gicht: Welche Medikamente zur langfristigen Behandlung?

Oft lĂ€sst sich die Erkrankung ĂŒber eine angepasste ErnĂ€hrung in den Griff bekommen, aber nicht immer. Wenn die oder der Betroffene weiterhin zwei oder mehr GichtanfĂ€lle im Jahr erleidet oder die Erkrankung bereits belastende Folgen wie Nierensteine oder Gichtknoten verursacht hat, kann eine langfristige Therapie mit Medikamenten nötig sein.

Es gibt verschiedene Arten von Gichtmedikamenten. In den meisten FÀllen kommen Tabletten mit sogenannten Urostatika wie Allopurinol zum Einsatz. Das sind Wirkstoffe, die die Bildung von HarnsÀure im Körper hemmen. Der Körper baut dann zwar weiterhin Purine ab, aber nicht mehr zu HarnsÀure, sondern zu ihren Vorstufen. Diese kann er leichter ausscheiden als HarnsÀure.

Wenn Allopurinol-Tabletten nicht gut genug helfen, können Ärztinnen und Ärzte stattdessen das Arzneimittel Febuxostat verschreiben. Dieses wirkt auf Ă€hnliche Weise wie Allopurinol und kann den HarnsĂ€urespiegel ebenfalls senken. FĂŒr Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kommt Febuxostat allerdings nicht infrage, weil Studien ergeben haben, dass es ihr Sterberisiko erhöht.

Eine weitere Art von Gichtmedikamenten sind Mittel, die die Ausscheidung von HarnsÀure fördern. Sie werden aber nur verschrieben, wenn Urostatika die Konzentration der HarnsÀure im Blut nicht ausreichend senken. Das kommt jedoch selten vor.

Dauer der Therapie

Normalerweise nehmen die Betroffenen die Medikamente fĂŒr mehrere Jahre ein. Wenn sie keine Gichtknoten haben, dauert die Behandlung mindestens fĂŒnf Jahre. Haben sich bereits Gichtknoten gebildet, sollten diese sich durch die Behandlung zurĂŒckbilden. Nach dem RĂŒckgang der Knoten wird die Behandlung meist fĂŒr fĂŒnf Jahre fortgesetzt.

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Es klingt paradox, aber: In den ersten Monaten kann die Therapie GichtanfĂ€lle auslösen. Denn die HarnsĂ€urekristalle in den Gelenken zerfallen im Zuge ihrer Auflösung zunĂ€chst in kleinere Teilchen. Diese können im Gelenk EntzĂŒndungen aufflammen lassen und so einen Gichtanfall hervorrufen.

Um das Risiko dafĂŒr zu senken, verordnen Ärztinnen und Ärzte fĂŒr das erste Halbjahr der Behandlung meist Colchicin in niedriger Dosierung.

Eine weitere mögliche Nebenwirkung sind allergische HautausschlÀge. Sie kommen bei etwa einem von hundert Menschen vor, die Allopurinol einnehmen. Seltener beklagen Behandelte Magen-Darm-Beschwerden.

Febuxostat erhöht bei Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko, zu sterben. FĂŒr sie ist das Medikament daher ungeeignet.

Gicht: Was bringen rezeptfreie Medikamente?

Einige der Wirkstoffe, die bei einem akuten Gichtanfall helfen können, gibt es als rezeptfreie Schmerzmittel in der Apotheke zu kaufen, beispielsweise Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Allerdings ist die rezeptfreie Variante dieser Arzneien niedriger dosiert als die verschreibungspflichtige, sodass mehr davon eingenommen werden mĂŒsste, um eine wirksame Dosis zu erreichen.

Beispielsweise gibt es Ibuprofen in einer Dosierung von 400 Milligramm pro Tablette rezeptfrei in der Apotheke zu kaufen, die laut Beipackzettel empfohlene Tagesdosis liegt bei maximal drei Tabletten, also 1.200 Milligramm. Um einen Gichtanfall wirksam zu lindern, ist jedoch in der Regel eine Dosis von 2.400 Milligramm dieses Wirkstoffes notwendig.

Einfach eine grĂ¶ĂŸere Zahl der rezeptfreien Tabletten zu nehmen, ist nur in Absprache mit der Ärztin oder dem Arzt empfehlenswert – und nur, wenn die Gicht bereits festgestellt wurde und klar ist, dass die Mittel dem Betroffenen helfen.

Treten die Beschwerden zum ersten Mal auf, sollte die oder der Betroffene sie unbedingt erst einmal Ă€rztlich abklĂ€ren lassen. Denn wenn eine andere Erkrankung als eine Gicht dahintersteckt, kann eine schnelle Behandlung nötig sein, die nicht nur Schmerzmittel einschließt.

Wichtig: Menschen mit Gicht sollten keine Schmerzmittel mit AcetylsalicylsÀure (ASS) einnehmen, weil dieser Wirkstoff den HarnsÀurespiegel im Blut erhöht und das Problem somit nicht löst, sondern verschlimmert.

Apfelessig als Hausmittel gegen Gicht?

Im Internet wird Apfelessig als Hausmittel gegen Gicht empfohlen. Angeblich spĂŒlt er HarnsĂ€ure aus dem Körper und wirkt den EntzĂŒndungen in den Gelenken entgegen. Ob das stimmt, ist jedoch fraglich: Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Untersuchungen, in denen das getestet wurde. Es ist nicht einmal erforscht, ob und inwieweit Apfelessig grundsĂ€tzlich EntzĂŒndungen lindern kann.

Zur Behandlung von Gicht ist Apfelessig somit ungeeignet. Wer die Erkrankung auf möglichst natĂŒrliche Weise in den Griff bekommen möchte, sollte lieber andere Maßnahmen ergreifen – am wirksamsten ist es, die ErnĂ€hrung und den Lebensstil insgesamt gesĂŒnder zu gestalten. Mehr dazu erfahren Sie im Kapitel "Gicht richtig behandeln".

Was ist bei Gicht besser: Bewegung oder Ruhe?

WĂ€hrend eines Gichtanfalls ist Ruhe besser. Wenn möglich, sollten Betroffene das entzĂŒndete Gelenk nicht viel bewegen oder belasten, sondern hochlagern und kĂŒhlen, bis die EntzĂŒndung abgeklungen ist. Sobald die Beschwerden nachlassen, spricht jedoch nichts gegen Bewegung, im Gegenteil: RegelmĂ€ĂŸige Bewegung kann dabei helfen, ein gesundes Gewicht zu erreichen und zu halten und somit das Risiko fĂŒr erneute GichtanfĂ€lle senken.

Gicht im Finger oder in den HĂ€nden

Bei etwa fĂŒnf von hundert Menschen, die an Gicht erkranken, sind die Gelenke der HĂ€nde und Finger betroffen. Fachleute bezeichnen dieses Symptombild als Chiragra. Meist entzĂŒndet sich dabei das Grundgelenk des Daumens, es können aber auch die Gelenke der anderen Finger sowie der Handwurzel und/oder der Mittelhand betroffen sein.

Typische Gicht-Symptome in der Hand und im Finger

Ein Gichtanfall in der Hand oder im Finger Ă€ußert sich durch heftige Schmerzen, die meist plötzlich auftreten. Manche Erkrankte werden davon nachts wach. Bei anderen entwickeln sich die Beschwerden tagsĂŒber und fĂŒhren dann binnen kĂŒrzester Zeit dazu, dass alltĂ€gliche Handgriffe unmöglich werden. Außerdem ruft die EntzĂŒndung eine Schwellung, Rötung und ÜberwĂ€rmung im betroffenen Gelenk des Fingers oder der Hand hervor.

Gichtknoten im Finger

Bei Gicht kann sich HarnsĂ€ure innerhalb und außerhalb des betroffenen Fingergelenks zu einem oder mehreren sogenannten Gichtknoten oder Gichttophi ansammeln. Diese treten als wenige Millimeter große VerhĂ€rtungen unter der Haut in Erscheinung.

Gichtknoten verursachen fĂŒr gewöhnlich keine Schmerzen. Mit der Zeit können sie jedoch an GrĂ¶ĂŸe zunehmen und dann den Finger in seiner Beweglichkeit beeintrĂ€chtigen. Das lĂ€sst sich durch eine rechtzeitige Behandlung vermeiden: Gelingt es, den erhöhten HarnsĂ€urespiegel zu senken, lösen sich die Kristallablagerungen in den Knoten, sodass diese zurĂŒckgehen.

Gicht im Zeh oder im Fuß: Symptome und Behandlung

Bei etwa 60 von 100 Erkrankten entwickelt sich die Gicht im Fuß, genauer gesagt im Grundgelenk des großen Zehs. Das klassische Symptom ist eine EntzĂŒndung, welche sich vor allem durch anfallsartig auftretende Schmerzen bemerkbar macht.

Auch schwillt das Gelenk an, fĂŒhlt sich warm an und ist hĂ€ufig gerötet. Der Fachbegriff fĂŒr diese durch Gicht bedingten Symptome im Gelenk des großen Zehs lautet Podagra.

Seltener, nĂ€mlich bei etwa 15 von 100 Menschen mit Gicht, entzĂŒnden sich andere Fußgelenke wie das Sprunggelenk oder die Fußwurzelgelenke.

Gicht im Zeh oder in einem anderen Gelenk des Fußes schrĂ€nkt die Betroffenen im Alltag stark ein. Viele werden nachts von den Schmerzen aus dem Schlaf gerissen und empfinden dann leichteste BerĂŒhrungen als unertrĂ€glich: Das Gewicht der Bettdecke verursacht Schmerzen, Schuhe anziehen ebenfalls, zudem können sie mit dem betroffenen Fuß nicht auftreten.

TatsĂ€chlich ist Schonen das sinnvollste, was Erkrankte wĂ€hrend eines Gichtanfalls im Fuß tun können – abgesehen von der Einnahme der Ă€rztlich verordneten Medikamente. Wenn möglich, sollten sie den Fuß hochlagern, ruhig halten und nicht belasten.

Auch KĂŒhlen, zum Beispiel mit einem Eisbeutel oder einem kalten Wickel, kann die EntzĂŒndung und somit die Beschwerden etwas lindern.

Welche Medikamente zur Behandlung nötig sind, erfahren Sie im Kapitel "Behandlung bei Gichtanfall".

Wie lange dauert ein Gichtanfall im Fuß?

Bei einem Gichtanfall im Fuß werden die Schmerzen und die Schwellung zunĂ€chst innerhalb von etwa sechs bis zwölf Stunden stĂ€rker. Danach klingt die EntzĂŒndung langsam wieder ab. Wie lange der Anfall insgesamt dauert, hĂ€ngt davon ab, ob er behandelt wird oder nicht: Ohne Therapie kann ein Gichtanfall insgesamt mehr als eine Woche andauern. Mit Schmerzmitteln lĂ€sst sich die Dauer auf ein bis zwei Tage verkĂŒrzen.

Kann Gicht auch beide FĂŒĂŸe betreffen?

Der erste Gichtanfall entwickelt sich normalerweise in einem einzelnen Gelenk. Bei weiteren AnfĂ€llen können sich mehrere Gelenke entzĂŒnden. Somit kann Gicht auch beide FĂŒĂŸe betreffen. Allerdings kommt das selten vor und lĂ€sst sich meist durch eine rechtzeitige Behandlung verhindern.

Gicht im Zeh: KĂŒhlen oder wĂ€rmen?

Solange die Gicht im Zeh akute Beschwerden verursacht, ist KĂŒhlen sinnvoller: Die KĂ€lte betĂ€ubt die örtlichen Nerven und lindert somit die Schmerzen. Zugleich wirkt KĂŒhlen einer Wasseransammlung im Gelenk entgegen und trĂ€gt dadurch dazu bei, dass die Schwellung zurĂŒckgeht.

Langfristig ist es besser, den von Gicht betroffenen Zeh – und auch andere Gelenke – vor starker KĂ€lte zu schĂŒtzen, weil HarnsĂ€ure bei KĂ€lte leichter auskristallisiert, was GichtanfĂ€lle begĂŒnstigt.

Gicht im Knie

Bei etwa 10 von 100 Menschen mit Gicht entwickeln sich die Beschwerden im Knie. Fachleute sprechen dann von Gonagra. Die Symptome und der Verlauf unterscheiden sich nicht von dem einer Gicht im Fuß, im Finger oder anderen Gelenken.

Eine Besonderheit der Gicht im Knie ist jedoch, dass sie leicht zu verwechseln ist: Hinter gichtartigen Schmerzen im Knie kann nÀmlich auch eine andere Erkrankung stecken, die sogenannte Chondrokalzinose.

Diese Gelenkerkrankung Ă€ußert sich ebenfalls durch schmerzhafte EntzĂŒndungen, die anfallsartig auftreten – meist in einem einzelnen Gelenk, im Verlauf mitunter auch in mehreren Gelenken. Aufgrund dieser Ähnlichkeit zur Gicht wird sie auch als Pseudogicht bezeichnet.

Älterer Mann hĂ€lt sich das Knie.
Schmerzen im Knie können viele Ursachen haben, Gicht ist nur eine mögliche ErklÀrung. (Quelle: PIKSEL/getty-images-bilder)

Wie die Gicht entsteht die Pseudogicht durch kristalline Ablagerungen in den Gelenken. Allerdings bestehen diese nicht aus HarnsÀure, sondern aus Kalziumpyrophosphat.

Ein weiterer Unterschied zur Gicht ist, dass die EntzĂŒndungsschĂŒbe fĂŒr gewöhnlich milder verlaufen. Zudem ereignen sie sich meist in grĂ¶ĂŸeren Gelenken wie dem Knie oder auch dem Handgelenk.

Eine Pseudogicht kann verschiedene Ursachen haben, die sich nicht immer finden lassen. Mitunter tritt sie als Folge anderer Erkrankungen auf, zum Beispiel einer Überfunktion der NebenschilddrĂŒsen, einer Eisenspeicherkrankheit oder einer SchilddrĂŒsenunterfunktion. Die langfristige Behandlung richtet sich nach der Ursache.

Kurzfristig werden die SchĂŒbe Ă€hnlich behandelt wie die der Gicht: Die Betroffenen bekommen Schmerzmittel verordnet. Zudem kann die Ärztin oder der Arzt Kortison in das betroffene Gelenk spritzen, um die EntzĂŒndung zu lindern.

Wichtiger Hinweis: Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte von t-online können und dĂŒrfen nicht verwendet werden, um eigenstĂ€ndig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.
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